Workers Power, Die Lehren der spanischen Revolution. Analysen und Dokumente, Broschüre der Gruppe Arbeiter:innenmacht, Juli / August 2026
Spanien war in den frühen 1930ern eine überwiegend agrarische Nation. Die Landwirtschaft erzeugte die Hälfte des Nationaleinkommens und zwei Drittel des Exports. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung lebten auf dem Land. Der Ertrag pro Hektar war der niedrigste in Europa; die Produktionstechnik war extrem primitiv. Der kurze Agrarboom der Kriegsjahre 1914-18 hatte die Profite der Grundbesitzer anschwellen lassen, ohne dass diese jedoch in entsprechendem Ausmaß wieder investiert worden wären.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf Spanien besonders. Der harte Wettbewerb mit den ertragreicheren Gebieten Südamerikas und Australiens übte einen ungeheuren Druck auf die Großgrundbesitzer aus, in dieser arbeitsintensiven Industrie die Löhne zu senken. Dazu kamen noch die englisch-französischen Vergeltungsmaßnahmen gegen die spanische Landwirtschaft aufgrund der hohen Zölle, die erhoben worden waren, um die spanische Industrie vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
Ein Drittel des Bodens gehörte dem Großgrundbesitz, dessen Güter bisweilen eine ganze Provinz umfassten. Ein anderes Drittel war in den Händen „mittlerer“ Grundeigentümer. Daneben gab es fünf Millionen Bauernfamilien. Davon besaßen zwei Millionen nur kleine Parzellen wenig fruchtbaren Landes. Der Rest bestand entweder aus Tagelöhner:innen oder Halbproletarier:innen, die für wenige Monate im Jahr für einen Hungerlohn bei den Großgrundbesitzer:innen arbeiteten.
Auf dem Tiefpunkt der weltweiten Rezession brach im Januar 1930 die Militärdiktatur Primo de Riveras zusammen. Die monarchische Herrschaft von König Alfonso VIII. blieb geschwächt zurück.
In der nächsten Periode spülte eine wachsende Flut der Opposition die letzte Unterstützung für den König hinweg. Im April und Juni 1931 brachten zuerst Gemeinderats- und dann landesweite Wahlen eine republikanisch-sozialistische Koalition an die Macht, die eine bürgerlich-demokratische Verfassung für die Zweite Republik aufstellte und verabschiedete.
Die Bourgeoisie spielte keine entscheidende Rolle beim Sturz von Rivera und Alfonso VIII. Während der Demonstrationen der Student:innen und Arbeiter:innen im Mai 1930 und während der Generalstreiks und der Bewaffnung der Arbeiter:innen im Frühjahr 1931 stellten sich die Kapitalist:innen dem Niedergang der Monarchie entgegen. Nur die massive Feindseligkeit des Volkes gegenüber der Monarchie zwang die Bourgeoisie, sich selbst republikanisch zu nennen. Bezeichnenderweise kehrte der älteste und größte Teil der Republikaner:innen – die von Lerroux geführte Radikale Partei – der Regierung der Zweiten Republik gleich nach deren Geburt den Rücken zu. Die Macht blieb in den Händen der kleineren republikanischen Parteien und der sozialdemokratischen PSGE.
Die schwache Zweite Republik unternahm wenig, um die dringendste Aufgabe zu lösen: die Übergabe der großen Güter an die Bäuer:innennschaft und staatliche Hilfe, um die landwirtschaftliche Produktivität zu heben. Es gab zwar ein steiles Wachstum der Gewerkschaften der Landarbeiter:innen und bedeutende Lohnerhöhungen, aber das Versagen seitens der Bourgeoisie, zu einer radikalen Lösung der Landfrage voranzuschreiten, führte zu Verzweiflung und Apathie v.a. der ländlichen Massen und als Folge davon zur Wahl einer reaktionären katholischen Regierung im November 1933.
Die spanische Industrie war nur schwach entwickelt. Das Land stellte nur 1,1 Prozent des Welthandels. Es gab nur einige wenige Industriezentren, was den dürftigen 8.000 Kilometer Eisenbahn in Spanien zu dieser Zeit entsprach. Doch die spanische Industrie, und damit die Arbeiter:innenklasse, waren – wie einst in Russland – hochkonzentriert. Von den zwei Millionen Industriearbeiter:innen lebten die meisten in einer Provinz: in Katalonien, im Nordosten des Landes. In Barcelona, dem größten Hafen und dem größten Industriezentrum, lebten 45 Prozent der spanischen Arbeiter:innenklasse. Dieser hohe Konzentrationsgrad, verbunden mit einer immensen gewerkschaftlichen Organisierung und einer kämpferischen und linken, oft anarchistischen politischen Tradition, rückte das Proletariat ins Zentrum der politischen Bedeutung.
Anfang 1934 ergriff der rechte Republikaner Lerroux die Macht. Er begann sofort, Reformen, wie die Einführung eines Minimallohns auf dem Land, aufzuheben. Die Löhne auf dem Land fielen daraufhin um 50 Prozent. In vielen Gebieten arbeiteten die Bäuer:innen nur für ihr Essen. Ende 1935 war die bäuerliche Unzufriedenheit gewaltig.
In dieser Zeit operierte die kleine spanische KP (PCE) unter dem Einfluss der Politik der „Dritten Periode“ der inzwischen stalinisierten Kommunistischen Internationale (Komintern). Vom neunten Treffen des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI) im Februar 1928 erklärte deren Führung, dass die Komintern nun in eine neue Phase der revolutionären Offensive eingetreten sei. Der Kapitalismus wurde als in einer tiefen Krise befindlich erklärt. Eine neue Reihe imperialistischer Kriege wurde vorausgesagt sowie „gigantische Klassenschlachten“. Jeder Streik würde so einen „politischen, d.h., Klassencharakter“ annehmen und es wurde festgestellt, dass „die kämpferischeren Elemente der Arbeiterklasse die Sozialdemokraten verlassen und ins kommunistische Lager überwechselten“ würden.
Das Haupthindernis für die kommunistische Revolution war die Sozialdemokratie, „die gesellschaftliche Hauptstütze der Bourgeoisie“. Diese Parteien wurden jetzt als ebenso, wenn nicht noch gefährlicher als die Faschisten bezeichnet. Sie repräsentierten den „Sozialfaschismus“. Nach Stalins Worten und in völliger Verkennung des Klassencharakters beider Lager waren „Sozialdemokratie und Faschismus nicht Antipoden, sondern Zwillinge“.
Von 1928 bis 1935 dominierte diese „Dritte Periode“ in der Komintern. Die Taktik, die sich daraus ableitete, schloss jegliche Einheitsfront, außer unter Führung der Kommunist:innen, und auch dann nur „von unten“, aus.
GewerkschafterInnen wurden ermutigt, sich als „Rote Gewerkschaften“ von der Mehrheit der „gelben“, reformistischen Gewerkschaften der Zweiten Internationale organisatorisch zu separieren. Auch jede Zusammenarbeit mit den „Sozialfaschisten“ auf Wahlebene wurde eingestellt. Diese sektiererische Linie verhinderte die Gewinnung der Massen für die KPen und überließ die Arbeiterorganisationen der politischen Dominanz der Reformisten.
Diese Linie sollte für die eben erst flügge gewordene PCE, die weniger als 1.000 Mitglieder hatte, verheerende Folgen haben. 1930 wies ihre Nationale Konferenz die Idee zurück, dass ein bürgerlich-demokratisches Regime in Spanien überhaupt möglich wäre! Die Ereignisse, die eineinhalb Jahre später folgten, bewiesen zwar die Unhaltbarkeit der Behauptungen der PCE, änderten aber deren Politik nicht. Sogar die Komintern fand die PCE über alle Maßen sektiererisch in ihrer besonders passiven Anwendung der Linie der „Dritten Periode“.
Ein Artikel in der „Kommunistischen Internationale“ im Frühjahr 1931 nannte die PCE „sehr sektiererisch“. Der Artikel behauptete, dass im Frühjahr 1931 die PCE „in vielen Städten falschen Taktiken folgte. Als die Massen auf die Straßen strömten, um die Proklamation der Republik zu feiern, schrien die Kommunisten zusammen mit den Monarchisten ‚Nieder mit der Republik!’ und isolierten sich so selbst von den Massen.“
Vor allem weigerten sich die Stalinist:innen anzuerkennen, dass nach 17 Jahren Diktatur die Massen viele Illusionen in die Demokratie hatten, auf die man sich hätte positiv beziehen müssen.
Die PCE forderte die Entwaffnung der Guardia Civil, die Auflösung der Geheimpolizei und die Verhaftung der monarchistischen Minister – für sich genommen, durchaus korrekte Forderungen. Doch die PCE weigerte sich, selbst Losungen der politischen Demokratie aufzustellen, wodurch die Illusionen der Massen getestet und gebrochen werden konnten.
Im Gegensatz zu ihrer späteren sklavischen Haltung gegenüber der bürgerlichen Demokratie wandten die Stalinist:innen damals dem revolutionären, demokratischen Charakter und dem Kampfpotential gegen die Monarchie den Rücken zu. Darin glichen sie gänzlich der gesamten „Dritten Periode“ der Komintern sowie ihren krassen Schwenks nach rechts während der Volksfrontphase.
Die schwache PCE blieb isoliert und bot so der Masse der Arbeiter:innen, die entweder auf ihre anarchistischen oder sozialistischen Führer:innen blickte, eine „Einheitsfront von unten“ an, während sie ihre Führer:innen als „das Massenbollwerk der Konterrevolution“ oder als servile Stützen der Bourgeoisie denunzierte.
Diese unfruchtbare Linie wurde bis zum Sommer 1934 durchgehalten. Es gab regelmäßige Denunziationen der Sozialistischen Partei und der anarchistischen Führer:innen. Mehr noch, der damalige Premier und spätere Präsident der Republik und republikanische Hauptverbündete in der Volksfront, Azana, wurde in diesen Jahren dauernd als „Faschist“ beschrieben.
In den Wahlen im November 1933 wurde der Führer der PSOE-Linken, Caballero, als Sozialfaschist denunziert und die führende Stalinistin Dolores Ibarruri (La Pasionaria) verglich seine Gesetzgebung als Arbeitsminister zwischen 1931 und 1933 sogar mit der Adolf Hitlers. Dementsprechend reagierte die PCE auf Lerroux‘ Versuch, die Sozialreformen der Zweiten Republik aufzuheben. Die PCE meinte, dass er keinen Unterschied zur vorigen Regierung darstelle.
Im April 1934 gelang es der PCE schließlich, ihre eigene Gewerkschaftsföderation zu formieren: die CGTU. Sie zählte innerhalb der spanischen Arbeiter:innenbewegung nicht viel, aber „Rote Gewerkschaften“ waren in der „Dritten Periode“ obligatorisch. Zur gleichen Zeit wurde in Katalonien die KP von Katalonien (CPC) gegründet, um Maurins und Nins Einfluss dort zu begegnen. Maurin und Nin hatten 1931 eine „linkskommunistische“ Partei gegründet. Aus ihr wurde 1935 die zentristische „Arbeiterpartei der marxistischen Vereinigung“ (POUM).
Noch bezeichnender war jedoch die Reaktion der PCE und CPC auf die „Arbeiter:innenallianz“. Diese war im Februar 1934 von Caballero als Einheitsfrontorganisation gegründet worden, um den Gegenreformen der neuen Regierung Widerstand zu leisten. Der erste Kongress der CPC nannte sie eine „Fehlgeburt“ und eine „Allianz gegen Einheitsfront und Revolution“. Als Antwort versuchte die PCE ohne Erfolg, ihre eigene antifaschistische Front völlig in Übereinstimmung mit der „Einheitsfront von unten“-Perspektive zu lancieren – mit wenig Erfolg.
Die „Dritte Periode“ sollte ihre bittersten Früchte in Deutschland tragen. Die KPD als größte nichtsowjetische Komintern-Sektion, richtete ihr Feuer gegen die „sozialfaschistischen“ Sozialdemokraten und unterschätzte krass die Drohung, die vom wirklichen Faschismus ausging. Diese fatale Politik stimmte allerdings mit der Ansicht der Kreml-Bürokratie überein, nach der der deutsche Faschismus für ihre Interessen ein geringere Bedrohung darstellte, als die Versuche der Sozialdemokratie, Deutschland in ein Bündnis mit Frankreich und England zu integrieren.
Als der siegreiche deutsche Faschismus seine Feindseligkeit gegenüber der UdSSR verstärkte, wurde die Außenpolitik des stalinistischen Regimes – und damit die Taktik der Komintern – tiefgreifend verändert.
So wie die „Dritte Periode“ sich mit der Orientierung der Stalin-Gruppe auf eine Allianz mit der deutschen Bourgeoisie deckte, so war das Überbordwerfen dieser Linie Ergebnis einer größeren Umorientierung der Außenpolitik der Stalin-Clique. Sobald einmal das anvisierte Bündnis mit Deutschland definitiv zerbrochen war, richtete die Kremlbürokratie ihr Augenmerk darauf, ein Bündnis mit dem „demokratischen“ Imperialismus – hauptsächlich mit Frankreich – zu sichern und nahm eine neue Kombination von Taktiken für die Komintern an, um zu diesem Zweck den größtmöglichen Druck auszuüben.
Der französischen KP wurde aufgetragen, mit einer „Arbeiter- und breiten Volksfront“ den Anfang zu machen. Das beinhaltete die politische Einheit mit den Sozialdemokraten und den bürgerlichen Radikalen. Der VII. Kongress der Komintern im August 1935 verpflichtete alle KPen zum Aufbau der Volksfront. Im Mai 1935 hatte die UdSSR den Stalin-Laval-Pakt geschlossen, der darauf basierte, was Stalin als sein „komplettes Verständnis und Wertschätzung der Verteidigung des Staates, von Frankreich mit dem Ziel, seine Streitkräfte auf einer seinen Bedürfnissen der Sicherheit angemessenen Ebene aufrechtzuerhalten, durchgeführt“ bezeichnete.
Die Auswirkungen dieses Schwenks waren für Spanien und die PCE keine unmittelbaren, obwohl die Volksfrontlinie schließlich triumphieren sollte. Anfang 1934 sah die Komintern die Drohung des Faschismus in Spanien als nicht so groß, wie in Frankreich an. Die republikanische Regierung stand so weit rechts, dass sie kein offenkundiger Kandidat dafür war, ins Lager der „demokratischen Freunde“ der UdSSR eingereiht zu werden. Ein Linienwechsel seitens der PCE ist jedoch seit Sommer 1934 zu beobachten.
Im Juli 1934 schrieb die PCE an das Exekutivkomitee der PSOE, um es zu informieren, dass sie vorbereitet sei, alle Angriffe auf die PSGE-Führer einzustellen, sollten ihre Vorschläge für Einheitsfrontaktionen angenommen werden. Die PSOE antwortete, dass es der PCE freistehe, an der „Arbeiter:innenallianz“ gegen die Rechtsregierung teilzunehmen. Das zu tun, weigerte sich die PCE aber erneut.
Die Position zur „Arbeiter:innenallianz“ sollte sich im Herbst ändern. Auf einem Treffen der PCE-Führung am 11. und 12. September gelang es dem Komintern-Vertreter in Spanien, Codovilla, eine neue Linie durchzudrücken. Im Brennpunkt der Wende stand die „Arbeiter:innenallianz“. In den vorangegangenen Monaten hatte sich die PCE geweigert, an den Vorbereitungen für den Generalstreik in Katalonien, Asturien und Madrid teilzunehmen. Nun wurde eine Resolution verabschiedet, welche die „Arbeiter:innenallianz“ unterstützte.
Der Linienwechsel der PCE gegenüber der „Arbeiter:innenallianz“ befähigte sie, am Aufstand in Asturien im Oktober 1934 aktiv teilzunehmen. Der Aufstand wurde beschleunigt durch den Eintritt von drei Mitgliedern der CEDA, der erzreaktionären Partei von Gil Robles, in die Regierung. Er nahm sich öffentlich Österreichs Dollfuß zum Vorbild, der in jenem Jahr blutig zur Macht gelangt war. Heftige Attacken auf die spanischen Arbeiter:innen waren also leicht voraussehbar.
Der Aufstand und der Generalstreik in Madrid und Barcelona wurden schnell unterdrückt, aber die asturischen Bergleute waren erfolgreicher. Die 50.000 Bergarbeiter wurden von der anarcho-syndikalistischen CNT politisch dominiert. Jedoch hatten auch die UGT der Sozialdemokrat:innen und sogar die PCE beträchtliche Unterstützung, Innerhalb von drei Tagen war Asturien in den Händen des voll bewaffneten Proletariats, gemeinsame Arbeiter:innenkomitees übten die politische Macht aus.
Die Schwäche der Revolution jedoch war, wie in der Pariser Commune, ihre Isolation vom Rest des Landes. In wenigen Tagen sammelte die republikanische Regierung eine massive, von General Franco geführte Armee und marschierte auf Asturien. Mit der Fremdenlegion an der Spitze, zerschlug die Armee den Aufstand barbarisch. Nach fünfzehntägigen Kämpfen waren mehr als 2.000 Arbeiter:innen getötet und 3.000 verwundet. Noch mehr wurden in den Greueln, die folgten, niedergemacht; über 30.000 wurden als politische Gefangene festgenommen.
Diese strenge Repression gegenüber den ArbeiterInnen dauerte ununterbrochen bis Anfang 1935 an. Als die republikanischen Führer sich entschlossen, damit aufzuhören, provozierte die CEDA eine Regierungskrise, indem sie aus Protest über diese Milde zurücktrat. Diese Krise wurde zugunsten der CEDA gelöst, als man ihr im Mai zwei zusätzliche Kabinettssitze gewährte. Einer davon – das Kriegsministerium – ging an ihren verhassten Führer, Gil Robles, selbst.
Vor diesem Hintergrund – als sich die politische Situation zuspitzte und die Arbeiter:innen bereits bewaffnet gekämpft hatten – traf die Komintern die Entscheidung, mit der Politik der Volksfront in Spanien fortzufahren. Anfang Juni gab die PCE ihr erstes Volksfrontprogramm heraus. Vorbei war das Schreckgespenst der Revolution; das Programm war eher für Radikaldemokrat:innen und die republikanische Bourgeoisie konstruiert, als für Arbeiter:innen und Bäuer:innen. Seine vier Hauptpunkte forderten: Rücktritt der Regierung und Neuwahlen, die Einziehung der großen Güter, Selbstbestimmung für Katalonien und die Auflösung der faschistischen Gruppen wie die 1933 gegründete paramilitärische „Falange Espanola“.
Es gab für die PCE jedoch ein Problem bezüglich der linken Unterstützung für ihr bürgerliches Programm. Der Führer der PSOE-Linken, Caballero, ging unter dem Druck der Ereignisse nach links. Sein Ansehen stieg innerhalb der PSOE und deren Gewerkschaft, der UGT. Er beschimpfte wütend die Bourgeoisie insgesamt, ob nun monarchistisch oder republikanisch. Im Oktober 1935 schlug die PCE ihm eine bedingungslose organisatorische Einheit vor – auf Caballeros Programm. Unglücklicherweise war die PCE gezwungen, anzuerkennen, dass das „die organische politische Einheit des Proletariats (…) mit völliger Unabhängigkeit gegenüber der Bourgeoisie und einen gänzlichen Bruch des sozialdemokratischen Blocks mit der Bourgeoisie“ beinhaltete.
Das alarmierte das Exekutivkomitee der Komintern. Stalin entschloss sich sofort, an den Kern des Problems zu gehen. Er schickte Frankreichs KP-Chef Duclos als persönlichen Gesandten zu Caballero, um ihn zu einem Standpunktwechsel zu veranlassen, indem er argumentierte, das die von Prieto geführte Rechte der PSGE unterstützt werden sollte, da sie einen größeren Wahlgewinn versprach.
Es gab danach keine weiteren „Abweichungen“ der PCE. Der VII. Komintern-Kongress im Spätsommer hatte den totalen Sieg der Volksfront-Politik besiegelt. Seitdem sollte die PCE noch hunderte Erklärungen im gleichen Tonfall wie die Rede von Jose Diaz im November 1935 abgeben: „zum gegenwärtigen Zeitpunkt verstehen wir, dass der Kampf nicht auf dem Gebiet der Diktatur des Proletariats stattfindet, sondern sein unmittelbares Ziel im Kampf der Demokratie gegen den Faschismus hat“.
Von da an war es das Hauptziel der PCE, Anhänger des „Bloque Popular“ zu gewinnen. Die Wahlen in den nächsten Monaten vor Augen, wollte Caballero nur eine Einheitsfront mit der PCE und wies die Republikaner verächtlich zurück. Die PSQE-Rechte unter Prieto wollte eine Volksfront mit den Republikanern, aber ohne die PCE. Nur die PCE wollte alle drei. Dies sollte ihre Stärke für die Bourgeoisie und ihre Gefahr für die spanischen Arbeiter zeigen.
Die PCE ging aus dem asturischen Aufstand mit gestiegener Glaubwürdigkeit hervor. Sie wuchs 1935 weiter an, indem sie hauptsächlich vom linken Flügel der PSOE rekrutierte. Die Schätzungen über den Mitgliederstand variieren sehr breit, aber es ist wahrscheinlich, dass sie zur Zeit der Wahlen vom Februar 1936 zwischen 20.000 und 30.000 Mitglieder zählte. Diese Stärke wurde durch die Aufteilung der Parlamentssitze, die für die Volksfrontwahlen abgesprochen wurden, reflektiert. Man kam überein, dass die PCE sechs Prozent der Sitze (d.h. 19) im Fall des Sieges erhalten sollte. Vorher hatte sie nur einen einzigen.
Die folgenden Wahlergebnisse enthüllten die rapide Klassenpolarisierung, die in Spanien stattgefunden hatte.
Die Gesamtstimmenzahl für die Volksfront (PSOE, PCE, Republikaner) entsprach derjenigen für die katholische, monarchistische und krypto-faschistische Rechte. Die Zentrumsparteien – die großen gemäßigten republikanischen Gruppen – wurden ausradiert. Der frühere Premier Lerroux bekam nicht einmal einen Sitz.
Nach den Wahlen war das erste Regierungsprogramm der PCE eine verwässerte Version desjenigen vom vergangenen Sommer. Sogar die minimalsten Forderungen der Arbeiter:innen waren verschwunden. Die PCE forderte die unmittelbare Beschlagnahme der größten Güter, die Trennung von Kirche und Staat, ein Ende für die Kirchensubventionen und die Bildung einer „Volksarmee“.
Wieder und wieder betonten PCE und Komintern den „demokratischen“ Charakter der Revolution. In seiner Eröffnungsrede in der Cortes sagte Jose Diaz am 15 April, dass die PCE „die linksrepublikanische Regierung loyal unterstütze“.
Auf dem Mai-Treffen des Exekutivkomitees der Komintern häufte Dimitrov Lob über Lob auf die PCE, weil sie „die linken Schlagworte der Linkssozialisten, angeführt von Largo Caballero, der vorschlägt, unmittelbar mit dem Kampf für die sozialistische Republik zu beginnen“, kritisiert hatte.
In Spanien stand die Volksfrontregierung auch vor dringenden demokratischen Aufgaben, die gelöst werden mussten. Das Volksfrontprogramm zollte dem stillschweigend Anerkennung.
Die Schlüsselfrage zwischen Februar und Juli 1936 war, mit welchen Methoden diese Aufgaben (z.B. die Landverteilung) bewältigt werden sollten. Friedlich durch eine gesetzliche Reform in einem Zeitraum und Umfang, die der republikanischen Regierung passte, die Erfüllung der Forderungen der Massen jedoch fast auf den Sankt Nimmerleinstag verschob? Oder radikal und von unten, durch die Arbeiter:innen und Bäuer:innen in einem Zeitraum und Ausmaß, das die republikanische Bourgeoisie erschreckte und über die Grenzen radikaldemokratischer Forderungen hinauswies?
Obwohl die PCE einige der frühen Landbesetzungen wohlwollend aufnahm, änderte sich das ab Februar 1936, als die Arbeiter:innen und Bäuer:innen Schritte weit über das Volksfrontprogramm hinausgingen. So kam es zunehmend zu spontanen Landbesetzungen. So zeichnete sich das Scheitern der Volksfrontregierung schon früh ab, weil sie unwillig war, selbst bürgerlich-demokratische Forderungen konsequent umzusetzen – von sozialistischen ganz zu schweigen.
Die Klassenpolarisierung war zu weit fortgeschritten. Azana, der neue Präsident der Republik, erklärte am 3. April, dass die Regierung ihr Volksfrontprogramm erfüllen würde, „ohne einen Punkt oder einen Beistrich zu streichen und ohne einen Punkt oder Beistrich hinzuzufügen.“
Das war jedoch einerseits für die CEDA und die Falange unannehmbar, andererseits war es auch für die Arbeiter:innen und die armen Bäuer:innen nicht akzeptabel.
Der Schlüssel zur Spanischen Revolution war die Agrarfrage. Die Volksfront verabschiedete ein mildes Agrar-Reformgesetz – ohne die Bäuer:innen zufrieden zu stellen, ermutigte es sie aber zur Aktion: „Die Bauern rechnen, dass das Agrargesetz 50.000 Ansiedlungen pro Jahr vorsieht, was bedeutet, dass es zwanzig Jahre dauern wird, um eine Million Bauern anzusiedeln und mehr als ein Jahrhundert, um allen Land zu geben. Sobald sie das erkennen, besetzen die Bauern eben das Land.“
In den Städten war die Situation die gleiche. Im Frühling gab es viele Streiks um Löhne, Arbeitsbedingungen und für die Amnestierung der Gefangenen. Die Gefängnisse waren geöffnet worden und alle Opfer der Repression nach dem Oktober 1934 waren von den Arbeiter:innen befreit worden.
Die entscheidende Streikwelle begann am 4. Juni, als 70.000 Bauarbeiter:innen in unbefristeten Streik um höhere Bezahlung traten. Obwohl das Arbeitsministerium am 4. Juli schließlich den ursprünglichen Forderungen nachgegeben hatte, war der Streik inzwischen weit über sie hinausgegangen. Viele Arbeiter:innen waren bewaffnet, ursprünglich, um sich gegen falangistische Angriffe zu verteidigen. Die CNT hatte ein zentrales Verteidigungskomitee gebildet. Die Arbeiter:innen erkannten ihre Stärke auch auf eher zufällige Weise: „Die Streikenden zwingen die Geschäftsleute mit, der Waffe in der Hand, sie zu bedienen, besetzten Restaurants und aßen, ohne zu bezahlen.“ (Broue/Temime: Revolution und Bürgerkrieg in Spanien)
Als die revolutionäre Flut anstieg, brachen die Führer von PSOE und PCE in der UGT den Streik nach den ursprünglichen Konzessionen ab, doch die CNT weigerte sich, ebenso zu handeln.
Angesichts dieser Flutwelle bereiteten die Falange und die Armee den Aufstand vor. Seit August 1932 hatte die Rechte den Staatsstreich öffentlich in Erwägung gezogen. Anfang März 1936 fand ein Treffen hoher Generäle statt und die Vorbereitung lief an.
Das war den republikanischen Führern nur zu gut bekannt; sie zogen es jedoch vor, die Putschgefahr zu vertuschen. Der Kriegsminister der Volksfront erklärte am 18. März, dass er „die Ehre (gehabt hätte), zu veröffentlichen, dass alle Offiziere und Reserveoffiziere der spanischen Armee strikteste Disziplin bewahrten …, und – überflüssig, zu erwähnen – die Befehle der gesetzmäßigen Regierung erfüllten.“
In der Nacht vom 17. zum 18. Juli revoltierten fünfzig Garnisonen. Nur 500 der 15.000 Armeeoffiziere blieben der Republik treu, zusammen mit ungefähr 5.000 der 34.000 Zivilgardisten. Innerhalb von Wochen kontrol1ierte die Armee und die Falange halb Spanien. Der Bürgerkrieg hatte begonnen.
Ein beliebtes Schlagwort des linken Flügels der PSOE Anfang 1936 lautete: „Wenn Du Spanien vor dem Marxismus retten willst, dann wähle die Kommunisten!“ Dieser Slogan sollte sich während des Bürgerkrieges grausam bewahrheiten. Um das zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die Haltung des Kremls bezüglich Spaniens und der Franco-Rebellion.
Nach der Unterzeichnung des Stalin-Laval-Paktes spürte Moskau, dass es in seinem politischen Interesse wäre, den Aufstieg des Faschismus in Spanien aufzuhalten. Stalin argumentierte dabei, dass dies auch im Interesse Frankreichs und Großbritanniens sei, da ein deutscher und italienischer Erfolg in Spanien auch sie beide bedrohen würde.
Stalin erkannte jedoch klar genug, dass die maßgebliche Schicht der herrschenden Klasse in Frankreich und in Britannien die UdSSR als das größere Übel – verglichen mit dem faschistischen Deutschland oder Italien – betrachteten. Sie sahen Deutschland als ein Bollwerk gegen die UdSSR und wollten es in einen Krieg gegen Moskau drängen. Insofern wollten sie Hitler nicht besiegt sehen.
Stalins Außenpolitik reduzierte sich schließlich auf den Versuch, demokratische Regierungen, die den deutschen Kriegszielen feindlich gegenüberstanden, zu gewinnen – anstatt das Proletariat in seinem revolutionären Kampf zu unterstützen.
Der britische Imperialismus seinerseits war nur daran interessiert, zu große Fortschritte Deutschlands zu bremsen, um Zeit für seine eigene Aufrüstung zu gewinnen. Das Ziel der Sowjetbürokratie bestand daher zuerst darin, den Erfolg einer sozialistischen Revolution in Spanien zu verhindern, der Großbritannien und Frankreich in Opposition zur Sowjetunion bringen und sie zu einem Block mit Deutschland gegen die UdSSR führen würde. Zweitens ging es Stalin darum, alle Anstrengungen zu unternehmen, um England und Frankreich zur Hilfe für das republikanische Spanien zu bewegen, um den spanischen Faschismus zu zerschlagen. Die beste Erklärung eines spanischen Stalinisten bezüglich dieser Perspektive kam von einem Führer der PSUC auf einer öffentlichen Kundgebung: „In dem demokratischen Machtblock ist nicht Frankreich der entscheidende Faktor, es ist England. Es ist wesentlich für alle Parteigenossen, dies zu erkennen, um so (ihre) Losungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu mäßigen (…) Wir sollten erkennen, dass die großen Kapitalisten in England jederzeit fähig sind, mit den italienischen und deutschen Kapitalisten zu einem Einverständnis zu gelangen, sollten sie den Schluss ziehen, dass sie bezüglich Spaniens keine andere Wahl hätten. (Deswegen) müssen wir, koste es, was es wolle, die wohlwollende Neutralität dieses Landes, wenn schon nicht dessen direkte Hilfe, gewinnen.“ (Bolloten: The Grand Camouflage)
„Koste es, was es wolle!“ war eine an die spanischen Arbeiter:innen gerichtete Drohung. Dieses reaktionäre Schema basierte auf der falschen Voraussetzung, dass Großbritannien einen Sieg der Republik über Franco bevorzuge. In Wirklichkeit war es umgekehrt, denn Großbritannien fürchtete, dass ein republikanischer Sieg eine Übergangsphase in der spanischen sozialistischen Revolution oder eine lang andauernde Instabilität in der europäischen Politik bedeuten würde.
Daher waren die Anfangswochen des spanischen Bürgerkrieges für die Komintern und die PCE Grund zur Besorgnis. Die Arbeiter:innenklasse war in der Offensive. Im Norden und Osten hatte sie die Armee entwaffnet, die Kasernen gestürmt und übte überall die Kontrolle aus. Innerhalb einer Woche war die Doppelmacht in den republikanischen Gebieten errichtet worden. Im September 1936 schätzte Kolzov – Stalins persönlicher Beauftragter in Spanien -, dass an die 18.000 Industriebetriebe von den Arbeiter:innen übernommen worden wären.
In Katalonien unterstanden etwa 70 Prozent der Fabriken der Kontrolle der Belegschaften, welche die Geschäftsführungen hinausgeworfen hatten. In Madrid dagegen war es üblicher, dass die Manager unter der Führung der Arbeiter:innen weiterhin blieben. Nur im Baskenland gab es kaum Arbeiter:innenkontrolle. Wann immer die CNT in einem Industriezweig am stärksten war, wurden die Firmen kollektiviert, um die Ressourcen effizienter zu nutzen. So schloss die CNT/UGT in Katalonien 46 von 72 Gießereien und produzierte trotzdem in den verbleibenden alles Notwendige.
Die dramatischsten Aufstände fanden auf dem Land statt. In Katalonien bestand die Masse der Bäuer:innen aus kleinen Parzellenbesitzer:innen oder Pächter:innen, die froh waren, die Pachtzinsen los zu sein und mehr Land zu gewinnen. Die Kollektivierung von Grund war dort begrenzt. Aber in Aragon war es anders. Anfangs waren die Faschisten in Aragon eingefallen, und es bedurfte der besten anarchistischen und sozialistischen Arbeiter:innen von Barcelona, um sie zurückzuschlagen. Aber in diesem Prozess waren sie gleichzeitig revolutionäre Agitator:innen. Durruti, der CNT-Führer der Miliz sagte: „Wir führen einen Krieg und machen zur gleichen Zeit die Revolution. Jedes Dorf, das wir erobern, beginnt entlang einer revolutionären Linie sich zu entwickeln.“
Die größeren Güter wurden von den Landarbeiter:innen von Aragon kollektiviert. Sehr bald lebten 70 Prozent der Bevölkerung (ca. 500.000) in diesem Gebiet in Kollektiven.
Die größten Fortschritte gab es jedoch auf politischer Ebene. Die PCE-Führerin Ibarruri konnte in diesen Wochen feststellen, dass „der ganze Staatsapparat zerstört war und die Staatsmacht auf der Straße lag.“
Obwohl der Staatsapparat nicht zerstört war, befand er sich jedoch in völliger Auflösung. Die Republik besaß außer der Arbeiter:innenmiliz keine Armee. Die republikanische Regierung existierte weiterhin, war aber fast ohnmächtig. Präsident Azana beklagte sich: „Konfrontiert mit der Revolution, hatte die Regierung die Wahl, sie entweder zu billigen, oder zu unterdrücken. Aber noch weniger, als sie zu billigen, konnte die Regierung sie unterdrücken.“
Die wirkliche politische Macht wurde von den Arbeiter:innenmilizen ausgeübt, die zugleich als bewaffnete und politische Kraft operierten. Das Kabinett Giral besaß in den Vorstädten Madrids keine Autorität. Jedoch war dort die politische Macht der Arbeiter:innen am schwächsten entwickelt. Ab dem 27. Juli hatte die offizielle Polizei die Straßen wieder unter Kontrolle.
In Barcelona besaß die Arbeiter:innenklasse die Macht. Arbeiter:innen kontrollierten die Straßen, zehntausende Waffen waren verteilt worden. Die Bourgeoisie ließ sich nicht blicken; ihre eleganten Etablissements waren geschlossen worden, ihre Restaurants und Hotels beschlagnahmt. Die Bettler waren von den Straßen weggeholt und betreut worden.
Die Revolutionären Komitees, die das republikanische Spanien beherrschten, firmierten unter dutzenden, in von Region zu Region verschiedenen Namen und standen unter Kontrolle verschiedener politischer Parteien in jedem Gebiet. In den Dörfern von Katalonien und Aragon besaß die CIMT/FAI die ausschließliche Kontrolle. In den Städten, mit Ausnahme von Sabadell und Lerida, übten sie auch die Kontrolle aus, jedoch zusammen mit einer viel stärkeren Vertretung seitens der UGT, PSUC, POUM und sogar der Esquerra.
Die Komitees wurden auf verschiedene Weise ernannt oder gewählt. Manchmal wurden sie auf Massenversammlungen in den Fabriken, den Wohnvierteln oder Dörfern gewählt. In anderen Fällen wurden sie von den Gewerkschaften oder Parteien gewählt. Überall jedoch waren sie eher bewaffnete Machtorgane und Zentren der politischen Herrschaft als nur Delegiertentreffen der Fabriken oder Dörfer.
In Katalonien wurde die Macht vom antifaschistischen Milizkomitee ausgeübt. Es existierte neben und über der „Generalidad“ – der Regionalregierung – von Präsident Companys. In Valencia existierte das Volksexekutivkomitee neben Barrios´ provisorischem Rat. In Malaga war es das Komitee für öffentliche Sicherheit, das herrschte.
In Aragon gab es die höchste Form demokratischer Macht – den Verteidigungsrat. Er war die einzige regionale Körperschaft in Spanien, die ihre Autorität aus direkten Wahlen von lokalen Stadt- und Dorfkomitees bezog. Die politische Macht stützte sich auf die bewaffnete Miliz, die parallel zu den politischen Organisationen organisiert war. So gab es 50.000 in der CNT-Miliz, 30.000 in der UGT, 10.000 in der PCE/PSUC und an die 5.000 in der Miliz der POUM.
In den ersten Wochen konnte ohne diese revolutionären Komitees nichts passieren. Der anarchistische Führer Abad de Santillan gab ein gutes Bild all dieser Komitees, indem er die Funktionen des Antifaschistischen Milizkomitees von Katalonien beschrieb: „Eine Einrichtung revolutionärer Ordnung im Hinterland, eine Organisation von mehr oder minder kriegsstarken Truppen, mit Schulen für Nachrichtenwesen, Ernährung und Bekleidung, eine wirtschaftliche Organisation und gesetzgebende und Recht sprechende Gewalt, war das Antifaschistische Milizkomitee alles, überwachte alles: Die Umwandlung der Friedens- in eine Kriegsindustrie, Propagandabeziehungen mit der Regierung in Madrid, Hilfe für alle kämpfenden Zentren, Beziehungen zu Marokko, die Kultivierung von verfügbarem Land, Gesundheitswesen, die Überwachung der Küste und der Grenzen und tausendundein Probleme jeder Art.“
Doch trotz alledem litt die Revolution an einer bemerkenswerten inneren Schwäche, die eine Widerspiegelung der Fehler der Politik des Anarcho-Syndikalismus und des Linksreformismus war. Erstens gab es sicherlich „Exzesse“ in dem Sinn, dass in den Städten sogar die kleinsten Kleinbürger – Optiker, Bäcker etc. – „kollektiviert“ wurden. Auf dem Land weigerte sich die CNT, die Möglichkeit einer Landverteilung, sogar wenn sie den Gegebenheiten entsprechender gewesen wäre, auch nur in Betracht zu ziehen. Die PCE verwendete diese Fehler als Munition gegen die Revolution.
Zweitens wurden die Fabriken oft in Kooperativen der Produzenten, die damit zufrieden waren, „den Gesetzen kapitalistischer Wirtschaft unterworfen zu sein“ (Morrow: Revolution und Konterrevolution in Spanien) umgewandelt. Doch den nächsten, logischen Schritt zu einer geplanten nichtkapitalistischen Wirtschaft unter Kontrolle der Arbeiter:innen wollte die CNT nicht gehen. Noch verheerender war, dass die CNT der Republik, also dem bürgerlichen Staat, erlaubte, die Kontrolle über Finanzen und Banken zu behalten. Die Komitees verhinderten lediglich Auszahlungen an Faschisten und förderten Darlehen an kollektivierte Fabriken.
Der größte Defekt der Revolution war die politische Schwäche des Anarchismus. So erlaubten die Anarchist:innen Vertreter:innen der republikanischen Bourgeoisie, in den revolutionären Komitees vertreten zu sein. In Katalonien war es z.B. Delegierten der „Generalidad“ gestattet, sogar im Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen zu sitzen!
Diese Volksfronthaltung war der logische Ausfluss des anarchistischen Vorurteils gegen den „Staat überhaupt“ und seiner Opposition – mitten in der Revolution – gegenüber der ungeteilten Herrschaft der Arbeiter:innenklasse. Santillan offenbarte diese Schwäche, als er, das Angebot der „Beratung“ von Präsident Companys akzeptierend, sagte: „Wir hätten allein bleiben können, unseren absoluten Willen durchsetzen, die ‚Generalidad’ für null und nichtig erklären und die wirkliche Volksmacht an ihrer Stelle einsetzen können, aber wir glaubten nicht an die Diktatur, als sie gegen uns ausgeübt wurde und wir wollten sie nicht, wenn wir sie selbst nur auf Kosten anderer hätten ausüben können. Die ‚Generalidad’ würde mit Präsident Companys an ihrer Spitze an der Macht bleiben.“
Felix Morrow hat die Widersprüche und Grenzen der Revolution in ihrer frühen Periode genau benannt; eine Schwäche, die den Stalinist:innen erlaubte, die Initiative zurück zu gewinnen. Er bemerkte richtig, dass auf lokaler Ebene die Macht der revolutionären Komitees möglicherweise größer war als in Russland vor dem Oktober 1917 und sicherlich größer, als in der deutschen Revolution 1918/19. Aber die spanische Revolution ermöglichte nicht, wie in jenen Beispielen, die Geburt einer nationalen, zentralisierten Alternative zur Regierung der Republik. Trotz ihrer unmittelbaren Verwirrung, gewährte dies der Bourgeoisie den Erhalt ihrer Macht.
Morrow beobachtete: „Eine Macht, die von Azana und Companys, ohne Armee, Polizei oder eine andere eigene bewaffnete Truppe, war zu schwach, um die Existenz der anderen in Frage zu stellen. Die andere, diejenige des bewaffneten Proletariats, war sich noch nicht der Notwendigkeit bewusst genug, sich von der Existenz der Macht von Azana und Companys zu befreien.“
Schließlich schlossen die revolutionären Komitees nicht die breiten Schichten der Ausgebeuteten und Unterdrückten ein. Sie repräsentierten – mit Ausnahme Aragons – eher die politische Herrschaft der Avantgarde, in Milizen organisiert, als die der Massen. Das kam u.a. daher, dass die Anarchist:innen die Komitees meist als Organe ihre Gewerkschaft CNT sah; doch viele Arbeiter:innen waren nicht Mitglied in der CNT und hatten somit nicht direkt in den Komitees vertreten.
Nichtsdestotrotz wollten die Anarcho-Syndikalist:innen die Revolution vorantreiben. Die PCE dagegen wollte sie von Beginn bremsen und stoppen. Sogar in der Periode des revolutionären Aufstiegs übernahmen die Stalinist:innen die totale Verantwortung dafür, gegen den revolutionären Strom zu rudern. Schon bevor sie selbst in die Regierung saßen, hetzten die Stalinist:innen gegen die Landbesetzungen. Die PCE erklärte wiederholt in ihrer Presse: „Sich auf solche Projekte einzulassen ist absurd und kommt dem gleich, das Spiel des Feindes zu spielen.“
Indem sie den republikanischen Großgrundbesitzern zu Hilfe eilte, die, obwohl meist „Arbeitgeber“ von Landarbeiter:innen, fortwährend als „Kleinbäuer:innen“ verharmlost wurden, erklärte die PCE Unheil verkündend, „dass jene, die diesen Besitz angreifen, als Feinde des Regimes betrachtet werden müssen.“ Überflüssig zu erwähnen, dass ihre Haltung zur Arbeiter:innenkontrolle in den Fabriken die gleiche war. Sie unterstützte nur die Enteignung offen pro-faschistischer Kapitalist:innen durch die republikanische Regierung, lehnte aber zugleich die Arbeiter:innenkontrolle über die Unternehmen ab. Sie attackierte dauernd die Kollektive als „verschwenderisch“ und dass sie die größtmögliche Mobilisierung der Ressourcen für die Anstrengung des Krieges untergraben würden.
Politisch hatten Stalin und die PCE der Spanischen Revolution definitive Grenzen gesetzt. Am 18. Juli, dem Tag des faschistischen Aufstandes, erklärte die PCE: „Die Regierung befiehlt und die Volksfront gehorcht!“. Später sagte der spanische Delegierte zum Exekutivkomitee der Komintern, dass das Motto der PCE „Alles für die Volksfront, alles durch die Volksfront!“ sein müsse. Für die Komintern stellte Andre Marty fest: „Die Arbeiter:innenparteien in Spanien, insbesondere die Kommunistische Partei, haben zu verschiedenen Anlässen klar angezeigt, (…) dass der gegenwärtige Kampf in Spanien nicht zwischen Kapitalismus und Sozialismus, sondern zwischen Faschismus und Demokratie stattfindet. In einem Land wie Spanien, wo feudale Einrichtungen und Wurzeln noch sehr tief reichen, hat die Arbeiter:innenklasse und das ganze Volk die unmittelbare und dringende Aufgabe, die einzig mögliche Aufgabe, (…) nicht die sozialistische Revolution zu bringen, sondern die bürgerlich-demokratische Revolution zu verteidigen, zu festigen und zu entwickeln.“
Dieses Argument ist grundsätzlich falsch. Zudem zeigt es, dass die Politik Stalins in völligem Gegensatz zur Politik der Bolschewiki in der Russischen Revolution stand.
Die Produktionstechnik auf dem Land mag „feudal“ gewesen sein, aber die Eigentumsverhältnisse waren durchgehend kapitalistisch. Land war seit Jahren hindurch gekauft und verkauft worden, wie jede andere Ware. Die Großgrundbesitzer waren fest mit dem Industrie- und Finanzkapital verbunden und oft sogar mit ihm identisch. Der Begriff des Faschismus als eine feudale Reaktion auf die Demokratie war eine fadenscheinige Rechtfertigung der Volksfront. Der spanische Faschismus war, wie sein deutscher Zwillingsbruder, ein Instrument des Finanzkapitals gegen die Arbeiter:innenklasse.
„La Pasionaria“ selbst versicherte der Bourgeoisie für die PCE: „Hört auf, das Gespenst des Kommunismus zu beschwören, ihr Generäle, (…) in diesem historischen Augenblick stellt sich die Kommunistische Partei selbst an die Seite der Regierung, die den Willen (des Volkes) ausdrückt, an die Seite der Republik, auf die Seite der Demokratie.“
Während die Russische Revolution gerade deshalb siegte, weil sie die Forderungen der Massen (Brot, Land, Frieden) konsequent umsetzte und somit die Massen (vor allem die Bäuer:innen) für die Revolution gewann, war es in Spanien gerade umgekehrt. Um die Revolution zu bremsen und das Bündnis mit der demokratischen Bourgeoisie nicht zu gefährden, wurde die Landreform blockiert und die Arbeiter:innenkontrolle und die Enteignung der gesamten Bourgeoisie verhindert. Im Ergebnis dessen wendeten sich die Massen, vor allem die Bäuer:innen, immer mehr von der Volksfrontregierung ab – das Ergebnis war der Sieg des Faschismus.
Die PCE beschränkte sich nicht nur auf Propaganda. Während der frühen Wochen, als die Arbeiter:innen und die armen Bäuer:innen ihre Errungenschaften festigten und erweiterten, versuchten die Stalinist:innen zu intervenieren, um sie aufzuhalten. In Valencia zum Beispiel bestritt die Provisorische Junta schon am 23. Juli die Autorität des Volksexekutivkomitees und erklärte dessen Herrschaft für ungültig. Als Antwort darauf spaltete sich das Exekutivkomitee. Während CNT, UGT, PSOE und PGUM das Ultimatum zurück wiesen, forderten die PCE und die bürgerlichen linken Republikaner dessen Erfüllung. Die Junta bekam Angst und löste sich vier Tage später auf, die PCE jedoch blieb weiterhin furchtlos auf ihrer Linie.
In Aragon griff die PCE hartnäckig die Stadt- und Dorfkomitees als „spalterisch“ und „lokalborniert“ an. In Madrid, wo die Herrschaft der revolutionären Komitees am schwächsten war, versuchte die Republik schon Anfang August, die Milizen aufzulösen. Zu diesem Zweck erließ sie Einberufungsmaßnahmen zur offiziellen Armee. Die PCE stimmte sofort zu. Glücklicherweise befolgten CNT und UGT diese Anordnung nicht. So war das Kabinett gezwungen, Rekruten zu erlauben, in die Miliz einzutreten.
Am fatalsten zeigte sich die Politik der PCE ohne Zweifel in Katalonien. Am 2. August versuchte der bürgerliche Nationalist Casanovas, die Autorität der Republik durch die Bildung eines Kabinetts zu restaurieren. Er bot der PSUC drei Ministerien an, die sie sofort akzeptierte. Die CNT- und POUM-Arbeiter:innen reagierten darüber so aufgebracht, dass sich die PSUC am 5. August sich von diesen Ämtern zurückziehen musste, wollte sie nicht alle Glaubwürdigkeit bei den Massen verlieren.
Tief besorgt über diese Entwicklung, gründete die CPE die GEPCI, einen Verband für Händler und Kleinunternehmer, der innerhalb eines Monats an die 18.000 Mitglieder zählte. Die CNT stellte diese Organisation gnadenlos als eine „von unbeugsamen Unternehmer:innen und wütenden Feind:innen der Arbeiterinnen“ bloß; zurecht, schloss doch die GEPCI z.B. einen großen Textilunternehmer ein, der einst den fehlgeschlagenen Militäraufstand von 1932 unterstützt hatte ein.
Auf internationaler Ebene stimmten die diplomatischen Manöver des Kremls völlig mit dieser konservativen Linie überein. Während der letzten zwei Juliwochen 1936 gab es in der Moskauer Presse eine umfassende Berichterstattung über den Bürgerkrieg. Spendensammlungen in der Gewerkschaft wurden organisiert und Geld wurde – jedoch ausschließlich für medizinische Hilfe – der republikanischen Regierung überwiesen. Beziehungen zu den revolutionären Komitees wurden geflissentlich vermieden. Diese Periode der Unterstützung gipfelte in einer Massenkundgebung von 120.000 Menschen auf dem Roten Platz am 3. August zur Unterstützung der Republik.
In derselben Woche schlug Großbritannien jedoch ein Nichteinmischungskomitee vor. Am 6. August antwortete die UdSSR: „Die Regierung der UdSSR unterschreibt das Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens.“
Um seine Ehrlichkeit zu zeigen, stoppte der Kreml Berichte über sowjetische Unterstützung für die spanische Republik und unterließ jeden Angriff auf die Neutralitätspolitik. Nichts wurde unternommen, um die Verhandlungen zwischen den imperialistischen Mächten, die zur Bildung eines solchen Komitees führten, zu behindern. Die UdSSR unterzeichnete den Vertrag, der das Komitee am 24. August ins Leben rief – Deutschland am nächsten Tag. Der Nichteinmischungsausschuss traf sich erstmalig am 9. September mit 24 anwesenden Ländern.
Der Grund, warum der Faschismus Erfolg hatte, war vor allem, dass die Republik daran scheiterte, die Bäuer:innenschaft mit einem kühnen Programm der Landreform auf ihre Seite zu ziehen. Schließlich verzweifelten die Bäuer:innen und sahen keinen qualitativen Unterschied zwischen Franco und der Republik und daher auch keinen Grund, letztere zu verteidigen.
Alles, was die Stalinist:innen von den ersten Wochen des Aufstandes an unternahmen, war gedacht, den Erfolg der Revolution zu verhindern. Obwohl sie Franco nicht als Sieger sehen wollten, wurde gerade das durch ihre Politik sichergestellt.
Anfang 1937 befanden sich die Stalinist:innen in einer zunehmend stärkeren Position. Sie hielten viele Schlüsselstellen der Regierung und waren seit März – für sich allein genommen – die stärkste politische Partei. Die Partei und die von Stalin geführte Kommunistische Internationale waren verpflichtet, alle jene Kräfte, die den Kampf gegen den Faschismus als Kampf gegen das kapitalistische System, das ihn hervorgebracht hatte, führen wollten, unbarmherzig zu zerstören. Die Blüte der spanischen Arbeiter:innenklasse hatte dafür mit ihrem Blut zu bezahlen.
Es gab allerdings ernsthafte Hindernisse auf dem Weg der PCE, die sozialen Errungenschaften und die politischen Organisationen der Massen zu zerstören. Caballero, der Premierminister, wollte zwar die POUM an den Rand drängen, aber er war nicht bereit für einen Generalangriff auf die Masse der Arbeiter:innen und Bäuer:innen. Er fürchtete, seine Massenbasis in der UGT zu verlieren, sollte er die Arbeiter:innenkontrolle in den Fabriken angreifen und die Landreform völlig zunichte machen. Da die PCE gerade auf solche Angriffe drängte, ging er mit der CNT ein Bündnis ein, um solchen Maßnahmen entgegen zu wirken. Auf ähnliche Weise versuchte er, sich mit der CNT zu verbünden, um die Auflösung der Milizen in eine reguläre Armee aus „gemischten“ Brigaden zu verzögern.
Die Stalinist:innen übten auf Caballero starken Druck aus, die Milizen aufzulösen und ihre Leute in Kommandopositionen zu bringen. Sowjetbotschafter Rosenberg besuchte Caballero täglich, um in dieser Sache Druck zu machen. Aber im Februar 1937 berief Caballero einige Spitzenmilitärs der PCE ab und ersetzte sie durch seine eigenen Gefolgsmänner. Zur gleichen Zeit machte er die Versuche, PSGE und PCE zu fusionieren, und die Versuche der Stalinist:innen, sich eine führende Stellung innerhalb der CNT zu sichern, zunichte.
Es war daher keine Überraschung, dass das Zentralkomitee der PCE entschied, Caballero abzusetzen. Das wurde gemeinsam mit den Führern des rechten Flügels der PSOE, Negrin und Prieto, unternommen. Beide hatten erkannt, dass die PCE das beste Bollwerk gegen die Revolution war. Gemeinsam waren Stalinist:innen und die PSOE-Rechte auf eine endgültige Auseinandersetzung mit der Vorhut des spanischen Proletariats – den Arbeiter:innen von Barcelona – vorbereitet. Auch Caballero sollte ein Opfer der Niederlage des Proletariats von Barcelona werden.
Barcelona war ein Brennpunkt der Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich. Lebensmittelknappheit, Schwarzmarkt und Korruption waren offensichtlich. Sogar die Bourgeoisie bekam wieder Selbstvertrauen, um öffentlich aufzutreten. Am 14. April führten Arbeiterinnen eine gewaltige Demonstration gegen gestiegene Lebensmittelpreise durch.
Die Stimmung zunehmenden proletarischen Unmuts spiegelte sich in einer Radikalisierung in der POUM wie auch in der CNT wider. Nachdem er einmal aus der katalanischen Regierung ausgeschlossen worden war, hatte der POUM-Führer Nin seine Anstrengungen darauf konzentriert, den Wiedereintritt in diese Regierung zu erlangen. Das wollten aber die POUM-Jugend und die Miliz nicht – sie strebten nach einer radikaleren Politik. Unter ihrem Druck veröffentlichten die POUM-Führer im März 1937 einen Aufruf für die Bildung einer „Revolutionären Regierung“, während gleichzeitig die katalanischen Stalinisten der PSUC, aufgefordert wurden, sich daran zu beteiligen.
Im April sicherten die Trotzkist:innen, die jetzt innerhalb der POUM arbeiteten, die Unterstützung der kleinen Madrider Sektion für ein oppositionelles Programm. Die Sektion von Barcelona stimmte für die sofortige Organisation von Sowjets am 15. April. Angesichts dieser militanten Unruhen in den Reihen der POUM verbot Nin die Bildung von Fraktionen. Abweichler:innen wurden von der Front zurückgerufen und ausgeschlossen.
Diese Entwicklungen stimmten mit einer Abspaltung in den Reihen der CNT überein. Ende April erklärten sich die „Freunde Durrutis“ für „Alle Macht der Arbeiter:innenklasse!“ und für die Schaffung von „demokratischen Organen der Arbeiter:innen-, Bäuer:innen- und Soldatenmacht“.
Zusammen waren die POUM-Jugend und die anarchistische Jugend fähig, eine wirkliche Herausforderung für die Stalinist:innen in Katalonien darzustellen. Im Februar 1937 waren die POUM-Jugend (JCI) und die anarchistische „Libertäre Katalanische Jugend“ imstande, 14.000 junge Militante zusammenzubringen, um die „Revolutionäre Jugendfront“ zu bilden. In Opposition dazu bildete Santiago Carillo die „Antifaschistische Jugendallianz“, welche die Stalinist:innen und einige Republikaner einschloss. Die Stalinist:innen waren alarmiert, als die „Revolutionäre Jugendfront“ es schaffte, Teile verschiedener Spaltungen in der „Antifaschistischen Jugendallianz“ für sich zu gewinnen. Die Drohung einer revolutionären Opposition in Barcelona trieb die PSOE-Rechte und die Stalinist:innen zur Aktion. Der PSUC-Führer Benauides prägte das Schlagwort „Ehe wir Saragossa nehmen, müssen wir Barcelona erobern!“
Die Stalinist:innen versuchten, die Macht der CNT zu brechen. Die Beziehungen zwischen der Republik und der CNT-Miliz brachen zusammen, nachdem Negrin die Polizei geschickt hatte, um die Zollstellen an der Grenze der CNT-Miliz aus der Hand zu nehmen. Am 3. Mai versuchte Sala, der Polizeichef von Barcelona und PSUC-Mitglied, mit drei Lastwägen voll „Guardia Civil“, die Telefonzentrale der Kontrolle der CNT-Miliz zu entreißen.
Als Antwort darauf traten die Arbeiter:innen von Barcelona sofort in den Streik. Innerhalb von zwei Stunden war die gesamte Industrie stillgelegt und die Stadt mit Barrikaden übersät. Die Stadt gehörte wieder ihnen.
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung von CNT, FAI und POUM argumentierte die POUM, die fühlte, was auf dem Spiel stand: „Entweder stellen wir uns an die Spitze der Bewegung, um den Feind im Inneren zu vernichten, oder die Bewegung versagt – und das wird unser Ende sein.“
Die CNT/FAI wies jedoch eine Konfrontation mit der bürgerlich-stalinistischen Koalition zurück. Fatalerweise weigerte sich aber die POUM, mit der CNT zu brechen und eine unabhängige Richtung einzuschlagen.
Drei Tage lang fuhren die CNT-Führer umher, um die Arbeiter:innen aufzufordern, die Waffen niederzulegen, während sie einen Kompromiss mit der Republik suchten. Doch die Arbeiter:innen befanden sich noch in einer starken Position, um weiterzugehen und in ganz Katalonien die Macht zu ergreifen. In Lerida und Hostafrancos ergaben sich die Regierungstruppen den Arbeiter:innen. Die POUM/CNT-Milizen eroberten die Hauptquartiere der PSUC von Tarragona und Gerona.
Trotzdem überließen die Führer der CNT den Stalinist:innen die Initiative, die POUM ihrerseits überließ der CNT die Führung. Es existierte ein massiver Unmut in der Basis über das Verhalten der CNT-Führer:innen. Zerrissene Ausgaben der CNT-Zeitung bedeckten die Barrikaden. Doch die POUM machte keinen Versuch, diese Kampfbereitschaft gegen die CNT-Führung zu richten. Am 6. Mai zog die CNT ihre Bewaffneten aus der Telefonzentrale ab. Auch die POUM befahl ihren Truppen, die Barrikaden zu verlassen.
Das mit dem katalonischen Präsidenten getroffene Abkommen am Ende des Streiks, hatte alle Truppen aufgerufen, ihre Stellungen zu verlassen. Dies sollte für die Milizen und die Guardia Civil gleichermaßen gelten. Aber während die CNT/POUM-Milizen jeden Buchstaben des Abkommens befolgten, schiffte die Republik hunderte Sturmgardisten ein, um die Stadt zu sichern. Die Polizei besetzte die Telefonzentrale, um die Kommunikation zwischen den Kräften der CNT zu verhindern.
Die Arbeiter:innen von Barcelona zahlten teuer für die Feigheit ihrer Führung: in den drei Tagen des Aufstands waren 500 getötet und 1500 verwundet worden. Dazu kamen noch hunderte, die danach während der „Säuberungsaktionen“ getötet oder verwundet wurden.
Nachdem sie die Arbeiter:innen von Barcelona geschlagen hatten, führten die Stalinist:innen ihre Offensive gegen die Revolution weiter. Hauptziel war hierbei die POUM. Sie wurde von den Stalinist:innen dauernd fälschlicherweise als „trotzkistisch“ bezeichnet. Das geschah jedoch nicht nur einfach wegen Nins früherer Verbindung zur Linksopposition Trotzkis.
In den Moskauer Prozessen und in den sibirischen Lagern schlachtete der Stalinismus jegliche mögliche Opposition hin – angeblich, um eine weltweite „trotzkistisch-faschistische Verschwörung“ auszurotten. Die POUM als „trotzkistisch“ zu bezeichnen, bedeutete, dass sie auf der Abschussliste der Stalinist:innen stand.
Das wurde vom Generalsekretär der PCE, Jose Diaz, am 9. Mai deutlich gemacht. In einer öffentlichen Rede erklärte er, dass einige „Feinde“ der Republik: „sich selbst Trotzkist:innen nennen, ein Name, der von vielen verkleideten Faschist:innen, die eine revolutionäre Sprache führen, um Verwirrung zu säen, benutzt wird. Ich frage daher, warum behandelt (die Regierung) sie dann nicht wie Faschist:innen und vernichtet sie unbarmherzig? (…) Ist es nicht völlig klar, dass die Trotzkist:innen nicht eine politische oder gesellschaftliche Organisation einer bestimmten Richtung, wie die Anarchist:innen, die Sozialist:innen oder Republikaner:innen sind, sondern eine Bande von Spionen und Provokateur:innen im Dienste des internationalen Faschismus? Die trotzkistischen Provokateure müssen hinweggefegt werden.“ (Bolloten, S. 308)
Der Kurs gegen die POUM konnte nun, nachdem der Negrin-PCE-Coup geglückt war, weiter verfolgt werden. Auf der Kabinettssitzung vom 13. Mai verlangten die PCE-Minister die völlige Unterdrückung der POUM. Als Caballero sich weigerte, das zu gewähren, verließen die KP-Minister den Raum und traten zurück. Ihrerseits kündigten Negrin und Prieto an, in keinem Kabinett ohne die Stalinist:innen sitzen zu wollen. So stürzte Caballeros Kabinett am 15. Mai und wurde durch eines ersetzt, das von Negrin selbst angeführt wurde.
Am 16. Juni wurde die POUM illegalisiert, ihre Führer:innen und ihre Milizionär:innen verhaftet. Der sowjetische Generalkonsul in Barcelona, Antonow-Owsejenko, ordnete an, dass ihr Hauptquartier in ein Gefängnis umgewandelt werden sollte. Nin wurde ohne Verfahren hingerichtet, nachdem die Interbrigaden bei einem gespielten Versuch vorgeblicher Nazis, ihn aus dem Gefängnis zu befreien, mitgewirkt hatten.
Die Stalinist:innen versuchten nun, die CNT aus der Regierung von Katalonien zu werfen. Der katalonische Präsident Companys, wurde unter Druck gesetzt, Pedro Gimpera, einen bekannten Erzreaktionär und Anarchistenfresser, in sein Kabinett aufzunehmen. Als Antwort zog sich die CNT am 30. Juni aus der Regierung zurück.
Es gab nun nichts mehr, was sich einer groß angelegten Operation der stalinistischen Terrormaschinerie in den Weg stellen konnte. Oglov vom sowjetischen Geheimdienst NKWD wurde von Stalin selbst geschickt, um die Operation zu überwachen. Die Stalinist:innen besaßen einen gut funktionierenden Terrorapparat. Im Juni 1937 schickte die Komintern einen der späteren Helden des Eurokommunismus – Togliatti – nach Spanien, um das Agieren von PCE und PSUC zu überwachen. Das Hauptzentrum des Terrors lag in Albacete, wo die SIM, die Geheimpolizei der Interbrigaden, ihr Hauptquartier hatte. Es war von republikanischer Kontrolle völlig unabhängig und in den Händen des KP-Führers und EKKI-Mitglieds Andre Marty. Ihre Truppenstärke war enorm; allein in Madrid zählte sie 6.000 Mann.
Nach dem Bürgerkrieg prahlte Marty damit, dass er persönlich 500 Mitglieder der Interbrigaden in den Tod geschickt hätte. Es waren jedoch die anarchistischen und die POUM-Arbeiter:innen, welche die volle Wucht der Repression ertragen mussten. Die Stalinist:innen festigten ihre Kontrolle über die Streitkräfte und benutzten sie, um die Unterdrückung all jener, die ihnen im Weg waren, auszudehnen. Im Juni 1937 waren 60 Prozent der Armeeangehörigen Mitglieder der PCE. Viele traten der Partei bei – um zu überleben. Die Stalinist:innen kontrollierten Schlüsselstellen in den Kommandostrukturen der Armee. Aus dieser Position heraus konnten sie POUMisten zu Himmelfahrtskommandos schicken, wie sie es an der Aragonfront taten. Die Alternative dazu bestand darin, hinterrücks erschossen zu werden.
Die Kontrolle der Streitkräfte und ihrer eigenen Terrormaschinerie machte es der PCE leicht, die Reste der Milizen zu zerschlagen bzw. sie in das stehende Heer einzugliedern. Die Regierung Negrin unterstützte die Forderung der PCE nach fester Kontrolle über die CNT-Milizen. Die CNT-Führer kapitulierten vor Negrin. Im Herbst 1937 hatte die Republik schließlich alle unabhängigen Milizen ausgeschaltet. Sie besaß nun über eine halbe Million Soldaten in 152 Brigaden, die ihrem Befehl folgten. Der Befehl aber wurde von den Stalinist:innen gegeben.
Die Milizen waren die letzte noch verbliebene Kraft, welche die Arbeiter:innenkontrolle in den Betrieben und die landwirtschaftlichen Kollektive beschützte. Waren die Milizen ausgeschaltet, war es nur noch eine Frage der Zeit, dass die Republik auch diese Errungenschaften der arbeitenden Massen angreifen konnte. Die Arbeiter:innenkontrolle wurde durch Verstaatlichungen untergraben, indem die Regierung einen Geschäftsführer ernannte, und so die Macht der Arbeiter:innen untergrub. Komplizierter war die Lage für die Stalinisten dagegen auf dem Land.
Im Juni 1937 forderte die linkssozialistische Landarbeiterföderation, dass das Landdekret vom Oktober 1936 auf alle Landbesitzer ausgedehnt werden sollte, welche Arbeitsverträge gebrochen, Arbeiter:innen wegen ihrer Ideen ungerechterweise entlassen, sie an die Polizei ohne berechtigten Grund denunziert oder zum Streikbruch ermuntert hatten.
Als Antwort schlug der PCE-Landwirtschaftsminister diese Forderung nicht nur nieder; er verfügte auch, dass das Land denjenigen Eigentümern, die weniger als 25 Arbeiter:innen beschäftigt hatten, zurückzugeben sei. Der CNT-Generalsekretär des Bauernverbandes von Castillo klagte: „Wir haben schreckliche Schlachten mit den Kommunisten ausgefochten; insbesondere mit Brigaden und Divisionen unter ihrer Kontrolle, die unsere besten Militanten ermordet haben und unsere Kollektivbetriebe barbarisch zerstört haben.“
Als die Ernte im August beendet war, forcierten die Stalinist:innen ihren Terror noch. Sie fingen an, die Kollektive von Aragon mit Gewalt zu zerstören. Die PSUC besaß in diesem Gebiet, das die Hochburg der CNT war, keine Basis. Die Attacke der PSUC begann mit der Auflösung des „Rats von Aragon“, dem letzten verbliebenem revolutionären Komitee, und der Ernennung eines Generalgouverneurs. Der Angriff wurde von einer stalinistischen Pressekampagne, welche die Bäuer:innen von Aragon aller Arten von Verbrechen, einschließlich des Terrors, Diebstahls, des Aufrechterhaltens von Waffenlagern und der Zwangskollektivierung, beschuldigte. Die Stalinist:innen, die die russische Bauernschaft mit vorgehaltenem Bajonett in die Kollektivfarmen getrieben hatten, wandten sich jetzt gegen die Selbstorganisation der Bäuer:innen von Aragon! Die Bäuer:innen von Aragon hatten in das System des Privateigentums tiefe Breschen geschlagen – in das System, das zu verteidigen sich die Stalinist:innen anschickten. Schließlich marschierte Enrique Lister, der PCE-Führer der 11. Division, in Aragon ein und zerstörte die Land-Kollektive. Gemeindekomitees wurden geschlossen. Land und Gerätschaften wurden ihren alten Besitzer:innen zurückgegeben. 600 CNT-Führer wurden verhaftet.
Von diesem Zeitpunkt an war das Schicksal der Republik – und der Revolution – besiegelt. Der Beweis dafür, dass nur die Verteidigung und Ausweitung der sozialen Revolution den Faschismus schlagen konnte, kann am Schicksal der Aragonfront gesehen werden. Innerhalb weniger Monate nach der Attacke der Republik auf die Bäuer:innenschaft brach sie zusammen. Die Republik konnte nicht länger auf die selbstlose Unterstützung der Arbeiter:innen und Bäuer:innen von Aragon zählen.
Angesichts von Francos Erfolgen kam der Komintern auch nicht der leiseste Gedanke, ihre Taktik oder ihre Perspektiven zu ändern. Zur selben Zeit begannen die pro-bourgeoisen Sozialist:innen und die Überbleibsel der republikanischen Bourgeoisie, einen Friedensschluss mit Franco zu erwägen.
Die Antwort der Komintern war, die PCE/PSUC aufzufordern, auf eine Volksfrontpolitik in der Regierung und in der Basis der CNT/UGT zu drängen. Es konnte und wollte die Strategie, die den Weg für den Sieg des Faschismus über das spanische Proletariat ebnete, nicht in Frage stellen.
Stalin hatte zynisch versucht, die Spanische Revolution und Francos Offensive als Druckmittel auf England und Frankreich zu verwenden, um sie zu einem Bündnis mit der UdSSR zu bewegen.
Stalin hoffte, dass die demokratischen imperialistischen Mächte gezwungen werden könnten, ihre eigenen Interessen zu wahren, indem sie Deutschland und Italien in Spanien bekämpften. Auf diese Weise ließe sich auch ein Krieg gegen die Sowjetunion verhindern.
Im März 1938 erklärte Jose Diaz: „Wir wollen, dass (die demokratischen Staaten) uns helfen und wir glauben, dass sie auf diese Weise ihre Interessen verteidigen werden. (…) Die faschistische Aggression schreitet in solchem Tempo voran, dass die nationalen Interessen in einem Land wie Frankreich, zum Beispiel, alle Menschen, die Freiheit und Unabhängigkeit ihre Landes erstreben, von der Notwendigkeit, gegen diese Aggression sich zu erheben, überzeugen müssen.“
Schon immer war die Perspektive der Abhängigkeit von „jenen, die die Freiheit in Frankreich und England ersehnen“ falsch, aber im Lauf des Jahres 1938 wurde sie immer offenkundiger katastrophal.
Großbritannien und Frankreich hatten niemals einen Sieg der Regierungstreuen aus Angst, eine soziale Revolution zu beschleunigen, gewollt. Ein Sieg der Republik würde außerdem, so fürchteten sie, eine deutsch-italienische Invasion provozieren und so in den Krieg mit Frankreich und Großbritannien führen. Obwohl die englische und französische Bourgeoisie sich nicht öffentlich auf die Seite Francos stellte, konnte sie das gleiche Resultat durch die Politik der Nichteinmischung erzielen.
Ende 1938 beendeten England und Frankreich diese Farce. In München unterzeichnete Großbritannien einen „Friedenspakt“ mit Hitler. Danach gaben Stalin und das EKKI die Perspektive, Frankreich und England gegen Hitler zu wenden, auf und die Komintern schwenkte in Richtung auf einen Kompromiss mit Hitler um. Das wurde durch eine scharfe Attacke Dimitrovs in der Prawda im November 1938 gegenüber Großbritannien und Frankreich erhellt. In „Die Einheitsfront gegen den Faschismus nach München“ gab er die Schuld am Versagen von Stalins Außenpolitik denen, die: „reaktionäre Imperialisten (sind), die aus Angst vor dem Anwachsen der Arbeiter:innenbewegung in Europa, der Bewegung der nationalen Befreiung in Asien, aus Hass auf das Land des Sozialismus, die Interessen ihrer eigenen Völker dem Faschismus opfern.“
Dass Stalin die Republik ab diesem Zeitpunkt Francos Faschisten überließ, wurde durch den Abzug sowjetischer Mannschaften und Ausrüstung aus Spanien ab Herbst 1938 offenkundig. Im November wurden auch die Internationalen Brigaden zurückgezogen.
Aber die zynische Lügenpropaganda des Stalinismus fuhr fort, die Notwendigkeit einer internationalen Volksfront zu fordern. Sogar in der Niederlage weigerte sich die PCE, sie zu verlassen. Anlässlich des Falls von Katalonien am 23. Februar 1939 erklärte das Politbüro der PCE: „Es ist ein tiefer Irrtum, zu glauben, dass wir nichts oder nur sehr wenig vom Ausland erwarten dürfen und dass die demokratischen Länder uns jetzt, wo wir eine so wichtige Stellung verloren haben, nicht helfen werden“
Der Stalinismus hegte weiterhin die Illusion, dass der unmittelbar drohende Sieg Francos „die Augen jener, die bis jetzt der Wirklichkeit nicht ins Gesicht sehen wollten, öffnet und die Möglichkeit direkter und indirekter Hilfe für das spanische Volk erweitert.“
Doch schon bereits vier Tage später erkannten Großbritannien und Frankreich Francos Kräfte als die gesetzliche Regierung Spaniens an – einen ganzen Monat vor dem Fall von Madrid und vor dem Ende des Bürgerkrieges!
Die letzten achtzehn Monate des Bürgerkrieges in Spanien selbst reflektieren diese politischen Schwenks in der Komintern. Einerseits wurde die PCE zunehmend politisch isoliert, obwohl dies durch ihre völlige Kontrolle über den Terrorapparat verdeckt wurde. Ende 1937 fügte die PCE noch das Justizministerium ihren Pfründen hinzu, um ihre Kampagne der „Ausrottung der trotzkistischen POUM-Bande“ (EKKl-Brief an die PCE, Juli 1937) noch effektiver durchführen zu können.
Togliattis einzige Antwort auf den politischen Rechtsschwenk war, ihn anzuführen und ihm einen politischen Ausdruck zu verleihen. Togliatti und Stepanov legten auf Veranlassung der PCE einen neuen Programmentwurf zur Annahme seitens der Regierung im April 1938 vor.
Es war das nationalistischste Dokument, das jemals produziert worden war. Seine Hingabe gegenüber der Demokratie war der Verteidigung des Privateigentums untergeordnet. Das EKKI bestand auf der Aufnahme einer Klausel, die das Eigentum von Ausländern beschützte.
Das konnte jedoch nicht verhindern, dass die letzten Kräfte der Bourgeoisie von der Volksfront desertierten. Negrin eröffnete mit Franco im Februar 1938 Verhandlungen. Aber dieser Aufschub und die Verzögerung, die PCE öffentlich und gewaltsam zu stürzen, irritierte das spanische Militärkommando, das jetzt nach Abreise der sowjetischen Berater seinem Schicksal überlassen blieb.
Am 5./6. März bildete Casado als Kopf der Garnison von Madrid einen „Nationalen Verteidigungsrat“ und usurpierte so Negrins ministerielle Autorität. Danach sah er dem Fall von Madrid am 29. März tatenlos zu. Damit war auch die PCE ihre reaktionäre Rolle ausgespielt. Auf der Flucht gab Togliatti am 10. März eine PCE-Erklärung heraus, die dazu aufrief, den Widerstand zu beenden.
Am gleichen Tag tagte in Moskau unter Führung Stalins der 18. Kongress der KPdSU. Die Ereignisse in Spanien wurden kaum erwähnt. Die Lehren der Niederlage sollten nicht gezogen werden. Um das sicherzustellen, brachte Stalin Dutzende seiner Henkersgehilfen nach ihrer Rückkehr aus Spanien um. Stalin hoffte so, das Versagen und die Verbrechen des Stalinismus vor der Geschichte zu verstecken. Aber das war unmöglich. Die spanische Revolution war im Blut jener, die es gewagt hatten, sie zu machen, untergegangen. Trotzki stellet dazu fest: „Stalin in Spanien 1937 ist der Fortsetzer des Stalin der März-Konferenz der Bolschewiki 1917. Aber 1917 fürchtete er die revolutionären Arbeiter nur, 1937 erwürgte er sie. Der Opportunist war zum Henker geworden.“
In diesem Zusammenhang werden die Arbeiter:innen überall gut daran tun, sich die Worte der spanischen Alt-Stalinistin Dolores Ibarruri ins Gedächtnis zu rufen, die 1937 erklärt hatte: „Wir müssen uns immer daran erinnern. Ein unüberbrückbarer Abgrund von Blut liegt zwischen uns und den Trotzkisten.“ Wenn wir unter „Trotzkismus“ hier die Vorhut des spanischen Proletariats, sei sie nun sozialistisch, anarchistisch, zentristisch oder wirklich trotzkistisch, verstehen, dann stimmen wir damit überein. Wir wiederholen es nur für jene, die es bemänteln und ihre „Erfolge“ noch siebzig Jahre danach feiern: Spaniens Blut klebt noch immer an euren Händen!