Kommunistischer Studierendenbund Hamburg, Neue Internationale 304, Oktober 2026
Die Uni Hamburg wird seit Jahren kaputtgespart. Überfüllte oder komplett gestrichene Seminare, marode Gebäude inklusive Sanitäranlagen und eine überforderte Verwaltung gehören für uns schon lange zum Alltag. Hinzu kommen immer höhere Semesterbeiträge und immer niedrigere Chancen, nach dem Studium eine Stelle in Forschung oder Lehre zu bekommen. Mit dem angestoßenen „Strukturprozess“ verschärfen sich diese Probleme immer schneller.
Die Uni plant fakultätsübergreifend mit 10,5 % Kürzungen bis 2032. In einigen Fakultäten, wie z. B. in der MIN (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften), sollen sogar 24 % gekürzt werden. Was das bedeutet, können wir jetzt schon jeden Tag erleben: Allein bis 2028 sollen im Vergleich zu 2025 über 1.000 Studienplätze und bis 2032 370–400 Vollzeitstellen an der Uni wegfallen. Ganze Studiengänge werden gestrichen und die Bibliotheken haben immer kürzere Öffnungszeiten und immer kleinere Bestände. Inzwischen müssen unsere Bibliotheken sogar öffentlich nach Geld betteln, um weiter existieren zu können.
Die Forschung wird gleichzeitig immer abhängiger von sog. „Drittmittelfinanzierung“, d. h. von Investitionen aus der Privatwirtschaft, und so auch deren Profitinteressen untergeordnet.
Die massiven Kürzungen und die Erhöhung der Abhängigkeit von der Privatwirtschaft passieren dabei nicht willkürlich, sondern haben ihre Ursache in der Krise. Die Unternehmen brauchen schnelle Profite, um sich über Wasser halten zu können, und wollen und können sich gute Bildung und Forschung nicht mehr leisten. Entsprechend wird gekürzt. Unsere Interessen als Studierende und Beschäftigte nach guter Bildung, unabhängiger Forschung und sicheren Arbeitsplätzen werden also für die Interessen der Reichen übergangen. Ein weiterer Grund für die Kürzungen liegt in der Aufrüstung.
Während die Unis also kaputtgespart werden, sind nämlich hunderte Milliarden für die Aufrüstung da. Neue Waffenfabriken schießen überall aus dem Boden und die Wehrpflicht steht kurz vor der Wiedereinführung. Die Militarisierung macht dabei auch vor der Uni keinen Halt. So forscht die UHH mit dem französischen Rüstungshersteller Thales zusammen an Sensorik für Drohnen. Ein Projekt, das nicht nur die Militarisierung befeuert, sondern auch mit Israels Genozid in Palästina verbunden ist. Thales liefert nämlich Waffen an Israel, die höchstwahrscheinlich im Genozid in Gaza eingesetzt werden.
Hier hört die Mittäterschaft am Genozid in Gaza aber nicht auf. Im Rahmen des “Minerva Center for the Rule of Law under Extreme Conditions” forscht die UHH zusammen mit der Uni Haifa an den rechtlichen Rahmenbedingungen für KI-Zielerfassung im Krieg, einer Methode, mit der Israel in Gaza zehntausende Palästinenser:innen ermordet hat. Die Militarisierung der Uni und die Mittäterschaft am Genozid in Gaza sind also offensichtlich eng verbunden. Deutschland rüstet auf und braucht dabei israelisches „Know-how“ in Krieg und Völkermord. Im Gegenzug dazu unterstützen deutsche Institutionen Israel weiter bei seinen Verbrechen. Heute dient die neue Drohnen-Sensorik und die rechtlich abgesicherte KI-Zielerfassung noch Israel und seinen Verbrechen, morgen wird das erlangte Wissen von Deutschland selbst im nächsten Krieg angewendet und die UHH liefert dafür die Ergebnisse. Die Militarisierung dient dabei nicht der Verteidigung und schon gar nicht uns Studierenden und Beschäftigten. In der Krise müssen die Interessen der angeschlagenen deutschen Großkonzerne auch wieder militärisch durchgesetzt werden können, folglich muss aufgerüstet werden. Wir dienen dabei höchstens als Kanonenfutter.
Wir halten also fest: Unsere Uni wird nicht nur für die Interessen der Reichen kaputtgespart, das Geld ist gleichzeitig für Militarisierung und die Unterstützung des Genozids in Gaza da. Während unsere Lern- und Arbeitsbedingungen immer schlechter werden, sollen wir auch noch für die Reichen, die dafür verantwortlich sind, sterben und töten.
Nicht mit uns! Wir wollen eine Uni, die für alle gute Lern- und Arbeitsbedingungen garantiert und sich nicht an Militarisierung und Völkermorden beteiligt.
Das heißt, wir wollen keine Uni, die den Interessen der Reichen dient, sondern eine Uni nach unseren Bedürfnissen, die wir kontrollieren.
Deswegen sind wir als KSB Mitinitiator:innen einer Kampagne gegen Kürzungen, Militarisierung und Mittäterschaft am Genozid in Gaza an der UHH. Wir organisieren uns als Beschäftigte und Studierende am Campus. Unser erstes Ziel ist eine Vollversammlung der Studierendenschaft, um mit hunderten Kommiliton:innen gemeinsam zu diskutieren, wie wir gegen die Kürzungen, die Militarisierung und die Mittäterschaft vorgehen können, und um Kontrolle über unsere Lern- und Arbeitsbedingungen einzufordern!
Wir wissen aber auch, dass eine Vollversammlung an der Uni nicht ausreichen kann, um die gesamtgesellschaftliche Militarisierung zu stoppen. Nur durch politische Streiks können wir die Kontrolle über unsere Lern- und Arbeitsbedingungen durchsetzen, nur durch politische Streiks können die Militarisierungspläne der Regierung durchkreuzt werden. Deswegen wollen wir die Vollversammlung auch dafür nutzen, gemeinsam als Studierendenschaft für eine Beteiligung an der Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht zu stimmen, um am nächsten Streiktag gemeinsam mit den Schüler:innen zu streiken.
Wenn wir als Schüler:innen und Studierende eine starke Bildungsstreikbewegung aufbauen, können wir auch die Gewerkschaften unter Druck setzen, gemeinsam mit uns zu streiken und die Militarisierungspläne der Reichen endgültig zu stoppen.
Schreib uns, wenn du aus Hamburg kommst und Interesse an der Kampagne hast oder an deiner Uni gegen Kürzungen, Militarisierung und Genozid aktiv werden willst!