Arbeiter:innenmacht

Argentinien: Politisches Manifest der MST in der FIT-U

Jetzt ist die Zeit gekommen – und es liegt an der Linke sie zu nutzen

Lasst uns auf eine historische Bewegung hinarbeiten

MST, Argentischen Sektion der Internationalen Sozialistischen Liga, Infomail 1317, 11. August 2026

Die Veränderungen, die wir erleben, und die Aufgaben der Linken

In einer Welt und einem Land, die von intensiver sozialer und politischer Polarisierung geprägt sind, laufen zwei Phänomene zusammen, die zu einer Verschiebung der politischen Landschaft beitragen. Präsident Milei verliert aufgrund seiner gegen die Rechte der Massen  gerichteten Agenda an Boden und Unterstützung in Teilen der Bevölkerung. Sein Plan führt dazu, dass Millionen von uns mit immer schlechteren Lebensbedingungen konfrontiert sind. Auf der anderen Seite gelingt es dem Peronismus – einer historischen Partei mit einer breiten sozialen Basis und einer Führung, die als Eckpfeiler des bürgerlichen Regimes fungiert – nicht, sich zu stabilisieren, sondern seine Krise verschärft sich sogar noch. Der Peronismus hat Millionen enttäuscht und steckt nun in Versagen, Zersplitterung, internen Streitigkeiten und einem Verlust an Unterstützung in der Arbeiter:innenklasse und der Bevölkerung fest.

Das führt zu einem politischen Vorstoß der Linken, die – organisiert in der Frente de Izquierda y de Trabajadores – Unidad (FIT-U; Vereinigte Front der Linken und Arbeiter:innen) – sich zunehmend als Alternative zu aller Politik alter Prägung herauskristallisiert.

Umfragen zeigen, dass Politiker:innen wie Myriam Bregman stetig steigende Zustimmungswerte verzeichnen. Unterdessen reisen führende Genoss:innen der FIT-U wie Cele Fierro, Alejandro Bodart und Ana Paredes Landman durch das Land, gewinnen Unterstützung und steigern die Sympathie für das linke Projekt, das wir aufbauen. Diese Sympathie und Unterstützung für die Linke spiegelt sich in Meinungsumfragen wider, zeigt sich aber auch in der sozialen Unterstützung, die an jedem Arbeitsplatz und in jeder Schule, in Arbeiter:innenvierteln und in den laufenden Kämpfen zu finden ist – dort, wo die Linke an Boden gewinnt, weil sie die einzige politische Strömung ist, die denjenigen, die auf die Straße gehen, um ihre Rechte einzufordern, echte und beständige Förderung bietet.

Diese Hinwendung zur Linken durch einen bedeutenden Teil der Arbeiter:innenklasse und der Jugend, zusammen mit der wahrscheinlichen Aussicht, dass die Krise innerhalb des Peronismus nicht abklingen wird – und dass dies den Weg für einen großen Vorstoß der antikapitalistischen und sozialistischen Linken ebnen wird –, unterstreicht die Notwendigkeit, unsere derzeitigen politischen Instrumente, wie die FIT-U, positiv zu verändern. Außerdem eröffnet dies die Möglichkeit, dass etwas Neues und Mächtiges entsteht – eine große revolutionäre Partei oder Bewegung, die bestehende Parteien zusammenbringt oder zumindest diejenigen, die bereit sind, einen strategischen und vereinigenden Schritt hin zu einer gemeinsamen politischen Organisation der revolutionären Linken zu machen. Das Ziel ist es, uns als Linke angesichts der wahrscheinlichen Aussicht auf große Veränderungen und einen Sprung nach vorn im Klassenkampf zu stärken – Veränderungen, die die historische Chance und Herausforderung eröffnen, um die politische Macht im Land zu erkämpfen und der Linken erstmals die Regierungsführung zu ermöglichen.

Was sollen wir also tun? Wie kämpfen wir weiter gegen die extreme Rechte und Milei, bis wir sie besiegt haben? Wie reagieren wir auf diejenigen, die einen Weg innerhalb der Strukturen und der Logik dieses zerfallenden kapitalistischen Systems vorschlagen? Was sagen wir den Tausenden, die vom Peronismus und anderen traditionellen politischen Strömungen desillusioniert sind? Welche Rolle muss die FIT-U in dieser Situation spielen? Was für eine Partei oder Bewegung bauen wir auf, wie und mit wem? Wenn wir an die Macht kommen, welches Programm werden wir umsetzen? Wie kannst du dich in diesem Kampf engagieren? Zu diesen und anderen Themen teilen wir unsere Ideen und Vorschläge in diesem MST-Manifest für die FIT-U mit.

Einheit auf den Straßen und Koordinierung der Kämpfe, um die Bosse und die Rechten zu besiegen

Wir können Mileis rechtsextreme Regierung nicht länger tolerieren. Mit jedem Tag gibt es einen neuen Angriff auf die sozialen und demokratischen Rechte der arbeitenden und breiten Volksmassen. Auch wenn sie schwächer ist, unter Beschuss steht und an gesellschaftlicher Unterstützung verliert, dürfen wir die Regierung nicht unterschätzen, geschweige denn ihr Zeit oder Spielraum geben, wie es die peronistische Gewerkschaftsbürokratie tut, indem sie sie ungehindert agieren lässt. Wir müssen sie mit aller Kraft bekämpfen, bis wir sie besiegen und ihrem gesamten Plan ein Ende setzen. Milei und seine Regierung wollen an der Macht bleiben und beabsichtigen sogar, sich zur Wiederwahl zu stellen. Wir wollen, dass sie durch die Kraft massiver Kämpfe auf der Straße abtreten, nicht indem wir auf Wahlen warten. Wir müssen die Reaktion so schnell wie möglich besiegen.

Zu diesem Zweck müssen wir die größtmögliche Einheit im Handeln auf der Straße fördern, ohne jegliche Art von Sektierertum, um sicherzustellen, dass Millionen von uns der Regierung die Stirn bieten.

Außerdem ist es entscheidend, in jedem einzelnen Kampf eine Einheitsfrontpolitik zu entwickeln, so wie es die Garrahan-Beschäftigten getan haben – sie organisierten offene öffentliche Versammlungen, Massenversammlungen im Krankenhaus, Kundgebungen, Streiks und Demonstrationen, die die Beschäftigten in ihrer ganzen Vielfalt vereinten, setzten andere Führungsspitzen in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen unter Druck, ihren Kampf zu unterstützen, und führten verschiedene Straßenaktionen durch, die der Regierung zum Rückzug zwangen. Der Garrahan-Kampf war und bleibt ein großartiges Beispiel dafür, was getan werden kann, um die Regierung zu besiegen.

Derzeit, da Milei und die Unternehmerverbände weiter angreifen, müssen wir jeden kämpfenden Sektor unterstützen. Wir müssen sie mit Solidarität stärken, um ihnen zu helfen, ihre Kämpfe für Löhne, angemessene Renten, gegen Entlassungen, für soziale Hilfe für Bedürftige, für echte Arbeit, für Universitäten und Wissenschaft, für eine öffentliche, kostenlose und gerechte Gesundheitsversorgung und Bildung, zur Verteidigung unserer Gemeingüter sowie unserer Rechte auf Demokratie, Geschlechter- und sexuelle Vielfalt zu gewinnen. Von links aus müssen wir – aufbauend auf den Fortschritten, die wir machen, und der wachsenden sozialen und politischen Rückendeckung, die sich immer deutlicher abzeichnet – eine entscheidende Rolle dabei spielen, diesen Fortschritt und die Sympathie von Millionen Menschen in den Beistand für die Kämpfenden zu lenken, jeden Kampf zu ermutigen, dabei zu helfen, sie zu vereinen und weit auszubreiten, und ihr Selbstvertrauen und ihre Begeisterung wachsen zu lassen, damit sie auf die Straße gehen – und so der Passivität aller Bürokratien entgegenwirken und sie konfrontieren.

Es gilt keine Zeit zu verlieren. Neben der Förderung dieser Kämpfe müssen wir helfen, sie zu koordinieren; wir können uns nicht auf die alte, verrottete Gewerkschaftsbürokratie verlassen. Wir müssen den Kampf jedes Sektors selbst in die Hand nehmen, die Koordination in jeder Stadt und Region fördern und neue, echte, offene und demokratische Räume schaffen, die jeden Kampf wirklich voranbringen, indem wir Maßnahmen vorschlagen, die sie vereinen und stärken, die den Aktivismus der Arbeiter:innen und der Bevölkerung zusammenbringen und dabei die Entscheidungen jedes Sektors respektieren, und über die begrenzten Erfahrungen der Vollversammlung des kämpferischen Gewerkschaftswesens (PSC) hinausgehen – ein Forum, das in keinem der wichtigsten Kämpfe der letzten Zeit eine positive Rolle gespielt hat.

Wir müssen Versammlungen an Arbeitsplätzen und in Schulen fördern, um Entscheidungen demokratisch zu treffen, sowie echte Prozesse der Selbstorganisation, die sich zu Erfahrungen entwickeln können, die zukünftige Organe der Doppelherrschaft vorwegnehmen. Jede Gewerkschaft oder Student.:innenorganisation, die von der Linken geführt wird, müssen wir wirklich verändern – ohne die Methoden der Bürokratie zu kopieren, sondern indem wir uns an die Basis wenden, auf versammlungsbasierte Entscheidungsfindung setzen und vor allem sicherstellen, dass Tausende von Menschen wirklich mitreden können. Wir müssen auch Arbeiter:innenfamilien in Arbeiter:innenvierteln organisieren, demokratisch und im Gegensatz zu den alten Patronagesystemen, und den Kampf um Arbeit und Sozialhilfe vorantreiben.

Schließlich müssen wir auf der Grundlage dieser Kämpfe und Organisationsbemühungen natürlich weiterhin fordern, dass die Gewerkschaftsbürokratien der großen Verbände die notwendigen landesweiten Aktionen und Streiks ausrufen, um Mileis Plan und die Agenda der Bosse zu besiegen. Wir müssen uns dafür einsetzen, eine massive politische, gewerkschaftliche und soziale Aktion gegen Mileis Plan und die Sparmaßnahmen aller Provinzgouverneur:innen aufzubauen – einen großen Marsch der Wut, der die laufenden Kämpfe vereint und beflügelt.

Keine Zeit verschwenden über die Enttäuschung mit dem Peronismus

Neben der Notwendigkeit, die derzeitige Regierung und alle auf Sparmaßnahmen ausgerichteten Gouverneur:innen – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit – zu beseitigen, müssen wir den Weg für eine neue und andere politische Alternative ebnen, die mit allen Mustern vergangener Erfahrungen bricht, die die Mehrheit enttäuscht und ihr Sparmaßnahmen aufgezwungen haben. Diese Erfahrungen, die von früheren Regierungen umgesetzt wurden, sind dafür verantwortlich, dass sich das Leben der großen Mehrheit verschlechtert hat und das Land in die Katastrophe gestürzt wurde, unter der wir heute leiden.

Deshalb können wir, wenn wir wirklich vorankommen und positive Veränderungen bewirken wollen – einschließlich einer Zukunft für unsere Familien –, nicht wieder in die gescheiterten Rezepte derer zurückfallen, die uns bereits regiert haben. Jedes Mal, wenn Mileis Agenda ins Stocken gerät, kehren alte Politiker:innen und ehemalige Sparpolitiker:innen mit Versprechungen und falschen Lösungen zurück. Genau dieselben Leute, die, als sie an der Regierung waren, Katastrophen verursacht und damit den Weg für den Aufstieg von Milei geebnet haben, wollen sich nun als Retter:innen präsentieren und bitten erneut um Unterstützung und Stimmen. Es sind dieselben Leute, die während dieser fast drei Jahre libertärer Regierung Abgeordnete und Senator:innen dazu gebracht haben, für die Regierungsvorlagen zu stimmen, das Quorum zu sichern oder Sitzungen zu schwänzen, wenn ihre Stimme entscheidend ist. Es sind Abgeordnete alter Parteien wie der PJ (Partido Justicialista, wörtlich „Justizialistische Partei“; von spanisch justicia, „Gerechtigkeit“; zuvor formal und bis heute im Volksmund Partido Peronista, „Peronistische Partei“) oder der UCR (Unión Cívica Radical; Radikale Bürgerunion), die unfähig sind, die extreme Rechte zurückzudrängen oder zu besiegen – weder im Parlament noch auf der Straße, wo sie kaum etwas gegen Milei unternehmen.

Wir wollen Millionen von Menschen dazu aufrufen, etwas Neues zu wagen – denn nur so lässt sich vermeiden, in politische Fallen zu tappen, die nur zu weiteren Enttäuschungen führen. Wir sind fest davon überzeugt: Wenn es eine Sache gibt, die unmöglich ist, dann ist es, dass Lösungen für den Mangel an Löhnen, Arbeitsplätzen, Wohnraum, Gesundheitsversorgung oder Bildung von jenen kommen, die jedes Mal, wenn sie an der Macht sind, Sparmaßnahmen durchsetzen und unser Leben verschlechtern. Wir können ihnen überhaupt nicht vertrauen. Es gibt jede Menge Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart, die zeigen, dass von den alten politischen Strukturen, die weder unsere Bedürfnisse und Forderungen noch unsere Sehnsucht nach Veränderung und einem würdigen Leben vertreten, nichts Gutes zu erwarten ist.

Den Weg zu etwas Neuem zu ebnen, beginnt mit der gemeinsamen Erkenntnis, dass es keine größere Illusion gibt, als zu glauben, dass, immer wieder dasselbe zu tun, zu anderen Ergebnissen führen würde. Die Wahrheit ist: Das ist nicht der Fall. Wir müssen kämpfen, siegen und Milei absetzen – ohne die Führung des Peronismus oder anderer alter Parteien unterstützen zu müssen, die, sollten sie wieder regieren, uns erneut die Folgen neuer Sparmaßnahmen erdulden lassen würden, die darauf abzielen, die Kapitalist:innen und den IWF zu besänftigen. Vor allem die PJ war die größte Enttäuschung und ist heute in interne Konflikte, Machtkämpfe und Ego-Auseinandersetzungen verstrickt, während sie schon vorab ankündigt, dass sie, sollte sie wieder an die Macht kommen, sehr moderat und freundlich gegenüber Großkapitalist:innen und den Mächtigen sein wird. Mit anderen Worten: Sie wird an die Macht zurückkehren, ohne diese Interessen oder Gewinne anzutasten. Deshalb wird sie auch dieses Mal wieder keines der Probleme lösen, unter denen die große Mehrheit von uns leidet.

Wir wissen, dass Millionen von all dem enttäuscht sind und sich fragen, wie man Milei loswerden kann. Um zu dieser Debatte beizutragen, möchten wir einen Vorschlag machen: Wir glauben, dass es nicht dadurch gelingen wird, sich an diejenigen zu wenden, die ihm den Weg zur Macht geebnet haben. Es wird nicht gelingen, indem man denen politische und wahlpolitische Unterstützung gibt, die – sollten sie gewinnen – Sparmaßnahmen durchsetzen werden – und das Einzige, was sie damit erreichen, ist, dass einige Jahre später ein weiterer Milei oder jemand noch Schlimmeres zurückkehrt. Es ist Zeit, Milei loszuwerden, indem man ihn auf der Straße bezwingt und eine neue linke Alternative anbietet. Es ist Zeit, etwas Neues, Großes, Vereintes und wirklich Anderes aufzubauen und mitzugestalten.

Es ist Zeit für die Linke und für ein weitreichendes Programm, das jegliche kapitalistische Macht abbaut und die Interessen der Reichen und Mächtigen in Frage stellt. Dazu ist die PJ nicht bereit, denn sie verteidigt den Kapitalismus.

Aus all diesen Gründen laden wir Tausende von Arbeiter:innen und jungen Menschen mit peronistischem Hintergrund ein, sich uns anzuschließen und Teil unseres linken Projekts zu werden, um etwas Neues und Großartiges aufzubauen. Hier habt ihr die Möglichkeit, eine führende Rolle in einer neuen, historischen, antikapitalistischen und sozialistischen Bewegung zu spielen, die alle Enttäuschungen der Vergangenheit überwindet. Eine Bewegung, die sogar die historischen Fahnen der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der politischen Souveränität weiterführen wird – Fahnen, die von der peronistischen Führung aufgegeben wurden und die heute nur noch als Teil eines substanziellen Programms des antiimperialistischen und antikapitalistischen Bruchs vorangebracht werden können, das nur wir auf der Linken bereit sind, voranzutreiben.

FIT-U und die Einheit der Linken: Eine Errungenschaft und eine Notwendigkeit

Genauso wie es notwendig ist, jeden Vorschlag abzulehnen, der auf falsche Wege führt – Wege, die wir bereits beschritten haben –, ist es auch unerlässlich, die Stärkung von etwas Neuem zu fördern. Und wenn es neu ist, kann es nur von der Linken kommen; wir sind die einzige politische Strömung, die keine Verantwortung für die Katastrophen früherer Regierungen oder der aktuellen Regierung trägt. In unserem Land wurden alle möglichen kapitalistischen Pläne umgesetzt, aber niemals der Plan der Linken, der eine echte Alternative darstellt und im Gegensatz zu allen anderen steht.

Da wir zudem mit sehr mächtigen Interessen aller Kapitalist:innen und ihrer Parteien konfrontiert sind, brauchen wir die größtmögliche Einheit innerhalb der Linken, um dieser Macht die Stirn zu bieten. Deshalb sind wir Teil der FIT-U; wir schätzen ihre einheitliche Struktur, die seit Jahren besteht, und setzen uns für ihren Fortbestand ein. Als Beitrag zu ihrer Verteidigung und Stärkung schlagen wir vom MST vor, dass die FIT-U voranschreitet und sich zu etwas viel Besserem wandelt.

So positiv es auch ist, dass es eine Wahlfront der Linken gibt, so einschränkend ist es auch, dass unserer Front eine gemeinsame Strategie für das Handeln im Klassenkampf und in allen Bereichen des politischen und sozialen Kampfes fehlt. Deshalb streben wir danach, die FIT-U zu einer großen, geeinten Partei der Linken zu machen, die dauerhaft arbeitet, in der alles diskutiert wird, Einigungen für das Handeln an allen Fronten gesucht werden und wir mit den natürlichen Unterschieden, die es gibt, koexistieren. Eine Partei, die Tausende unabhängige Aktivist:innen, Führungskräfte sozialer Bewegungen und Intellektuelle zusammenbringt und integriert. Wir brauchen all diese Kräfte in unserer gemeinsamen Front.

Die Front der Linken zu verteidigen bedeutet, für ihre Transformation und Weiterentwicklung zu kämpfen

Es gibt Genoss:innen – wie die Führungen von PO (Partido Obrero) und IS (Izquierda Socialista) –, die das nicht für notwendig halten und vorschlagen, dass alles mehr oder weniger so weitergeht wie bisher. Wir glauben, das wäre ein riesiger Fehler. Im Land finden enorme politische Veränderungen statt, und immer mehr neue Bevölkerungsgruppen bewegen sich nach links. Die derzeitige FIT-U kann auf diesen massiven Wandel nicht reagieren, indem sie einfach weitermacht wie bisher oder stillsteht. Wenn sich die Realität ändert, muss sich auch die FIT-U ändern. Wir stehen vor der Herausforderung, dafür zu sorgen, dass unsere Front über sich hinauswächst und sich an die Situation anpasst – dass sie sich zu einer politischen Organisation entwickelt, die nicht auf Wahlpolitik beschränkt ist. Wir hoffen, dass die Parteien in der FIT-U, die das nicht so sehen, über all das nachdenken und offen dafür sind, Schritte nach vorne zu machen. Wir werden weiter darauf bestehen, denn wir brauchen alle, und wir geben das Ziel nicht auf, dass sich die gesamte Front zu einer einheitlichen Organisation entwickelt, die die gemeinsame Strategie und das gemeinsame Programm vorantreibt, die wir bereits haben.

Für eine neue Partei oder Bewegung, die Tausende organisiert

Die FIT-U, zu der wir gehören und die wir schätzen, muss weiterhin als Instrument der Einheit auf der Linken dienen. Gleichzeitig erfordert die Chance, die sich uns bietet, etwas viel Größeres und Mächtigeres. Und in diesem Zusammenhang ist eine zentrale Debatte, welche Art von politischem Instrument wir aufbauen können. Im Kampf gegen alle Parteien des kapitalistischen Systems brauchen wir Arbeiter:innen unsere eigene Partei. Deshalb ist es kein Zufall, dass die gesamte Linke schon seit einiger Zeit darüber debattiert, welche Art von politischer Organisation wir aufbauen sollen und mit wem. Wie gesagt: Die FIT-U kann ein großartiges gemeinsames Instrument werden oder diesen Aufbau vorantreiben – zumindest mit denjenigen innerhalb der Front, die bereit sind, ihn voranzutreiben.

Unserer Meinung nach müssen wir es wagen, eine neue historische Bewegung zu schmieden – diesmal von links –, die die enttäuschenden Erfahrungen mit der PJ und all den konservativen Kräften innerhalb des Systems endgültig überwindet. Um das zu erreichen, müssen wir eine große revolutionäre Partei, Bewegung oder wie auch immer wir sie nennen wollen, aufbauen. Entscheidend ist, dass sie in der Lage sein muss, Tausende von Arbeiter:innen und jungen Menschen zusammenzubringen, damit wir den Wandel in einem großen Teil der Bevölkerung nutzen können, der der Linken mit Sympathie begegnet, und dadurch Tausende in diese neue und mächtige politische Organisation einbinden können. Wir leben in einer Zeit, in der es nicht darum geht, ob jede einzelne linke Partei für sich genommen ein bisschen mehr wachsen wird – das wird sicher passieren. Heute ist die Herausforderung viel größer: Die Frage ist, ob wir durch politische und programmatische Einigung gemeinsam eine große revolutionäre Bewegung oder Partei aufbauen können, die die besten Erfahrungen aller vereint und Führungskräfte, Kader sowie die gesamte derzeitige Mitgliederbasis zusammen mit Tausenden von Unabhängigen, Intellektuellen und Führungspersönlichkeiten sozialer Bewegungen in einem gemeinsamen Projekt zusammenbringt.

Unser Vorschlag baut auf dem Programm der „FIT-U“ auf: Wir sollten voranschreiten, um eine große revolutionäre Partei oder eine vereinte Bewegung der Linken zu schmieden, die mit der Strategie der Revolution, der Arbeiter:innenregierung und des Sozialismus effektiv in alle politischen und sozialen Kämpfe eingreifen kann. Eine, die verschiedene bestehende Parteien sowie Tausende von Unabhängigen vereinen kann, die sich der Sache anschließen. Sie sollte nach der Methode des demokratischen Zentralismus funktionieren – das heißt: eine möglichst breite Einheit, um alles demokratisch und gründlich zu diskutieren, um dann gemeinsam zu entscheiden und in der Praxis mit voller Kraft und Einigkeit zu handeln. Gleichzeitig muss sie, wenn sie aus verschiedenen Organisationen gebildet werden soll, die sich mit Tausenden neuer Aktivist:innen zusammenschließen, auch – zumindest vorübergehend – die Existenz interner Tendenzen oder Strömungen zulassen, die ihre bisherigen Entwicklungsstufen widerspiegeln, mit ihren Positionen, Übereinstimmungen, Differenzen, Erfahrungen und ihrer Aktivist:innenarbeit im ganzen Land. Das steht nicht im Widerspruch zum Funktionieren einer demokratisch-zentralistischen Partei, die intern und kollektiv debattiert, abstimmt und per Mehrheitsbeschluss über eine bestimmte politische Linie als Antwort auf jede konkrete Situation entscheidet, wobei Minderheiten diese Realität respektieren. Und da wir aus verschiedenen internationalen Gruppierungen stammen und Teil davon sind, sollte es für eine gewisse Zeit auch das Recht auf freie internationale Zugehörigkeit geben, damit es in diesem dringend benötigten internationalistischen Bereich keine Zwänge gibt.

Wir haben diesen Vorschlag insbesondere mit unseren Genoss:innen der PTS diskutiert, die sich für Komitees einsetzen, um eine Bewegung hin zu einer Partei der neuen Arbeiter:innenklasse aufzubauen. Wir haben sie darauf hingewiesen, dass der MST-Kongress dafür gestimmt hat, diese Komitees und diese Debatte über eine Bewegung für eine neue Partei auf einheitliche Weise zu organisieren, obwohl die Genoss:innen der PTS diese Komitees und diese Debatte bisher weiterhin auf eigene Faust vorantreiben, was die Bemühungen selbst unnötig schwächt, wo wir das doch gemeinsam und mit größerer Kraft tun könnten.

Sie haben auch erklärt, dass es erhebliche Unterschiede gibt, die uns daran hindern würden, eine Partei zu gründen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, und sie sagen uns, dass wir diese Unterschiede herunterspielen. Wir in der MST glauben, dass es nicht darum geht, Unterschiede herunterzuspielen; es geht darum, nicht den Fehler zu machen, diese Unterschiede über die wesentlichen Übereinstimmungen zu stellen, die wir teilen. Wir haben durchaus strategische Übereinstimmungen: den Kampf für eine Arbeiter:innenregierung und den Sozialismus. Wir haben tatsächlich erhebliche Übereinstimmungen in Bezug auf Inhalte und Programm – nämlich die FIT-U, die wir alle verteidigen und fördern. Außerdem treiben wir derzeit gemeinsam Kämpfe und regionale Koordinierungsbemühungen voran. Innerhalb dieses Rahmens gibt es Nuancen und Unterschiede – Unterschiede, die nicht geleugnet, sondern auf gesunde und faire Weise diskutiert werden sollten.

Wir sind überzeugt: Wenn es darum geht, eine große Bewegung oder Partei mit Zehntausenden von Mitgliedern aufzubauen, wird es immer Debatten, Nuancen und Unterschiede geben. Es ist utopisch zu glauben, dass eine große Partei auf der Grundlage einer Art „einheitlichen Denkens“ aufgebaut werden kann.

Für die MST ist es nicht unmöglich, wegen Differenzen eine große, geeinte politische Organisation aufzubauen; unmöglich ist es vielmehr, dass es in einer Organisation mit Tausenden von Mitgliedern keinen Gedankenaustausch oder keine Debatten zwischen der Mehrheit und der Minderheit gäbe. Wenn diese offensichtliche Realität nicht anerkannt wird, glauben wir, dass es niemals möglich sein wird, eine Organisation aufzubauen, die in der Lage ist, Einfluss auf die Massen auszuüben.

Wir bei der MST glauben an den Aufbau dieser großen revolutionären Organisation mit Zehntausenden von Aktivist:innen, und wir sind bereit, mit erheblichen strategischen und inhaltlichen Übereinstimmungen, Nuancen und Differenzen zu leben, weil wir glauben, dass diese große Einheit notwendig ist. Die Führung der PTS muss sich endlich entscheiden, ob sie diese mögliche Einheit als unverzichtbar dafür ansieht, dass der revolutionäre Prozess in unserem Land vorankommt, oder ob sie glaubt, revolutionäre Veränderungen allein erreichen zu können, ohne in strategischer Einheit mit anderen linken Kräften zusammenarbeiten zu müssen.

Das ist die entscheidende Debatte. Wir unsererseits glauben, dass keine einzelne bestehende Organisation einer solchen Herausforderung und Chance gewachsen ist und dass wir gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen müssen, um faire und strategische Vereinbarungen zu finden. Wir hoffen, dass unsere Genoss:innen über diese Fragen nachdenken und sich dazu inspirieren lassen, gemeinsam eine große revolutionäre politische Kraft aufzubauen – was der einzige Weg für die Linke ist, qualitative Fortschritte zu erzielen. Von Seiten der MST werden wir weiterhin auf unserem Vorschlag für eine Einheit bestehen, um gemeinsam eine große revolutionäre Bewegung oder Partei aufzubauen.

Ein Pan für eine Arbeiter:innenregierung und eine Programm, um alles zu verändern

Die Möglichkeit einer linken Regierung – also einer Regierung derjenigen, die sich für eine Arbeiter:innenregierung einsetzen – wird aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen mittlerweile an verschiedenen Stellen diskutiert. Deshalb ist es wichtig zu erklären, wie unsere Regierung aussehen würde. Schließlich geht es nicht um mehr vom Gleichen und auch nicht darum, einfach nur eine/n Präsident:in durch eine/n andere/n zu ersetzen. Das ist kein individuelles Problem, sondern ein kollektives und klassenbasiertes. Auf der Linken haben wir Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Führungskräfte mit Erfahrung und einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz, die alles für die Regierung geben werden, für die wir auf der Linken eintreten – eine kollektive Regierung der Arbeiter:innenklasse und ihrer echten Basisorganisationen.

Wenn wir von einer Regierung der Arbeiter:innen und der Volksmassen sprechen, meinen wir ein grundlegendes Projekt, das auf der kontinuierlichen Mobilisierung der Mehrheit der Arbeiter:innenklasse und der Jugend beruht und das mit dieser mobilisierten Kraft alles auf den Kopf stellen, diesem verfallenden kapitalistischen System ein Ende bereiten und seine privilegierten, bürokratischen und repressiven Institutionen zu Fall bringen wird. Und sie wird regieren, indem sie andere, wahrhaft demokratische Institutionen schafft – solche, für die sich die Arbeiter:innenklasse und die Massen entscheiden und die sie als gesellschaftliche Grundlage ihrer eigenen Regierung fördern.

Deshalb geht es bei unserer Regierung nicht um das Gleiche wie immer, auch nicht um bloße Reformen und schon gar nicht darum, mit den Überresten der politischen, rechtlichen und repressiven Strukturen des derzeitigen kapitalistischen Regimes zu koexistieren. Eine linke Regierung wird den gesamten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen der kapitalistischen Klassen sowie ihrer Parteien und Medienvertreter:innen in Frage stellen und umgestalten. Sie wird den Weg für den Aufbau eines Regimes echter Arbeiter:innendemokratie ebnen, im Bündnis mit den Volksschichten sowie mit prekär lebenden Jugendlichen und Studierenden. Ein wahrhaft demokratisches Regime, in dem die Arbeiter:innenklasse und das Volk über alle Fragen selbst entscheiden.

Diese Regierung, die wir anführen werden, hat zudem ein klares und genau definiertes antikapitalistisches und sozialistisches Programm. Und das gilt trotz der Tatsache, dass die Medien und die ideologischen Apparate der kapitalistischen Macht und ihrer Parteien immer wieder falsche Botschaften gegen die Linke verbreiten und versuchen, die Mehrheit der Arbeiter:innenklasse davon zu überzeugen, dass wir keine Vorschläge hätten und nur wissen, wie man Widerstand leistet. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es ist genau das Gegenteil der offiziellen Darstellung des Systems: Wir, die antikapitalistische und sozialistische Linke, sind die einzige Kraft mit einem substanziellen Programm und einer Vision für einen echten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel.

Wir sind die einzige politische Kraft, die, sollte sie an die Macht kommen, schnelle und dringende Maßnahmen ergreifen würde, um die gravierenden sozialen Probleme unseres Landes anzugehen, indem wir die Interessen derjenigen in Frage stellen, die am meisten besitzen. Als Teil unserer vielen anderen politischen und programmatischen Vorschläge skizzieren wir hier 10 Kernpunkte unseres Programms und die wichtigsten ersten Maßnahmen, die eine linke Arbeiter:innenregierung umsetzen würde. Dieses Programm ist, wie wir später erläutern, Teil eines unverzichtbaren internationalistischen Kampfes.

1. Den dringenden Bedürfnissen der arbeitenden Bevölkerung Vorrang einräumen

Zu diesem Zweck werden wir zunächst alle arbeiter:innen- und volksfeindlichen Gesetze rückgängig machen und aufheben, die diese Regierung zusammen mit all ihren Kompliz:innen im Kongress verabschiedet oder befürwortet hat. Gleichzeitig werden wir auf eine sofortige, pauschale Erhöhung der Löhne, Renten und befristeten Sozialprogramme drängen:

  • Kein/e Arbeiter:in wird weniger verdienen als zur Deckung der realen Grundbedürfnisse nötig ist.
  • Das Rentenalter darf 60 Jahre nicht überschreiten, und Rentner:innen erhalten 82 % ihres Gehalts sowie vollen Sozialversicherungsschutz.
  • Das Geld dafür ist da, wird aber von milliardenschweren Unternehmer:innen gehortet. Deshalb werden wir dauerhafte Steuern auf große Vermögen einführen und die Mehrwertsteuer, die regressivste Steuer, abschaffen.

2. Arbeit für alle, weniger Arbeit für jede/n

Wir werden die Wochenarbeitszeit in den 12.000 größten Unternehmen des Landes auf 6 Stunden an 5 Tagen pro Woche senken, ohne die Löhne zu kürzen, und so eine Million Arbeitsplätze schaffen, die von vielen jungen Menschen besetzt werden könnten, die derzeit arbeitslos und kriminellen Netzwerken ausgeliefert sind:

  • Wenn Unternehmer:innen eine Krise vorschieben und sich nicht daran halten: Wir würden ihre Geschäftsunterlagen einsehen und ihre Gewinne überprüfen. Wenn sie sich weiterhin weigern, würde das Unternehmen von der Regierung enteignet und den Beschäftigten übernommen werden.
  • Diese Maßnahmen würden auch mehr Zeit für Erholung und Kreativität schaffen und die Lebensqualität verbessern.

3. Die Schulden gegenüber dem Volk begleichen, nicht gegenüber den Fonds der Finanzhaie

Argentinien ist das lateinamerikanische Land, das dem IWF am meisten schuldet. Das System der Auslandsverschuldung ist ein System der Herrschaft und der Wucherzinsen. Jede Regierung war ein Seriendebitor, wir schulden immer mehr. Milei und Wirtschaftsminister Caputo häufen die Schulden weiter an.

  • Wir müssen uns aus diesem erstickenden System befreien, die Schulden untersuchen, um den Betrug aufzudecken. Das Geld wurde nie dazu verwendet, die Bedürfnisse der Menschen zu decken, und alles wurde abgezogen – wie im Fall der 44 Milliarden Schulden, die Macri und Caputo angehäuft haben – oder dazu genutzt wurde, eine Wahl zu gewinnen – wie Milei es tat. Aber es floss nie in die Deckung auch nur eines einzigen Bedürfnisses der Menschen.
  • Triff die souveräne Entscheidung, nicht mehr zu zahlen und dieses Geld stattdessen für soziale Bedürfnisse und ein großes öffentliches Bauprogramm umzuwidmen: Krankenhäuser, Schulen, Straßen und bezahlbaren Wohnraum, um so die Arbeitslosigkeit und die Wohnungsknappheit zu beenden.

4. Die nationale Souveränität wahren, um das Erreichte zu verteidigen

Der Imperialismus wird Vergeltung üben wollen; er hat viel mehr zu verlieren als wir: Wir können eigenständig einen Zahlungsausfall für unsere Auslandsschulden erklären – die illegal und unrechtmäßig sind –, und wenn sie uns Sanktionen auferlegen wollen, können wir alle Vermögenswerte beschlagnahmen, die sie in unserem Land besitzen. Gleichzeitig werden wir die Völker anderer Länder dazu ermutigen, ihre eigenen Schulden ebenfalls abzulehnen und anzuprangern, ihren Protesten gegen diese Plage beizustehen und sie mit unseren eigenen zu koordinieren.

  • Eine Arbeiter:innenregierung wird zudem die strategischen Wirtschafts- und Finanzressourcen des Landes zurückgewinnen, um zu verhindern, dass interne und externe Feindseligkeiten unsere Wirtschaft beeinträchtigen. Zu diesem Zweck werden wir den Außenhandel verstaatlichen. Wir werden nicht zulassen, dass fünf oder sechs Unternehmen über unsere Zukunft entscheiden. Die Gewinne aus dem, was im Land produziert wird, müssen dem Volk zugutekommen, nicht in die Taschen einer kleinen Elite fließen.
  • Wir werden auch die Banken verstaatlichen, indem wir ein einheitliches Bankensystem schaffen, um Kapitalflucht und Spekulation ein Ende zu setzen. Und wann immer möglich, werden wir solidarische Devisenmaßnahmen umsetzen, um potenziellen Blockaden entgegenzuwirken.
  • Wir werden alle Militärabkommen und Verträge mit ausländischen Mächten aufkündigen und die Wiederherstellung der Souveränität über unsere Malvinas-Inseln zur Priorität machen.
  • Unsere Regierung wird die nationale Souveränität der Mehrheit verteidigen und gleichzeitig zwangsläufig eine lateinamerikanische und internationalistische Perspektive einnehmen, denn angesichts der Belagerung und Feindseligkeit der imperialistischen Mächte schlagen wir eine horizontale Koordination mit den Ländern der Region vor, die es uns ermöglicht, unsere Industrien, Technologien und Wissenschaften zu ergänzen und gleichzeitig eine revolutionäre Perspektive auf lateinamerikanischer und globaler Ebene zu entwickeln.

5. Gesundheit und Bildung als Grundrechte sowie den Schutz der Kultur garantieren

Milei greift hart erkämpfte Rechte an. Er kürzt die Mittel für Universitäten, Wissenschaft, das Garrahan-Krankenhaus und Behindertenhilfe.

  • Wir wollen das Gegenteil: dass alle Argentinier:innen uneingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung haben, von der frühen Kindheit bis zur Hochschulbildung.
  • Unsere Regierung wird das Bildungssystem renationalisieren und es in ein einheitliches, vollständig staatlich geführtes System umwandeln. Außerdem wird sie einen Bildungskongress einberufen, damit die Bildungsgemeinschaft selbst die notwendigen Reformen demokratisch gestalten kann. Das Gleiche gilt für das Gesundheitswesen: Schluss mit der Zersplitterung und dem Zugang nach Zahlungsfähigkeit – ein einheitliches, staatlich geführtes, universelles, kostenloses und qualitativ hochwertiges System mit den notwendigen Haushaltsmitteln für seine Entwicklung. Wir können das schaffen, weil Lehrer:innen und Beschäftigte im Gesundheitswesen diejenigen sind, die diese krisengeschüttelten Systeme tagtäglich am Laufen halten und wissen, wie man sie umgestaltet: Man muss ihnen nur die führende Rolle geben, um Entscheidungen zu treffen und diese Schwerpunktbereiche zu lenken.
  • Wir verteidigen Kultur als soziales Recht des Volkes und als einen Bereich, der unabhängig von kapitalistischer Logik ist – im Gegensatz zu den Konzernen der sogenannten „Kulturindustrie“ und deren Mechanismen der Standardisierung und sozialen Entfremdung. Wir kämpfen gegen die rechte Bewegung zur Privatisierung der Kultur; und wir distanzieren uns vom Modell der ideologischen staatlichen Kontrolle und offiziellen Unterordnung, wie es der peronistische Ansatz in Kulturfragen veranschaulicht. Wir verteidigen ein freies und unabhängiges Konzept der künstlerischen und kulturellen Produktion, das im Einklang mit den sozialen Kämpfen und gerechten Anliegen unseres Volkes steht. Wir kämpfen für und fordern eine Politik, die kulturelle Produktion als gesellschaftliche Notwendigkeit und Recht der Mehrheit unterstützt, und wir lehnen jede ästhetische, poetische oder ideologische Einmischung durch die herrschende Macht ab.

6. Die Industrie ausbauen und Dienstleistungen unter sozialer Kontrolle verstaatlichen

Der neue Sprecher des Präsidenten meinte, wenn Gas teuer ist, sollten wir uns warm anziehen. Er wirft der Arbeiter:innenklasse vor, Geld zu verschwenden, während die Reichen im Winter in die Karibik und im Sommer zum Skifahren in die Alpen fahren.

  • Schluss mit unbefriedigenden und teuren Dienstleistungen. Unter unserer Regierung werden sie in öffentlicher Hand sein und von Arbeiter:innen und Nutzer:innen kontrolliert werden.
  • Heute liegen 50 % unserer installierten Industriekapazitäten brach, während wir sogar Lebensmittel importieren. Wir haben die Infrastruktur und die Kapazitäten, um ernsthafte industrielle Produktion zu betreiben. Wir werden die Wissenschaftler:innen zusammenbringen, die die Milei-Regierung vertreibt, damit sie ihr Wissen einbringen können, um dieses neue Entwicklungsmodell voranzutreiben.
  • Wir werden Entlassungen und Arbeitsaussetzungen gesetzlich verbieten; jedes Unternehmen, das sich nicht daran hält, wird unter Kontrolle seiner Beschäftigten verstaatlicht, damit Arbeitsplätze geschützt werden.
  • Durch Verstaatlichung werden wir Argentiniens Eisenbahnsystem zurückgewinnen. Wir werden das nationale Schienennetz und die Reparaturwerkstätten wiederaufbauen, um jeden Teil unseres Landes auf wirtschaftlichere, umweltfreundlichere und viel sicherere Weise zu verbinden.

7. Schluss mit Korruption, organisierter Kriminalität und dem Unterdrückungsapparat

Das Rechtssystem ist nach Klassen geordnet, sexistisch und elitär; es funktioniert nur für die Reichen und Mächtigen. Die Gefängnisse füllen sich mit armen Menschen, während Leute wie Regierungssprecher Adorni auf freiem Fuß bleiben, als wäre nichts geschehen.

  • Mit uns sind die Zeiten handverlesener Richter:innen und Staatsanwält:innen vorbei. Alle werden durch Volkswahl bestimmt, mit begrenzten und widerrufbaren Amtszeiten und Gehältern, die denen gewöhnlicher Arbeiter:innen entsprechen. Keine Privilegien mehr für Amtsträger:innen: Sie sollen genauso viel verdienen wie eine Lehrkraft, sich in öffentlichen Krankenhäusern behandeln lassen und ihre Kinder auf öffentliche Schulen schicken.
  • Tiefgreifende Umgestaltung der Polizei. Unsicherheit ist eines der größten Probleme für die Argentinier:innen, weil die Mafia fest in der Macht verankert und ein fester Bestandteil der organisierten Kriminalität ist, wie zum Beispiel Menschenhandel, Drogenhandel und illegale Fahrzeugverwertung. Wir müssen diese korrupte Institution zerschlagen und auflösen und sie durch eine ersetzen, die präventiv statt repressiv arbeitet und Mechanismen für öffentliche Beteiligung und soziale Kontrolle bietet.

8. Verteidigt unseren Grund und Boden, unser Wasser und unser Leben

Wir stecken mitten in der schlimmsten Klimakrise der Geschichte. Milei leugnet das und übergibt die Gletscher und Gebiete an Konzerne. Aber es gibt keinen Unterschied zwischen Klimaleugner:innen und falschen Progressiven: Beide Gruppen haben dieses neokoloniale Modell der Ausbeutung vorangetrieben.

  • Unter unserer Regierung werden Gemeingüter nicht verhandelbar sein. Wir werden Mega-Bergbau, Agrarindustrie, Fracking und Offshore-Ausbeutung verbieten. Wir unterstützen die Selbstbestimmung indigener Völker bei der Verteidigung und Rückgewinnung ihrer angestammten Gebiete.
  • Wir fördern den Übergang zu sauberer Energie, basierend auf der Enteignung von Konzernen in diesem Sektor und der öffentlichen Kontrolle durch Arbeiter:innen und Gemeinden. Umstrukturierung der Produktion und der Arbeitskräfte im Rahmen einer demokratischen Wirtschaftsplanung, die alle Arbeitsplätze garantiert.
  • Wir werden den Verkehr nach derselben Logik verstaatlichen. Und wir werden die Agrarreform vorantreiben, um gesunde, bezahlbare und ausreichende Lebensmittel zu produzieren, das Land wieder zu bevölkern und die gesamte Produktion demokratisch zu planen.

9. Schluss mit patriarchaler Unterdrückung

Der patriarchale Kapitalismus profitiert in zweierlei Hinsicht von der Unterdrückung von Frauen und marginalisierten Gruppen: indem er uns am Arbeitsplatz ausbeutet und uns zwingt, Haus- und Betreuungsaufgaben zu übernehmen. Er ist die Hauptursache für geschlechtsspezifische Gewalt, die alle 31 Stunden zu einem Femizid führt.

  • Unsere Regierung wird diesem patriarchalischen System ein Ende setzen, indem sie die Belastung durch kostenlose Kindertagesstätten, öffentliche Kantinen und Waschsalons verringert und die Betreuungsaufgaben durch gleichberechtigten Elternurlaub für beide Elternteile gerecht aufteilt.
  • Wir werden wirksame Programme zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt entwickeln, deren Finanzierung und Aufsicht von feministischen Organisationen übernommen wird, und wir werden geschlechtssensible Sexual- und Beziehungserziehung auf allen Ebenen einführen. Wir werden die effektive Integration von trans Personen in die Arbeitswelt sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor fördern, zusammen mit dem uneingeschränkten Zugang zu umfassender Gesundheitsversorgung und der vollständigen Anerkennung von trans und nicht-binären Identitäten.
  • Darüber hinaus werden konkrete Maßnahmen umgesetzt, um die Teilhabe von Frauen und Mitgliedern der LGBTIAQ+-Community in allen Bereichen des sozialen und politischen Lebens zu fördern.
  • Wir werden außerdem den Staat von der katholischen Kirche und anderen Religionen trennen.

10. Die Demokratie der Arbeiter:innen und der Massen fördern, damit sie über alles entscheiden können

Diese Maßnahmen müssen dringend und unverzüglich umgesetzt werden, um das Land aus der Krise zu führen. In unserer Regierung werden die Arbeiter:innen über alles entscheiden und in jeder Fabrik, jeder Schule, jedem Krankenhaus und jedem Arbeiter:innenviertel die Möglichkeit haben, mitzuwirken und die nächsten Schritte festzulegen. Wir werden die Gründung von Arbeiter:innenorganisationen – eines neuen institutionellen Rahmens – vorantreiben, damit die Arbeiter:innenklasse über alles entscheiden und ein Höchstmaß an unabhängiger Organisation erreichen kann, das es ihr ermöglicht, wirklich über alle Angelegenheiten auf lokaler Ebene und durch eine große Nationalversammlung der Arbeiter:innen, des Volkes und der Bäuer:innen mit uneingeschränkten Befugnissen zu entscheiden. Diese demokratischen Mechanismen werden unsere Priorität sein.

  • In diesem Zusammenhang könnte bei Bedarf ein freier, demokratischer und souveräner Verfassungsprozess eingeleitet werden, um alle strukturellen Reformmaßnahmen zu institutionalisieren, die von einer Regierung der Arbeiter:innen, der Volksmassen und der Linken durchgeführt werden.
  • Die Arbeiter:innendemokratie dient einem doppelten Zweck: Einerseits ist sie unerlässlich, um die besten Entscheidungen zu treffen; andererseits ist sie entscheidend für den Erhalt und die Verteidigung dieses Projekts. Denn im Gegensatz zu den anderen Regierungswechseln, die wir bisher erlebt haben – bei denen die Macht zwischen verschiedenen Parteien übergeht, die dieselben Interessen vertreten – wäre es in unserem Fall ein Übergang hin zu einem Modell und System, das den vorherrschenden Interessen zuwiderläuft, und das gefällt den Eigentümer:innen von allem natürlich gar nicht. Also werden sie natürlich versuchen, uns anzugreifen und zu schwächen, und unser größter Vorteil ist die Stärke, die daraus resultiert, dass wir eine organisierte Mehrheit sind. Genau deshalb sind demokratische Teilhabe und Mobilisierung zur Verteidigung dessen, was wir erreicht haben, unerlässlich und strategisch wichtig. Wir wissen: Um dieses Programm und diese Strategie voranzutreiben und umzusetzen, ist es entscheidend, dass wir über ein eigenes politisches Instrument mit Zehntausenden organisierten Mitgliedern verfügen. Wir laden dich ein, dich uns bei diesen Bemühungen anzuschließen.

Internationales als Notwendigkeit und strategisches Ziel

Während wir uns bemühen, diese zehn programmatischen Kernpunkte – zusammen mit anderen, ebenso notwendigen – umzusetzen, ist es entscheidend zu verstehen, dass unser strategischer Kampf nicht auf unsere nationalen Grenzen beschränkt ist. Heute mehr denn je sind wir Teil eines internationalen Kampfes gegen alle Formen des Imperialismus – sowohl alte als auch neu entstehende –, in dem wir uns ihren Plänen und interimperialistischen Auseinandersetzungen entgegenstellen, die ihr Streben nach Profit und Herrschaft auf Kosten der sozialen und demokratischen Rechte der Menschen widerspiegeln. Wir kämpfen weltweit gegen diese Pläne – und gegen die aller kapitalistischen Regierungen. Wenn die Arbeiter:innen in unserem Land an die Macht kommen, werden wir gemeinsam mit der Arbeiter:innenklasse, den Völkern und der Jugend der Welt dafür sorgen, dass dieses Beispiel Schule macht, und um Unterstützung für unsere Sache bitten, damit sie gefestigt wird, während wir dafür kämpfen, sie auszuweiten – denn der Sozialismus wird entweder international sein oder gar nicht existieren.

Aus diesem Grund verfolgt unser strategisches Projekt von Anfang bis Ende eine lateinamerikanistische und internationalistische Perspektive, denn es ist die Einheit mit den Schwesterländern und der Arbeiter:innenklasse unseres Kontinents und der Welt, die uns die Kraft geben wird, diese Regierung voranzubringen – nicht nur innerhalb der Grenzen unseres Landes, sondern auch durch die Verbreitung ihres Beispiels und ihrer Lehren auf kontinentaler und globaler Ebene.

Und aus demselben Grund sind wir, während wir in Argentinien eine revolutionäre Organisation aufbauen, auch Teil der Internationalen Sozialistischen Liga (ISL), eines internationalen revolutionären, antikapitalistischen und sozialistischen Projekts, das auf allen Kontinenten der Welt Gestalt annimmt und auf einem substanziellen Programm sowie der Methode basiert, Revolutionär:innen unter einer gemeinsamen Strategie zu vereinen.

Du kannst Teil dieser historischen Errungenschaft sein

Wir möchten dir eine wichtige Einladung aussprechen. Bei der MST bitten wir dich nicht einfach nur, alle zwei Jahre für uns zu stimmen oder uns bei diesem oder jenem Vorschlag zu unterstützen. Das ist nicht das, was wir wollen. Wir wissen es zu schätzen, dass du die Linke wählst, und laden dich ein, das auch weiterhin zu tun. Aber was wir wollen, ist, dass du und Tausende von Arbeiter:innen, jungen Menschen und Angehörigen der Mittelschicht dich uns anschließt, um ein mächtiges politisches Instrument für die Arbeiter:innenklasse und die Jugend aufzubauen. Wir wollen nicht, dass du einfach nur Vollmacht erteilst oder aus der Ferne Unterstützung leistest; wir wollen, dass du aktiv mitwirkst.

Wir möchten euch einladen, euch mit den Aktivist:innen des MST zusammenzuschließen, um eine führende Rolle in diesem politischen Kampf und in der antikapitalistischen und sozialistischen Organisation zu übernehmen, die wir landesweit aufbauen. Wir brauchen Tausende von Händen und Köpfen, um eine massive politische Kraft in Gang zu setzen und die besten Ideen und Vorschläge in die Tat umzusetzen. Und dafür sind eure Meinung und euer Engagement wichtig – sehr wichtig sogar.

Besucht die MST-Büros im ganzen Land. Nehmt an den Versammlungen, Treffen und Sitzungen teil, die wir organisieren. Schaut bei „Periodismo de Izquierda“ und auf der Website der International Socialist League vorbei, um auf dem Laufenden zu bleiben. Holt euch ein Exemplar unserer Printzeitung „Alternativa Socialista“ und helft uns, sie überall zu verteilen. Kurz gesagt: Schließt euch uns mit eurer ganzen Energie an und helft mit, wo immer ihr könnt und wollt. Hier findet ihr einen Ort für Kampf, Organisation und den gemeinsamen politischen Aufbau mit der Linken. Wir warten auf euch.

Related Posts