Leonie Schmidt, Fight! Revolutionärer Frauenzeitung 14, März 2026
In Gaza wurde alle Infrastruktur zerstört, in den USA werden Schulrazzien von ICE durch geführt, in Argentinien versucht die Regierung, Beschäftigte nach einem der erfolgreichsten Arbeitskämpfe aus dem Krankenhaus zu entlassen – und weltweit treffen Kürzungen Orte der sozialen Reproduktion.
Während die Kapitalist:innen und ihre Vertretung, die Politiker:innen, uns glauben machen wollen, wir würden zu wenig arbeiten, kürzen sie munter an allen möglichen erkämpften Sozialleistungen herum. Egal ob Kinderbetreuung, Gesundheit oder Rente. Dass wir in einer Krise stecken, wiederholen sie gebetsmühlenartig.
Aber warum sehen wir diese Kürzungen und Angriffe auf unsere Rechte, ja unser Leben, gerade jetzt? Handelt es sich nur um eine Reaktion auf die allumfassende Krise? Welche Verbindung zu dem Rechtsruck besteht? Das wollen wir uns im Folgenden anschauen.
Weltweit treffen Kürzungen Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Alters- und Pflegeeinrichtungen und öffentliche Infrastruktur. Merz, Trump, Milei und Co. sind sich einig: Soziale Unterstützungshilfen durch den Staat und „zu geringe“ Arbeitszeiten könne sich die Marktwirtschaft nicht mehr leisten.
So werden in Deutschland durch das CDU/CSU-Umfeld im Wochentakt neue Empfehlungen abgegeben, welche Gesundheitsleistungen gekürzt werden sollen. Ob Zahnärzt:innenbesuche oder bezahlte Krankheitstage: Die Bevölkerung müsse mehr zahlen – und dafür weniger bekommen. CDU-Politiker und Virologe Hendrik Streeck ließ verlauten: „Wir müssen uns von einer unsolidarischen Vollkasko-Mentalität verabschieden. Gesundheit ist keine All-inclusive-Dienstleistung des Staates.“ Solche hanebüchenen Aussagen werden gemacht, während Menschen monatelang auf wichtige Ärzt:innenbesuche warten müssen und – je nach Behandlung – sowieso schon ordentlich draufzahlen.
Ein Schlag ins Gesicht ist das insbesondere für chronisch und schwer Kranke. Weitere Baustellen sind die Minimierung der Unterstützung von Arbeitslosen oder die angedachte Streichung des Pflegegrads 1. Doch nicht nur die direkte Gesundheitsversorgung steht im Fokus: Auch Ideen wie die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit und die Aktivrente haben negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Zudem sind Kürzungen für Kultur und Soziales ein zusätzlicher Hebel, um ganze Bevölkerungsschichten vom Zugang zu diesen faktisch auszuschließen und die Vorsorge für Kinder, Kranke und Alte ins Private zu verdrängen.
Nicht nur in Deutschland, auch in Argentinien wird ins gleiche Horn geblasen. Es wird zu wenig gearbeitet – und deswegen soll der 12-Stundentag eingeführt werden. Zeitgleich sehen wir, wie im Iran die extrem hohe Inflation seit Jahren zur Verelendung ganzer Schichten der Arbeiter:innenklasse und sogar des Kleinbürger:innentums führt, während weiter in einen aufgeblähten Repressionsapparat „investiert“ wird. Während die US-Regierung weltweit Interventionen und Regime-Change forciert, betreibt sie im Inneren eine ganz ähnliche Politik: systematische Unterdrückung. Dies zeigt sich im Strategiepapier „Project 2025“, das eine Förderung privater Versicherungsmodelle, Leistungsbegrenzungen und strengere Arbeitsauflagen vorsieht sowie Angriffe auf geschlechtsangleichende Behandlungen enthält. Haushaltssperren und Ausgabenkürzungen spiegeln das Bestreben wider, Regierungsprogramme zu verkleinern und Macht auf konservative Institutionen zu verlagern.
Dabei ist klar: Diese Kürzungen in der Sphäre der Reproduktion treffen vor allem Frauen aus der Arbeiter:innenklasse. Schon jetzt sind sie es, die den größten Teil unbezahlter Haus- und Pflegearbeit leisten. Wird an sozialer Infrastruktur gespart, wird diese Arbeit zurück in die Familie gedrängt – und damit vor allem auf Frauen abgewälzt. Gleichzeitig verschlechtern sich die materiellen Lebensbedingungen insgesamt: Eine Absenkung des Lebensstandards bedeutet, dass immer mehr Menschen grundlegende Bedürfnisse nicht mehr oder jedenfalls nicht zur Gänze decken können.
Angriffe auf soziale Infrastruktur treffen unmittelbar die reproduktiven Grundlagen des Lebens – und damit Frauen in besonderem Maße. Schwangerschaft, Geburt und Versorgung von Neugeborenen werden lebensgefährlich, wenn an Krankenhäusern gespart wird – geschweige denn, wenn sie blockiert oder bombardiert werden. Insgesamt tragen sie unter Kriegsbedingungen häufig die Verantwortung für Kinder, ältere Angehörige und das tägliche Überleben der Familie, während gleichzeitig medizinische Versorgung, Wasser, Nahrung und Schutzräume zerstört werden. Und auch wenn Krieg alle trifft – auch hier sind Frauen oft besonders betroffen.
Das zeigt sich besonders deutlich beim Genozid an den Palästinenser:innen. Das palästinensische Leben soll ausgelöscht werden. Dafür wird nicht nur zur Waffengewalt gegriffen, es werden strategisch Orte der sozialen Infrastruktur bombardiert. Krankenhäuser, um die Versorgung einzuschränken, Schulen und Universitäten, um öffentliche Schutzräume zu minimieren.
Die israelische Regierung erklärt diesen Angriff damit, dass die Hamas regelmäßig solche Orte nutzen würde, um diese als Schutzschild zu verwenden. Eine Erzählung, die der zionistische Staat für jedes beliebige Kriegsverbrechen bereithält. So auch dieses, denn Angriffe auf medizinisches Personal, Zivilist:innen und Journalist:innen werden als solche gewertet. Doch damit nicht genug: Auch die Blockade von Lebensmittellieferungen und anderen relevanten Hilfsgütern spiegelt genau wider, dass palästinensisches Leben für Israel nichts wert ist. Während in durchnässten Zelten in den Geflüchtetenlagern in Gaza Kinder erfrieren, verhungern andere Palästinenser:innen, weil die Lieferungen blockiert werden. Die komplette Infrastruktur wurde in Gaza zu Schutt und Asche gebombt, eben weil es darum ging, künftiges Leben zu erschweren, zu verhindern.
Doch nicht nur in Palästina, auch in den USA können wir direkte Angriffe auf soziale Infrastruktur beobachten. Razzien der U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) finden nicht nur an Arbeitsplätzen, sondern auch in Wohnvierteln, vor Schulen oder auf dem Weg zu Betreuungseinrichtungen statt. Familien vermeiden Ärzt:innenbesuche, Schultermine oder solche bei sozialen Einrichtungen aus Angst vor Verhaftung, wodurch grundlegende Versorgung faktisch eingeschränkt wird. Gleichzeitig führen Inhaftierungen und Abschiebungen dazu, dass Kinder plötzlich ohne Elternteile zurückbleiben oder ganze Haushalte auseinandergerissen werden.
Diese Angriffe treffen Frauen besonders hart. Migrantisierte Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in Bereichen der sozialen Reproduktion wie Pflege, Reinigung oder Kinderbetreuung und sind daher sowohl von Arbeitsplatzrazzien als auch von prekären Arbeitsbedingungen betroffen. Werden Partner:innen oder Familienmitglieder festgenommen, tragen sie zusätzlich die Verantwortung für Einkommen, Kinder und Organisation des Alltags unter Bedingungen permanenter Unsicherheit. Staatliche Repression gegen Migration bedeutet deshalb nicht nur Gewalt gegen Einzelne, sondern eine direkte Destabilisierung der sozialen Reproduktion von Familien und Gemeinschaften.
Diese Angriffe finden nicht zufällig statt. Es geht darum, die Kosten der Krise auf uns abzuwälzen, Reproduktionsarbeit zu privatisieren und Lebensbedingungen zu verschlechtern. Was uns versorgt, soll geschwächt werden – und das trifft vor allem Frauen. Kürzungen beim Soziallohn, also dem Anteil an Sozialabgaben und damit der Finanzierung reproduktiver Leistungen, bedeuten einen Rückgang des gesellschaftlichen Lohnfonds und verschärfen soziale Ungleichheit. Mit unterfinanzierten Sozialsystemen und dem Zurückdrängen von Reproduktionsarbeit in Familie und Haushalt erfolgt ein gesellschaftlicher Rückschritt.
Obwohl die technischen und organisatorischen Möglichkeiten vorhanden wären, führen die Konkurrenzlogik und Krisendynamik des Kapitalismus zu einer barbarischen Entwicklung. Teile des Reproduktionssektors werden privatisiert, um so Gewinne für das Kapital abzuwerfen. Das bedeutet zugleich, dass die unteren Schichten der Arbeiter:innenklasse tendenziell auch die Masse der Lohnabhängigen von diesem Zugang ausgeschlossen werden. Nur für Menschen aus den lohnabhängigen Mittelschichten und ab der Arbeiter:innenaristokratie aufwärts bleiben die privaten Sozialleistungen erschwinglich. Für die Massen werden diese Aufgaben in die private Sphäre verschoben oder einfach gänzlich ersatzlos gestrichen (z. B. im Bereich der Gesundheit). Abhängigkeiten innerhalb der Familie nehmen zu, und insbesondere Frauen tragen eine wachsende materielle und emotionale Verantwortung. Dass damit auch Gewalt innerhalb von Familien zunimmt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck dieser sozialen Verhältnisse – sichtbar etwa in steigenden Zahlen häuslicher Gewalt und Femiziden.
Damit wird deutlich: Um Kosten in der zwar notwendigen, aber aus Sicht des Kapitals teuren Reproduktionsarbeit einzusparen, wird gekürzt und privatisiert. Die Folge ist, dass reproduktive Leistungen für viele Teile der Arbeiter:innenklasse unbezahlbar und Bereiche, die bisher staatlich organisiert waren, zunehmend in den privaten Haushalt zurückgedrängt werden. Wenn etwa Leistungen für die Pflege bedürftiger Menschen gekürzt werden, müssen Angehörige diese Aufgaben zusätzlich übernehmen. Das betrifft überwiegend Frauen, da die geschlechtliche Arbeitsteilung und das Ideal der bürgerlichen Familie ihnen weiterhin die Verantwortung für Sorgearbeit zuschreiben. Auf diese Weise wird die Krise nicht gelöst, sondern in die Familien verschoben – und dort vor allem auf die Schultern von Frauen abgeladen.
Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wirkt sich auch immer auf die soziale Reproduktion aus. Das, was wir aktuell erleben, sind keine voneinander losgelösten Entwicklungen, sondern sie gehören zusammen. Das lässt sich mit einem längeren Blick auf die marxistische Ökonomie erklären.
Im Kapitalismus gibt es zum einen die Sphäre der Produktion und zum anderen die der Reproduktion. Die Sphäre der Produktion dient der Produktion von Kapital, genauer: der Anhäufung von Mehrwert durch die Ausbeutung der Ware Arbeitskraft. Doch diese muss reproduziert werden. Einerseits muss der/die Arbeiter:in am nächsten Tag wieder leistungsbereit zur Verfügung stehen, wofür Essen, Schlaf und Gesundheit nötig sind. Andererseits müssen beständig neue Arbeiter:innen produziert werden, die Klasse muss sich also insgesamt reproduzieren.
Während die Reproduktion der Arbeitskraft für das gesellschaftliche Gesamtkapital selbst eine notwendige Voraussetzung darstellt, soll diese doch möglichst wenig kosten. Sie erscheint immer als faux frais, als überschüssige Kosten der Produktion, als Abzug vom Gesamtprofit.
Dieser innere Widerspruch kann im Kapitalismus nie wirklich gelöst werden. In bestimmten Perioden der Expansion kann es notwendig werden, mehr weibliche Arbeitskraft zu beschäftigen, was selbst auch einen Ausbau gesellschaftlicher Einrichtungen für Reproduktionstätige (Kinderbetreuung, Altenvorsorge usw.) erfordert.
Wie umfangreich diese sind, ist letztlich durch zwei Faktoren bestimmt. Einerseits durch den Gang der Akkumulation des Kapitals, andererseits durch den Klassenkampf (wozu auch der Kampf um verbesserte Reproduktionsbedingungen der Frauen und besonders unterdrückter Schichten wie der Migrant:innen gehört).
In Perioden der strukturellen Krise fällt oder stagniert die Durchschnittsprofitrate für das Kapital. Die steigende organische Zusammensetzung führt dazu, dass der Mehrwert schaffende Teil des Gesamtkapitals, der für Löhne und Gehälter verausgabt wird, relativ kleiner wird. Hinzu kommt, dass die Überakkumulation von Kapital es immer schwerer macht, lukrative Investitionen im produktiven Bereich zu tätigen, Kapital also vermehrt in den Finanzsektor fließt.
Daraus ergibt sich nicht nur der Drang, neue Anlagesphären zu erschließen, sondern vor allem auch, die Ausbeutungsrate zu erhöhen, also die Kosten für variables Kapital zu senken. Das führt sowohl zu Privatisierungen im Caresektor als auch dazu, dass Menschen – vor allem Frauen – stärker in Lohnarbeit gedrängt, ohne von Reproduktionsarbeit entlastet zu werden.
Vor allem in imperialistischen Ländern ist viel Reproduktionsarbeit staatlich organisiert und über Steuern oder Sozialabgaben finanziert. Die Kürzungen bei Sozialleistungen und bei Sozialabgaben stellen andererseits einen Angriff auf den Gesamtlohn der Lohnabhängigen dar. Sie drücken die Kosten für die Ware Arbeitskraft und erhöhen damit die Ausbeutungs- und die Profitrate. Daher erklärt sich auch, warum in allen Ländern, auf der ganzen Welt, im Krieg wie im „Frieden“ ganz ähnliche Angriffe stattfinden.
Viele Probleme z. B. der Gesundheitssysteme ergeben sich aus diesen Rentabilitätskalkülen. Nach Phasen der Unterfinanzierung entstehen günstige Bedingungen für Privatisierungen, da der öffentliche Sektor nicht mehr mithalten kann. So wird zuvor „nicht produktive“ Arbeit in profitgetriebene überführt oder darauf vorbereitet.
Steigende Kosten privatisierter Institutionen und Lohndruck führen dazu, dass Leistungen der Reproduktion für Teile der Arbeiter:innenklasse unbezahlbar werden. Das drängt Menschen, vor allem Frauen, zurück in familiäre Lösungen, um Aufgaben selbst zu übernehmen. Ähnliche Effekte entstehen auch bei staatlichen Angeboten, die nicht kostenlos oder an Bedingungen geknüpft sind, wenn auch meist weniger ausgeprägt. Besonders stark zeigt sich diese Dynamik in Halbkolonien.
Das hat die Doppelbelastung der Arbeiterin zur Folge, die sowohl der Lohnarbeit nachgeht und dort ausgebeutet wird, als auch unentgeltlich Reproduktionsarbeit leistet. Diese erhält die Arbeitskraft, schafft aber keinen Mehrwert für das Kapital. Arbeiten im öffentlichen Reproduktionsbereich gehen zwar in den Durchschnittswert der Ware Arbeitskraft ein – Kosten für Gebäude, Arbeitsmittel oder Löhne erhöhen oder senken diesen –, doch auch hier wird keine Mehrarbeit produziert, die sich das Kapital aneignet. Erst recht gilt das für private Hausarbeit.
Das Ideal der bürgerlichen Familie und somit die kalkulierte Zurückdrängung von Reproduktionsarbeit ins Private finden wir in allen möglichen Erzählungen rechter Ideolog:innen, von AfD bis Trump. Die heteronormative Familie wird als einziger Lebensentwurf hochgehalten und wie bereits erwähnt, auch im Project 2025 konkret als Notwendigkeit zur Gesundheitsvorsorge genannt. Andere Beispiele sind Angriffe auf Abtreibungsrechte oder die Rechte von trans Personen. Somit wird dieses Bestreben, die Kosten der Reproduktion ins Private zu drücken, ideologisch vom Rechtsruck untermauert.
Die rassistischen Elemente der Rechten haben dabei mehrere Funktionen. Einerseits sind sie ein Mittel, die Arbeiter:innenklasse zu spalten. Wer Migrant:innen als Feind:innen sieht, kämpft nicht gegen die wahren Verursacher:innen der gesellschaftlichen Zustände: die herrschende Klasse, also die Kapitalist:innen. Zugleich dient die rassistische Spaltung der Klasse und die Entrechtung der Migrant:innen dazu, die Reproduktionskosten eines Teils der Arbeiter:innenklasse weit nach unten zu drücken und somit ein Reservoir von billigeren, entrechteten Arbeitskräften zu reproduzieren. Daher müssen wir uns auch gegen den Rechtsruck, die Gewalt und die Entrechtung von Migrant:innen und Geflüchteten stellen:
Ob Rechtsruck, Gewalt gegen Unterdrückte und Marginalisierte, Genozid oder Krieg: Sie alle tragen Aspekte in sich, in denen sie Orte der Reproduktion angreifen. Das Zurückdrängen der Hausarbeit in die Familien und das Abwälzen auf die Frauen bildet dabei einen Aspekt des allgemeinen Angriffs auf die Arbeiter:innen und Unterdrückten in der aktuellen Krisenperiode. Ein zentraler Aspekt ist dabei, dass diese Tendenzen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vertiefen, so dass Frauen von der Krise des Reproduktionssektors besonders stark betroffen sind.
Wir können aus all diesen Gründen ihre „Lösung“ nicht dem bürgerlichen Staat oder dem Markt überlassen. Der Kampf um die Verteidigung bestehender Errungenschaften und um die Reorganisation der Reproduktionsarbeit bildet somit zugleich ein zentrales Feld des Klassenkampfes in der gegenwärtigen Periode.
Uns muss dabei bewusst sein, dass der Kapitalismus nicht nur die Tendenzen zur Privatisierung der Reproduktionsarbeit kennt, sondern selbst in der aktuellen Krise solche zur Vergesellschaftung trotzdem weiter bestehen. Doch diese folgen keinem bewussten gesamtgesellschaftlichen Plan, sondern finden im Interesse des Privatkapitals oder durch den kapitalistischen Staat statt. Die widersprüchlichen Tendenzen zur Vergesellschaftung, zur Privatisierung und zur Ausdehnung der privaten Hausarbeit sind im Kapitalismus letztlich unlösbar, zumal die Erhöhung der Mehrwertrate ein zentrales Element der Krisenbewältigungsstrategien der herrschenden Klasse bildet, ja bilden muss.
Doch Symptome, so schrecklich sie für den Einzelnen sind, zu bekämpfen, reicht an dieser Stelle nicht aus! Den Kampf gegen den Rechtsruck müssen wir mit dem gegen alle Angriffe auf die Reproduktionsbedingungen, auf Arbeitsplätze, Löhne, soziale und politische Rechte, gegen Krieg und Militarisierung verbinden. Wir müssen erkennen, dass wir sie als Teilaspekte des Kampfes gegen den Kapitalismus begreifen müssen. Im Sinne eines Programms von Übergangsforderungen gilt es, an bestehenden Kämpfen anzusetzen und diese mit dem für eine planmäßige Vergesellschaftung der Reproduktionsarbeit unter Arbeiter:innenkontrolle zu verbinden:
Eine vollständige Vergesellschaftung der Hausarbeit ist im Kapitalismus nicht möglich, ebenso wenig wie eine planmäßige Verteilung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, solange Privateigentum an Produktionsmitteln besteht. Der Kampf um Reproduktionsarbeit ist daher untrennbar mit dem Kampf für Enteignung des Kapitals und sozialistische Revolution verbunden.