Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse, Arbeitermacht, März 1937
Die Lehren der spanischen Revolution. Analysen und Dokumente, Broschüre der Gruppe Arbeiter:innenmacht, Juli / August 2026
In der Hauptsache verteilen sich die Arbeitermassen in Spanien auf die SP/KP und die Anarchisten; sie bewegen sich also diesen folgend auf kleinbürgerlicher Linie Eine Zeitlang schien es, als würde die POUM (Partei der marxistischen Einheit) der Ausgangspunkt einer wirklich proletarischen Parteibildung werden. Als die trotzkistischen Gruppen liquidatorisch in die SP einzutreten begannen, da stellte sich dem die Trotzkistische Liga Spaniens entgegen, was durchaus richtig war. Aber sie beging den großen Fehler, sich mit der zentristischen Maurin-Gruppe (Katalonien) zu verschmelzen. So wurde die POUM zentristisch, das heißt ein Gebilde, das zwischen der proletarischen und der kleinbürgerlichen Klassenlinie hin und her schwankt. Sie trat in die Volksfront ein, ja sie stellte der katalanischen „Volks“frontregierung sogar einen Minister(Nin).
Doch die Erfahrungen des Bürgerkrieges hämmerten auf die besten Köpfe. So begann sich eine Linksentwicklung in der POUM anzubahnen, was sich erfreulicherweise gerade an dem bisher zentristisch eingestellten Führer Maurin offenbarte. Unter den Kämpfen in Badajoz fiel er unglückseligerweise den Francobanditen in die Hände, die ihn ermordet haben. Überhaupt sind die meisten erfahrenen Genossen der POUM an der Front gefallen. Das ist die Hauptursache der Verzögerung des ideologischen Entwicklungsprozesses der POUM, die inzwischen auf rund 40.000 Köpfe angewachsen ist.
Dass sie im Großen und Ganzen noch immer durchaus zentristisch ist, geht daraus hervor, dass sie für die nächste Zeit einen internationalen Kongress in Barcelona unter Patronanz des zentristischen Londoner Büros (ILP, SAP usw.) organisiert. Immerhin hat in den letzten Monaten ein sehr bedeutender Differenzierungsprozess in ihr eingesetzt. Eine ganze Reihe von Strömungen ringen innerhalb der POUM miteinander, von denen derzeit die wichtigsten sind: 1. die rechte (brandleristische); 2. die zentristische (Nin); 3. die links-zentristische (Andrade); 4. die proletarisch revolutionäre Richtung.
Immer weiter nach rechts drängend, hat die Stalinpartei nicht geruht, bis die POUM um die Jahreswende aus der katalanischen Regierung hinausgedrängt worden ist. Gerade diese Erfahrung bringt viele Mitglieder zum Überdenken, Nachprüfen der POUM-Politik. Es ist zu erwarten, dass diese und die weiteren Erfahrungen die proletarisch-revolutionäre Richtung in der POUM stärken werden. So beginnen sich die Aussichten der Herausbildung der proletarisch-revolutionären Klassenpartei in Spanien wieder zu verbessern.
In den großen Massen der Arbeit, vor allem der anarchistischen, würde eine wirklich proletarisch-revolutionäre Arbeit bald Widerhall und Anhang gewinnen. Der Großteil der anarchistischen Arbeiter sind durch und durch proletarisch-revolutionär gestimmte, kampfentschlossene, opfermutige Arbeiterelemente; sie sind von der anarchistischen Ideologie verwirrt, aber mit richtigem proletarischen Instinkt blicken sie mit berechtigtem Misstrauen auf die Linksbourgeoisie und deren Lakaien, die SP/Stalinpartei.
Der proletarisch-revolutionäre Flügel in der POUM muss sich bemühen, die POUM für folgende Linie zu überzeugen, zu gewinnen:
1. Die POUM unterstützt selbstverständlich weiterhin mit aller Kraft den Kampf gegen die Francobanditen, sie kämpft diesen Kampf aktiv mit.
2. Sie zieht sich aus der „Volks“front zurück und kämpft für die Schaffung der proletarischen Einheitsfront (SP, KP, Anarchisten, POUM) und deren Zusammenfassung in Arbeiterräten, in denen auch die armen Kleinbauern, Kleinbürger vertreten sind.
3. Sie kämpft für die Losung „Weg mit allen Kapitalisten aus der Regierung!“
Zu einer sozialdemokratisch-stalinistischen-anarchistischen Regierung würde sie die Stellung einer ehrlichen loyalen Opposition beziehen. Solange diese Regierung vom Vertrauen der Mehrheit der Arbeiter getragen wäre, würde sie sich auf revolutionäre Propaganda, verbunden mit revolutionärer Kritik beschränken.