Partito Comunista dei Lavoratori, Infomail 1320, 15. September 2026
Für den Erhalt aller Arbeitsplätze! Allgemeiner Entlassungsstopp! Für die vollständige Verstaatlichung der ehemaligen Ilva (Taranto) unter der Kontrolle der Arbeiter:innen, um deren Arbeitsplätze und Gesundheit zu sichern!
Auf den Ilva-Arbeiter:innen (eines Stahlwerks in der süditalienischen Stadt Tarent) lastet weiterhin ein endloses Spiel mit dem Feuer. Seit Jahrzehnten. Ohne dass irgendein/e Akteur:in in diesem Spiel bereit ist, ihre/seine Verantwortung zu übernehmen.
Die kapitalistischen Konzerne, die sich nach der Privatisierung an der Spitze des Unternehmens abgewechselt haben, haben sich – wie zu erwarten – um die Maximierung der Gewinne gekümmert. Zuerst ging Ilva an die Rivas, dann ArcelorMittal, jetzt wer weiß wen.
Die bürgerlichen Regierungen aller Couleur haben den kapitalistischen Konzernen, die das Unternehmen kauften, den Rücken gestärkt. Die auf nationaler und lokaler Ebene dominierenden politischen Koalitionen haben darauf abgezielt, die notwendigen Wähler:innenstimmen zu sammeln, um sich zu behaupten und weiter bestehen zu können – im Einvernehmen mit den Ilva-Eigentümer:innen und den Regierungen: Dabei haben sie meist die Gesundheit der Arbeit (oder die Arbeit der Gesundheit) gegenübergestellt, als müssten die Arbeiter:innen zwischen dem Verhungern und dem Tod durch Krebs wählen. Das Ergebnis ist, dass die Umweltsanierung versäumt wurde und das Recht auf Arbeit von zwanzigtausend Arbeiter:innen – im Unternehmen selbst und in der Zulieferindustrie – auf dem Spiel steht. Eine Katastrophe.
Nun hat das Mailänder Berufungsgericht auf Antrag einer Bürgerinitiative die Schließung des letzten verbliebenen Hochofens des Werks in Taranto wegen Nichteinhaltung der Umweltschutzvorschriften angeordnet, sofern keine Abhilfemaßnahmen ergriffen werden.
Doch keiner der großen Kapitalkonzerne, die Interesse am Kauf bekundet haben, will die notwendigen Investitionen zum Schutz von Gesundheit und Arbeitsplätzen übernehmen. Der indische Konzern Jindal würde alles zu einem lächerlichen Preis übernehmen, einschließlich des Hochofenbereichs, um das Geschäft mit minimalem Aufwand zu maximieren. Die Konsortialgruppe italienischer Kapitalist:innen zielt ausschließlich auf den sogenannten Kaltbereich mit Elektroöfen und Vorreduktionsanlage ab, um sich jeglichen Rechtsstreitigkeiten zu entziehen. Dies würde jedoch einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen im Unternehmen und in den damit verbundenen Zulieferbetrieben bedeuten sowie die Aufgabe der Hochofen-Stahlproduktion, der einzigen, die in Italien noch übrig ist. Mit weitreichenden Auswirkungen auf den gesamten integrierten Stahlkreislauf und somit auf alle Werke.
Es gibt jedoch auch Stimmen, die eine Umstellung der Warmproduktion auf Elektroöfen für möglich halten, wie beispielsweise Andrea Colli, Professor für Industriegeschichte an der Bocconi-Universität in Mailand (La Repubblica, 9. September). Seiner Meinung nach wäre die Umstellung schlichtweg „kostspielig, mit Zeiträumen, die über politische Zyklen hinausgehen“. Der Stahlexperte Professor Carlo Mapelli hält die erforderlichen Zeiträume und Zahlen schwarz auf weiß fest: „Mindestens vier oder fünf Jahre, einschließlich Sanierungs- und Abrissarbeiten sowie Investitionen von 2,5 bis 5,5 Milliarden. Ein Umfang, den kein/e private/r Investor:in tragen kann.“ (La Repubblica, 5. August).
Kurz gesagt bedeutet dies, dass weder die Kapitalist:innen noch ihre Regierungen bereit sind, die Kosten des Vorhabens zu tragen. Diese Wahrheit hat ihre Wurzeln nicht in der Technologie, sondern in den Regeln des Kapitals. Das heißt, in den Regeln des Profits. Heute leidet die weltweite Stahlindustrie unter einer gigantischen Überproduktion, vor allem aufgrund der Expansion Chinas. Alle großen Stahlkonzerne konkurrieren miteinander um Kostensenkungen, sowohl bei den Arbeitsplätzen als auch beim Umweltschutz. Das Paradoxe daran ist, dass im übrigen Europa das Niveau des Umweltschutzes bei der Stahlproduktion aus Hochöfen niedriger ist als in Taranto, nicht höher. Streng genommen müssten, wenn Taranto schließt, alle anderen ebenfalls schließen. Gerade heute noch auf „gute“, „soziale“ und „ökologische“ Kapitalist:innen zu hoffen, bedeutet, an Märchen zu glauben.
Die einzige Lösung im Interesse der Beschäftigten der ehemaligen Ilva besteht in der sofortigen vollständigen Verstaatlichung des Unternehmens unter der Kontrolle der Beschäftigten selbst als Voraussetzung für dessen Umstrukturierung durch die notwendigen öffentlichen Investitionen, um Arbeit und Gesundheit zu gewährleisten. Dabei müssen während der Übergangszeit alle Arbeitsplätze bei vollem Gehalt erhalten bleiben. Und anschließend muss die Stahlproduktion durch eine Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn auf alle Beschäftigten der Branche verteilt werden.
Man wird sagen, dass „dies untragbare Kosten für die öffentlichen Finanzen sind“. Keineswegs. Diese Kosten liegen sicherlich unter den Milliardenbeträgen aus öffentlichen Mitteln, die jahrzehntelang an die privaten Eigentümer:innen der Stahlindustrie geflossen sind. Sicherlich geringer als die Kosten, die durch die großen Aufrüstungsprogramme vorgesehen sind. Sicherlich geringer als die Kosten der enormen Staatsverschuldung (in Italien allein an Zinsen 100 Milliarden pro Jahr), die in die Kassen der Banken, Versicherungen und großen Finanzfonds fließen, die Staatsanleihen gekauft haben. Eine Verschuldung, die übrigens proportional zur schrittweisen Steuerbefreiung von Kapitalerträgen (beginnend mit der IRES; Körperschaftsteuer) steigt.
Man wird einwenden, dass die Auflagen der Europäischen Union für die kontinentalen Kapitalismen die finanzielle Sanierung zur Absicherung der kapitalistischen Gläubiger:innen gegenüber öffentlichen Investitionen in die Umstellung der Stahlproduktion bevorzugen. Das ist völlig richtig. Aber das bedeutet einfach, dass die Regeln des italienischen und europäischen Kapitalismus unvereinbar sind mit den Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter. Das haben wir schon lange verstanden. Es ist an der Zeit, diese Wahrheit ins Bewusstsein der Arbeiter und Arbeiterinnen zu bringen. Keine Unterordnung unter die Regeln des Kapitals!
Die erste Notwendigkeit besteht darin, die Forderung nach einer vollständigen Verstaatlichung der ehemaligen Ilva und der gesamten Stahlproduktion als einzige echte Lösung der Stahlkrise aus Sicht der Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen in den Vordergrund zu rücken. Schluss mit den Eigentümer:innenwechseln von Kapitalist:in zu Kapitalist,:in von Haifisch zu Haifisch, bei denen jedes Mal die Arbeiter:innen den Preis dafür zahlen. Schluss damit, dass sich der Staat zum Geschäftsausschuss privater Interessen macht, indem er die Verluste vergesellschaftet und die Gewinne garantiert. Es ist Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die gesamte Stahlproduktion muss ohne Entschädigung für die Großaktionär:innen unter der Kontrolle der Arbeiter:innen verstaatlicht werden. Alle Gewerkschaften, die behaupten, die Beschäftigten zu vertreten, sollten sich gemeinsam für diese Forderung einsetzen. Vor allem sollten sie diese mit der Massenkraft einer echten Mobilisierung untermauern. Nicht mit der klassischen, rein symbolischen Mahnwache, sondern mit einer radikalen und anhaltenden Aktion, die das Kräfteverhältnis tatsächlich beeinflussen kann, indem sie den Regierungsbehörden ein Thema von öffentlicher Ordnung vorlegt.
Als die Arbeiter:innen in Genua vor einem Jahr die Produktion in Cornigliano (Kalabrien) lahmlegten und die Stadt sieben Tage lang blockierten, zwangen sie die Regierung zu einer partiellen Kursänderung. Der Punkt ist, dass man nicht in ungeordneter Reihenfolge vorgehen darf, Werk für Werk, vielleicht in der Illusion oder in der Hoffnung, der Zerschlagung des Unternehmens auf Kosten der Arbeiter:innen anderer Standorte zu entgehen. Das Wichtigste ist die Einheit unter den Beschäftigten aller ehemaligen Ilva-Werke und der Zulieferbetriebe. Der generelle Stopp der Entlassungen, sowohl im Unternehmen als auch in der Zulieferindustrie, ist das erste und dringlichste gemeinsame Ziel. Es bedarf eines gemeinsamen Kampfes, der diesem Ziel gerecht wird.
Als vor Jahren die Arbeiter:innen von GKN (Autozulieferer) die Fabrik gegen Entlassungen besetzten und einen Widerstandsfonds einrichteten, zeigten sie die einzig mögliche Antwort auf, die der Konfrontation gerecht wurde. Hätten die Gewerkschaftsführungen dieses Maß an Widerstand in allen Konflikten, die von Umstrukturierungsprozessen betroffen waren, verallgemeinert, befänden wir uns nicht in der aktuellen Situation der Zersplitterung und Zerstreuung der Kämpfe. Die Krise der ehemaligen Ilva stellt dieselbe Notwendigkeit auf einer anderen Ebene erneut in den Vordergrund. Sicherlich herrschen unter den Arbeiter:innen, vor allem in Taranto, heute Enttäuschung und Orientierungslosigkeit, was auch auf eine unentschlossene und resignierte Gewerkschaftsführung zurückzuführen ist. Fast so, als wäre mittlerweile die einzige mögliche Verhandlung die über die Rettungsleine der Sozialmaßnahmen. Doch eine Neuausrichtung des Kampfes, eine einigende Plattform für alle Werke, eine durchschlagende Aktionsform könnten einen Aufschwung an Vertrauen und Motivation auslösen. Und auf jeden Fall können selbst auf defensivem Terrain, selbst im Sinne einer Schadensbegrenzung, die besten Ergebnisse nur durch die Radikalisierung des Kampfes und die Veränderung der Machtverhältnisse vor Ort erzielt werden, nicht durch institutionelle Showauftritte.
Die postfaschistisch geführte Regierung hat in Apulien die Glanzzeiten ihrer vierjährigen Amtszeit gefeiert, wobei ihr einziges Anliegen die Pfiffe der Arbeiter:innen waren. Meloni und Urso (Wirtschaftsminister) wollen die „soziale Bombe“ von Taranto stillschweigend entschärfen, aus Angst, dass sie ihnen kurz vor den Parlamentswahlen in den Händen explodieren könnte. Das ist ein Grund mehr, eine einheitliche und radikale Wende in der Mobilisierung herbeizuführen. Die einzige, vor der die Regierung Angst hat. Die einzige, die ein Ergebnis erzwingen kann.