250 Jahre Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Philosophischer Meister der Dialektik

Gerald Falke, Neue Internationale 248, Juli/August 2020

Mit Hegels Werk wird in der klassischen deutschen Philosophiegeschichte einerseits ihr krönender Höhepunkt verknüpft, andererseits eine durchwegs unverständliche Denkweise oder eine besonders gefährliche Ideologie. Gleichgültigkeit wollte sich seither hierzu in der Philosophie kaum jemand leisten. Was machen seine Lehren jetzt so faszinierend und revolutionär und weshalb wird ihnen eine so große Gefahr unterstellt?

Beispielsweise war für Schopenhauer die Philosophie Hegels der „widerwärtigste und unsinnigste Galimathias“ (verworrenes Gerede) mit „sinnleerstem Wortkram“. Dennoch wurden seine Lehren letztlich als Schulphilosophie aufgenommen, mit der sich das Bildungsbürger- und preußische Beamtentum gerne schmückte. Die preußische Regierung legte sie sogar ihrer Staatsauffassung zugrunde.

Er galt zwar als persönlich gesellig und humorvoll, aber bedächtig bis behäbig, als schwerfälliger, sich ständig räuspernder Redner und in langen, schwerflüssigen und unverständlichen Sätzen schreibend.

Hegel wurde 1770 in Stuttgart als Nachfahre protestantischer Auswanderer aus Kärnten und ältester Sohn eines Rentkammersekretärs geboren. Seine Erziehung war entsprechend protestantisch-pietistisch ausgerichtet. Bereits im Gymnasium beschäftigte er sich mit griechischen und römischen Klassikern. Im Tübinger Stift studierte er Philosophie und Theologie und musste danach zunächst in Bern und Frankfurt am Main eine Hauslehrerstelle annehmen. Durch eine Erbschaft von seinem Vater konnte er eine akademische Laufbahn beginnen und sich in Jena habilitieren. Nachdem er dann eine Rektorenstelle in Nürnberg annahm, übernahm er schließlich den philosophischen Lehrstuhl in Heidelberg und später als Nachfolger Fichtes in Berlin, wo ihm schließlich noch das Amt des Rektors der Universität übertragen wurde. 1831 starb er dort nach kurzer Krankheit.

Meinte er in jungen Jahren, dass trotz seiner von seinen Lehrkräften bemängelten philosophischen Begabung die Modulationsmöglichkeiten des schwäbischen Dialekts sich besonders gut für das Philosophieren eignen, beschrieb er später den Berliner Sand (Anspielung auf die als Streusandbüchse bezeichnete preußische Stammprovinz Brandenburg) als besonders empfänglich für die Philosophie.

Vom Impuls der Aufklärung

Als prägendes Ereignis wirkte sich auf ihn bereits zu Beginn seines Studiums aus, dass 1789 in Paris die Bastille erstürmt und der absolutistisch herrschende König und sein Hofadel entmachtet wurden. In der Hoffnung auf eine grundlegende Veränderung auch in Deutschland ergriffen viele Gelehrte dafür Partei und im Tübinger Stift bildete sich ein politischer Kreis, der französische Zeitungen las und mit Hochstimmung diskutierte. Hegel trat hier besonders begeistert für Freiheit und Gleichheit ein, Hölderlin sorgte mit seiner dichterischen Begabung für eine schwungvolle Sprache und Schelling übersetzte die Marseillaise, das Revolutionslied der französischen Freiwilligenbataillone, ins Deutsche.

Von hier ausgehend interessierte er sich weiterhin für die politischen Verhältnisse und deren mögliche Verbesserungen. An Schelling schrieb er dazu, dass er die Theorie als Sturmbock zur Bewegung der Wirklichkeit verstehe. Und während seines Aufenthaltes in Jena begrüßte er freudig den Sieg der Franzosen in der dort stattgefundenen Schlacht von 1806 und beschrieb bei dieser Gelegenheit Napoleon ehrfurchtsvoll als „Weltseele“, obwohl er plündernde Soldaten in seiner Wohnung dulden musste.

Hegel blieb aber letztlich befangen in der Rückständigkeit Deutschlands und der entsprechend geringeren Wirksamkeit der Aufklärung. Indem hier die Klassenkämpfe des Bürgertums weniger ausgeprägt waren, die politische Opposition viel schwächer war und eine bürgerliche Revolution noch nicht auf der Tagesordnung stand, konnte die Ideologie der Aufklärung sogar noch dem kleinstaatlichen Feudalabsolutismus zweckdienlich werden.

Von der britischen und französischen Aufklärung trennte Hegel von Beginn an sein durchgängiger idealistischer Standpunkt, der den Geist als das allein Wirkliche auffasst. Und anstatt einer Überwindung der Religiosität sah er im lutheranischen Christentum die bisher höchste Entwicklungsstufe der Religion, die mithilfe der Philosophie in eine noch höhere Form zu bringen sei, welche dann so zur Grundlage der deutschen Freiheitsbewegung werden sollte. Zumindest erklärte er, dass das Göttliche kein äußeres und fremdes Wesen ist, sondern nur im und für den Geist der Menschen.

Idealistische Geschichts- und konformistische Staatsauffassung

In seiner Vorstellung von der geschichtlichen Entwicklung war er zunächst sehr inspiriert von der griechischen Philosophie. Die hierin entwickelte Dialektik bezog sich vor allem auf das dialogische Sprechen und wurde von Platon zu einer speziellen Form der Dialoggestaltung entwickelt, in der das Wesen in seinen Zusammenhängen erfasst und im Gespräch vermittelt werden kann. Dabei sollte mit der dialogischen Gesprächsentwicklung hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren die an sich als feststehend gedachte platonische Ideenwelt erreicht werden.

Hegel entdeckte hierbei, dass die philosophischen Dialoge bei Platon tatsächlich stattgefunden haben in der Entwicklung der Philosophiegeschichte, in der die PhilosophInnen immer wieder zu neuen Antworten fanden und damit sich sozusagen ein philosophischer Dialog über die gesamte Geschichte der Philosophie hinzieht. Im Unterschied zur platonischen Vorstellung einer unbeweglichen Wahrheit erkannte Hegel allerdings die Bewegung der Wahrheitsfindung in ihrer notwendigen Entwicklung. Damit konzentrierte sich die Philosophiegeschichte vor allem auf „die notwendige Bewegung der reinen Begriffe“ und damit um „das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes“. In der Folge gelangte er letztlich zu nichts Geringerem als der Annahme einer Identität von Wirklichkeit und Geist, von Welt und Vernunft. „Die reine Wissenschaft …. enthält den Gedanken, insofern er ebensosehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebensosehr der reine Gedanke ist.“ (Hegel, Wissenschaft der Logik, Bd. 1, S. 43, in: Hegel, Werke, Bd. 5, Suhrkamp, Frankfurt/Main)

Die Selbstentfaltung des Geistes entsprach für ihn somit einer Darstellung des gesamten Weltprozesses, der sich vom An-sich-Sein über ein Anders-Sein zum An-und-für-sich-Sein entwickelt. Die Entwicklung der Weltgeschichte ist für ihn dabei sinnvoll und zweckgerichtet – auf das Ziel der Vervollkommnung der Vernunft. Die nach ihren individuellen Zwecken handelnden Menschen darin sind lediglich Werkzeuge des Weltgeistes und dessen listiger Vernunft.

Dieser Weltgeist entwickelte sich demnach von den OrientalInnen über die GriechInnen und RömerInnen bis zu den GermanInnen und durchlief dabei eine Zunahme der Freiheit einzelner bis hin zur Freiheit aller im Geist der Deutschen – selbst wenn sich dieser nur im Willen eines einzelnen Monarchen ausdrückt.

Der ältere Hegel zeigte sich letztendlich als durchaus parteilich zugunsten des Königs. Als einstiger Kritiker Preußens wandelte er sich in einen rückhaltloser Unterstützer des preußischen Staats als Verkörperung der Vernunft – trotz des Polizeisystems und Denunziantentums bis hin zur Verfolgung von AufwieglerInnen.

Seine angenommene Identität von Vernunft und Wirklichkeit zeigte sich hier in einer besonders fatalen Form als bedingungsloses Vertrauen in den Staat als der „Wirklichkeit der sittlichen Idee“. Damit postulierte er die Grundlage für eine Theorie, die eigentlich vor der Wirklichkeit, die sie zu bewegen angetreten war, kapituliert hatte.

Hegels Staatsfetischismus bestimmt letztlich den Zweck des Lebens der Individuen als ihren Anteil am allgemeinen Staatsleben: „Der Staat ist als die Wirklichkeit des substantiellen Willens, die er in der zu seiner Allgemeinheit erhobenen besonderen Selbstbewusstheit hat, das an und für sich Vernünftige. Diese substantielle Einheit ist absoluter unbewegter Selbstzweck, in welchem die Freiheit zu ihrem höchsten Recht kommt, so wie dieser Endzweck das höchste Recht gegen die Einzelnen hat, deren höchste Pflicht es ist, Mitglieder des Staats zu sein.“ (Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, S. 399, Suhrkamp, Frankfurt/ Main 1976)

Letztlich hoffte er auf eine geistige Erneuerung des deutschen Volkes und Staates nach dem Ideal der antiken Gemeinschaft in der griechischen Polis.

Bleibendes Verdienst der Dialektik

Die größten Verdienste gebühren Hegel sicherlich für die Ausarbeitung seiner „Wissenschaft der Logik“. Hierin erhält die Dialektik eine grundlegende und umfassende Bedeutung, die alle ihre Einschränkungen durch die Lehren von Aristoteles bis Kant schlichtweg beseitigt. Wenn beispielsweise die formale Logik das aristotelische Identitätsprinzip vorgibt, wonach ein A stets ein A ist und bleibt, dann stellt dies für Hegel nur eine langweilige Art von überflüssigem Wiederkäuen dar. Er hält dem entgegen: „Die Identität ist … an ihr selbst absolute Nichtidentität.“ (Hegel, Wissenschaft der Logik, Bd. 2, S. 41)

Der zweiten logischen Grundregel, dem Widerspruchsprinzip, wonach A und Nicht-A nicht zugleich sein können, ergeht es bei Hegel nicht besser. Wenn ein Nicht-A nur auftaucht, um zu schwinden, wäre damit auch die gedankliche Beschäftigung damit bereits erledigt. Allerdings wäre ein System von Begriffen ohne den Weg der Negation nicht herstellbar. „Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen – und um dessen ganz einfache Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist -, ist die Erkenntnis des logischen Satzes, daß das Negative ebensosehr positiv ist …“. (Hegel, Wissenschaft der Logik, Bd. 1, S. 49)

Den Hintergrund dieser Position erklärt er aus einer universellen Widersprüchlichkeit. „<Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend>, und zwar in dem Sinne, daß dieser Satz gegen die übrigen vielmehr die Wahrheit und das Wesen der Dinge ausdrücke.“ (Hegel, Logik, Bd. 2, S. 74)

In Hegels Dialektik ist der Widerspruch sogar die wesentlichste Kategorie. „Es ist … eines der Grundvorurteile der bisherigen Logik und des gewöhnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so wesenhafte und immanente Bestimmung sei als die Identität; ja, wenn von Rangordnung die Rede und beide Bestimmungen als getrennte festzuhalten wären, so wäre der Widerspruch für das Tiefere und Wesenhaftere zu nehmen. Denn die Identität ihm gegenüber ist nur die Bestimmung des einfachen Unmittelbaren, des toten Seins; er aber ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit.“ (Hegel, Logik, Bd. 2, S. 75)

Marx greift diesen Ansatz auf: „Die Selbstbejahung, Selbstbestätigung im Widerspruch mit sich selbst, sowohl mit dem Wissen als mit dem Wesen des Gegenstandes, ist … das wahre Wissen und Leben.“ (Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, in: MEW 40, S. 581)

Engels erläutert, dass wir auf keine Widersprüche stoßen, solange wir die Dinge als ruhende und leblose betrachten, jedes für sich, neben- und nacheinander. Allerdings zeigen sich die Widersprüche sofort, wenn sich die Dinge bewegen und verändern, lebendig werden und wechselseitig aufeinander einwirken. „Das Leben ist … ein in den Dingen und Vorgängen selbst vorhandner, sich stets setzender und lösender Widerspruch; und sobald der Widerspruch aufhört, hört auch das Leben auf, der Tod tritt ein.“ (Engels, Anti-Dühring, S. 112f., MEW 20)

Etwas pointierter formuliert es Lenin: „Erst auf die Spitze des Widerspruchs getrieben werden die Mannigfaltigkeiten regsam und lebendig gegeneinander – erhalten sie die Negativität, welche die innewohnende Pulsation der Selbstbewegung und Lebendigkeit ist.“ (Lenin, Konspekt zur „Wissenschaft der Logik“, S. 133, in: Lenin, Werke, Bd. 38)

Mit der Dialektik als Instrument der Erkenntnis ergaben sich vielfältige Möglichkeiten zum besseren Verständnis geschichtlicher Entwicklungen und gesellschaftlicher Zusammenhänge, die mit einem positivistischen Instrumentarium völlig verborgen geblieben wären. Das bekannteste Beispiel für eine vorbildliche Anwendung der dialektischen Methode wurden die Lehren von Marx.

Das Hegelsche Erbe

Wie zur Veranschaulichung der Hegelschen Geschichtslehre zerfiel seine Schülerschaft in eine Rechte mit den AlthegelianerInnen wie Göschel, Gabler, Rosenkranz und Gans und eine Linke mit den JunghegelianerInnen wie Köppen, Bauer, Marx und Engels.

Vor allem der abstrakte Charakter dieser Philosophie bewirkte verständlicherweise eine grundlegende Infragestellung. Feuerbach kritisierte Hegel sogar in einem Zuge mit der Theologie. „Die absolute Philosophie hat uns wohl das Jenseits der Theologie zum Diesseits gemacht, aber dafür hat sie uns das Diesseits der wirklichen Welt zum Jenseits gemacht.“ (Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, in: Auswählte Schriften, Bd. 1, Ullstein, Frankfurt/Main 1985 )

Und die einzig akzeptable Form der Dialektik existierte für Feuerbach im Rahmen ihrer Ausgangsposition vor Platon. „Die wahre Dialektik ist kein Monolog des einsamen Denkers mit sich selbst, sie ist ein Dialog zwischen Ich und Du.“ (Ebenda, S. 156)

Aus der Lehre Hegels und der Kritik Feuerbachs ergab sich jedoch auch die Möglichkeit einer Synthese, welche aus der abstrakten Logik ebenso wie aus ihrer materialistischen Kritik schöpft. Marx begann mit einer Würdigung: „Was die andern Philosophen taten ….., das weiß Hegel als das Tun der Philosophie. Darum ist seine Wissenschaft absolut.“ (Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW 40, S. 574f.)

Während Hegel sich mit dem „Volksgeist“ und der „Volksreligion“ auseinandersetzte, ergab sich für Marx allerdings die Frage nach dem „Klassenbewusstsein“ im Rahmen der die Geschichte letztlich entscheidenden Klassenkämpfe.

Marx übernahm zwar die Hegelsche Dialektik, aber sozusagen in umgekehrter Form. Um „den rationellen Kern in der mystischen Hülle“ erkenntlich zu machen, drehte Marx die auf dem Kopf stehende Dialektik Hegels um. „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des Wirklichen, das nur seine Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle.“ (Marx, Das Kapital Bd.1, S. 27, MEW 23)

Ähnlich sah Engels diese Umkehrung: „Wir faßten die Begriffe unsres Kopfs wieder materialistisch als die Abbilder der wirklichen Dinge, statt die wirklichen Dinge als Abbilder dieser oder jener Stufe des absoluten Begriffs.“ (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, S. 292f.)

Und daraus folgt: „Damit wurde … die Begriffsdialektik selbst nur der bewußte Reflex der dialektischen Bewegung der wirklichen Welt, und damit wurde die Hegelsche Dialektik auf den Kopf, oder vielmehr vom Kopf, auf dem sie stand, wieder auf die Füße gestellt.“ (Ebenda, S. 293)

Auf diese Weise grenzten sich Marx und Engels auch von den AlthegelianerInnen ab, die alles zu begreifen glaubten, sobald es auf eine logische Kategorie Hegels zurückgeführt werden konnte. Die materialistische Dialektik hingegen versteht sich als „die Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschengesellschaft und des Denkens.“ (Engels, Anti-Dühring, MEW 20, S. 131f.)

Revisionistische Anti-Dialektik

Bezeichnenderweise bezog sich der im Rahmen der Zweiten Internationale formierende Reformismus nicht mehr auf Hegel als wesentlichen Vorbereiter der marxistischen Weltanschauung, sondern vorzugsweise auf Kant. Die dialektische Gesetzmäßigkeit Hegels erschien Bernstein, dem Wortführer dieser Strömung, als „schief“ und seine Widerspruchslogik als „spekulativ“, „täuschend“ und „gefährlich“. „Die logischen Purzelbäume des Hegelianismus schillern radikal und geistreich. Wie das Irrlicht, zeigt er uns in unbestimmten Umrissen jenseitige Prospekte. Sobald wir aber im Vertrauen auf ihn unseren Weg wählen, werden wir regelmäßig im Sumpfe landen. Was Marx und Engels Großes geleistet haben, haben sie nicht vermöge der hegelschen Dialektik, sondern trotz ihrer geleistet.“ (Bernstein, Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie, Göttingen 1984, S. 62)

Während der Reformismus sich entschieden von Hegel abwandte, setzte der revolutionäre Marxismus das dialektische Verständnis fort. Jenseits des idealistischen Verständnisses und der dogmatischen Inhalte im philosophischen System ist seine Dialektik eben seine revolutionäre Seite. Zum Ausdruck dieser unterschiedlichen Seiten bei Hegel beschrieb ihn Engels als „olympischen Zeus“ mit einem „deutschen Philisterzopf“.

Die im Rahmen der Dritten Internationale sich entwickelnde stalinistische Tradition hielt zwar scheinbar an der revolutionären Tradition fest, aber anstelle eines mehr als formalen Bezugs auf die dialektische Methode blühten hier meistens wieder Hegels Volksbezug und Staatsfetischismus auf. So bleibt der jeweilige Bezug auf Hegel weiterhin ein Indiz und Richtwert für die jeweilige philosophische Weltanschauung und die politische Gesinnung.

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