Infomail 1308, 30. April 2026
Vorwort der Redaktion
Am Abend des 29. April wurde die Global-Sumud-Flotilla während in internationalen Gewässern vor der Südküste Griechenlands extrem heftigen Angriffen ausgesetzt. Die Kommunikation zu mehreren Schiffen wurde unterbrochen, Kriegsschiffe umzingelten sie, richteten Waffen und Laser auf sie, und israelische Streitkräfte fingen ihre Schiffe ab, darunter auch das Schiff, auf dem sich unsere Genoss:innen Cele Fierro und Raúl Lagunas befanden. Wir haben jeglichen Kontakt zu ihnen verloren.
Dies ist eine beispiellose Entführung von Zivilist:innen im Mittelmeer, in der Nähe von Kreta, mehr als 600 Meilen von Gaza entfernt, weit jenseits selbst der willkürlichen Grenzen, die Israel an der Küste Gazas für sich beansprucht. Dieser kriminelle Akt erfolgt offenbar in völliger Straffreiheit in europäischen Gewässern. Eigentlich müsste die EU entschlossen auf diese Piraterie reagieren – aber sie reagiert nicht. Und sie macht sich mitschuldig am Verbrechen.
Die Besatzungsmitglieder mehrerer Schiffe wurden illegal entführt. Eine Verurteilung muss unverzüglich erfolgen. Von den Regierungen muss gefordert, die Freiheit und Sicherheit aller unserer vermissten Genoss:innen, aller Besatzungsmitglieder sowie den Schutz der Flotilla und ihrer Besatzung zu gewährleisten und aufzuklären, was geschehen ist.
Die Mobilisierung und Maßnahmen dürfen keine Minute länger aufgeschoben werden, bis alle aktivistischen Besatzungsmitglieder wohlbehalten wieder aufgetaucht sind. Organisieren wir gemeinsam Demonstrationen und Kundgebungen in Solidarität mit der Flotilla! Lasst uns den Ersten Mai zu einem Kampftag in Solidarität mit Palästina und der Flotilla machen!
Wir richten einen Appell an die internationale Öffentlichkeit. Seit über zwei Stunden, seit zweieinhalb Stunden, wissen wir nichts über die Lage der Flotilla, die auf dem Weg nach Gaza ist. Wir haben keinen Kontakt zu unserer Genossin Celeste Fierro, zu unserem Genossen Raúl Lagunas oder den anderen argentinischen Genoss:innen, die mit der Flotilla unterwegs sind.
Wir haben aus anderen Quellen Informationen erhalten, dass die zionistischen Kräfte offenbar ihre Kommunikation blockiert haben, dass zahlreiche Drohnen die Flotilla umzingelt haben, dass Kriegsschiffe, die sich als israelisches Militär identifizierten, aufgetaucht sind, die Flotilla blockieren und ihr mit militärischen Maßnahmen drohen, sollte sie weiterfahren. Wir machen die argentinische Regierung und ihr Außenministerium für die Sicherheit jedes argentinischen Mitglieds der Flotilla verantwortlich, so wie es auch die Mitglieder der Flotilla aus Dutzenden anderer Länder tun.
Dem zionistischen Staat Israel sagen wir: Hütet euch davor, irgendwelche Maßnahmen gegen irgendein Mitglied der Flotilla zu ergreifen! Hütet euch! Wenn ihr Angst schüren wollt, wisst, dass ihr damit nur unser Engagement für die palästinensische Sache stärken werdet. Wir wissen, dass ihr beabsichtigt, euren Plan für ein Groß-Israel weiter voranzutreiben und die Völker der Region ihrer Gebiete zu berauben. Ihr seid in den Gazastreifen vorgedrungen, ihr dringt mit der Armee und den Siedler:innen in der Westbank vor und vertreibt die Menschen, die dort in Frieden leben. Ihr habt 15 % des libanesischen Territoriums eingenommen. Ihr habt syrisches Territorium eingenommen. Gemeinsam mit den USA habt ihr den Iran angegriffen. Wir wissen, dass die Zionist:innen nicht aufhören werden, wenn wir sie nicht aufhalten.
Die Flotilla hat die Solidaritätsmission, die Blockade zu durchbrechen und humanitäre Hilfe zu bringen. An Bord befinden sich viele Sanitäter:innen, die den Menschen in Gaza helfen wollen. Es ist unerträglich, in dieser Ungewissheit zu leben und nicht zu wissen, was geschehen ist, denn wie schon im letzten Jahr greifen sie die Mitglieder der Flotilla an. Ich betone: Wir wissen nichts über Celeste Fierro, über Raúl Lagunas, über die übrigen Mitglieder der Flotilla, die der MST und der ISL angehören. Und dasselbe gilt für Mitglieder anderer Organisationen. Deshalb rufen wir zur internationalen Solidarität auf, wir rufen auf, gemeinsam in Solidarität mit der Flotilla und in Solidarität mit dem palästinensischen Volk aufzustehen. Denn wir können nicht ruhen, bis jede einzelne Palästinenserin, jeder einzelne Palästinenser in Frieden leben kann. Bis die Situation wieder auf den Stand vor 1948 zurückgeführt ist und alle Völker der Region in Frieden leben können, bis dieser imperialistischen Enklave ein Ende gesetzt wird, die keine Skrupel kennt, Kinder und Frauen zu töten, zu foltern und Tausenden von Palästinenser:innen, die ohne Grund inhaftiert sind, die Todesstrafe aufzuerlegen. Deshalb ist es wichtig, sich solidarisch mit dem palästinensischen Volk zu zeigen und mit jenen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, damit dessen Sache gestärkt und humanitäre Hilfe geleistet wird.