Arbeiter:innenmacht

Sri Lanka – Erklärung zu den Bombenanschlägen

Liga für die Fünfte Internationale, 26. April 2019, Neue Internationale 237, Mai 2019

SozialistInnen auf der ganzen Welt sollten die jüngsten Bombenanschläge in Sri Lanka, bei denen nach letzten Zählungen mehr als 300 völlig unschuldige Menschen getötet wurden, bedingungslos verurteilen. Solche Terroranschläge kommen zwangsläufig reaktionären Kräften zugute, sowohl international als auch innerhalb Sri Lankas selbst, unabhängig davon, ob diese vom Staat unterstützt werden oder nicht. Die Regierung von Ranil Wickremesinghe hat bereits den Ausnahmezustand ausgerufen, eine Ausgangssperre verhängt und die sozialen Medien auf der ganzen Insel blockiert.

Es wird allgemein berichtet, dass die Angriffe von Mitgliedern des National Thowheed Jama’ath (NTJ, Nationale Monotheismusorganisation) durchgeführt wurden, einer kleinen, in Sri Lanka ansässigen, islamistischen Gruppierung, die eher dafür bekannt ist, buddhistische Tempel zu verwüsten. Die Annahme, dass für die Durchführung einer solchen Operation internationale Unterstützung erforderlich gewesen wäre, wird durch die Übernahme der Verantwortung durch ISIS verstärkt. Wer auch immer tatsächlich verantwortlich war, die Motivation dieser Behauptung besteht eindeutig darin, einen Gegenschlag gegen die muslimische Gemeinschaft der Insel zu provozieren und die Islamfeindlichkeit überall zu stärken.

Die Mobilisierung zur Verhinderung einer solchen Gegenreaktion, beispielsweise von Seiten buddhistischer ExtremistInnen wie der faschistischen Bodu Bala Sena (BBS, Buddhistische Streitmacht), muss für SozialistInnen und GewerkschafterInnen, ja alle aufrichtigen DemokratInnen, oberste Priorität haben. Zweifellos werden viele von ihnen die Kräfte des Staates um Schutz bitten, aber das sind unzuverlässige VerteidigerInnen. Es ist klar, dass Elemente innerhalb des Sicherheitsapparats schon vorher von den Osteranschlägen wussten, sehr wohl wussten, wie tödlich sie sein würden, und dennoch nichts taten, um sie zu verhindern.

Zu behaupten, dass dies nur ein Versagen der Kommunikation war, ist absurd. Dies kann nur eine bewusste Entscheidung, nicht zu handeln, von denen gewesen sein,  die es wussten. Diese Entscheidung hatte weder mit dem Islam noch mit dem Christentum zu tun, diese Entscheidung war von einem politischen Kalkül getrieben, um die bereits bestehenden Spaltungen innerhalb der Regierungskoalition zu vertiefen. Sich auf solche Kräfte zu verlassen, um muslimische Gemeinschaften zu verteidigen, wäre in der Tat eine Torheit.

Stattdessen müssen diese Gemeinschaften und ihre Verbündeten ihre eigene Verteidigung durch demokratisch kontrollierte lokale und Distriktausschüsse organisieren. Wenn solche Kräfte wie ISIS hoffen, einige wenige Individuen anzuziehen, zu Recht empört über die vorhersehbare islamfeindliche Gegenreaktion, sollten SozialistInnen versuchen, die gesamte Gemeinschaft zu mobilisieren, AktivistInnen aus anderen Gemeinschaften hinzuzuziehen und eine politische Alternative der ArbeiterInnenklasse zu allen bürgerlichen Parteien zu fördern.

Die wahrscheinliche Beteiligung von ISIS unterstreicht auch die Bedeutung des internationalen Kontextes. Die Rivalität zwischen den verschiedenen Weltmächten, insbesondere den USA und China, bedeutet, dass sie, auch wenn sie ihre Finger nicht direkt in den Bombenanschlägen hatten, sicherlich nach Möglichkeiten suchen werden, die Situation zu nutzen und ihre jeweiligen Marionetten auf der Bühne der sri-lankischen Politik zu unterstützen. Letztendlich war das Blutbad in Colombo, Negombo und Batticaloa eine reaktionäre Folge jahrzehntelanger Kriege im Nahen Osten. Das hat einen globalen Konflikt geschaffen, der nur auf globaler Ebene gelöst werden kann – ebenso wie eine ArbeiterInnenpartei in Sri Lanka, brauchen wir eine Weltpartei der ArbeiterInnenklasse, eine Fünfte Internationale.

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