Brasilien: Ein antifaschistischer Sieg!

Indem wir auf die Straße gegangen sind und zusammengehalten haben, haben wir den Bolsonarismus besiegt!
Verónica O’Kelly, Infomail 1324, 28. Oktober 2026
Die Mobilisierung der Bevölkerung war entscheidend für diesen Sieg. Jetzt müssen wir weiter auf die Straße gehen, die extreme Rechte ein für alle Mal besiegen und eine unabhängige politische Alternative aufbauen, die der Arbeiter:innenklasse, der Jugend und allen unterdrückten Gruppen dient.
Das brasilianische Volk hat gezeigt, dass es stark genug ist, die extreme Rechte und ihre Pläne gegen die Arbeiter:innenklasse, die Jugend und die am stärksten unterdrückten Teile der Gesellschaft zu besiegen. Lulas Sieg bedeutet eine schwere Niederlage für den Bolsonarismus und für all jene, die die Angriffe auf die errungenen Rechte verschärfen wollten. Das ist aber auch eine Botschaft an die Regierung: Die brasilianischen Massen haben gezeigt, dass sie nicht bereit sind, weiterhin für die von den Kapitalist:innen verursachte Krise zu bezahlen. Die neoliberale Regierung von „Lula 4.0“ wird es mit einem Volk zu tun haben, das nicht bereit ist, weiterhin Sparmaßnahmen und neue „Haushaltspläne“ zu akzeptieren, die gegen die Interessen der Arbeiter:innenklasse gerichtet sind.
Die Mobilisierung der Bevölkerung war der entscheidende Faktor für diesen Sieg. Spontan, mit jungen Menschen an der Spitze, gingen Tausende auf die Straße, ohne darauf zu warten, von politischen Führer:innen dazu aufgerufen zu werden. Am Montag nach dem ersten Wahlgang breitete sich eine Welle von Mobilisierungen im ganzen Land aus.
Massenkundgebungen und Mobilisierungen in großen und kleinen Städten, Stimmenwechselkampagnen, Versammlungen, Plenarsitzungen, Treffen und unzählige andere Initiativen zeigten den Kampfwillen breiter Teile der Gesellschaft.
Diese Initiative kam nicht von oben. Sie entstand aus dem Tatendrang tausender Menschen, die verstanden, wie ernst die Lage war, und sich gemeinsam daran machten, den Vormarsch der extremen Rechten zu stoppen. Junge Menschen spielten in diesem Prozess eine Schlüsselrolle und zeigten, dass sie eine Zukunft voller Autoritarismus, Prekarität und der Aushöhlung von Rechten nicht passiv hinnehmen werden.
Bolsonaro, Trump, Milei und die gesamte extreme Rechte – besiegt
Die Wahlniederlage des Bolsonarismus bedeutet auch einen Rückschlag für Teile der internationalen extremen Rechten, die auf den Vormarsch ihrer Verbündeten in Lateinamerika gesetzt hatten. Bolsonaro, Milei und Trump verfolgen gemeinsam die Agenda, soziale und demokratische Rechte anzugreifen, autoritäre Politik zu stärken und eine Offensive gegen Organisationen der Arbeiter:innenklasse zu führen.
Trump hat sich direkt in den brasilianischen Wahlprozess eingemischt. Er wollte einen Sieg für Flávio Bolsonaro sicherstellen. Doch die Mobilisierung der Bevölkerung und die Wahlergebnisse haben diese Bemühungen zunichtegemacht. Die Niederlage des Bolsonarismus zeigt, dass die extreme Rechte nicht unbesiegbar ist und dass Massenmobilisierung ihrer Agenda Grenzen setzen kann.
Wir dürfen jedoch die Stärke dieser Kreise nicht unterschätzen oder glauben, dass eine Wahlniederlage allein dieser reaktionären Offensive ein Ende bereiten wird. Die extreme Rechte verfügt über eine soziale Basis und internationale Verbindungen und wird diese weiterhin nutzen, um die Massen für sich und wieder an Boden zu gewinnen.
Wir haben diese Schlacht gewonnen. Der Kampf geht weiter!
Die Reaktion des Bolsonarismus unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse – die Infragestellung der Wahlergebnisse und Flávio Bolsonaros Aufruf an die Öffentlichkeit, „Brasilien zu verteidigen“ – erfordert unsere Aufmerksamkeit und Mobilisierung. Wir müssen die nächsten Schritte dieser Gruppen im Auge behalten und bereit sein, auf jeden Versuch zu reagieren, den Willen des Volkes zu delegitimieren oder unsere demokratischen Rechte zu bedrohen.
Wir haben einen wichtigen Sieg errungen. Aber der Kampf gegen den Bolsonarismus und die extreme Rechte geht weiter. Unser Ziel muss es sein, dieses Projekt politisch zu besiegen, seine Unterstützer:innenbasis zu zerschlagen und zu verhindern, dass es erneut die Rechte und Freiheiten der arbeitenden Menschen bedroht.
Um das zu erreichen, dürfen wir die Straße nicht aufgeben. Die Mobilisierung, die diesen Sieg möglich gemacht hat, muss weitergehen, ihre organisatorische Reichweite ausbauen und in dauerhaften Räumen der Beteiligung und Organisierung der Massen zum Ausdruck kommen. Es reicht nicht aus, nur in entscheidenden Momenten während der Wahlen auf die Straße zu gehen: Wir müssen unsere Organisation an Arbeitsplätzen, in Schulen und in den Stadtvierteln stärken und Einheit schaffen, um Angriffen entgegenzutreten – egal, welche Regierung sie verübt.
Um die extreme Rechte zu besiegen, müssen wir auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen
Die Mobilisierung gegen den Bolsonarismus muss sich auch in konkreten Errungenschaften für die Mehrheit der Bevölkerung niederschlagen. Wir müssen auf die Interessen der 99 % eingehen: der Arbeiter:innenklasse, der Jugend, der Frauen, der schwarzen Community und aller unterdrückten Bevölkerungsgruppen. Das bedeutet, gegen prekäre Arbeitsverhältnisse vorzugehen, Ungleichheit zu bekämpfen, soziale Rechte auszuweiten und menschenwürdige Lebensbedingungen zu gewährleisten. Die politischen Erfahrungen der letzten Jahre zeigen die Grenzen und den Klassencharakter eines Projekts, das darauf basiert, die Interessen der Arbeiter:innen mit denen der Großunternehmen, Bänker:innen und der Agrarindustrie in Einklang zu bringen. Ohne einen Bruch mit den Interessen derjenigen an der Spitze werden die Bedürfnisse derjenigen am unteren Ende der Gesellschaft weiterhin untergraben, was Raum für den Aufstieg der extremen Rechten schafft.
Deshalb dürfen wir die Straße nicht aufgeben. Wir müssen die Mobilisierung aufrechterhalten und unsere Organisation stärken. Der Kampf gegen die 6×1-Arbeitswoche ist ein gutes Beispiel: Die Mobilisierung der Bevölkerung hat diese Forderung vorangetrieben und die Regierung unter Druck gesetzt, sich für eine Verkürzung der Arbeitswoche einzusetzen.
Eine unabhängige linke politische Alternative aufbauen
Die Stärke auf der Straße wirft eine grundlegende strategische Frage auf: Wie können wir diese Mobilisierung in eine dauerhafte Organisation und eine politische Alternative verwandeln, die sowohl der extremen Rechten als auch der Politik der Klassenversöhnung die Stirn bieten kann? Wir von Revolução Socialista haben dazu aufgerufen, in der Stichwahl für Lula zu stimmen, aber das bedeutet nicht, darauf zu vertrauen, dass seine Regierung das Notwendige tun wird, um den Interessen des Volkes zu dienen: den Bruch mit Imperialismus und Kapitalismus.
Wir setzen uns für die Schaffung einer sozialistischen Alternative ein – einer, die unabhängig von der Regierung ist und sich den Interessen der Arbeiter:innenklasse und der unterdrückten Schichten verschrieben hat. Eine Alternative, die das System nicht bloß verwaltet, sondern Ausbeutung und Unterdrückung bekämpft und für eine Gesellschaft eintritt, die nach den Bedürfnissen der Mehrheit organisiert ist.
Diese Alternative kann nicht allein durch Absprachen unter Führungskräften oder im Rahmen von Wahlzyklen aufgebaut werden. Sie muss aus den Kämpfen, aus der Basisarbeit und aus der Beteiligung derer entstehen, die auf die Straße gegangen sind. Sie muss die kollektive Stärke, die sich in dieser historischen Mobilisierung gezeigt hat, politisch zum Ausdruck bringen und eine Vision für einen Wandel bieten, die über Wahlkämpfe hinausgeht.
Der antifaschistische Sieg hat gezeigt: Wenn sich die Menschen mobilisieren, ist es möglich, reaktionäre Agenden zu besiegen. Jetzt müssen wir auf dieser Dynamik aufbauen, unsere Organisation ausweiten und den Aufbau einer sozialistischen, antikapitalistischen und revolutionären Alternative vorantreiben.




