Arbeiter:innenmacht

Lehren der Spanischen Revolution – Editorial

Redaktion, Die Lehren der spanischen Revolution. Analysen und Dokumente, Broschüre der Gruppe Arbeiter:innenmacht, Juli / August 2026

Vor rund 90 Jahren erhoben sich die spanischen Arbeiter:innen und Bäuer:innen gegen den Militärputsch des faschistischen Generals Franco. Trotz heldenhaften Kampfes und großen Anfangserfolgen mussten sie sich nach drei Jahren geschlagen geben.

Die Erdrosselung der Revolution in Spanien hatte gravierende historische Folgen. Die konterrevolutionären Kräfte konnten ihre Macht festigen und ihre Pläne umsetzen. Der Faschismus riss die Welt in einen neuen Weltkrieg und errichtete ein blutiges Terrorregime. Andererseits konnten nach 1945 die „demokratischen“ Imperialismen auf den Trümmern des Faschismus die Welt neu unter sich aufteilen, v.a. zugunsten der USA. Schließlich konnte sich auch der Stalinismus durch die Niederlage des revolutionären Proletariats in Spanien behaupten, ja sich nach 1945 sogar noch ausbreiten.

Die Aufgabe von Revolutionär:innen ist es, die Geschichte der Spanischen Revolution genau zu studieren und die politischen Lehren zu ziehen. Vor allem gilt es die Frage zu beantworten, warum die heroischen Kämpfe der spanischen Massen, unterstützt von den „Internationalen Brigaden“, in einer vernichtenden Niederlage endeten.

Diese Broschüre ist deshalb der Analyse der Spanischen Revolution gewidmet. Die vorliegende Broschüre eine zweite leicht überarbeitete Neuauflage einer inzwischen vergriffenen Veröffentlichung der Gruppe Arbeiter*innenstandpunkt (Österreich) aus dem Jahr 1986. 2007 publizierten wir sie in der vorliegenden Form neu. Die veröffentlichten Texte wurden für die aktuelle Ausgabe nur leicht redaktionell überarbeitet.

Kernstück dieser Broschüre bildet eine Darstellung des Verlaufs der Spanischen Revolution und die Rolle, die der Stalinismus dabei spielte. Dieser Beitrag ist eine Übersetzung einer Artikelserie der britischen Gruppe Workers Power. Neben anderen Gruppen arbeiteten diese beiden sowie die Gruppe Arbeiter:innenmacht aus Deutschland damals in der „Bewegung für eine revolutionär-kommunistische Internationale (BRKI) zusammen. Aus ihr entstand 1989 die „Liga für eine revolutionär-kommunistische Internationale“ (LRKI) und schließlich 2003 die „Liga für die Fünfte Internationale“ (L5I). 2025 schloss sich die L5I der „Internationalen Sozialistischen Liga“ (ISL) an, deren deutsche Sektion heute die Gruppe Arbeiter:innenmacht ist.

Die Darstellung der Revolution ergänzen wir durch eine Dokumentation, die Artikel enthält, die während der revolutionären Ereignisse in Spanien entstanden sind.

Die „Thesen zum Bürgerkrieg in Spanien“ wurden auf einer Konferenz im August 1937 von den exilierten „Internationalen Kommunisten Deutschlands“ (IKD) verabschiedet und im Januar 1938 in ihrer Halbmonatszeitschrift „Unser Wort“ veröffentlicht. Die IKD war damals Teil der trotzkistischen “Bewegung für eine IV. Internationale“ und stand in der Tradition von Trotzkis Positionen. Diese Thesen wurden kurz nach dem Blutbad von Barcelona (Mai 1937) geschrieben und ziehen mit großer Klarheit die wesentlichen Schlussfolgerungen:

  • Die republikanische Regierung in Valencia ist unter Stalins Fuchtel unfähig, Franco zu besiegen. Nur eine revolutionäre Massenmobilisierung gegen die gesamte spanische Kapitalistenklasse und deren Werkzeug Franco kann die Revolution retten.
  • Klare Ablehnung der Volksfrontpolitik, also des Bündnisses mit Teilen der Kapitalistenklasse. Kritik an der Volksfrontpolitik der Sozialdemokraten, Stalinisten, Anarchisten, aber auch an den Zentristen der POUM.
  • Die Revolution kann nur siegen, wenn es dem revolutionären Proletariat gelingt, sich von den reformistischen und zentristischen Führungen zu lösen und eine revolutionäre Klassenpartei aufzubauen.

Der Text „Der spanischen Tragödie letzter Akt“ wurde von der IKD nach der Einnahme Barcelonas am 26. Januar 1939 durch Franco geschrieben („Unser Wort“, März 1939). Zwei Monate nach dieser demoralisierenden Niederlage endeten die Kämpfe. Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die entscheidenden Etappen der Revolution und versucht, „Beschränktheit, Verrat, Zynismus, bewusste und unbewusste Sabotage“ der Führungen nachzuweisen. Leider hatten sich die in den Thesen ausgesprochenen Befürchtungen – trotz heftigster Kritik von allen Seiten – als allzu richtig herausgestellt.

In diesem Artikel werden auch die außenpolitischen Interessen der Stalin-Bürokratie aufgezeigt. Ihr ging es vor allem darum, ihren „Sozialismus in einem Land“ auf Kosten der Revolution in anderen Ländern zu sichern. Dazu war sie bestrebt, ihre außenpolitische Isolierung durch Bündnisse mit den imperialistischen Mächten zu überwinden. Diese – reaktionären und zugleich illusorischen – Erwartungen bestimmten das Verhalten der Stalin-Bürokratie zur Spanischen Revolution. Vor allem, um sich den „demokratischen“ ‚Regierungen Britanniens und Frankreichs annähern zu können, musste Stalin darauf achten, eine sozialistische Umwälzung in Spanien zu verhindern. Außerdem hätte eine siegreiche Revolution das bürokratische Regime in der Sowjetunion selbst erschüttert.

Daher wurde den spanischen Arbeiter:innen von Moskau eine „demokratische Etappe“ als Ziel der Revolution verordnet; eine alte menschewistische Konzeption, mit der die stalinistische Bürokratie nicht nur die Revolution in Spanien, sondern später auch in Ländern wie Chile, Bolivien usw. usf. erstickte. Damit eng verbunden ist die Volksfrontstrategie. Sie setzt auf ein strategisches und Regierungsbündnis mit Teilen der Bourgeoisie – unter Preisgabe der Machtübernahme des Proletariats und des Sturzes des Kapitalismus. Doch immer und überall hat die Volksfront nur zu Misserfolgen und oft blutigen Niederlagen geführt.

„Spanische Lehren“ ist ein Artikel aus der illegalen „Arbeitermacht“ vom November 1936, dem Organ des „Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“. An der Spitze dieser Gruppe, die damals in Osterreich im Untergrund arbeitete und eine Monatszeitung herausgab, stand Josef Frey. Der Kampfbund stand damals, nach jahrelanger Zugehörigkeit zur trotzkistischen Bewegung, außerhalb der „Bewegung für die IV. Internationale“. Zu anderen Differenzen, die zum Austritt aus der Internationalen Linksopposition geführt hatten, kam dann die Ablehnung der Entrismus-Taktik hinzu, wie sie v.a. von trotzkistischen Organisationen in Frankreich, Belgien und Amerika durchgeführt wurden, aber auch für Spanien und andere Länder von Trotzki vorgeschlagen wurde.

In Spanien setzte Frey viele Hoffnungen in die Gruppe um Nin, da sie so wie der „Kampfbund“ einen Entrismus in die Spanische Sozialistische Partei ablehnte. Er kritisierte aber konsequenterweise die Fusion der Gruppe um Nin mit der Katalanischen Föderation zur POUM. Obwohl wir Freys Stellung zum Entrismus für falsch halten, ist sein Artikel hier von Interesse, da er die Landfrage ins Zentrum der spanischen Revolution rückt.

„Zur Frage der Partei in Spanien“ ist ein Teil eines grundsätzlichen Artikels aus der „Arbeitermacht“ vom März 1937, in dem die Frage von Volksfronten und anderen Bündnissen behandelt wird. Wir drucken diesen Teil deshalb ab, weil hier, wie oben beschrieben, Freys Hoffnungen in die POUM kompakt dargestellt werden.

„Barcelona, Katalonien“ ist ein Artikel aus der deutschsprachigen Zeitung „Der einzige Weg“ vom März 1939. Er fasst die Lehren der Spanischen Revolution nach den Niederlagen in Barcelona und Katalonien zusammen.

Warum haben wir uns zur – leicht überarbeiteten – Neuauflage der Broschüre von 1986 entschlossen? Wir leben in einer Periode der tiefen Krise des Kapitalismus und des Kampfes um die Neuaufteilung der Welt zwischen den alten und neuen imperialistischen Mächten. Solche Perioden bringen notwendigerweise massive Kämpfe zwischen den Klassen und zwischen den Staaten hervor. Diese Perioden der Instabilität werfen zugleich die Frage der historischen Führungskrise des Proletariats – das Fehlen einer revolutionären Führung – mit besonderer Schärfe auf. Die Lösung dieser Führungskrise, der Aufbau neuer revolutionärer Arbeiter:innenparteien und die Formierung einer neuen, der revolutionären Internationale ist auch mit der Erarbeitung eines revolutionären Programms verbunden. Ein solches muss sich auch aus den historischen Erfahrungen des Weltproletariats speisen. Die bittere Erfahrung der Spanischen Revolution nimmt dabei einen zentralen Platz ein.

Berlin, 31. Juli 2026

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