Ruben Tzanoff, Infomail 1309, 4. Mai 2026
Die Aufbringung der Flotilla vor der griechischen Küste und die Entführung ihrer Aktivist:innen stellt massive israelische Aggressionen in europäischen Gewässern dar. Die Aktivist:innen, die nach anhaltenden Protesten freigelassen wurden, wurden zudem von griechischen Streitkräften misshandelt. Und was noch schlimmer ist: Die zionistischen Streitkräfte halten Thiago Ávila und Saif Abukeshek, die Koordinatoren der Flotilla, in Israel als Geiseln fest. Es ist notwendig, eine große weltweite Kampagne für ihre Freilassung zu starten.
Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben 22 Schiffe abgefangen und 179 Solidaritätsaktivist:innen festgenommen, die vor der griechischen Küste auf dem Weg nach Gaza waren, um dort eine humanitäre Mission zu erfüllen. Die Brutalität dieser Provokation, direkt vor den Augen der Europäischen Union (EU), stieß auf eine schnelle Reaktion zur Verteidigung der FlotillA. Sie löste auch Unbehagen und sogar Reaktionen einiger Regierungen aus.
Dies wirkte sich insofern positiv aus, als die entführten Aktivist:innen nicht in israelische Gefängnisse überführt wurden, wie es letztes Jahr der Fall war, als sie fast eine Woche lang festgehalten wurden. Es gab jedoch zwei Mitreisende, die im südlichen Hafen von Kreta nicht an die griechischen Behörden übergeben wurden: Thiago Ávila und Saif Abukeshek. Das ist kein Zufall, sondern hat System. Die Zionist:innen versuchen, die Anführer:innen der Organisationen auszuschalten, die sich ihren genozidalen Plänen entgegenstellen. Als der Großteil der Besatzung an Land ging und zu den Bussen geführt wurde, um zum internationalen Flughafen von Iraklio gebracht zu werden, stellten sie fest, dass Thiago und Saif fehlten, und forderten ihre Freilassung. Die Reaktion war barbarisch.
Die griechischen Polizeikräfte gingen brutal gegen die Genoss:innen vor. 34 von ihnen wurden verletzt und einige mussten im Krankenhaus der Region medizinisch versorgt werden. Es war die Folge der eigenen Mitschuld. Griechenland und die EU verschlossen ihre Augen vor der Anwesenheit von Kriegsschiffen an ihren Küsten, den Piraterieakten und dem SOS der in Seenot geratenen Schiffe, die angesichts eines herannahenden Sturms manövrierunfähig im Meer trieben. Die Aussagen unserer Genoss:innen Cele und Raúl und vieler andere beweisen das.
In Komplizenschaft mit den Entführer:innen setzten die griechischen Kräfte die Misshandlungen fort und drohten den Aktivist:innen sogar mit Ausweisung, anstatt ihrer freiwilligen Ausreise aus dem Land, was schließlich auch geschah. Sie behandelten die Opfer wie Kriminelle und die Täter:innen wie Verbündete – und verdeutlichten damit auch die reale Rolle der griechischen und der meisten europäischen Regierungen und der EU.
Während der israelischen Entführung waren die Genoss:innen den schlimmsten Bedingungen ausgesetzt: Machtmissbrauch, Wassermangel, mangelnde Hygiene und alles, was man sich vorstellen kann, wie Cele uns erzählte: „Wir haben zwei schreckliche Tage verbracht.“
Die Zeugenaussagen sind äußerst schwerwiegend und berichten von der Folter, die Thiago und Saif durch die IDF erlitten haben. Diese menschenverachtende Aktion steht in der Kontinuität der Methoden, die das israelische Unterdrückungsregime seit 1948 gegen das palästinensische Volk und dessen Unterstützer:innen anwendet. Es ist Staatsterrorismus und geht wie immer mit großen Lügen und Falschdarstellungen einher, um das Unrecht zu rechtfertigen. Der Staat Israel bestätigte, dass beide Genossen – wie üblich unter falschen Anschuldigungen – im Schikma-Gefängnis in Aschkelon, nördlich von Gaza im besetzten Palästina, als Geiseln festgehalten werden.
Beide sind Aktivisten und Koordinatoren der Global-Sumud-Flotilla. Saif Abukeshek besitzt die schwedische und spanische Staatsangehörigkeit und lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten dort; er ist palästinensischer Herkunft und wurde im Askar-Flüchtlingslager in Nablus im Westjordanland geboren. Er hat schon lange an Solidaritätsmissionen in verschiedenen Mittelmeerhäfen teilgenommen, etwa in Tunesien, Sizilien und auf Kreta.
Er ist Mitbegründer der „Global Movement to Gaza“ in Spanien, Mitglied der palästinensischen Gemeinschaft in Katalonien und derzeit Sprecher und Leiter der Global Sumud Flotilla. Er ist zudem mit Gewerkschaftskreisen verbunden und betont, dass sein Handeln rein zivil ist, wobei er Israels Vorwürfe zurückweist, er stehe in Verbindung mit der Hamas.
Bei dieser Gelegenheit hatte er nicht vor, nach Gaza einzureisen, sondern als Beobachter auf einem der Schiffe mitzufahren und dabei Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um riskante Gebiete zu meiden. Seine Frau, Sally Issa, hat sein Engagement für humanitäre Anliegen und sein Bestreben, im Rahmen der Gesetze zu handeln, hervorgehoben. Nach seiner Festnahme ist sie bei den Regierungen Spaniens und Schwedens vorstellig geworden, wobei sie die Dringlichkeit von Maßnahmen vor einer möglichen Überstellung auf israelisches Gebiet betonte und den Mangel an Informationen über seinen Verbleib anprangerte.
Thiago Ávila ist Brasilianer und ein internationaler Aktivist, der sich für humanitäre Missionen engagiert und besonders in der Flottille aktiv ist. Er setzt sich für gewaltfreie direkte Aktionen ein, um die Blockade von Gaza anzuprangern. Die Regierungen von Spanien und Brasilien fordern die Freilassung beider Aktivist:innen.
Unsere Genoss:innen an Bord, Cele Fierro und Raúl Laguna, die die MST-Argentinien und die International Socialist League (ISL) vertreten, forderten sofort die Freilassung von Thiago und Saif, ebenso wie die Organisationen der ISL auf allen fünf Kontinenten, in breiter Einheit mit verschiedenen Sektoren. Bei der Veranstaltung am 1. Mai in Buenos Aires, Argentinien, bekräftigte Alejandro Bodart, Koordinator der ISL, unser Engagement für Palästina, die Flottille und die Kampagne für die Freilassung von Saif und Thiago: „Wir werden eine weltweite Kampagne für ihre Freiheit organisieren und wir werden nicht aufhören, bis unsere Genossen frei sind.“
Wir haben bereits damit begonnen, dies umzusetzen: Wir müssen eine gemeinsame Kampagne für die Freiheit unserer Genossen auf die Beine stellen, die Aktionen ausweiten und vertiefen, die Erklärungen verbreiten und fordern, dass die Regierungen Forderungen stellen. Die Regierungen Spaniens und Brasiliens haben dies bereits getan, aber es geht nicht nur um die Behörden der Herkunftsländer von Thiago und Saif: Alle Regierungen müssen Druck ausüben, insbesondere die der EU, da die Entführung innerhalb ihrer Hoheitsgewässer stattfand. Wir dürfen nicht zulassen, dass Solidaritätsaktivist:innen von Kriegsverbrecher:innen und Völkermörder:innen des palästinensischen Volkes eingesperrt werden. Lasst uns für ihre Befreiung kämpfen und für ein freies Palästina!