Arbeiter:innenmacht

Menstruation ist kein Privatproblem!

Quentin Quarkbrötchen, Neue Internationale 302, Juli / August 2026

Schätzungsweise 300 Millionen Menschen menstruieren jeden Tag. Rund die Hälfte der Weltbevölkerung durchläuft die Menstruation jahrzehntelang, durchschnittlich 450-mal in einem Leben. Doch die Menstruation wird keineswegs als ganz natürlicher Prozess wahrgenommen, sie wird vor allem negativ konnotiert und ist für viele Menschen mit Scham und Stigmatisierung verbunden. Um Aufmerksamkeit und Aufklärung zu schaffen, hat die NGO WASH United den Weltmenstruationstag am 28. Mai (internationaler Tag der Menstruationshygiene) eingeführt.

Jahrhundertelang wurde Menstruierenden ein Sonderstatus zugewiesen, sie galten als hysterisch, als unberechenbar. Auch heute noch werden Menstruierende stigmatisiert. Sie müssen ihre Menstruation im Alltag verstecken, werden als unrein und schwach bezeichnet und ausgegrenzt. Scham und Unsicherheiten sorgen dafür, dass junge Menstruierende sich isolieren, die Schule meiden oder bestimmte Berufe nicht ergreifen können. In nur 40 % der Schulen weltweit wird Menstruation im Unterricht behandelt. Gesellschaftliche Restriktionen und körperliche Beschwerden führen dazu, dass Menstruierende jeden Monat bis zu fünf Unterrichts- und Arbeitstage verpassen.

Tabu, Kontrolle und Reproduktionsarbeit

Das Thema Menstruation ist eng verknüpft mit Sexualität und Selbstbestimmung. Fehlende Aufklärung schafft nicht nur Unsicherheit und Vorurteile, sie dient als Mittel zur systematischen Unterdrückung und Kontrolle über den weiblichen Körper. Das Thema Menstruation wird gezielt ins Private verlagert, wodurch die Sichtbarkeit von und ein Austausch über Menstruation im Alltag fehlen. Die Frau soll im Kapitalismus nicht nur arbeiten gehen, sie ist maßgeblich für die Kindererziehung, für Care- und Reproduktionsarbeit verantwortlich. Die Menstruation steht für Fruchtbarkeit, soll der Zeugung von Kindern dienen. Gleichzeitig wird der Zyklus auf die Blutung reduziert, ungeachtet der komplexen biologischen Abläufe und deren Auswirkungen.

Frauen wurden in der Medizin immer wie unvollkommene Männer behandelt. Der Zyklus wurde systematisch vernachlässigt, indem Menstruierende von Forschung ausgeschlossen und von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten waren. Besonders bemerkbar macht sich das heute noch in der Forschung und Entwicklung von Medikamenten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, denn Frauen sind dort bis heute unterrepräsentiert. Die Auswirkungen der Medikamente auf nicht männliche Körper sind nicht hinreichend geklärt, da die Forschung vom männlichen „Normkörper“ ausgeht. In Studien werden zyklusbedingte Hormonschwankungen als Hindernis oder Komplikation gesehen.

Ein weiteres großes Problem: Extreme Schmerzen und depressive Verstimmungen werden nicht ernst genommen und als normal abgetan. Das führt dazu, dass Diagnosen wie Endometriose, prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) oder das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS; früher polyzystisches Ovarialsyndrom, PCOS) erst viele Jahre nach der Menarche, der ersten Monatsblutung, gestellt werden.

Periodenarmut ist eine Klassenfrage

Seit Jahrzehnten unterfinanziert, besteht erheblicher Nachholbedarf in der Forschung zu Menstruationsbeschwerden und entsprechenden Krankheiten. Trotz der Mehrwertsteuersenkung von 19 % auf 7 % seit 2020 sind Periodenartikel nicht günstiger geworden, ganz im Gegenteil: Sie werden immer teurer. Periodenartikel sind notwendige Grundversorgung. Für die Hersteller:innen von Hygieneartikeln sind sie zugleich ein dauerhaftes Geschäft, weil Menstruierende jeden Monat auf diese Produkte angewiesen sind.

Laut den Ergebnissen einer Studie von Plan International Großbritannien gab jede zehnte Befragte an, sich entsprechende Menstruationsartikel nicht leisten zu können. In öffentlichen Toiletten fehlen nicht nur kostenlose Periodenprodukte, es stehen nicht einmal überall Mülleimer zur Verfügung. Da nicht alle Menstruierenden Frauen sind, müssen Menstruationsprodukte auf allen Toiletten ausliegen.

Zugleich fehlt weltweit der Zugang zu adäquaten Periodenprodukten. In Kriegsgebieten ist die humanitäre Lage äußerst prekär. Schlechte medizinische Versorgung trifft natürlich alle. Nichtsdestotrotz sind Menstruierende, wie andere marginalisierte Gruppen auch, besonders stark betroffen. Menstruierende sind auf fließendes, sauberes Wasser und abschließbare Toiletten angewiesen.

In Gaza sind über 90 % der sanitären Anlagen zerstört. Anstelle von Binden nutzen Menschen alte T-Shirts und Stoffreste. Dadurch erhöht sich das Risiko für Infektionen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane.

Deswegen fordern wir:

  • Aufklärung statt Scham: Das Thema Menstruation muss im Unterricht behandelt werden!
  • Kostenlose Menstruationsartikel an allen Schulen, Unis, in Betrieben und öffentlichen Toiletten!
  • Schluss mit Transfeindlichkeit: Menstruationsprodukte auf allen Toiletten!
  • Unkomplizierte Krankmeldung bei Periodenbeschwerden an Schulen und Unis sowie das Recht auf Menstruationsurlaub!
  • Massive Investitionen in die Forschung hinsichtlich Menstruationsbeschwerden und Verhütungsmitteln, bezahlt von den Profiten der Reichen, die Forschung unter Arbeiter:innenkontrolle!

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