Jeremy Dewar, Workers Power Großbritannien, Infomail 1304, 25. Februar 2026
Trotz aller Widrigkeiten hat sich die All London Delegate Assembly (ALDA, Versammlung aller Londoner Delegierten) von Your Party am Sonntag, dem 8. Februar, im Chat’s Palace in Homerton getroffen. Wir haben erfolgreiche Wahlkampfveranstaltungen für die Wahlen zum Zentralen Exekutivkomitee (CEC) abgehalten, Anträge der Vorabteilungen aus der Hauptstadt diskutiert und unsere nächsten Schritte beschlossen.
Wir waren etwa 65 Personen im Saal und ein paar mehr online, wobei etwas mehr als die Hälfte von uns gewählte Delegierte waren und der Rest Beobachter:innen mit Rede-, aber ohne Stimmrecht. Die Stimmung war aufregend und solidarisch. Die meisten Linken, die in YP aktiv sind, waren vertreten.
Als erstes bestätigten wir – richtig, aber angesichts der Inklusivität der Veranstaltung ironischer Weise – die Entscheidung des Organisationskomitees, Piers Corbyn von der Wahlkampfveranstaltung auszuschließen.
Uns wurde ein Video von Piers Corbyn zugeschickt, der bei einer rechtsextremen Demo vor einem Asylhotel ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Schließt die Hotels – Beschlagnahmt die Boote“ hochhielt. Er war offensichtlich gut mit den faschistischen Organisator:innen der Protestaktion befreundet. Der Antrag, der auch die vorläufige Führung aufforderte, Piers Corbyn auszuschließen, wurde einstimmig angenommen.
Wahlveranstaltungen sind Frage-Antwort-Runden, bei denen die Wähler:innen den Kandidat:innen Fragen stellen können, in diesem Fall für die CEC-Wahlen. Das hat den ganzen Vormittag gedauert, in dem wir acht Kandidat:innen ihre Einführungsreden halten hörten; dann wurden die Namen der Delegierten aus einem Hut gezogen und sie wurden eingeladen, eine Frage zu stellen.
Als nützliche Neuerung wurden wir dann gefragt, ob jemand eine Zusatzfrage stellen möchte. Dadurch konnten wir tiefer in kontroverse Themen einsteigen, was besonders nützlich war, als es darum ging, die Positionen der Kandidat:innen zu den Rechten von trans Frauen auf die Nutzung von geschlechtergetrennten Räumen, die ihrem Geschlecht entsprechen, und zu ihrer Meinung zum Krieg in der Ukraine zu hinterfragen.
Valerie Cousins musste ihre Ablehnung der Rechte von trans Frauen verteidigen, obwohl die Stimmung im Raum eindeutig zugunsten der Transrechte war (wie auch bei der YP-Konferenz im November). Dass Cousins respektvoll angehört wurde, war ein Verdienst des demokratischen Instinkts der Versammlung.
Was die Ukraine betrifft, so unterstützte nur Ruth Cashman (AWL, Alliance for Workers’ Liberty) das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine, während andere, wie Raj Gill, weiterhin behaupteten, der Krieg sei von der NATO begonnen worden – eine schreckliche Verzerrung der Realität, die Sozialist:innen daran hindert, sich in den kommenden Zeiten im Netz der internationalen Beziehungen zurechtzufinden. Allerdings war Cashman mit ihrem Engagement gegen die NATO nur scheinbar frei. Tatsächlich hat sich die AWL selten, wenn überhaupt, gegen den britischen Imperialismus und seine Verbündeten in Osteuropa, im Nahen Osten oder in Afghanistan gestellt.
Anahita Zaragoshti und Mel Mullins von der Grassroots Left Slate (Linke Basisliste) präsentierten sich beide selbstbewusst, obwohl man wohl sagen kann, dass wir nichts Neues erfahren haben. Die meisten anwesenden Mitglieder hatten sich bereits entschieden, für die GLS-Kandidat:innen zu stimmen, da es vorrangig notwendig ist, eine linke Mehrheit im CEC zu erreichen, aber es war nützlich, die anderen zu hören, von denen einige nach der Auszählung eindeutig zu Verbündeten werden könnten.
Nach dem Mittagessen kamen wir wieder zusammen, um einen Vorschlag des Organisationskomitees anzuhören, der im Wesentlichen vorsah, in naher Zukunft erneut zusammenzukommen und die Koordination der Londoner Ortsgruppen fortzusetzen. Dieser Vorschlag wurde angenommen, und wir legten den 21. März als Termin für die nächste Versammlung fest.
Anschließend beschlossen wir, fünf Anträge anzuhören, die unter dem Begriff „3 L“ zusammengefasst wurden: lokale Dienstleistungen, lokale Demokratie und lokale Kämpfe. Von diesen war der Antrag, ein 10-Punkte-Manifest für London zu erstellen, der von Workers Power über die Ortsgruppe Southwark eingebracht wurde, der weitreichendste.
Dieser Antrag baute auf der Verpflichtung der YP-Konferenz auf, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen Kandidat:innen auf einer „No Cuts“-Plattform aufzustellen. Er forderte, das Versprechen, keine Kürzungen vorzunehmen, mit der Verpflichtung zu verbinden, keine Mieterhöhungen oder Erhöhungen der Gemeindesteuern, keine Plünderung der Reserven und keine Kürzungen oder Herabstufungen von Stellen zu versprechen.
Vor allem aber wollte er mit der reformistischen Vorstellung von Wahlen als passiver Stimmenjagd brechen und den Fokus auf Wahlen als Mittel zur „Mobilisierung der Arbeiter:innenklasse, um alle Kürzungen zu stoppen und mit Protesten, direkten Aktionen, Besetzungen und Streiks für diese Veränderungen zu kämpfen“ legen.
Der Redner erntete begeisterten Applaus für die Slogans „Brecht das Gesetz, nicht die Armen!“ und „Andere Parteien jagen Stimmen, YP mobilisiert den Widerstand!“.
Wir haben über Anträge abgestimmt, die von den Delegierten in der Mittagspause ausgewählt worden waren: über die Zulassung von Mitgliedern sozialistischer Propagandagruppen zur YP, über die Zulassung von nicht binären und trans Personen zur Teilnahme an YP-Wahlen und über die Forderung an die Führung, das fortschrittlichste Verhältniswahlsystem für die CEC-Wahlen zu übernehmen. Alle Anträge wurden angenommen.
Umstrittener waren die beiden Anträge zur Together-Alliance. Während der erste weniger kontrovers war und uns lediglich dazu verpflichtete, einen YP-Block für die Demonstration am 28. März zu organisieren, forderte uns der zweite auf, die Erklärung der TA zu „unterzeichnen“. Für eine bedeutende Minderheit der Delegierten ging dies einen Schritt zu weit. Die TA ist eine Volksfront, die ihre Aktivitäten und Botschaften auf das beschränkt, was für die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Prominenten in ihren Reihen akzeptabel ist. Wie ein Delegierter es ausdrückte: „Peace & Love ist kein Slogan der Arbeiter:innenklasse.“
Katie Alexander (Hackney YP, SWP, Sozialistische Arbeiter:innenpartei) versuchte, diese Taktik zu verteidigen, indem sie sagte: „Wir können beides tun: eine Volksfront und eine Einheitsfront der Arbeiter:innen.“ Aber die Wahrheit ist, dass die Gewerkschaftsführer:innen sich beeilen, sich der ersteren anzuschließen, um niemals sich in der letzteren engagieren zu müssen. Beide Anträge wurden jedoch mit überwältigender Mehrheit angenommen.
Die Organisation der ersten ALDA war ein großer Erfolg. Aber sie war nur ein erster, vorsichtiger Schritt. Obwohl die 35 Delegierten die politischen Ansichten von über 400 YP-Mitgliedern aus über 20 Bezirken repräsentierten und obwohl all dies zusammen mit anderen Kampagnenaktivitäten ohne Zugang zu den Mitgliederdaten erreicht wurde, die von der nicht gewählten Bürokratie eifersüchtig gehütet werden, ist es immer noch viel zu wenig.
Wir müssen die Größe der nächsten Versammlung im März verdreifachen.
Außerdem müssen wir uns gemeinsam gegen jeden Versuch des neuen CEC wehren, insbesondere wenn Jeremy Corbyns bürokratischer rechter Flügel „The Many“ die Mehrheit gewinnt, die Vorläuferorganisationen aufzulösen und nur noch diejenigen anzuerkennen, die auf Wahlkreisen basieren.
Das wird ein Kampf werden. Aber es ist ein Kampf, den wir gewinnen können. Die Kameradschaft und Einheit, die auf der Versammlung gezeigt wurden, müssen fortgesetzt werden, wenn wir eine von den Mitgliedern geführte, demokratische und vor allem kämpferische Partei der Arbeiter:innenklasse aufbauen wollen.