Arbeiter:innenmacht

Dokument 5: Barcelona, Katalonien

Der einzige Weg, Zeitschrift für Theorie und Parxis der Vierten Internationale, Nr. 4, September 1939

Die Lehren der spanischen Revolution. Analysen und Dokumente, Broschüre der Gruppe Arbeiter:innenmacht, Juli / August 2026

Barcelona, Katalonien sind gefallen. Wieder eine Niederlage des Weltproletariats, ein Sieg der Weltbourgeoisie.

Die Stalinparteien und die Sozialdemokratie haben die Führung der Arbeitermassen. Sie sind es, die das Proletariat von Katastrophe zu Katastrophe führen. Sie haben auch diese neue Niederlage verschuldet.

Unübertroffen an Heldenmut, Opferbereitschaft kämpfte das Proletariat Spa­niens. Jeder Arbeiter auf der ganzen Welt weiß das. Zur üblichen reformistisch-stalinistischen Ausflucht zu greifen: „Die Massen selbst sind schuld!“ ist diesmal zu gewagt, also schieben sie die Schuld auf – England, Frankreich.

Aber: „England“ ist der englisch-kapitalistische Staat, „Frankreich“ ist der französisch-kapitalistische Staat. Um das zu verschleiern, reden sie von den „demokratischen“ Staaten des Westens.

Kapitalistische Staaten, auch die bürgerlich-demokratischen sind nicht dazu da, um Politik zugunsten des Proletariats zu machen, sondern Politik zugunsten der Bourgeoisie. Gerade dazu haben die Arbeiter ursprünglich die Arbeiter­parteien geschaffen, damit diese die Leitung besorgen des Kampfes der Arbei­ter gegen die Bourgeoisie, gegen den kapitalistischen Staut.

Als sich Franco erhob, schlugen die Arbeiter in Barcelona, Valencia, Madrid die Rehellen nieder. Mit richtigem Instinkt begannen sie, sich sofort die ersten Ansätze eigener proletarischer Machtorgane zu schaffen: Komitees, Räte der Arbeiter, armen Bauern, roten Soldaten. Sie machten die ersten Schritte zur Ersetzung der kapitalistischen durch die proletarische Polizei, des kapi­talistischen durch das proletarische Heer, die rote Armee. Sie schufen die ersten Stützpunkte eines zentralen Sowjets von Spanien. KP und SP, 2. und 3. Internationale im Bunde mit der westeuropäischen Bourgeoisie stemmten sich vom ersten Augenblick an gegen diese Entwicklung und liquidierten mit be­waffneter Macht die Anfänge der proletarischen Revolution.

AIs Franco sich erhob, gaben die armen Bauern Kataloniens sofort die richtige Antwort: sie bemächtigten sich des Bodens der Großgrundbesitzer und der Kirche. Statt die Agrarrevolution über ganz Spanien emporlodern zu lassen, kamen KP und SP mit dem schalen Brechmittel einer bürgerlich-demokratischen Agrarform, um die Not der armen Bauern zu verewigen. Der Aufruf zur Agrarrevolution hätte France, Mussolini und Hitler in kürzester Zeit jeden Boden unter den Füßen entzogen. Für diejenigen, die ihnen entschädigungslos Grund und Boden gegeben, wären die Millionenmassen der spanischen Dorfarmut durchs Feuer gegangen, auf Tod und Leben wären sie Verbündete der spanischen Arbeiter geworden. Die Agrarrevolution der armen Bauern in den Dörfern, die Arbeiterrevolution in den Städten, bewaffnete Massenaktionen in ganz Spanien hätten Francos Rebellen in kurzer Zeit samt der faschisti­schen Intervention endgültig niedergeworfen.

Der spanische Imperialismus unterdrückt und plündert die Marokka­ner aus. KP und SP dachten nicht daran, den Marokkanern die Freiheit zu geben. Ihnen ging es um die Aufrechterhaltung des Kolonialbesitzes. So kämpften die Marokkaner als Verbündete Francos. Einer revolutionären Regierung, die ih­nen die Freiheit gab, hätten sie sich bedingungslos angeschlossen.

Wichtiger als alles andere ist der KP-SP das Bündnis, die Koalition, die „Volks“front mit den Companys, Azanas und Co., d. h. mit dem demokratischen Flügel der spanischen Kapitalisten. Die Grundbedingung jedes solchen Bünd­nisses lautet: Verzicht auf die proletarische Revolution; keine proletarischen, Aufrechterhaltung der kapitalistischen Machtorgane; keine Agrarrevolution; Niederhalten der Kolonialvölker war und ist das „Volks“frontprogramm, das seinen gegenrevolutionären Charakter, so wie überall, auch in Spanien mit demokratischen und sonstigen Phrasen bemäntelt.

Wichtiger als die spanische und internationale Revolution war der KP-SP das Bündnis mit dem französischen Bourgeoisiestaat. Dort stand eine „Volks“frontregierung an der Spitze, getragen von Sp und KP. Aber während die faschistischen Gangster Schiff um Schiff mit Kriegsmaterial und Truppen zu Franco schickten, griff die „sozialistische“ Regierung Frankreichs zum Nichtstun, genannt „Nichtintervention“ und überließ die kämpfenden spani­schen Volksmassen sich selbst. Die Stalinpartei meckerte dagegen in Worten, blieb aber weiterhin in der „Volks“front, unterstützte weiter diese gegenrevolutionäre Politik.

Anarchisten und POUM hatten subjektiv revolutionären Willen, aber auch nichts mehr. Die Revolution verlangt zwingend die Aufrichtung des proletari­schen Staates. Gegen jeden Staat eingestellt, also auch gegen den proletarischen, wussten die Anarchisten weder ein noch aus. Die POUM, eine zentristische, zwischen Arbeiterklasse und radikalem Kleinbürgertum hin und her schwankende Gruppierung, war zwar für die proletarische Revolution im allgemeinen, war jedoch unfähig, den Massen die dazu führenden, der jeweiligen Lage entspre­chenden konkreten Übergänge zu zeigen.

So war es für die KP und SP ein Leichtes, Anarchisten und POUM durch List und Gewalt – die Stalinbürokratie verweigerte in den ersten Monaten die Auslieferung von Waffen, die die Sowjetunion zur Verfügung stellte usw. – zum Verrat zu zwingen: beide traten in die „Volks“front ein. Nachdem die POUM auf diese Weise genügend kompromittiert und geschwächt war, erzwan­gen die Stalinisten ihre Entfernung aus der katalanischen Regierung. Und schließlich führten sie das blutige Massaker vom 4. und 5. Mai 1937 in Bar­celona herbei, in dem sie Hunderte von revolutionären Arbeitern niederschossen, Tausende verletzten, Zehntausende in Gefängnisse brachten und die POUM liquidierten.

Durch den Verrat, durch die Schuld des vereinigten Stalinismus-Reformismus-Anarchismus ist Barcelona, ist Katalonien, ist Spanien gefallen. Bevor Franco Spanien besetzen konnte, wurden die heldenhaften revolutionären Arbeiter dieses Landes Stück für Stück von Stalin niedergeschlagen. Die reaktionäre Arbeiterbürokratie entlarvte sich in Spanien vor den Augen des gesamten Weltproletariats als Lakai der Weltbourgeoisie, als Schrittmacher des Faschismus. Ohne Stalin kein Hitler. Ohne Stalin kein Franco. Die internationale Stellung der Sowjetunion als eines proletarischen Staates wird gerade durch die Politik Stalins mehr und mehr untergraben.

KP und SP handeln so, weil sie nicht wirkliche Arbeiterparteien sind, sondern Parteien der entarteten verbürgerlichten Arbeiterbürokratie und -aristokratie, welche die politische Kraft des Proletariats für ihre eigensüchtigen Zwecke ausschmarotzten, um sich auf dem Rücken der Arbeiter zu einem ge­hobenen kleinbürgerlichen Dasein zu erheben.

Die ausgebeuteten Massen vermögen heute nur mit proletarisch-revolutionärer Politik zu siegen. Die Verräter der 2. und 3. Internationale aber werden nur neue Niederlagen „erobern“. Sie werden vom Weg, der nach München und Barcelona führte, nicht mehr abweichen.

Doch mehr und mehr werden die einsichtigen klassenbewußten Arbeiter erkennen, dass zu ihrem Sieg nicht nur ihre parteimäßige Loslösung von jeder bürgerlichen Organisation und Beeinflussung, sondern auch die entschiedene Loslösung von Stalinismus, Sozialdemokratie, Anarchismus und Zentrismus not­wendig ist. Es gilt für sie, sich um die proletarisch-revolutionäre, die bolsche­wistische Weltpartei, die Vierte Internationale zu sammeln!

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