Vorwort

Redaktion, Revolutionärer Marxismus 45, Dezember 2013

In dieser Ausgabe des “Revolutionären Marxismus” veröffentlichen wir zentrale Dokumente des Kongresses der Liga im Jahr 2011 und der Arbeit der Asienkommission. Dies war der erste Kongress, an dem Delegierte von zwei Sektionen aus Asien teilnahmen, und stellt damit auch einen wichtigen Schritt in der Entwicklung unserer internationalen Strömung dar.

Leider hat die Übersetzung und Zusammenstellung der Texte länger gedauert als ursprünglich geplant. Wir bitten daher die Leser und Leserinnen um Verständnis. Nichtstdestotrotz denken wir, dass die Text des Kongresses – die Thesen zum Islamismus, die Thesen zum Maoismus und das Aktionsprogramm zu Pakistan – lesenswert sind.

Die „Thesen zum Islamismus“ berühren offenkundig ein zentrales Problem der aktuellen Entwicklung weltweit. Einerseits sind in den letzten Jahrzehnten Parteien, die sich auf den Islam stützen, wie auch islamistische Bewegungen und Regime erstarkt und stellen damit die Arbeiterklasse und sozialistische Gruppierungen gerade in der „islamischen Welt“ vor enorme Herausforderungen, reaktionäre Bedrohungen wie auch vor die Notwendigkeit des Kampfes um den Einfluss unter großen Schichten der Massen, die in der Religion „Trost in einer trostlosen Welt“ suchen.

Das „Aktionsprogramm zu Pakistan“ stellt ein zentrales politisches Dokument unserer Strömung in Pakistan dar. Zweifellos trägt es an etlichen Stellen Züge einer allgemeinen Einschätzung des Landes, seiner grundlegenden Probleme und nicht nur eines Programms.

Natürlich hat sich seit 2011 einiges geändert. Die Regierung der PPP (Pakistanischen Volkspartei) wurde abgelöst durch eine andere, traditionelle bürgerliche Partei des Landes, die „Muslimliga“. Die grundlegenden Probleme des Landes sind jedoch die gleichen geblieben.

Eine zentrale politische Aufgabe, die das Programm formuliert, ist der Kampf für eine neue Arbeiterpartei. Seit der Annahme und Veröffentlichung des Programms hat sich die Lage in Pakistan in dieser Hinsicht bedeutend verändert. Ende 2012 wurde die „Awami Workers Partei“ (AWP), ein Zusammenschluss dreier größerer Organisationen der pakistanischen Linken gegründet, die heute rund 15.000 Mitglieder hat. Unsere GenossInnen arbeiten in dieser Partei mit und sind heute um die Zeitung „Revolutionary Socialist“ organisiert.

Wir veröffentlichen daher auch einen Beitrag zur Gründung der Partei vom November 2012, der unter dem Titel „Für eine neue, revolutionäre Partei“ erschien und die politische Stoßrichtung unserer Organisation enthält. Heute ist die AWP selbst in einer Krise, wo die verschiedenen Strömungen um ihre zukünftige Ausrichtung kämpfen. Umso wichtiger ist unserer Meinung nach in dieser Situation, um diesen Ansatz für eine Partei der Arbeiterklasse zu kämpfen – gerade in einem Land, in dem es nicht einmal eine reformistische Massenpartei gibt.

Die „Thesen zum Maoismus“ stellen einen ersten Schritt dar, eine, gerade in den Ländern Asiens noch lange nicht „tote“, Spielart des Stalinismus zu verstehen. Sie sind dazu sicher nur ein erster Ansatz, der sich v.a. mit der historischen Genese des Maoismus und grundlegenden Charakteristika beschäftigt. Eine genaue Analyse der aktuellen maoistischen Parteien wird einem zukünftigen Dokument vorbehalten sein.

Schließlich rundet eine Wiederveröffentlichung der „Thesen zur nationalen Frage“ dieses Journal ab. Der Text wurde 1994 von unserer Strömung angenommen und bereits im „Revolutionären Marxismus“ Nr. 15 veröffentlicht, ist aber seit einigen Jahren vergriffen.

Gerade weil er sich nicht nur konjunkturell, sondern auch grundlegend mit der nationalen Frage aus marxistischer Sicht beschäftigt, halten wir seine Neuauflage für geboten.

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