Veronica O’Kelly, Infomail 1310, 13. Mai 2026
Thiago Ávila ist bereits wieder in Brasilien, nachdem er vom Staat Israel in internationalen Gewässern entführt worden war – im Rahmen einer illegalen Operation politischer und militärischer Piraterie, an der sich Griechenland und die gesamte Europäische Union mitschuldig gemacht haben. Als Mitglied und einer der Koordinatoren der Global Sumud Flotilla wurde Thiago zusammen mit Saif Abu Keschek und mehr als 180 Aktivist:innen – darunter unsere Genoss:innen der ISL aus Argentinien, die MST-Abgeordnete in der FIT-U, Cele Fierro, und der Arzt, Gewerkschaftsführer und MST-Genosse Raúl Laguna – am 29. April festgenommen. Sie transportierten humanitäre Hilfe für das palästinensische Volk in Gaza, das heute einem Völkermord ausgesetzt ist, der live vor den Augen der kriminellen Passivität der mitschuldigen Regierungen übertragen wird.
Die Festnahme internationaler Aktivist:innen, die versuchen, die mörderische Blockade gegen Gaza zu durchbrechen, zeigt, wie weit der Zionismus bereit ist zu gehen, um die Politik des Hungers, der Bombardements und der ethnischen Säuberung gegen das palästinensische Volk aufrechtzuerhalten. Während Krankenhäuser, Schulen und Flüchtlingslager zerstört werden, garantieren europäische Regierungen und die Vereinigten Staaten dem Staat Israel weiterhin politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung.
Bei seiner Ankunft in Brasilien prangerte Thiago die Folter und Drohungen an, denen er in israelischen Gefängnissen ausgesetzt war, und stellte seine eigenen Erfahrungen in Zusammenhang mit der täglichen Realität, die Tausende inhaftierte Palästinenser:innen erleben:
„Es ist nicht das erste Mal, dass ich in israelischen Gefängnissen war, aber dies war das erste Mal, dass sie versuchten, mich dort 100 Jahre lang festzuhalten. Aber genau das tun sie jeden Tag mit Palästinenser:innen …“ Seine Worte entlarven die systematische Dimension des israelischen Kolonialterrors. Was Empörung auslöst, wenn es einem internationalen Aktivisten widerfährt, ist die permanente Realität, die dem palästinensischen Volk seit Jahrzehnten auferlegt wird: willkürliche Inhaftierung, Verschleppungen, Folter und Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren. „Mehr als 9.000 Palästinenser:innen befinden sich immer noch in diesen Gefängnissen. Fast 400 von ihnen sind Kinder. Sie wurden ohne jegliches Gerichtsverfahren dort eingesperrt, viele von ihnen, ohne dass ihnen überhaupt eine Anklage vorliegt. So wie mir – mir wurde nie eine Anklage vorgebracht.“
Masseninhaftierungen sind ein fester Bestandteil des israelischen Apartheidregimes. Palästinensische Kinder werden weiterhin von der Besatzungsarmee entführt, vor Militärgerichten verurteilt oder ohne formelle Anklage im Gefängnis festgehalten. All dies unter dem stillschweigenden Einverständnis der Großmächte, die von „Demokratie“ sprechen, während sie den zionistischen Kolonialismus finanzieren. Thiago dazu:
„Weil es ein Terrorstaat ist, ein Kolonialstaat. Wo sie Gesetze erfinden, wie das absurde Gesetz, Palästinenser:innen zu hängen, so wie sie es im Mittelalter taten. Es ist sehr wichtig, dass wir das weiterhin anprangern.“
Thiago berichtete auch von den körperlichen und psychischen Übergriffen, die er nach der Entführung des humanitären Schiffes erlitten hatte: „Ich wurde mit Handschellen gefesselt, mit zwei Fesseln an jedem Handgelenk, zwei Fußschließen an jedem Knöchel, jedes Mal, wenn ich verlegt wurde. Ich wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war. Ich war allein. Auf dem Schiff haben sie nicht nur mich, sondern so viele Menschen angegriffen, dass mehr als 30 Personen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Ich bin wegen der Übergriffe sogar zweimal ohnmächtig geworden. Es gab viele Übergriffe.“
Die Brutalität, die gegen die Mitglieder der Flotilla angewendet wurde, folgt derselben Logik, die täglich gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza und im besetzten Westjordanland angewendet wird. Der Staat Israel handelt völlig straffrei, weil er weiß, dass er die politische und militärische Unterstützung des US-amerikanischen und europäischen Imperialismus hat.
„Sie sagten mir direkt, dass sie mich umbringen würden, dass sie mich für 100 Jahre ins Gefängnis stecken würden. Ein anderes Mal sagten sie, dass sie mich so schnell wie möglich loswerden würden …“
Thiago prangerte die internationale Verflechtung des Zionismus an und wies auch auf die Einmischung des israelischen Staates in andere Länder und Institutionen hin: „Es ist wichtig, dass wir sagen: Israel muss in Schach gehalten werden. Wir können nicht zulassen, dass ein Staat glaubt, ihm gehöre alles, dass er in andere Länder eingreifen kann. Er glaubt, er könne in unsere Polizei eingreifen, um brasilianische Bürger:innen in Alarmbereitschaft zu versetzen. Er glaubt, er könne unsere Bürger:innen ausspionieren.“
Angesichts des andauernden Völkermords wächst weltweit die Notwendigkeit, die Aktionen der aktiven Solidarität mit dem palästinensischen Volk auszuweiten. Streiks, Boykotte, Besetzungen, Mobilisierungen und internationale Kampagnen durchbrechen das Schweigen und die Komplizenschaft der westlichen Regierungen auferlegt wurde.
„Mobilisierung ist notwendig, sie muss stattfinden. Das ist vielleicht die Aufgabe der Flotilla, denn sie hat einen pädagogischen Charakter. Die Flotilla ist nicht wichtiger als alles, was wir bereits tun: die Mobilisierungen, der Boykott, die Besetzungen, die Verbreitung der Wahrheit. Aber die Flotilla bringt dieses Gefühl der Dringlichkeit mit sich. Denn genau in diesem Moment machen sich die Menschen auf den Weg, und es ist die Zeit für Streiks, Generalstreiks und Arbeitsniederlegungen. Das hilft den Menschen, zu verstehen. Deshalb wird die Flotilla wieder in See stechen.“
Selbst angesichts von Repressionen wächst die internationale Solidarität mit Palästina weiter.„… die Menschen verstehen, dass das palästinensische Volk es verdient, frei zu sein, dass dieses Regime des Hasses in dieser Form nicht bestehen bleiben kann.“
Im Zusammenhang mit den Mobilisierungen zur Nakba, die in der Vertreibung, Besatzung und dem permanenten Massaker am palästinensischen Volk immer noch lebendig ist, bekräftigte Thiago die Überzeugung in die historische Niederlage des Zionismus und des Imperialismus:
„Diese Woche ist eine ganz besondere Woche für die palästinensische Sache. Die Nakba ist immer noch lebendig und der Widerstand breitet sich aus. Sie sollten Angst haben, Donald Trump und Netanjahu werden dafür bezahlen, sie werden in den Mülleimer der Geschichte geworfen, wo sie hingehören. Ihre Ideologien, rassistisch und suprematistisch wie der Zionismus. Und diese zerstörerische Ideologie des amerikanischen Imperialismus. Sie werden besiegt werden.“
Und weiter: „Wie andere Generationen, die die Apartheid oder den Nationalsozialismus besiegt haben, sind wir die Generation, die den Zionismus besiegen wird.“
Es ist notwendig, Empörung in internationale Mobilisierung umzuwandeln. Wir fordern ein sofortiges Ende der Bombardierung und Belagerung von Gaza, Freiheit für palästinensische Gefangene und ein Ende der Apartheid und Besatzung im Westjordanland und im gesamten historischen Palästina.
Für die Ausweitung von Mobilisierungen, Streiks, Boykotten und Solidaritätsaktionen auf der ganzen Welt, bis der Völkermord und das zionistische Kolonialregime besiegt sind. Für ein freies, vereintes, demokratisches und sozialistisches Palästina!