Frauen- und LGBTQIA+-Kommission der Internationalen Sozialistischen Liga, Infomail 1304, 4. März 2026
Dieser 8. März, der Internationale Tag der arbeitenden Frauen, findet inmitten einer reaktionären Offensive der extremen Rechten in vielen Teilen der Welt statt. Gleichzeitig gibt es starke Ausdrucksformen des Kampfes und der Mobilisierung als Antwort auf diese Offensive. Die Genoss:innen der ISL gehen am 8. März auf die Straße, um für die Rechte zu kämpfen, die wir erreicht haben. Wir organisieren uns mit einer klaren Strategie gegen Patriarchat und Kapital, für einen revolutionären, internationalistischen und sozialistischen Feminismus!
Die extreme Rechte schreitet mit einer globalen Offensive voran, die sich gegen die Rechte von Frauen und LGBTIAQ+ Personen richtet. Dies ist Teil einer umfassenderen antisozialen und antidemokratischen Agenda. Angeführt von Donald Trump in den Vereinigten Staaten und gefolgt von Javier Milei in Argentinien bis hin zu Giorgia Meloni in Italien verfolgen sie alle dasselbe Ziel: die Rechte anzugreifen, die in jahrzehntelangem Kampf errungen wurden. Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt werden gekürzt, umfassende Sexualaufklärung wird verfolgt, das Recht auf Abtreibung wird kriminalisiert und die LGBTQIA+-Community wird stigmatisiert.
Diese Regierungen und Bewegungen handeln nicht isoliert: Sie sind Ausdruck eines kapitalistischen Systems in der Krise. Sie greifen mit ihren Kürzungen die Pflegeinfrastrukturen an und fördern „traditionelle“ Familienwerte, um die arbeitende Mehrheit mit Sparmaßnahmen zu belasten und die patriarchalische Ordnung als Eckpfeiler der sozialen Kontrolle zu festigen.
Diese Offensive entfacht die Flamme des Kampfes. Auf jeden Angriff folgt eine Antwort. Mit jedem Versuch, uns zum Rückzug zu zwingen, wächst die Organisierung. Frauen und die LGBTIAQ+-Community erheben sich, um die Rechte zu verteidigen, die wir erreicht haben, und um mehr zu erreichen, indem sie unsere Forderungen mit den Kämpfen der Arbeiter:innenklasse und der unterdrückten Völker verbinden.
Der Kampf für ein freies Palästina und gegen den Völkermord, den der Zionismus begeht und der vom US-amerikanischen und europäischen Imperialismus unterstützt wird; der heldenhafte Widerstand des ukrainischen Massen gegen die russische Invasion, ohne den Kampf gegen die NATO und ihre imperialistischen Pläne in Osteuropa aufzugeben; die Solidarität der Völker mit dem venezolanischen Volk gegen die imperialistische Intervention und gegen die kriminelle US-Blockade Kubas oder die wachsenden Mobilisierungen gegen Trump und die ICE sind Beispiele für diese Gegenbewegung, die immer weiter zunimmt.
Ebenso zeigen die Massenproteste im Iran gegen das repressive Regime sowie zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit gegen die Angriffe der USA und Israels, die Verteidigung von Rojava in Kurdistan oder der Kampf des sahrauischen Volkes für seine Selbstbestimmung, wie Frauen angesichts von Gewalt und staatlicher Reaktion an der Spitze des Kampfes für ihre Rechte, ihre Freiheit und ihr Leben stehen.
Die Emanzipation der Frauen und der LGBTQIA+-Community wird nicht das Ergebnis partieller Reformen oder Zugeständnisse von oben sein. Sie erfordert eine sozialistische und revolutionäre Ausrichtung, die von der Erkenntnis ausgeht, dass die Unterdrückung der Frauen, obwohl sie eng mit der Ausbeutung der Klassen verflochten ist, ihre eigene Dynamik hat. Die Integration beider Dimensionen in eine gemeinsame Strategie ist eine notwendige Voraussetzung für eine echte Veränderung der Gesellschaft.
Der Kampf gegen Femizide, für das Recht auf legale und kostenlose Abtreibung, für Lohngleichheit, für die volle Anerkennung von LGBTIAQ+-Identitäten und gegen alle Formen von Gewalt kann nicht isoliert oder fragmentiert geführt werden. Er muss artikuliert werden und darauf abzielen, die materiellen Grundlagen, die das Patriarchat und den Kapitalismus stützen, zu zerstören. Es geht nicht nur darum, Rechte innerhalb des Systems zu erlangen, sondern das System in Frage zu stellen, das Ungleichheit, Gewalt und Unterdrückung reproduziert.
Sich dieser Struktur zu stellen, bedeutet, den Kapitalismus in der Krise, die patriarchalische Ordnung, die ihn durchzieht, den strukturellen Rassismus, das koloniale Erbe und die heteronormative Unterdrückung umfassend zu bekämpfen. Das sind keine voneinander getrennten Formen der Unterdrückung: Sie sind Teil eines Netzwerks, das Ausbeutung organisiert und Leben hierarchisiert. Deshalb kann unsere Antwort nicht fragmentiert oder nur defensiv sein.
Damit die Kämpfe nicht verwässert oder von institutionellen Projekten, die das Bestehende verwalten, absorbiert werden, ist es notwendig, ein revolutionäres politisches Instrument zu schaffen, das auf nationaler und internationaler Ebene organisiert ist. Nur eine bewusste Führung mit einem Programm und einer Strategie kann den Kampf für eine Gesellschaft ohne Ausbeuter:innen und Unterdrückte führen.
Deshalb sagen wir: Lasst uns nicht nur dafür kämpfen, die Krümel von ihrem Tisch zu verteidigen, lasst uns dafür kämpfen, die ganze Welt zu erobern, für uns alle.
Wir sagen Nein zu allen Kürzungen in der sozialen Infrastruktur, denn es sind Frauen, Migrant:innen und die LGBTIAQ+-Community, die die Krise auffangen müssen, und wir fordern massive öffentliche Investitionen, die durch die Enteignung der Reichen finanziert werden und der demokratischen Kontrolle durch die Arbeiter:innen unterliegen.
Wir sagen Nein zu Entlassungen, Lohnkürzungen und erhöhten Arbeitstakten, von denen vor allem arbeitende Männer und Frauen betroffen sind; stattdessen kämpfen wir für gleiche Bezahlung, kürzere Arbeitszeiten bei voller Lohnkompensation und eine Umverteilung der Arbeit auf alle.
Wir sagen Nein zu der endlosen Last unbezahlter Pflege-, Erziehungs- und Hausarbeit, die auf Frauen lastet; stattdessen kämpfen wir für die Sozialisierung der Reproduktionsarbeit, für kollektive Kinderbetreuung, medizinische Versorgung, Küchen und für sozial und kollektiv organisierte Pflege- und Erziehungsstrukturen, damit diese als wesentliche Sozialarbeit anerkannt werden und nicht länger eine private Verpflichtung von Frauen sind.
Die verschiedenen Spielarten des Reformismus, die hoffen, den Kapitalismus humaner zu machen, stoßen letztendlich an ihre eigenen Grenzen. Die Geschichte zeigt, dass es nicht möglich ist, die Unterdrückung der Geschlechter zu beseitigen, ohne die sozialen Beziehungen anzugreifen, die sie aufrechterhalten. Es ist auch nicht möglich, den Kapitalismus zu beenden, ohne die aktive und organisierte Beteiligung von Frauen und Menschen mit alternativen Geschlechtsidentitäten als zentrales politisches Subjekt der des gesellschaftlichen Wandels.
An diesem 8. März bekräftigen wir diese Perspektive. Wir mobilisieren nicht nur, um den Angriffen der extremen Rechten zu widerstehen, sondern auch, um eine revolutionäre und internationalistische Alternative zu stärken. Unser Kampf gilt einer tiefgreifenden Umgestaltung der Gesellschaft, einer Welt, in der Leben mehr wert ist als Profit, und der Beendigung von Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt.