Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse, Arbeitermacht, Organ des Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse, November 1936
Die Lehren der spanischen Revolution. Analysen und Dokumente, Broschüre der Gruppe Arbeiter:innenmacht, Juli / August 2026
Schon jetzt schon lassen sich wichtige Lehren ziehen aus den Kämpfen in Spanien.
Nur der Kampf mit den Waffen bringt die revolutionäre Entscheidung, das ist sicher. Doch ebenso sicher ist, dass jede proletarische Revolution mit der größten militärischen Tüchtigkeit der herrschenden Klasse zu rechnen hat. Wo die revolutionäre Aktion auf den bloßen Kampf mit den Waffen beschränkt wird, dort ist sie trotz des größten Opfermutes der Arbeiter verloren.
Die proletarische Revolution wird durch die militärische Aktion der Massen entschieden; gewonnen wird sie aber durch die proletarisch revolutionäre Politik! Diese und nur sie allein gibt der Arbeiterklasse jene überlegenen Kampfmittel, womit sie den Klassenfeind besiegt, liquidiert.
In erster Linie siegt die Arbeiterrevolution durch die ungeheure Überzahl der Massen, dadurch, dass sie den Klassenfeind von den proletarischen, kleinbürgerlichen, kleinbäuerlichen Massen isoliert, dadurch dass sie die Millionenmassen in Dorf und Stadt tatsächlich auf Leben und Tod in Schwung setzt gegen den Klassenfeind.
Solche Massenmobilisierung ist durch bloße militärische Mobilisierungsbefehle nicht durchzuführen, auch wenn sie von den schönsten demokratischen, „sozialistischen“, stalinistischen, anarchistischen Phrasen begleitet sind.
Dazu bedarf es revolutionärer politischer sozialer, ökonomischer Taten, die durch größte unmittelbare Vorteile die Millionenmassen mit dem Schicksal der Revolution auf Tod und Leben verbinden. Erst auf dem Boden solcher Taten gewinnt die revolutionäre Agitation und Propaganda durchschlagende Kraft, gewinnt die bewaffnete Aktion der revolutionären Massen jene sieghafte Kraft, die trotz Offiziersmangel, trotz schlechter Ausrüstung, trotz mangelhafter Organisation die Gegenrevolution schließlich zerschmettert. Siehe Russland 1917-1920.
Drei Viertel des bebauten Bodens in Spanien gehören rund 25.000 Familien und der Kirche. Diese sind das Haupt der Konterrevolution. Mehr als drei Viertel der spanischen Dorfbevölkerung sind ärmste Bauern, die nicht wissen, wovon zu leben. Entschädigungslose Enteignung der Großgrundbesitzer und der Kirche, entschädigungslose Aufteilung ihres Bodens auf die landarmen Bauern, das hätte die sofortige, die erste Hauptlosung sein müssen im Kampf gegen die Rebellion der adeligen, kirchlichen, monarchistischen, faschistischen Großgrundbesitzer und gegen die mit ihnen verbündeten städtischen Rechtsbourgeoisie, dann hätte der allseitige Aufstand der armen Bauernmassen längst schon die Francobanditen in Stücke gerissen.
Nach dem Fall Iruns wurde die offene linksbürgerliche Giralregierung durch die Caballeroregierung ersetzt, worin SP/Stalinpartei die Führung haben. Allein der Kurs wurde nicht geändert, er blieb nach wie vor linksbürgerlich: sie wollen das kapitalistische Privateigentum der Großgrundbesitzer, der Kirche, der Großkapitalisten nicht antasten, sie sind ja mit einem Teil der Bourgeoisie verbündet, sie wollen nichts als die formale Demokratie. Aber sie bringen den Massen nicht, was sie von der Revolution erwarten, also mag diese Politik die gigantische Kraft der Millionenmassen nicht in Schwung zu setzen.
In Barcelona wurde unter dem Druck der Massen eine neue Regierung gebildet, die sich, den Anarchisten entgegenkommend „Rat“ nennt. Der Vorsitzende ist der Linksbourgeois Company. Sie setzt sich zusammen aus 4 Linksbürgerlichen, 5 Mitgliedern der in Catalonien bereits verschmolzenen SP/KP, 3 Anarchisten und l Vertreter der POUM (Partei der marxistischen Einheit). Diese Regierung hat die „Kollektivierung“ des Großgrundbesitzes beschlossen, das heißt: nicht allen Großgrundbesitzern, sondern nur denjenigen, die auf Seiten Francos kämpfen, wird der Boden konfisziert und dem (links)kapitalistischen Staat übergeben … Es liegt auf der Hand, dass damit den armen Bauern nicht geholfen wird und dass sie damit ernstlich nicht in Schwung gebracht werden können.
Die militärischen Erfolge der Gegenrevolution sind unverkennbar. Die Gefahr für die revolutionären Massen wächst außerordentlich. Die Lage schreit nach dem revolutionären Aufrollen der Agrarfrage. Und dennoch greift die Caballero-Regierung, greifen SP/KF/Anarchistenpartei nicht danach, sondern beschränken sich auf rein militärische Mobilisierung, wobei sie die bewaffneten Arbeiter bürgerlichen Kommandanten unterstellen. Das „Oberkommando“ Caballeros verschleiert dies, ohne daran etwas zu ändern.
Letzten Endes handelt jede Partei nach den Interessen derjenigen Klasse, die sie wirklich vertritt. Die revolutionäre Lösung der Agrarfrage ist unter den heutigen Bedingungen ein Kampfmittel der proletarisch-revolutionären Partei. SP/KP/FAI (Anarchisten“partei“) / POUM (Nin-Maurin), sie greifen nicht nach diesem Kampfmittel aus dem einfachen Grunde, weil sie keine proletarisch-revolutionären Parteien sind, weil sie nicht proletarisch-revolutionäre Politik treiben, sondern kleinbürgerliche, „Volks“frontpolitik, linksbürgerliche, links-kapitalistische Politik. Im kleinbürgerlichen Klassencharakter der SP/KP und ihrer Politik liegt die Grundwurzel, warum die Blum, Stalin und Co. die spanische Revolution mit allen Mitteln innerhalb der kleinbürgerlichen, linksbürgerlichen Schranken zu halten suchen. Dem entspringt auch ihre klägliche „Neutralitäts“politik, die sie durch Phrasen und Manöver zu bemänteln suchen.
Größeren Opfermut, größere Tatkraft als die spanischen Arbeiter – keine Arbeiterschaft der Welt kann sie beweisen. Die Führung fehlt, die politische Führung fehlt den Massen, die proletarische Klassenpartei, die proletarische Revolutionspartei! Ohne die proletarisch-revolutionäre Partei kein proletarisch-revolutionärer Sieg!
Jeder revolutionärer Kampf der Arbeiter unter Führung der SP, der Stalinpartei oder beider führt zur Niederlage des Proletariats: kleinbürgerliche Parteien sind ihrem Wesen nach unfähig, die Revolution der Arbeiter zum Sieg zu führen. Von der Federacion Anarquista Iberica, der anarchistischen „Partei“ gilt dasselbe. Die Gruppe um Nin könnte den Ausgangspunkt für die proletarische Revolutionspartei bilden, indem sie sich von der „Volks“frontpolitik losreißt, die POUM auf die proletarische Klassenlinie umreißt: Heraus mit allen bürgerlichen Elementen aus der Regierung! Sofortige entschädigungslose Aufteilung des Bodens der Großgrundbesitzer und der Kirche auf die landarmen Bauern! Bildung von Arbeiter- und Bauernräten! Entschädigungslose Enteignung der Banken und der großkapitalistischen Betriebe, deren Übergang in Eigentum und Verwaltung des proletarischen Staates! Diktatur des Proletariats! – das müssten die Hauptlosungen sein.
Gegenüber einer sozialdemokratisch-stalinistisch-anarchistischen Regierung, solange die Massen der SP/KP/FAI Vertrauen schenken, müsste sie die Position einer loyalen Opposition beziehen. Sie würde eine solche Regierung aktiv mit allen Mitteln im Kampf unterstützen, würde dies mit revolutionärer Kritik und Propaganda verknüpfen, würde so die Massen an der Hand der lebendigen Erfahrungen an die Position der proletarischen Diktatur überleiten und diese schließlich an der Spitze der Massen verwirklichen.
Noch ist Madrid nicht verloren. Fällt Madrid, so geht der Kampf weiter, dann wird Catalonien das Zentrum. So oder so, immer schärfer stellt der Gang der Dinge die Frage:
Entweder weiteres Festhalten an der kleinbürgerlichen, linkskapitalistischen Politik und sicherer Untergang – oder Übergang zur proletarisch-revolutionären Politik, zur entschädigungslosen Aufteilung des Bodens der Großgrundbesitzer und der Kirche an die landarmen Bauern und Sieg! Ein Drittes gibt es nicht!