Arbeiter:innenmacht

Stoppt die israelische Zerstörung des Libanon! Solidarität mit dem Widerstand!

Internationales Sekretariat der ISL, Infomail 1313, 22. Juni 2026

Letzte Woche haben die USA und der Iran eine Absichtserklärung unterzeichnet, und es wird ein Waffenstillstandsabkommen erwartet, das alle Fronten – einschließlich des Libanon – umfasst und den Rückzug der zionistischen Streitkräfte vorsieht.

Gleichzeitig wurde der Süden Beiruts bombardiert, parallel zur Ausweitung ihrer Operationen im Süden des Libanon, mit dem Ziel, die beiden Fronten zu spalten, ihre Präsenz zu behauoten und ihre Interessen in der Region durchzusetzen.

Das wurde deutlich, da Netanjahu seit Ende Mai damit gedroht hatte, Beirut massiv zu bombardieren, und das Militär der zionistischen Entität die Bevölkerung im Süden Beiruts und im Südlibanon angewiesen hat, ihre Häuser zu verlassen, bevor diese in Schutt und Asche gelegt werden. Das ist ein permanenter Krieg gegen den Libanon.

Unterdessen geht die Invasion der israelischen Streitkräfte weiter. Sie haben die Außenbezirke der südlibanesischen Stadt Nabatäa erreicht – einer Hochburg des Widerstands – und ihre Flagge auf den strategisch wichtigen Ruinen der mittelalterlichen Kreuzritterburg auf dem Berggipfel gehisst, womit sie erneut den im April 2026 vereinbarten Waffenstillstand verletzt haben. Außerdem haben sie die Großstädte Sidon und Tyros bedroht und kürzlich Anordnungen zur vollständigen Evakuierung eines Gebiets erlassen, das sich bis zum Sahrani-Fluss, 10 km nördlich des Litani-Flusses, erstreckt.

Das Ziel dieses Krieges ist klar: Der zionistische Feind will den Süden des Libanon erobern und dauerhaft besetzen. Deshalb muss der Widerstand zerschlagen und die gesamte Bevölkerung dauerhaft vertrieben werden. Das sogenannte Waffenstillstandsabkommen führte zur aktuellen Besetzung des Gebiets südlich des Litani-Flusses, wobei mehr als eine Million seiner Bewohner:innen vertrieben wurden. Seitdem planieren und sprengen die israelischen Streitkräfte (IDF) Dörfer, die von ihren Bewohner:innen geräumt wurden, und zeigen damit ihre Absicht, die Besetzung dauerhaft zu machen.

Die israelische Regierung verkündet nicht nur, dass sie die Hisbollah-Kämpfer ausrotten will, sondern auch deren soziale Basis zerstören will, d. h. die überwiegend schiitische Bevölkerung der Region, die über 30 Prozent der Einwohner:innen des Landes ausmacht. Dies beweist – entgegen den Absichten der Zionist:innen –, dass die Hisbollah-Kämpfer tatsächlich eine legitime Widerstandskraft bilden, die organisch mit den verbliebenen und vertriebenen Bewohner:innen verbunden ist, die größtenteils aus der schiitischen Bevölkerung bestehen.

Sozialist:innen auf der ganzen Welt haben – auch wenn sie die islamistische Politik und Strategie der Hisbollah nicht unterstützen – die absolute Pflicht, diesen Widerstand zu unterstützen und die israelischen Streitkräfte (IDF) durch organisierten Kampf gegen den Imperialismus zu verurteilen, der versucht, seinen Völkermord und seine ethnische Säuberung im Gazastreifen und im Westjordanland auszuweiten. Der israelische Regierungschef Netanjahu machte dies absolut deutlich, als er die Einnahme der historischen Burg Beaufort (Qal’at al-Schaqif Arnun) verkündete. In einem Interview mit der Sendestation BBC beschrieb er dies mit seinen Worten als „Durchbrechen der Barriere der Angst“ und bestätigte selbst, dass sie „die Initiative ergreifen werden, um an allen Fronten in Syrien, im Gazastreifen und im Libanon zu operieren“.

Das zionistische Regime versucht, die Lage auszunutzen

Es gibt mehrere miteinander verknüpfte Gründe, warum der zionistische Staat in den letzten Wochen vorprescht ist.

Erstens ist das zionistische Regime selbst seit Oktober 2023 immer aggressiver, barbarischer und expansionistischer geworden. Vor allem die Regierung und die faschistischen Kräfte in Israel sehen die Gelegenheit, den Völkermord im Gazastreifen – von dem sie mittlerweile mindestens 60 % kontrollieren – voranzutreiben; außerdem kündigte Netanjahu am 21. Mai an, dass die israelischen Streitkräfte (IDF) diesen Anteil auf 70 % ausweiten werden.          Gleichzeitig setzen sie die De-facto-Annexion immer größerer Teile des Westjordanlands fort. Und sie sehen die Chance, große Teile des Libanon dauerhaft zu besetzen, um ihr Ziel eines „Großisraels“ voranzutreiben. Das ergibt sich aus der dem zionistischen Staat selbst innewohnenden expansionistischen Logik.

Natürlich gibt es auch andere situative Gründe, wie zum Beispiel die Nutzung der permanenten Aggression als Mittel, um von den inneren Schwierigkeiten der Regierung Netanjahu abzulenken. Doch die unaufhörliche Expansion eines Siedler:innenstaates ist von grundlegenderer Natur. Es wird niemals dauerhaft Frieden mit seinen Nachbar:innen geben, noch wird die Vernichtung des palästinensischen Volkes gestoppt werden, solange der zionistische, rassistische Staat existiert.

Es gibt viele Gründe für die derzeitigen Expansionsmöglichkeiten des zionistischen Staates: von der aktuellen Krise der US-Hegemonie in der Region über die anhaltende Unterstützung durch westliche Mächte und die Komplizenschaft der reaktionären arabischen Regime bis hin zur sofortigen Duldung der zionistischen Politik unter anderem durch Russland und China.

Israel nutzte den reaktionären Krieg gegen den Iran als Gelegenheit, den Libanon anzugreifen. Ironischerweise hat das Scheitern der USA in diesem Krieg – bei dem es darum ging, die Islamist:innen in Teheran zu stürzen und einen pro-westlichen Regimewechsel durchzusetzen – zu einer instabilen Lage geführt, in der „Verhandlungen“ parallel zu US-Angriffen und iranischen Gegenangriffen weitergehen. Die Schwierigkeit, sich auf einen Waffenstillstand zu einigen, der irgendwie als „Erfolg“ dargestellt werden kann, ermöglicht es Israel, seinen Krieg trotz des Drucks seiner Verbündeten in Washington und Westeuropa fortzusetzen. Solange das US-Militär seine anhaltenden Angriffe auf den Iran als „Selbstverteidigung“ darstellt, werden die Zionist:innen dieselbe Dringlichkeit und Ausrede für ihre Invasion im Libanon nutzen – selbst wenn sie wissen, dass der Iran kein Abkommen mit den USA akzeptieren kann, solange Israel seinen Krieg gegen den Libanon fortsetzt.

Zwar widersprechen die aktuelle Invasion und der Feldzug im Libanon den Versuchen der USA und Westeuropas, eine reaktionäre Lösung in der Region zu erreichen und ein Abkommen mit dem Iran auszuhandeln, doch sind sie nicht bereit, entscheidenden Druck auf ihren zionistischen Verbündeten auszuüben. Das ist das Ergebnis der inneren Widersprüche von Trumps „Strategie“ sowie der inneren Spaltungen im US-Establishment. Was die großen europäischen imperialistischen Mächte betrifft – insbesondere Großbritannien und Deutschland –, so werden sie den USA in dieser Hinsicht folgen und daher ihre „bedingungslose“ Unterstützung für Israels „Recht auf Selbstverteidigung“ fortsetzen.

Daher werden die Zionist:innen ihren Krieg in seinen verschiedenen Formen fortsetzen und versuchen, ihre Ziele auch unter den derzeitigen Umständen im Falle eines Waffenstillstands zu erreichen.

Wie kann der Zionismus gestoppt werden?

Das libanesische Volk hat jedes Recht, sich gegen die zionistische Aggression zu wehren. Die internationale Arbeiter:innenklasse, Sozialist:innen, Kommunist:innen, Gewerkschaften und Parteien müssen sich zu seiner Unterstützung zusammenschließen, genauso wie sie das palästinensische Volk in seinem Kampf gegen den Völkermord unterstützen.

Im Libanon spielt die Regierung eine besonders verräterische Rolle. Sie weigert sich, die Armee zur Verteidigung des Landes zu mobilisieren. Sie vernachlässigt nicht nur diese elementare Pflicht, sondern führt sogar Verhandlungen mit dem Feind und stimmt „Waffenstillständen“ und „Waffenruhen“ zu, die die Zionist:innen ständig brechen.

Monatelang war das ganze Gerede von einem Waffenstillstand ein bewusster Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen und die Fortsetzung der Aggression in unterschiedlichen Formen zu verschleiern. Im Süden des Libanon herrschte nie ein Waffenstillstand, sondern ein offener Krieg mit vielfältigen Ausprägungen: tägliche Bombardements, gezielte Attentate, die anhaltende Besetzung des Gebiets und eine schrittweise Ausweitung der Gebiete, über die der Feind seine direkte militärische Kontrolle ausübt.

Doch die libanesischen Behörden weigern sich, den Zionist:innen die Stirn zu bieten. Sie sind zu Marionetten der USA und anderer westlicher imperialistischer Mächte geworden, verfügen über kaum Einfluss und sind vollständig von imperialistischer wirtschaftlicher Unterstützung abhängig. Um ein solches Marionettenregime dauerhaft durchzusetzen, müssen jedoch auch alle Kräfte des Widerstands und der Unzufriedenheit in der Bevölkerung im Libanon zerschlagen werden.

Was die Hisbollah betrifft, so bekämpft sie die Besatzung weiterhin im Rahmen der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und unter Opferbereitschaft ihrer Kämpfer:innen. Doch der islamische und bürgerliche Charakter ihrer Politik, ihre Abhängigkeit von einem Bündnis mit dem reaktionären iranischen Regime und ihre Rolle in vergangenen Massenkämpfen im Libanon selbst machen es der Hisbollah unmöglich, eine Strategie und ein Programm zu entwickeln, um die gesamte Arbeiter:innenklasse, die Jugend und die städtischen Armen des ganzen Landes zu vereinen und dabei konfessionelle und kommunale Spaltungen auf Klassenbasis zu überwinden.

Die libanesische Arbeiter:innenklasse und die Volksmassen müssen sich dem Widerstand gegen den zionistischen Feind anschließen. Doch sie müssen dies auf der Grundlage eines Programms tun, das den Kampf gegen Zionismus und Imperialismus mit dem Kampf für eine sozialistische Lösung verbindet; kurz gesagt: ein Programm der permanenten Revolution für einen sozialistischen Libanon als Teil einer sozialistischen Welt. Dafür muss in der Hitze dieses Kampfes eine revolutionäre Partei gegründet werden.

Die Internationale Sozialistische Liga solidarisiert sich mit dem Widerstand des libanesischen Volkes und unterstützt ihn. Wir unterstützen unsere libanesischen Genoss:innen bei ihren Bemühungen, den Kampf gegen die Besatzung in allen Bereichen auszuweiten, und bei ihrem Ziel, eine breite Front aufzubauen – politisch aktiv und vor Ort präsent –, die die Arbeiter:innen, Studierenden, Gewerkschaften, fortschrittlichen Kräfte und all jene vereint, die eine Normalisierung und Kapitulation ablehnen.

Internationale Solidarität

Doch trotz ihres Heroismus und ihres Kampfes werden die libanesischen Massen allein nicht in der Lage sein, die israelische Armee und ihre enorme Militärmacht aufzuhalten. Aber die zionistische Aggression kann gestoppt und besiegt werden, wenn die Arbeiter:innenklasse in den arabischen Ländern, den USA und Westeuropa ihre Regierungen dazu zwingt, die militärische Unterstützung des zionistischen Staates einzustellen, und sie dazu zwingt, die finanziellen und wirtschaftlichen Verbindungen abzubrechen.

Das bedeutet, dass die Arbeiter:innenorganisationen – einschließlich der reformistischen Massenparteien und Gewerkschaften – massiv mobilisieren müssen, um den Druck auf westliche Regierungen zu verstärken, die Israels Verbrechen unterstützen und begünstigen, sowie auf Regime in der Region, die den Widerstand dagegen blockieren oder nichts unternehmen, um ihn zu unterstützen. Dabei müssen wir die Gesetze und die Propaganda bekämpfen, die die Hisbollah als terroristische Organisation darstellen, Israel aber als Inbegriff der Demokratie ausmalen. Millionen, vor allem unter den Jugendlichen, durchschauen das mittlerweile.

Wir müssen dafür kämpfen, jegliche militärische und finanzielle Hilfe sowie Unterstützung für Israel zu boykottieren und fordern, dass es wegen Völkermordes verurteilt wird. Die Arbeiter:innen würden Israel ihre eigenen Sanktionen auferlegen, wie es griechische und italienische Hafenarbeiter:innen bereits mehrfach getan haben. Die Linke weltweit sollte außerdem Hilfe an libanesische Sozialist:innen, Student:innenorganisationen und Gewerkschaften schicken, damit den leidenden arbeitenden Menschen im Libanon eine klassenbewusste und revolutionäre Perspektive geboten werden kann.

  • Stoppt die Bombardierungen und die Vertreibung der Bevölkerung im Libanon durch die israelischen Streitkräfte (IDF)!
  • Besiegt die zionistische Aggression und Besatzung! Alle zionistischen Kräfte raus aus dem Libanon und die Freilassung der Geiseln!
  • Israel sowie die USA und die europäischen Staaten, die den Zionismus unterstützen, müssen in vollem Umfang für den Wiederaufbau aller Dörfer und zerstörten Gebiete im Land aufkommen.
  • Unterstützt den Volkswiderstand! Unterstützt libanesische Sozialist:innen und Gewerkschafter:innen!
  • Für einen sozialistischen Libanon als Teil einer Sozialistischen Föderation der SWANA-Region (Südwestasien/Nordafrika)!

Related Posts

Internationalismus. Revolutionäres Sommercamp 2026

Über den Iran sprechen

Diskussionsveranstaltung der Gruppe Arbeiter:innenmacht

Berlin, 28. Juni, 10.00 – 19.00, Raum RS20, Rungestraße 20

Für eine Uni des gesellschaftlichen Fortschritts

Revolutionäres Aktionsprogramm

Buch, A 5, 100 Seiten, 6,- Euro

Lage der Klasse – Podcast der Gruppe Arbeiter:innenmacht

Vom Widerstand zur Befreiung

Für ein freies, demokratisches, sozialistisches Palästina!

Broschüre, A4, 48 Seiten, 3,- Euro