Kommunistischer Studierendenbund, Flugblatt zum Sommersemester 2026, Infomail 1308, 20. April 2026
Libanon zu einem zweiten Gaza machen: Das ist der Traum von Benjamin Netanjahu. Doch das soll laut der israelischen Rechten kein Traum bleiben, sondern brutale Realität werden.
Das ist auch einer der Gründe, weswegen der israelische Staat den Libanon zwei Tage nach Beginn des Kriegs gegen den Iran angegriffen hat. Vorgeblich, um die eigene Bevölkerung in Nordisrael zu schützen, denn die Angriffe sollten vor allem Hisbollah-Milizen schwächen, welche dem Iran zur Seite stehen. Die Hunderttausenden Vertriebenen und über 2.000 getöteten Libanes:innen zeigen aber, dass Israel wirklich die grausame und menschenverachtende Taktik des Gaza-Genozids fortführen will. So titelte der Freitag bereits am 14.4.: „Der Süden des Libanon sieht langsam aus wie ein zweites Gaza.“ Auch der UN-Nothilfekoordinator warnte bereits im März davor.
Der Krieg gegen den Iran kam für die Expansion wie gelegen. Denn hinter diesen schrecklichen Angriffen steckt die Vorstellung eines großisraelischen Staatsgebiets, welches sich nicht nur auf den Libanon und die anderen besetzten Gebiete beschränkt.
Seit der Staatsgründung Israels gab es offenkundig Expansionspläne. Immerhin hatte man sich ein Hintertürchen offengehalten, indem die Staatsgrenzen in der Unabhängigkeitserklärung 1948 nicht genauer definiert wurden. Extreme zionistische Denker:innen greifen dabei sogar angebliche biblische Grenzen auf, denen zufolge Gott seinen Nachkommen ein Land vom Nil bis zum Euphrat versprochen habe. Daher wird der Traum von Großisrael auch nicht als Expansion verstanden, sondern als Vollendung des Projekts Israel. Betrachtet man die besetzten Gebiete Israels – nach der ersten Nakba 1948 besetzte Israel bereits statt der zugewiesenen 56 % rund 77 % des ehemaligen britischen Mandatsgebiets und nach dem Sechstagekrieg 1967 kamen Ostjerusalem, das Westjordanland, der Gazastreifen, die Golanhöhen und der Sinai hinzu –, so wird schnell klar, dass dieser Kerngedanke schon Realität geworden ist.
Mit dem 7. Oktober 2023 hält das Konzept Großisrael zudem immer mehr Einzug in die gesellschaftliche Debatte im israelischen Staat. Bisher sind es zwar vor allem die Rechten, die das Konzept offen bejahen, doch es wird zunehmend populärer und faktisch staatliche Politik. Faschistische Politiker wie Ben-Gvir und Smotrich stehen offen dafür. Auch Netanjahu zeigte eine Karte von Großisrael bereits öffentlich, und erst im März 2026 forderte Finanzminister Smotrich die Annexion des Südlibanons. Doch natürlich geht es hier nicht nur um ein Projekt fanatischer Rechter, sondern die Interessen wurzeln klar im Imperialismus. So wollen die USA und Israel die Neuaufteilung der Welt im Nahen Osten vorantreiben, um sie nach ihren Interessen zu formen.
Im Kampf für ein Ende des Genozids in Gaza, der Besatzung im Westjordanland und für ein freies, sozialistisches Palästina ist uns auch klar, dass das libanesische Volk unsere Unterstützung braucht. Von der ISL aus rufen wir zu einer internationalen Kampagne zur Unterstützung seines Kampfes gegen den Besatzer auf. Als KSB wollen wir diese Forderungen auch an die Uni tragen und den Kampf gegen die israelischen Angriffe auf den Libanon mit unserer Solidarität mit Palästina verbinden. Daher sagen wir: Zionistische Aggressor:innen raus aus dem Libanon, Gaza und dem Westjordanland!