REVOLUTION Österreich, Fight! Revolutionärer Frauenzeitung 14, März 2026
Die österreichische Regierung plant, Schülerinnen unter 14 Jahren zu verbieten, ein Kopftuch zu tragen. Wir sagen: „Das ist rassistische Hetze!“ Das Verbot soll ab September 2026 eintreten, im Lauf des Sommersemesters wird schon darüber „aufgeklärt“. Es wird also damit begonnen, die Lügen von Emanzipation zu verbreiten, die dieses Verbot legitimieren – das lassen wir nicht zu!
1. Freiheit heißt, wählen zu dürfen: Das persönliche Ausleben einer Religion mitsamt der Symbole, Bräuche und Riten, in diesem Fall die Einschätzung, ob jemand gerne Hidschāb trägt oder nicht, darf weder beim bürgerlichen Staat noch bei Familien liegen. Diese Entscheidung muss allein die Trägerin selbst fällen können.
2. Mein Style ist kein Staatsproblem: Bei dem Verbot geht’s um populistische Hetze. Mehr nicht.
3. Heute Hidschāb, morgen Rock: Auf den ersten Blick trifft das Verbot nur Hidschābträger*innen – aber es wird genutzt, um ein Exempel zu statuieren. Was heute der Hidschāb ist, können morgen auch Röcke, schulterfreie Tops oder andere Regeln sein, die der Staat im Schulalltag sehen will. Es geht also auch um mehr: Lassen wir zu, dass der Staat entscheiden kann, wie wir uns anziehen?! Gleichberechtigung bedeutet, dass wir selbst über unser Leben bestimmen. Wenn Politiker*innen entscheiden, was Mädchen und Frauen tragen dürfen, ist das keine Befreiung – sondern Diskriminierung.
4. Bildung statt Bevormundung: Wenn’s irgendwem/r wirklich um Bildung und Teilhabe gehen würde, wären die Forderungen ganz andere! Hetzen lieber, als die wirklichen Probleme anzupacken – denn das würde mehr Geld kosten –: kleine Klassen, mehr Personal, kostenlose Schulmittel für alle. Während echte Probleme in Schulen ungelöst bleiben – Lehrkräftemangel, Stress, Leistungsdruck – wird über Kleidung gestritten. Das lenkt ab. Wir brauchen Lösungen, keine Symbolpolitik.
In Zeiten von Wirtschaftskrisen, steigenden Preisen und weltweiten Kriegen nutzen die Mächtigen jeden Trick, um Widerstand kleinzuhalten. Besonders wirksam: Rassismus. Das Kopftuchverbot ist kein Schutz von Mädchen oder Förderung von Bildung – es ist gezielte Spaltung! Indem einzelne Gruppen ausgegrenzt werden, wird Solidarität erschwert. Die Hetze sorgt dafür, dass manche Angst haben, sich klein und ohnmächtig fühlen – während andere die Lügen glauben und somit stumm bleiben oder sie gar mit umsetzen.
Dabei profitieren nur wenige wirklich von diesen Machtverhältnissen: die wirtschaftlich und politisch Herrschenden. Sie nutzen Hetze und Verbote, um uns zu trennen, während sie gleichzeitig bei Bildung, Sozialem und öffentlichen Mitteln sparen. Es muss klar sein: Gegen dieses System hilft nur Solidarität – gemeinsam stehen, gemeinsam kämpfen! Denn wenn wir uns gegen sie verbünden, gegen die Einzigen, die wirklich materiell von diesen Strukturen der Unterdrückung profitieren, fängt ihre Macht an, zu bröckeln.
Wieso Organisierung an der Schule? Damit das nicht nur abstrakte Floskeln bleiben, müssen wir selber aktiv werden. Die Schule ist für uns der Ort, an dem wir die prägendsten Jahre unserer Jugend verbringen. In einem System wie dem Kapitalismus erzieht uns die Schule dazu, nicht auf unsere Grenzen zu achten und unter größtem Druck zu arbeiten, soziale Ungleichheiten und strenge Hierarchien zu akzeptieren und an fast allen Ecken unseres Alltags nicht mitbestimmen zu können. Kurz: uns leicht ausbeuten und unterdrücken zu lassen. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen – deswegen müssen wir uns hier organisieren. Und das macht auch Sinn, denn häufig sind wir der radikalste Teil der Gesellschaft. Deshalb ist es in dieser Zeit umso wichtiger, sich unabhängig zu organisieren und zu lernen, für das Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen – vor allem in der Schule werden uns immer wieder zentrale Teile unserer Identität und unseres Selbstbewusstseins abgesprochen werden – und auch, um jene zu erreichen, die noch nicht überzeugt sind.
Erstes: Wir schweigen nicht, wir reden! Trau dich, Rassismus anzusprechen, sprich mit Freund*innen und Klassenkolleg*innen, die vom Kopftuchverbot betroffen sind, und finde Verbündete, die sich das Verbot auch nicht gefallen lassen wollen.
Zweitens: Organisiert ein Treffen an eurer Schule! Wenn ihr euch als Gruppe zusammengefunden habt, wird es viel leichter, sich gegen das Verbot zu wehren und betroffene Mitschülerinnen zu schützen. Ihr könnt gemeinsam ein Aktionskomitee gründen und diskutieren: Wie ist die Situation konkret an eurer Schule? Welche Verbündeten habt ihr inner- und außerhalb? Klar muss sein: Wir lassen uns nicht entmutigen und deswegen können wir eine Reihe von Aktivitäten machen:
Drittens: Gemeinsam sind wir stärker! Gemeinsam können wir auf Demos gehen und kreativ Forderungen laut machen, zum Beispiel indem wir Banner aufhängen, Videos für Social Media drehen oder andere Protestaktionen an der Schule organisieren. Als Gruppe können wir uns leichter auch leichter mit anderen Schüler*innen und Gruppen mit Erfahrung im politischen Widerstand vernetzen und selbst Demos und Schulstreiks organisieren!
Gegen Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung: Wir stehen auf für die Rechte von Frauen, queeren Menschen und allen Unterdrückten. An unseren Schulen und Ausbildungsorten organisieren wir uns gemeinsam, um Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung nicht hinzunehmen – solidarisch, entschlossen und kämpferisch!
Wir glauben nicht, dass wir uns das freie Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper einfach herbeiwünschen können. Selbstermächtigung und die Befreiung von Unterdrückung kommen nämlich nicht einfach durch den Staat und seine Organe, denn seit es den bürgerlichen Staat gibt, funktioniert er als Unterdrücker. Sie kommen, wenn sich die Betroffenen von Gewalt und Unterdrückung zusammenschließen, sich organisieren und sich wehren – und dabei Kämpfe im Hier und Jetzt mit dem Kampf gegen den Kapitalismus aktiv verbinden.
Für uns Jugendliche heißt das, Schüler*innengruppen zu gründen und Schulstreiks zu organisieren, um den eigenen Anliegen Gehör zu verschaffen. Für die freie Entfaltung der Jugend braucht es eine wirkliche Unabhängigkeit, sowohl von der Vormundschaft der Erziehungsbeauftragten als auch von Staat, Regierung und Kapital. Doch genügend Druck können wir nur aufbauen, im Schulterschluss mit einer kämpferischen Arbeiter*innenbewegung – im Fall des Kopftuchverbots wären das zum Beispiel die organisierten Lehrpersonen und andere Angestellte der Schule. Diese kann und muss durch Streiks Solidarität zeigen, denn nur das greift dieses System dort an, wo es ihm wirklich wehtut!