Neue Internationale 304, Oktober 2026
Die Frente de Izquierda y de Trabajadores – Unidad (FIT-U) ist das gemeinsame Wahlbündnis der vier größten Organisationen der revolutionären Linken Argentiniens: PTS, PO, IS und MST. Gegründet wurde die Front 2011 zunächst von PTS, PO und IS; 2019 kam die MST hinzu und aus der FIT wurde die heutige FIT-U. Seit 2013 ist sie ohne Unterbrechung im argentinischen Nationalkongress vertreten.
Ihren bislang größten Wahlerfolg erzielte die FIT-U bei den Parlamentswahlen 2021 mit knapp 1,3 Millionen Stimmen. Bei den nationalen Parlamentswahlen 2025 erhielt sie rund 900.000 Stimmen bzw. 3,9 % landesweit und gewann drei der neu zu vergebenden Sitze. Besonders stark war sie in Buenos Aires: In der Hauptstadt erreichte sie 9,1 %, in der Provinz Buenos Aires 5,05 %.
Aktuell verfügt die FIT-U über vier Abgeordnete im nationalen Parlament: Myriam Bregman und Nicolás del Caño von der PTS, Romina Del Plá von der PO sowie Juan Carlos Giordano von Izquierda Socialista. Die Parlamentssitze werden traditionell zwischen den Mitgliedsorganisationen rotiert, sodass während einer Legislaturperiode unterschiedliche Organisationen die Mandate übernehmen.
Doch die FIT-U ist bis heute vor allem eine Wahlfront und keine gemeinsame Partei. Sie hat keine individuelle Mitgliedschaft, keine eigenen Ortsgruppen und keine dauerhaft arbeitende gemeinsame politische Führung. Wer sich organisieren will, muss einer der vier Mitgliedsorganisationen beitreten. Außerhalb von Wahlkämpfen treten diese überwiegend eigenständig auf; bei großen Streiks und Demonstrationen gibt es manchmal Absprachen und gemeinsame Interventionen, aber keine dauerhaft gemeinsame politische Praxis der FIT-U.
Genau darum dreht sich heute eine der zentralen Debatten innerhalb der argentinischen Linken: Soll die FIT-U Wahlbündnis bleiben – oder kann aus ihr eine gemeinsame revolutionäre Partei entstehen? Vor allem die MST drängt angesichts der Krise des Peronismus und einer wachsenden Unterstützung für die radikale Linke darauf, die FIT-U zu öffnen, gemeinsame Strukturen aufzubauen und auch bislang unorganisierte Aktivist:innen einzubeziehen. Andere Kräfte innerhalb der Front stehen einer solchen grundlegenden Veränderung zurückhaltender gegenüber.
Du willst mehr wissen? Wie konnte die radikale Linke in Argentinien so stark werden?
Warum befindet sich der Peronismus in der Krise? Wie hat sich die politische Situation unter Milei verändert? Und warum eröffnet das der revolutionären Linken neue Möglichkeiten – aber stellt sie gleichzeitig vor die Frage, wie aus Wahlerfolgen eine gesellschaftliche Kraft werden kann?
Das wird in folgendem Artikel erklärt:
Was ist die FIT-U – und warum ist sie bisher „nur“ ein Wahlbündnis? Wie ist die FIT-U entstanden und welche Organisationen gehören ihr an? Was unterscheidet PTS, MST und PO politisch und organisatorisch voneinander? Und warum gibt es seit Jahren eine Debatte darüber, ob aus dem Wahlbündnis eine gemeinsame revolutionäre Partei werden sollte?
Dich interessiert das? Dann lies:
Wie kann Widerstand gegen Milei tatsächlich gewinnen? Wie haben die Beschäftigten des größten Kinderkrankenhauses Argentiniens gegen Kürzungen und für höhere Löhne gekämpft? Welche Rolle spielten dabei Vollversammlungen, Streiks und eine Organisierung unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie? Und was können andere Kämpfe gegen Mileis Regierung aus dem erfolgreichen Streik am Garrahan-Hospital lernen?
Das zeigt ganz konkret:
Die FIT-U besteht aus vier trotzkistischen Organisationen: PTS, MST, PO und Izquierda Socialista (IS). Zusammen organisieren sie fast 10.000 Mitglieder. Sie sind nicht nur bei Wahlen aktiv, sondern organisieren in Betrieben und Gewerkschaften, an Universitäten und Schulen sowie in feministischen, ökologischen und sozialen Bewegungen. Politisch unterscheiden sie sich jedoch teilweise deutlich in ihrer Einschätzung der Lage, ihrer internationalen Orientierung und der Frage, wie sich die FIT-U weiterentwickeln sollte.
Die PTS entstand 1988 als Abspaltung von der morenistischen Movimiento al Socialismo (MAS) und gehört mit zu den größten Organisationen der FIT-U. Sie ist die argentinische Sektion der internationalen Strömung Permanente Revolution (vormals Fracción Trotskista). Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Medienarbeit. Sie ist außerdem in Betrieben und Gewerkschaften, daneben an Universitäten sowie in der Frauenbewegung vertreten. Zu ihren bekanntesten Vertreter:innen gehören Myriam Bregman und Nicolás del Caño, die beide für die FIT-U im nationalen Parlament sind.
Die MST wurde 1992 gegründet, entstand ebenfalls aus der morenistischen Tradition und gehört mit mehreren Tausend Mitgliedern zu den großen Organisationen der FIT-U. Sie arbeitet in Betrieben und Gewerkschaften, an Universitäten, in der feministischen und ökologischen Bewegung sowie in zahlreichen sozialen Kämpfen. Cele Fierro übernimmt demnächst als Vertreterin der MST in der FIT-U ihr Mandat im argentinischen Nationalkongress; zu ihren bekanntesten Sprecher:innen gehört Alejandro Bodart, zugleich Koordinator der Internationalen Sozialistischen Liga (LIS). Die MST ist die argentinische Schwesterorganisation der Gruppe Arbeiter:innenmacht innerhalb der ISL. Sie tritt dafür ein, die FIT-U über eine reine Wahlfront hinaus zu entwickeln und die FIT-U zu einer revolutionären Partei zu transformieren, in der ihre Wähler:innen und Unterstützer:innen Mitglied werden und in der die bisherigen Organisationen als Strömungen weiter bestehen können.
Die 1964 gegründete Partido Obrero ist die älteste der vier Organisationen und gehört ebenfalls zu den größten Kräften innerhalb der FIT-U. Anders als PTS, MST und IS ist sie nicht aus der morenistischen Tradition hervorgegangen. Die PO organisiert in zahlreichen Gewerkschaften und Betrieben und verfügt über eigene Strukturen unter Jugendlichen, Arbeitslosen, Lehrer:innen und anderen Beschäftigtengruppen. Mit dem Polo Obrero ist sie außerdem eng mit einer der größten sozialen Bewegungen Argentiniens verbunden. Zu ihren bekanntesten Vertreter:innen gehören Romina Del Plá, Gabriel Solano und Néstor Pitrola.
Izquierda Socialista wurde 2006 nach einer Spaltung der MST gegründet und ist damit die jüngste der vier FIT-U-Organisationen. Sie gehört zur morenistischen Tradition und ist die argentinische Sektion der Unidad Internacional de Trabajadoras y Trabajadores – Cuarta Internacional (UIT-CI). IS arbeitet unter anderem in Gewerkschaften, der Frauen- und Jugendbewegung und an Universitäten und gehörte 2011 gemeinsam mit PTS und PO zu den drei Gründungsorganisationen der FIT. Zu ihren bekanntesten Vertreter:innen gehören Juan Carlos Giordano und Mónica Schlotthauer.