Arbeiter:innenmacht

Für einen antikapitalistischen, revolutionären und internationalistischen Feminismus

Dritter Kongress der Internationalen Sozialistischen Liga, Dezember 2025, Infomail 1304, 18. Februar 2026

Internationaler Kontext und die vierte feministische Welle

Die vierte feministische Welle, die auf die globalen Aufstände von 2012–2013 zurückgeht, entstand aus der Krise des Neoliberalismus und als Reaktion auf frauenfeindliche Politik. Sie war nicht nur eine Form des „digitalen“ oder „Hashtag“-Feminismus, sondern verband Online-Sichtbarkeit mit massiven Straßenprotesten und Versammlungen und wurde so zum spezifisch feministischen Ausdruck breiterer Volksaufstände. Von Lateinamerika über Europa bis zum Nahen Osten gingen Frauen und LGBTIAQ+-Personen auf die Straße, um Forderungen wie ein Ende geschlechtsspezifischer Gewalt, das Recht auf Abtreibung, gleiche Bezahlung und Freiheit der Geschlechtsausdrucksform zu stellen. Der Internationale Frauenstreik, die „#Ni Una Menos“-Bewegung und unzählige Mobilisierungen am 8. März in über 80 Ländern brachten Millionen Menschen zum Handeln und schufen neue, oft horizontale und versammlungsbasierte Organisationsformen, die verschiedene feministische Strömungen und soziale Sektoren zusammenbrachten.

Diese vierte Welle erreichte zwischen 2015 und 2020 ihren Höhepunkt und inspirierte eine radikalisierte Jugend, die offen für antikapitalistische und revolutionäre Ideen war. Heute steht die Bewegung jedoch vor einem Rückgang – nicht nur wegen der Pandemie oder der nur teilweisen Erfolge, sondern auch wegen des weltweiten Aufstiegs autoritärer und rechtsextremer Regime. Reaktionäre Kräfte haben die Rücknahme feministischer und LGBTIAQ+-Errungenschaften zu einem zentralen Punkt ihrer politischen Agenda gemacht. In diesem Sinne ist die Gegenreaktion gegen die vierte Welle nicht nur zyklisch, sondern auch strukturell und Teil der autoritären Neugestaltung des globalen Kapitalismus. Die Verteidigung der Errungenschaften der vierten Welle kann daher nicht von dem umfassenderen Kampf gegen Autoritarismus, Rechtsextremismus und die neoliberale Ordnung selbst getrennt werden. Ein antikapitalistischer, revolutionärer und internationalistischer Feminismus muss dieser Offensive mit derselben Kreativität, Radikalität und Internationalität begegnen, die die Entstehung der vierten Welle geprägt haben.

Reaktionäre Offensive der extremen Rechten gegen Geschlechterrechte

Die extreme Rechte geht mit einer globalen Offensive gegen die Rechte von Frauen und LGBTIAQ+ vor, als Teil einer breiteren antisozialen und antidemokratischen Agenda. Rechtsextreme Regierungen auf allen Kontinenten untergraben aktiv hart erkämpfte Rechte.

Ein Überblick über die Situation von Frauen und dissidenten Gruppen weltweit:

• Nordamerika: Unter Politiker:innen wie Donald Trump zielen die Maßnahmen darauf ab, das Geschlecht biologisch zu definieren, HIV-Präventionsprogramme abzubauen und ein traditionelles Familienmodell zu fördern, das die Unterordnung der Frauen verstärkt. In den USA gibt es keine Gesetze gegen Femizid, wodurch das Land bei der Dokumentation und Strafverfolgung von geschlechtsspezifischen Morden hinter vielen anderen Ländern zurückbleibt. Obwohl bis zur Hälfte der ermordeten Frauen Opfer ihrer Intimpartner sind, macht das Fehlen einer gesetzlichen Definition die Statistiken unzuverlässig und führt zu einer Untererfassung der Fälle. Im März 2025 haben die USA es wieder abgelehnt, die CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women; Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau) zu unterstützen, und sind damit das einzige G7-Land, das nicht dem Vertrag beigetreten ist – was zu den anhaltenden Angriffen auf reproduktive und LGBTIAQ+-Rechte passt. Im Mittelpunkt dieser Agenda steht die christliche Rechte, die im weißen evangelikalen Protestantismus verwurzelt ist. Obwohl sie ursprünglich in den 1970er Jahren gegründet wurde, um rassistisch getrennte christliche Privatschulen zu verteidigen, hat sich die Bewegung der Abtreibung als ihrem gemeinsamen Anliegen zugewandt. Heute spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Gesetzgebung gegen Gender und LGBTIAQ+ und war maßgeblich an der Aufhebung von Roe versus Wade beteiligt, wobei sie ihre Positionen auf biblische Autorität stützte. In diesem Zusammenhang entwarf die konservative Heritage Foundation das berüchtigte „Projekt 2025“, das vier Hauptziele festlegt: die Wiederherstellung der „amerikanischen Familie“, den Abbau des Staates, die Verteidigung der nationalen Grenzen und die Sicherung des „göttlichen Rechts“ der/s Einzelnen. Mit anderen Worten: eine offensive Agenda, die auf einer reaktionären, gegenrechten Ideologie basiert.

• Südamerika: In Brasilien hat Bolsonaro eine gegenrechte Agenda etabliert, die zutiefst frauenfeindlich ist und LGBTIAQ+ ablehnt. Er hat unter anderem Änderungen im Bildungssystem eingeführt und Hindernisse für die Umsetzung des Abtreibungsgesetzes (das unter vier Umständen legal ist) geschaffen. In Argentinien hat Milei seit Beginn seiner Regierung demokratische und geschlechtsspezifische Rechte angegriffen und zuvor errungene politische Maßnahmen, wenn auch mit Einschränkungen, rückgängig gemacht. Seit seiner Rede auf dem Davos-Forum Anfang 2025 haben sich die Angriffe verschärft, die sich gegen die LGBTIAQ+-Gemeinschaft richten und mit der Aufhebung des Gesetzes zur freiwilligen Schwangerschaftsunterbrechung (Ley de Interrupción Voluntaria del Embarazo; IVE), der rechtlichen Einstufung von Femizid und sogar der Leugnung der Existenz von Geschlechterungleichheit drohen. In El Salvador führt Bukele eine Offensive gegen das, was die extreme Rechte als „Genderideologie“ bezeichnet, ähnlich wie in den vorherigen Beispielen, und greift hart erkämpfte Rechte an. Trotzdem haben große antifaschistische und antirassistische Mobilisierungen auf dem ganzen Kontinent die Pläne der südamerikanischen extremen Rechten gebremst.

• Europa: Rechtsextreme Politiker:innen wie Giorgia Meloni in Italien und Marine Le Pen in Frankreich versuchen, ihr öffentliches Image „zu feminisieren“, halten aber an ihrer fremdenfeindlichen, rassistischen und migrationsfeindlichen Rhetorik fest, vor allem gegenüber muslimischen und afrikanischen Bevölkerungsgruppen. Es gibt keine echte Verteidigung der Frauenrechte.

• Afrika: Im Jahr 2024 hatte Afrika die weltweit höchste Rate an Tötungsdelikten durch Intimpartner – mehr als doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt. In der vom Königreich Marokko besetzten Westsahara ist die Unterdrückung westsaharischer Aktivistinnen besonders brutal. In Südafrika wird alle drei Stunden eine Frau getötet. Im November 2023 veröffentlichte der Human Sciences Research Council (HSRC; Forschungsrat der Humanwissenschaften) die erste nationale Studie des Landes zu geschlechtsspezifischer Gewalt, die ergab, dass solche Gewalt in „tief verwurzelten sozialen Normen und Strukturen begründet ist, die die männliche Dominanz aufrechterhalten und Geschlechterhierarchien verstärken … was zu der Unterordnung von Frauen, systemischen Ungleichheiten und Gewalt gegen Frauen führt“. Der kenianische Politiker Peter Kaluma führt derzeit eine Kampagne für das Parlament an, um ein Gesetz zum Schutz der Familie zu verabschieden, das gleichgeschlechtliche Beziehungen, queere Aktivitäten und damit verbundene Befürwortungskampagnen verbieten würde. Der ugandische Präsident Yoweri Museveni hat eines der strengsten Anti-Homosexuellen-Gesetze der Welt erlassen. Ugander:innen müssen jetzt mit lebenslanger Haft für gleichgeschlechtliche Beziehungen und in Fällen von „schwerer Homosexualität“ sogar mit der Todesstrafe rechnen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass europäische Gruppierungen und die extreme Rechte in den USA ihr Interesse an Afrika wiederbelebt haben und zahlreiche Konferenzen auf dem gesamten Kontinent veranstalten, um die von Trumps Wiederwahl vorangetriebene Agenda 2025 zu fördern. Kinderheirat wird weiterhin durch archaische Normen auf dem gesamten Kontinent verteidigt, wo die Gesetze von Kamerun, Nigeria, Senegal, Südsudan, Sudan und Tansania sie immer noch erlauben.

• Naher Osten: Die Agenda der zionistischen rechtsextremen Bewegung ist die Schaffung eines autoritären, nationalistischen jüdischen Staates, der auf jüdischem Recht basiert. Die Auswirkungen dieser Gesetze auf palästinensische Frauen, die in Israel leben (20 %), sind noch schädlicher. Auch anderswo im Nahen Osten sehen wir die gleiche Art von rechtsextremen Angriffen auf Frauen und LGBTIAQ+-Personen in sogenannten „religiös-fundamentalistischen“ Regierungen und Regimen, in denen hyperpatriarchalische Handlungen offen zur Schau gestellt werden. Gesetzesreformen im Irak, die Kinderehen ab dem Alter von 9 Jahren erlauben und islamischen Gerichten mehr Autorität in Familienangelegenheiten geben, sind klare Beispiele für diese Offensive. Im Jahr 2021 hat der Iran Abtreibung, Verhütung und freiwillige Sterilisation unter Strafe gestellt. Im Jahr 2024 wurde ein Gesetz verabschiedet, das das Tragen des Hidschāb vorschreibt und bei Nichtbefolgung Geldstrafen und lange Haftstrafen sowie Einschränkungen bei den Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten für Frauen und Mädchen vorsieht. (Das Gesetz wurde nach öffentlichen Protesten ausgesetzt, aber nicht aufgehoben.)

• Asien: Laut Weltbank lebt mehr als die Hälfte der weiblichen Weltbevölkerung im asiatisch-pazifischen Raum. In Ländern wie Indonesien und Malaysia ist sexuelle Gewalt weit verbreitet, Kinderheirat ist nach wie vor üblich und die Gesetze diskriminieren Frauen, indem sie Ehemännern weitreichende Befugnisse einräumen. Viele indonesische Frauen wandern aufgrund mangelnder Chancen aus und sind selbst an Zielorten wie Hongkong Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. In Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Afghanistan ist Homosexualität strafbar und kann mit Gefängnis oder sogar dem Tod bestraft werden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo eine konservative Auslegung der Scharia gilt, sind sexuelle Beziehungen außerhalb der heterosexuellen Ehe ebenfalls strafbar und können zu Gefängnisstrafen, Geldstrafen, chemischer Kastration, Abschiebung und Hinrichtung führen.

Ein zentrales Element dieser Offensive ist das Bestreben, das traditionelle (westliche) Familienbild als einzig legitimes Sozialmodell wiederherzustellen. Damit versucht die extreme Rechte, die Reproduktionsarbeit wieder in den privaten Bereich zu verlagern, die Unterordnung der Frauen zu normalisieren und die kollektive, soziale Verantwortung für die Pflege zu untergraben.

Dieses ideologische Manöver fließt auch in den breiteren „Kulturkrieg“ oder Kampf gegen den sogenannten Wokeismus ein, der zu einem verbindenden Banner für autoritäre, nationalistische und konservative Kräfte in verschiedenen Regionen geworden ist. Diese Offensive ist nicht einfach eine Gegenreaktion auf feministische Fortschritte, sondern Teil einer strukturellen Neugestaltung des globalen Kapitalismus.

Sie nutzt taktische Anpassungen, um ihre Unterstützung zu verbreitern, und ihre wachsende Anziehungskraft unter jungen Männern, die sich oft um frauenfeindliche und fremdenfeindliche Ideologien mobilisieren, erfordert aktive Wachsamkeit und koordinierten internationalen Widerstand.

Feminisierung der Armut und geschlechtsspezifische Gewalt

Laut UN Women (2023) ist die Gleichstellung der Geschlechter noch Jahrhunderte von ihrer Verwirklichung entfernt. Frauen sind weiterhin mit ungleichen Löhnen konfrontiert und tragen die Hauptlast der reproduktiven Arbeit, der Pflege und Kindererziehung. Geschlechtsspezifische Gewalt ist immer noch alarmierend hoch und wird durch wirtschaftliche, klimatische und bewaffnete Krisen noch verschärft, von denen Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen sind, wie in Gaza, der Ukraine, im Sudan und in Äthiopien zu sehen ist.

Diese Realitäten unterstreichen den engen Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischer Unterdrückung, Kapitalismus, Patriarchat und globalen Krisen. Der Kampf für Rechte kann nicht losgelöst vom breiteren Kampf gegen wirtschaftliche Ausbeutung, Klima„gerechtigkeit“ und Krieg gesehen werden.

Institutioneller Feminismus, falscher Progressivismus und staatliche Kooptierung

In den letzten Jahren hat der institutionelle Feminismus unter sogenannten „progressiven“ Regierungen an Bedeutung gewonnen, die feministische Rhetorik übernehmen, ohne echte strukturelle Veränderungen umzusetzen. Diese Institutionalisierung lenkt die Bewegung in Wahl- oder symbolische Rahmenbedingungen, die den Kapitalismus nicht in Frage stellen – und trennt so den feministischen vom antikapitalistischen Kampf. Zwar wurden in diesen Zeiten einige Erfolge erzielt, doch sind diese fragil und begrenzt, was die Notwendigkeit eines fortgesetzten Kampfes gegen den Kapitalismus bekräftigt.

Fälle wie Chile zeigen, wie solche Strategien radikale Mobilisierung verwässern und auf lokale Aktionen reduzieren, die Kompromisse mit dem Staat eingehen. Diese Formen des „falschen Progressivismus“ tragen kaum zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen aus der Arbeiter:innenklasse bei und verschärfen oft die Feminisierung der Armut, Abtreibungsbeschränkungen und Rechtsverletzungen. Reformen sind oft oberflächlich, untergeordnet der kapitalistischen Logik und Sparmaßnahmen.

In Argentinien gab es während der Kirchner-Ära einige Fortschritte, darunter die Legalisierung der Abtreibung. Das Vertrauen in diese Regierungen führte zu Mobilisierung und dem Gefühl, dass alle Ziele erreicht worden seien. Die Unfähigkeit, den uneingeschränkten Zugang zu Abtreibungen umzusetzen, und der Aufstieg von Milei zeigten jedoch, dass unter dem Kapitalismus kein Sieg von Dauer ist.

Die Notwendigkeit einer revolutionären Lösung

Ohne Klassenkampf ist kein Sieg möglich. Die Einheit innerhalb der Arbeiter:innenklasse ist unerlässlich, um gemeinsam mit allen anderen sich überschneidenden Kämpfen und Forderungen voranzukommen. Daher muss die Arbeiter:innenklasse das revolutionär-feministische Programm als ihr eigenes übernehmen und es in ihre umfassendere Strategie zur Emanzipation der gesamten Menschheit integrieren. Nur dann können wir eine wirklich revolutionäre, feministische und vielfältige Kraft aufbauen. Angesichts des Rechtsrucks reformistischer Feminismen und des Versagens pseudoprogressiver Regierungen müssen Frauen und die LGBTIAQ+-Community außerdem gemeinsam mit ihren Genoss:innen aus der Arbeiter:innenklasse eine revolutionäre Alternative aufbauen.

Der revolutionäre Feminismus betont die Bedeutung von Massenmobilisierung und breiter Organisation, da der Kapitalismus die Ungleichheit der Geschlechter als Mittel zur Gewinnmaximierung und Aufrechterhaltung der sozialen Kontrolle aufrechterhält. Deshalb werden feministische Kämpfe, die den Kapitalismus nicht in Frage stellen, immer nur teilweise und vorübergehend sein.

Ursprünge: Der Kapitalismus und seine Beziehung zum Patriarchat

I. Ursprung des Patriarchats: die Grundlage der männlichen Dominanz

Der Ursprung des Patriarchats muss in den materiellen Veränderungen der ersten Agrargesellschaften gesucht werden. Mit dem Aufkommen der sesshaften Landwirtschaft und dem privaten Landbesitz entstanden neue Hierarchien: Die Kontrolle über wirtschaftliche Ressourcen wurde grundlegend, und diejenigen, die Eigentum besaßen, konnten auch die Fortpflanzung und das Familienleben kontrollieren. Das Patriarchat entsteht also nicht aus einem „natürlichen Instinkt“ oder göttlichen Willen, sondern als eine soziale Struktur, die der Verwaltung von Eigentum und der Reproduktion von Arbeitskraft dient. Männer, als Besitzer von Land und politischer Macht, kontrollierten die Abstammung und die reproduktive Arbeit der Frauen und integrierten so die geschlechtsspezifische Herrschaft in die wirtschaftliche und soziale Logik der Gemeinschaft.

Das Patriarchat, verstanden als „Herrschaft der Väter“, ist eine Form der sozialen Organisation, in der die Autorität beim männlichen Familienoberhaupt liegt und über den häuslichen Bereich hinausgeht, um die Gesellschaft zu strukturieren und die männliche Dominanz über Frauen und Kinder zu legitimieren (Gerda Lerner). Seine Existenz reicht Jahrtausende vor den Kapitalismus zurück.

Obwohl Frauen in primitiven Gesellschaften einen autonomeren Status hatten, ist der Übergang zur patriarchalischen Organisation mit dem Aufkommen von Privateigentum und Vermögensbildung verbunden. Marx und Engels wiesen darauf hin, dass die patrilineare Familie die Unterdrückung der Frauen festigte, um die Anhäufung und Vererbung von Reichtum unter männlicher Kontrolle sicherzustellen. Der moderne Staat perpetuiert diese Unterwerfung durch Gesetze und wirtschaftliche Strukturen, die durch Institutionen wie die obligatorische Heterosexualität (María Milagros Rivera Garretas) für die Kontrolle der weiblichen Fortpflanzung und Sexualität von entscheidender Bedeutung sind.

II. Ursprung des Kapitalismus und seine Beziehung zum Patriarchat

Der Kapitalismus als jüngste Produktionsweise fand im Patriarchat eine funktionale Struktur, um die Anhäufung und Ausbeutung zu intensivieren. Das Patriarchat verfügt über eine große Anpassungs- und Umstrukturierungsfähigkeit. Es hat die Geschlechterherrschaft nicht nur erfunden, sondern vertieft und neu gestaltet.

● Familie: eine wichtige Institution für die Reproduktion von Geschlechterhierarchien und Arbeitskraft. Sie beschränkt Frauen auf Hausarbeit, Reproduktionsarbeit und Pflegearbeit – unbezahlte Arbeit, die das kapitalistische System unterstützt. Die Familie fungiert auch als Konsumeinheit und soziales Sicherheitsnetz in Krisenzeiten, was Frauen, vor allem aus der Arbeiter:innenklasse, überproportional belastet, während sie für die Kapitalist:innenklasse den Transfer von Reichtum sichert und die ideologische Vererbung legitimiert, anstatt Ressourcen an die Gesellschaft umzuverteilen.

● Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung: Der Kapitalismus hat die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung beibehalten, die eine zentrale materielle Grundlage für Geschlechterrollen und damit für die Unterdrückung von Frauen und LGBTIAQ+-Personen bildet. Frauen werden systematisch in unbezahlte oder unterbezahlte Pflegearbeit gedrängt, oft auf den privaten Bereich beschränkt und in prekäre, schlecht bezahlte Jobs auf dem Arbeitsmarkt geschleust. Das liegt nicht daran, dass Frauen „von Natur aus“ bessere Betreuerinnen sind, sondern daran, dass der Kapitalismus die Reproduktion der Arbeitskraft privatisiert und unverhältnismäßig stark von Frauen tragen lässt. Durch die Verstärkung dieser geschlechtsspezifischen Rollen hält das System Lohnunterschiede, Arbeitsplatzunsicherheit und die ideologische Erzählung vom „Platz“ der Frau im Haushalt aufrecht. Gleichzeitig sind alle, die binäre Geschlechternormen in Frage stellen oder vorgeschriebene Rollen ablehnen, wie z. B. LGBTIAQ+-Personen, verstärkten Formen sozialer, wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung ausgesetzt.

● Kontrolle über Körper und Sexualität: Die Kommerzialisierung des weiblichen Körpers, Schönheitsideale, die Idealisierung der heterosexuellen Kernfamilie und Einschränkungen der Reproduktionsrechte verstärken die patriarchalische Kontrolle und die kapitalistische Logik.

● Strukturelle Gewalt: Gewalt gegen Frauen ist vielschichtig – häusliche Gewalt, Gewalt am Arbeitsplatz und staatliche Gewalt – und hält beide „Systeme“ aufrecht, indem sie Frauen in einer Position der Verletzlichkeit und Unterordnung hält.

● Institutionen: Der Staat, das Rechtssystem, die Polizei und religiöse Stiftungen reproduzieren Ungleichheiten und perpetuieren strukturelle Gewalt durch Komplizenschaft oder Untätigkeit.

III. Imperialismus und Unterdrückung von Frauen

Imperialismus ist kein zusätzlicher Aspekt des aktuellen Rechtsrucks, sondern die Grundlage, die die Welt, in der wir heute leben, prägt. Er definiert den Rahmen für Ausbeutung, Plünderung und Herrschaft, in dem die Unterdrückung von Frauen reproduziert wird. Um die Gegenwart zu verstehen, müssen wir erkennen, dass der Imperialismus untrennbar mit dem Kapitalismus selbst verbunden ist: Er ist die höchste Stufe des Systems und das Terrain, auf dem sich der Klassenkampf weltweit entfaltet.

Diese Perspektive erklärt, warum wir uns als revolutionäre Feminist:innen verstehen: Geschlechterunterdrückung kann in ihren aktuellen Formen nur verstanden werden, wenn man sie durch die Linse des Imperialismus und des Klassenkampfs betrachtet. Um aber ihre Ursprünge und ihre historische Kontinuität zu begreifen, muss man sie bis zu den verschiedenen Produktionsweisen zurückverfolgen – asiatisch, antik-sklavenhalterisch, feudal und kapitalistisch – und zu den spezifischen materiellen Verhältnissen, die in jeder von ihnen die Geschlechterhierarchien bestimmt haben. Und sie erklärt auch, warum wir Internationalist:innen sind: Weil der Imperialismus globaler Natur ist, muss auch unser Kampf für die Befreiung der Geschlechter global sein.

Von der Ukraine bis Palästina, von Kurdistan bis zur Westsahara stehen Frauen an vorderster Front im Widerstand gegen imperialistische Kriege und Besetzungen. Das Patriarchat bleibt das Rückgrat des kapitalistischen Systems, aber in dieser Phase der kapitalistischen Entwicklung verstärkt das Streben nach imperialistischer Hegemonie Ausbeutung und Gewalt, mit besonders schwerwiegenden Folgen für Frauen, Migrant:innen und unterdrückte Völker.

Deshalb muss die feministische Befreiung sowohl antikapitalistisch als auch antiimperialistisch sein. Falsche Hoffnungen auf Befreiung durch imperialistische Akteur:innen wie die Rolle der Europäischen Union in der Ukraine verstärken nur die Herrschaft und untergraben die Kämpfe für echte Emanzipation. Unsere Aufgabe ist es, den ideologischen Kampf gegen diese kooptierenden Narrative voranzutreiben und die Frauenbewegung in einem kompromisslosen Kampf gegen Imperialismus, Kapitalismus und Patriarchat gleichermaßen zu verankern.

IV. Antikapitalistischer und internationalistischer Feminismus: Auf dem Weg zu einer umfassenden Emanzipation

Die Untrennbarkeit von Patriarchat und Kapitalismus bedeutet, dass sie gemeinsam abgeschafft werden müssen. Diese kombinierte, zusammengesetzte Unterdrückung betrifft auch die LGBTIAQ+-Community und erfordert einen Feminismus, der über die formale Gleichstellung hinausgeht und einen tiefgreifenden sozialen Wandel fördert.

● Ganzheitliche Vision: Unterdrückung ist sektorenübergreifend und unteilbar; es reicht nicht aus, nur das Thema Geschlecht oder Wirtschaft anzugehen.

● Materielle Grundlagen: Unbezahlte und unsichtbare Haus- und Pflegearbeit ist eine grundlegende Säule des Kapitalismus und muss anerkannt und sozialisiert werden.

● Kritik an formaler Gleichstellung: Rechtliche Gleichstellung beseitigt Unterdrückung nicht ohne echte strukturelle Veränderungen.

● Klassenkampf: Die Befreiung von Frauen und der LGBTIAQ+-Community ist untrennbar mit der Emanzipation der gesamten Arbeiter:innenklasse verbunden.

● Radikale Transformation: Es braucht einen gemeinsamen Kampf, um wirtschaftliche und soziale Beziehungen zu verändern, reproduktive Arbeit zu sozialisieren und das Privateigentum in Frage zu stellen.

● Umfassender Kampf: Die Verflechtung von geschlechtsspezifischer Gewalt, Arbeitsplatzunsicherheit, Lohnunterschieden und reproduktiven Rechten erfordert eine umfassende und inklusive feministische Antwort.

Sozialistische Perspektive: Die endgültige Beseitigung sexistischer Unterdrückung erfordert den Aufbau einer anderen, sozialistischen Gesellschaft, begleitet von einem breiten kulturellen und bildungspolitischen Kampf. Der revolutionäre Feminismus schlägt ein Programm vor, das unmittelbare Forderungen mit einer revolutionären Perspektive verbindet – in Erinnerung daran, dass „keine Theorie ohne Aktion gültig ist“.

Unterdrückung und Ausbeutung: Zahnräder des patriarchalischen Kapitalismus

Das falsche Versprechen der formalen Gleichheit

Um die geschlechtsspezifische Unterdrückung im Kapitalismus zu verstehen, brauchen wir einen marxistischen, historisch-materialistischen feministischen Rahmen, der Geschlecht als eine historisch „konstruierte“ soziale Beziehung betrachtet, die in die Reproduktion der Klassengesellschaft eingebettet ist. Die binäre Geschlechterteilung und die sexuelle Hierarchie sind keine ewigen Wahrheiten, sondern Mechanismen, um die Arbeitskraft zu organisieren und zu disziplinieren, die heteronormative Kernfamilie aufrechtzuerhalten und die unbezahlte Reproduktion der Arbeitskraft sicherzustellen.

Reproduktive Arbeit, Pflegearbeit und Kindererziehung – feminisiert und abgewertet – sind für das Kapital unverzichtbar. Geschlechterrollen weisen reproduktive Verantwortlichkeiten zu, naturalisieren Hierarchien und strukturieren die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Das Patriarchat ist kein separates System: Es ist ein konstitutiver Bestandteil des Kapitalismus.  Die Unterdrückung von LGBTIAQ+ folgt derselben Logik. Heteronormativität wird durch die bürgerliche Familie institutionalisiert, die Arbeitskraft und soziale Normen reproduziert. Die Kriminalisierung und Pathologisierung von queeren, trans- und intersexuellen Körpern dient der sozialen und arbeitsrechtlichen Kontrolle. Gewalt gegen trans Personen, Zwangsoperationen an intersexuellen Menschen und der Ausschluss vom Arbeitsmarkt sind strukturelle Ausdrucksformen dieser Ordnung.

Die in einigen Ländern erreichte rechtliche Gleichstellung beseitigt nicht die materielle Unterdrückung. Frauen treten unter prekären Bedingungen in den Arbeitsmarkt ein und sind mit der Bürde einer „Doppelbelastung“ konfrontiert. Im Jahr 2023 lag die weltweite Erwerbsbeteiligung von Frauen bei 48 % (im Vergleich zu 70 % bei Männern), wobei insbesondere in Afrika und Lateinamerika ein extrem hoher Anteil an informeller Beschäftigung zu verzeichnen war.

Die sogenannte „Inaktivität“ von Frauen ist geprägt von Betreuungsaufgaben und ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu Dienstleistungen, Bildung und Beschäftigung.                              Krisen verschärfen diese Realität: Die Pandemie hat viele Frauen aus dem Erwerbsleben verdrängt und häusliche Gewalt verstärkt; bei Katastrophen und Konflikten nehmen sexuelle Gewalt und Menschenhandel stark zu. Die Reaktionen der Staaten vernachlässigen weitgehend die Bedürfnisse von Frauen und Gender-Dissident:innen, und wir sehen, wie leicht LGBTIAQ+-Rechte wieder zurückgenommen werden können.

Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt

Der Kapitalismus verbindet die Ausbeutung von Arbeitskräften mit struktureller Unterdrückung. Da Ausbeutung und Unterdrückung miteinander verknüpft sind, können sie nicht in „primäre“ und „sekundäre“ Kämpfe unterteilt werden. Es kann keine echte Befreiung geben, ohne die materielle Grundlage der Ausbeutung abzuschaffen, aber der Kampf gegen Unterdrückung ist kein Nebenthema. Er beginnt hier und jetzt.

Der Kapitalismus verbindet die Ausbeutung der Arbeitskraft mit strukturellen Formen der Unterdrückung, und die Überwindung der Ausbeutung ist nur möglich, wenn wir auch die Spaltungen und Fragmentierungen beseitigen, die die Unterdrückung innerhalb der Arbeiter:innenklasse schafft. Frauen, die LGBTIAQ+-Gemeinschaft und Migrant:innen sind in prekären, informellen und unterbezahlten Jobs überrepräsentiert.

Unbezahlte Reproduktions- und Kindererziehungsarbeit untermauert die kapitalistische Akkumulation. Sparmaßnahmen und Privatisierungen untergraben Rechte, während Belästigung am Arbeitsplatz, Lohnunterschiede und die Unterdrückung von Gewerkschaftsorganisationen weiter bestehen.

Patriarchale Gewalt wie Femizide, sexuelle Übergriffe und staatliche Gewalt haben ihre Wurzeln in der Entsubjektivierung von Frauen und der LGBTIAQ+-Community, die zu Objekten männlicher Dominanz reduziert werden. Gleichzeitig dient Unterdrückung der kapitalistischen Ordnung. Sie verweigert den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wohnraum und reproduktiver Autonomie und verschärft sich in Krisen, Kriegen und Katastrophen. Der Staat und seine Institutionen reproduzieren diese Gewalt als Form der sozialen Kontrolle.

Klimakrise, Kriege und Migration

Die kapitalistische Umweltzerstörung trifft Frauen und marginalisierte Gemeinschaften, die oft für reproduktive Arbeit, Pflege und Kindererziehung sowie für die informelle Wirtschaft verantwortlich sind, unverhältnismäßig stark. Imperialistische Kriege führen zu Massenvertreibungen, sexueller Gewalt und patriarchaler Militarisierung. Von Gaza bis zum Sudan profitiert der Militarismus vom Blutvergießen und normalisiert geschlechtsspezifische Gewalt.

Zwangsumsiedlungen aufgrund von Krieg, Klimakrise oder wirtschaftlicher Enteignung bringen Migrantinnen an den Schnittpunkt von Arbeitsausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt. Das Kapital profitiert von ihrer billigen Arbeitskraft und schürt gleichzeitig Fremdenfeindlichkeit, um die Arbeiter:innenklasse zu spalten. Die aktuellen Migrationsströme haben ihre Wurzeln in der Kolonialgeschichte und imperialistischer Politik.

Rassismus und Kolonialismus

Der Kapitalismus wurde auf Rassismus und Kolonialismus aufgebaut, die weiterhin die globale Arbeitsteilung und soziale Segregation strukturieren. Geschlechtsspezifischer Rassismus manifestiert sich in spezifischen Formen von Gewalt, medizinischer Vernachlässigung und wirtschaftlicher Ausgrenzung, von denen insbesondere schwarze, indigene und rassifizierte Frauen betroffen sind – einschließlich queerer und transsexueller Personen.

Der zeitgenössische Kolonialismus wird durch Verschuldung, militärische Besatzung und Ressourcenplünderung aufrechterhalten. Frauen in kolonialisierten Gebieten sind mit extremer Ausbeutung, ökologischer Zerstörung und Militarisierung konfrontiert. Die extreme Rechte hat rassistische Diskurse in „feministische“ Kleider gesteckt, um islamfeindliche und einwanderungsfeindliche Politik zu rechtfertigen, wie zum Beispiel Verbote der freiwilligen Verwendung des Schleiers.

Die LGBTIAQ+-Community heute

Vor dem Hintergrund der Polarisierung und des Aufstiegs der extremen Rechten sieht sich die LGBTIAQ+-Bewegung einer reaktionären Offensive gegenüber, die darauf abzielt, die in früheren progressiven Phasen errungenen Errungenschaften rückgängig zu machen. Diese Gegenbewegung stützt sich auf Hassreden, die sich auf Angriffe auf „Wokeness“ konzentrieren und biologische und religiöse Argumente sowie individualistische Narrative verwenden, um den Abbau sozialpolitischer Maßnahmen zu rechtfertigen. Diese Rechte wurden jedoch durch kollektiven Kampf errungen – nicht durch individuelle Verdienste oder den freien Markt. Die rechtsextremen Maßnahmen vertiefen die Polarisierung und erfordern von der Bewegung ein einheitliches Vorgehen und eine revolutionäre Politik, die sich gegen versöhnliche Führungen stellt, deren Versagen den Weg für die aktuellen Angriffe geebnet hat.

Angesichts der zionistischen Heuchelei des Staates Israel, der „Pinkwashing“ einsetzt (eine Propagandastrategie der israelischen Regierung, die zynisch die Rechte von LGBTIAQ+ ausnutzt, um ein progressives Image zu vermitteln und gleichzeitig die Besatzung und Apartheidspolitik Israels zu verschleiern, die das palästinensische Volk unterdrückt), müssen wir innerhalb der LGBTIAQ+-Bewegung eine antizionistische und antiimperialistische Politik stark vorantreiben. Kein Volk kann für die demokratischen Freiheiten kämpfen, die die LGBTIAQ+-Bewegung fordert, ohne zuerst das zionistische Ungeheuer loszuwerden.

Gleichzeitig verurteilen wir die mitschuldige Rolle der arabischen Bourgeoisie, die das palästinensische Volk im Stich lässt und ihre eigene Bevölkerung erneut fundamentalistischer Unterdrückung aussetzt, um autoritäre Regime aufrechtzuerhalten, die Feinde der Arbeiter:innen, Frauen und LGBTIAQ+-Personen sind.

In Afrika, in den Sahel-Ländern, die derzeit einen erneuten antiimperialistischen Aufschwung erleben, schöpfen wir Kraft aus dem gemeinsamen Hass auf koloniale Verhältnisse, um die Protagonistenrolle der Arbeiter:innenklasse und ihrer eigenen Organisationen gegen die bonapartistische Machtkonzentration in den Händen bestimmter Führer:innen zu fordern. Frauen und LGBTIAQ+-Menschen werden unsere Forderungen nicht aufschieben – wir fordern die Entwurzelung der gesamten alten Kolonialgesellschaft und ihrer Strukturen der geschlechtlichen und ethnischen Unterdrückung. Wir wollen die Protagonist:innen unserer eigenen Befreiung sein.

In Ländern, die von autoritären Führer:innen regiert werden, die sich als links oder antiimperialistisch bezeichnen, ist unser Engagement in den Frauen- und LGBTIQ+-Bewegungen super wichtig, um die Unterdrückung aller autonomen Ausdrucksformen durch diese Regime zu bekämpfen und zu verhindern, dass der Aktivismus unter den Einfluss proimperialistischer Strömungen gerät.

Revolutionärer Marxismus, Feminismus und der Kampf gegen geschlechtsspezifische Unterdrückung

Revolutionäre Marxist:innen müssen sich klar gegen alle Formen der geschlechtsspezifischen und sexuellen Unterdrückung aussprechen und das Recht auf Selbstbestimmung von Frauen und LGBTIAQ+-Personen verteidigen. Es ist wichtig, sowohl reaktionäre als auch religiöse Kreise zu bekämpfen, die Frauen zu bloßen Fortpflanzungsinstrumenten reduzieren, als auch „progressive“ Kreise, die den Kampf für Bürgerrechte seiner Substanz berauben, indem sie ihn vom Klassenkampf und einer wirklich transformativen Perspektive trennen.

Wir müssen gegen reformistische Politikrichtungen kämpfen, die Kämpfe in institutionelle Rahmenbedingungen umleiten, ohne die etablierte Ordnung in Frage zu stellen, sowie gegen Strömungen, die die Einheit der Arbeiter:innenklasse schwächen. Als Revolutionär:innen unterstützen wir Kämpfe für Reformen, die die Lebensbedingungen der Arbeiter:innenklasse und der Unterdrückten verbessern. Wir sind uns aber auch klar darüber, dass Reformen allein Ausbeutung und Unterdrückung nicht abschaffen können. Deshalb bestehen wir darauf, jeden Teilkampf mit dem umfassenderen Kampf gegen das kapitalistische System zu verbinden.

Und wir kämpfen gegen den radikalen Feminismus, der Männer als Hauptfeind sieht; gegen Identitätspolitik, die die Bewegung spaltet, indem sie Unterschiede über kollektives Handeln stellt; gegen den autonomen Feminismus, der die strategische Rolle der Arbeiter:innenbewegung bei der sozialen Transformation außer Acht lässt; und gegen den bürgerlichen Feminismus, der den individuellen Aufstieg innerhalb des kapitalistischen Systems fördert, die „Girl Boss“-Logik, während die Strukturen der Ausbeutung und Unterdrückung intakt bleiben.

Angesichts des globalen Vormarsches reaktionärer Kräfte werden Massenreaktionen nicht lange auf sich warten lassen. Aber die tatsächliche Wirkung dieser Mobilisierungen wird davon abhängen, wie gut die radikalisierende Avantgarde organisiert ist und wie klar ihre politischen Positionen sind. In diesem Zusammenhang haben Revolutionär:innen eine dringende Aufgabe: eine Kraft aufzubauen, die in der Lage ist, Tausende von Aktivist:innen, Jugendlichen und Teilen der Arbeiter:innenklasse mit Kampfeswillen zu mobilisieren, die sich einem revolutionären Projekt verschrieben hat, um in zukünftige Klassenkämpfe einzugreifen und den Weg für ein politisches Instrument der Arbeiter:innenklasse zu ebnen, das die Fahne des Sozialismus hochhält.

Wir wissen, dass unter dem patriarchalischen Kapitalismus die von Frauen und sexuellen Dissident:innen errungenen Rechte immer nur teilweise und gefährdet sein werden. Die einzige endgültige Lösung ist die tiefgreifende Umgestaltung dieser Gesellschaft. Wie Trotzki betonte, wird die wahre Emanzipation der Frauen nur mit einer allgemeinen Anhebung des Lebensstandards und der Kultur sowie mit der Vergesellschaftung der Haus- und Pflegearbeit möglich sein, die heute hauptsächlich auf ihren Schultern lastet.

Der Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen kann nicht auf Repräsentation oder rechtliche Gleichstellung reduziert werden: Er muss die materiellen Grundlagen der Ausbeutung angehen, wie die Feminisierung der Armut, die Kommerzialisierung der Pflege und die Lohnungleichheit, und dabei anerkennen, dass Rasse, Migration, Alter oder Behinderung die Ausbeutung verschärfen, vor allem im Globalen Süden. Der Kampf gegen das Patriarchat erfordert die Zerstörung des kapitalistischen Systems.

Strategische Prinzipien und Methoden

● Historischer Materialismus: Analyse des Geschlechts als soziale Beziehung, die mit der Organisation der kapitalistischen Reproduktion und Produktion verbunden ist. Aber auch die strukturellen Grundlagen vielfältiger Formen der Unterdrückung und Diskriminierung in Klassengesellschaften.

● Soziale Reproduktion: Kollektivierung und Sozialisierung von Kinderbetreuung, Altenpflege und Hausarbeit. In allen Bereichen der Gesellschaft, nicht nur im privaten Bereich der Familie!

● LGBTIAQ+-Befreiung: Die Selbstbestimmung des Geschlechts ist nicht verhandelbar und Teil des Klassenkampfs.

● Abschaffung der patriarchalischen Familie: Kollektive Formen der Pflege und des Gemeinschaftslebens fördern.

● Arbeit in feminisierten Sektoren: Hausangestellte, Textilarbeiterinnen, Pflegekräfte, Lehrerinnen und Krankenschwestern organisieren.

● Revolutionärer feministischer Internationalismus: Die Unterdrückung von Frauen, die Diskriminierung von LGBTIAQ+ und Rassismus sowie andere Formen struktureller Unterdrückung gibt es weltweit wegen des imperialistischen Systems, in dem wir leben. Unser Kampf muss daher international sein. Internationalismus ist die Basis unserer Analyse und das Fundament, das unsere Kämpfe über Grenzen hinweg verbindet. Aber solche Kämpfe können nur erfolgreich sein, wenn sie von einem revolutionären sozialistischen Programm geleitet werden, das darauf abzielt, sowohl Ausbeutung als auch Unterdrückung auf globaler Ebene abzuschaffen.

Progressivismus und bürgerlicher Feminismus

Viele Progressive fördern eine Agenda, die soziale Kämpfe fragmentiert und die legitimen Forderungen von Frauen und LGBTIAQ+-Personen in oberflächliche Reformen verwandelt, die die kapitalistische Struktur nicht beeinträchtigen. Beispiele für formale Zugeständnisse, die die sozialen Hierarchien intakt lassen, sind die Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe bei gleichzeitiger Einschränkung der Adoption oder die Legalisierung der Abtreibung ohne Gewährleistung eines effektiven Zugangs. Diese Bereiche werden von einem bürgerlichen Feminismus dominiert, der „Chancengleichheit“ fördert, die sich auf den sozialen Aufstieg innerhalb des Systems beschränkt, ohne dieses in Frage zu stellen.

Abgrenzung zu Reformist:innen und Reduktionist:innen

Reformist:innen lenken Kämpfe in institutionelle Bahnen, die ihren radikalen Inhalt verwässern und die Energie der Massenbewegungen von ihrem eigentlichen Ziel ablenken: der revolutionären Transformation. Gleichzeitig müssen wir uns mit reduktionistischen Positionen innerhalb des revolutionären Lagers selbst auseinandersetzen, wie sie beispielsweise von stalinistischen Strömungen vertreten werden, die den Kampf der Frauen und der LGBTIAQ+-Community unter den wirtschaftlichen Kampf subsumieren und dessen Besonderheit und Autonomie leugnen.

Diese Positionen verkennen, dass Unterdrückung und Ausbeutung zwar miteinander verflochten, aber nicht dasselbe sind und dass ihre Überwindung spezifische und bewusste Interventionen aus einer antikapitalistischen Perspektive erfordert.

Kleinbürgerliche Theorien

Obwohl sie als Reaktion auf die Aufgabe dieser Kämpfe durch den degenerierten Marxismus entstanden sind, weisen mehrere kleinbürgerliche feministische Strömungen erhebliche Einschränkungen auf:

● Identitätspolitik: Sie entstand, um die spezifischen Unterdrückungen marginalisierter Gruppen hervorzuheben, führt aber letztendlich zu einer Fragmentierung des Kampfes und zur Aufgabe einer kollektiven und einheitlichen Klassenstrategie. Indem sie politischen und organisatorischen Vorrang auf Unterschiede in Bezug auf Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Migrant:innenstatus legt, führt sie zu Spaltung und schwächt damit die Kämpfe. Wie radikale Feminist:innen sind diese Sektoren offen antirevolutionär links.

● Feminismus der Differenz: Er hat seine Wurzeln im Idealismus und reduziert Unterdrückung auf symbolische und ontologische Ebenen, wobei er die materialistische Analyse aufgibt. In einigen Fällen führt er zu reaktionären Positionen, wie z. B. der Ablehnung von Transfrauen (TERF/FART).

● Radikaler Feminismus (Radfem): Obwohl (oder weil?) er das Patriarchat als autonomes oder paralleles System zum Kapitalismus anerkennt, verfallen viele seiner Strömungen in Separatismus oder identifizieren Männer als Feinde, wobei sie die Klassenvermittlung ignorieren. Einige aktuelle Versionen versuchen, den Separatismus zu überwinden, indem sie Kritik am Kapitalismus aus der Perspektive der sozialen Reproduktion einbeziehen. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er parteifeindlich und in erster Linie antirevolutionär links ist.

● Poststrukturalismus: Beeinflusst vom Denken von Foucault und Butler argumentiert er, dass Geschlecht und Sexualität soziale (ideelle) Konstrukte sind. Er schlägt die „Dekonstruktion“ dominanter Narrative vor, beschränkt seine Wirkung aber auf den kulturellen Bereich und bietet keinen revolutionären Horizont.

● Intersektionaler Feminismus: In vielen Ländern vorherrschend, thematisiert er die Wechselbeziehung verschiedener Unterdrückungsformen (Rasse, Klasse, Geschlecht). Allerdings verwässert er, vor allem in seiner akademischen Version, die Klassenfrage. Im Allgemeinen spielt er aber die grundlegende soziale Spannung zwischen Kapital und Arbeit herunter, indem er kapitalistische Ausbeutung nur als eine von vielen Formen der Unterdrückung sieht. Das ändert sich auch nicht grundlegend durch Autorinnen wie Bell Hooks und Angela Davis, obwohl sie versucht haben, eine materielle Dimension einzubringen.

● Feminismus der 99 %: versucht, verschiedene Strömungen (sozialistischer, intersektionaler, Identitätsfeminismus usw.) unter einer Kritik des Kapitalismus als sozialem System zusammenzufassen. Obwohl er sich selbst als antikapitalistisch definiert, fehlt ihm eine klare Strategie und ein Übergangsprogramm, was ihn anfällig für reformistische Abweichungen macht.

● Abolitionistischer Feminismus: Er taucht vor allem in den USA auf und leistet wertvolle Beiträge, indem er die Rolle der Polizei, der Gefängnisse und des Staates bei der Aufrechterhaltung von Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus aufzeigt. Seine Betonung der Abschaffung steht in direktem Zusammenhang mit dem Kampf gegen staatliche Gewalt und Masseninhaftierung, von denen insbesondere schwarze Frauen, Migrantinnen, Frauen aus der Arbeiter:innenklasse und LGBTIAQ+-Personen betroffen sind. Allerdings neigt er dazu, innerhalb eines anarchistischen Horizonts zu bleiben und lehnt die Notwendigkeit einer revolutionären Partei und einer klaren Strategie für den Sturz des Kapitalismus ab. Ihre falsche Methode führt dazu, dass sie die Abschaffung von Institutionen (wie Gefängnissen, Unterdrückungsapparaten des bürgerlichen Staates) fordert, ohne die kapitalistischen Produktionsverhältnisse in Frage zu stellen, die solche Institutionen zwangsläufig hervorbringen, was eher zu Utopismus als zu wissenschaftlichem Sozialismus führt. Wie der Feminismus für die 99 % bleibt sie oft vage, wenn es darum geht, wie Klassenbewusstsein aufgebaut werden kann, und beschränkt ihr Potenzial auf eine moralische Kritik der Unterdrückung statt auf ein Programm für revolutionäre Transformation.

Die Rolle des Stalinismus im Kampf der Frauen und Gender-Dissident:innen

Die bolschewistische Revolution von 1917 läutete eine beispiellose Zeit der Errungenschaften für Frauen und LGBTIAQ+-Personen ein: legale Abtreibung, freie Scheidung, zivilrechtliche Gleichstellung, Entkriminalisierung von Homosexualität, die Gründung des Schenotdel (einer Frauenabteilung) und die teilweise Sozialisierung der Hausarbeit. Diese Veränderungen waren möglich, weil der revolutionäre marxistische Feminismus von Anfang an den Klassenkampf eindeutig mit den Forderungen der Frauen und aller unterdrückten Gruppen verband, mit dem bürgerlichen Feminismus brach und innerhalb der revolutionären Partei dafür kämpfte, das Patriarchat an seinen materiellen Wurzeln zu bekämpfen. Lenin hat das klar ausgedrückt: „Wir müssen unbedingt eine starke internationale Frauenbewegung schaffen, die auf einer klaren und präzisen theoretischen Grundlage basiert.“

Während die materiellen Bedingungen in der frühen Sowjetunion die Sozialisierung der Hausarbeit erschwerten, führte die stalinistische Bürokratie eine echte Gegenrevolution in Bezug auf die Geschlechterrollen durch. Sie löste den Schenotdel auf, kriminalisierte Homosexualität, bestrafte Abtreibung und führte die Figur der „heldenhaften Mutter“ als weibliches Ideal wieder ein. Wie Trotzki beschrieb, „begann die Bürokratie, Lobeshymnen auf das Familienessen und die Familienwäsche zu singen, also auf die häusliche Sklaverei der Frauen“. Diese Politik machte grundlegende Errungenschaften zunichte und führte die patriarchalische Unterdrückung wieder ein, wodurch die Verbindung zwischen der Arbeiter:innenklasse und den unterdrückten Schichten geschwächt und die Entwicklung separatistischer und kleinbürgerlicher feministischer Theorien gefördert wurde. Die bisherigen Erfahrungen mit Persönlichkeiten wie Clara Zetkin und Rosa Luxemburg hatten den umgekehrten Weg aufgezeigt: die Organisation von Arbeiterinnen innerhalb der Arbeiter:innenbewegung in einem gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus. Zetkin unterschied klar zwischen der Frauenbewegung (bürgerliche klassenübergreifende Bewegung) und der Arbeiterinnenbewegung (Bewegung der Arbeiterinnen) und argumentierte, dass „nicht die Arbeit der Frauen selbst die Löhne senkt, sondern die Ausbeutung dieser Arbeit durch die Kapitalist:innen, die sie sich aneignen“.

Der Stalinismus hat durch die Auflösung der „tugendhaften Verbindung“ zwischen Klassenkampf und Kampf gegen die Unterdrückung der Frau einen historischen Rückschlag verursacht, der die Entwicklung der Frauenbewegung sowohl in der UdSSR als auch international jahrzehntelang geprägt hat. Doch auch in der Nachkriegszeit haben subjektiv revolutionäre Marxistinnen wie Evelyn Reed und Clara Fraser diese Tradition wieder aufgenommen und die untrennbare Verbindung zwischen dem Kampf gegen alle Formen der Unterdrückung und dem antikapitalistischen Kampf verteidigt.

Die Lehre ist klar: Die echte Emanzipation von Frauen und der LGBTIAQ+-Community ist nur im Rahmen des revolutionären Kampfes gegen den Kapitalismus möglich und erfordert einen totalen Bruch mit den Verzerrungen, Methoden und frauenfeindlichen Politiklinien des Stalinismus. Nur der revolutionäre marxistische Feminismus, wie er vom Trotzkismus entwickelt wurde, bietet ein Programm, das in der Lage ist, gleichzeitig das Patriarchat und die Klassenausbeutung zu bekämpfen, um zu der einzigen Gesellschaft voranzuschreiten, in der wir frei sein können: dem Kommunismus.

Auf dem Weg zu einer revolutionären, internationalistischen und kommunistischen Strategie

Die Überwindung der geschlechtlichen und sexuellen Unterdrückung erfordert eine sozialistische, revolutionäre und antikapitalistische Strategie, die die Besonderheiten dieser Kämpfe anerkennt, sie in den Klassenkampf integriert und sie auf die strukturelle Transformation der Gesellschaft ausrichtet. Die Kämpfe von Frauen und LGBTIAQ+-Personen sind nicht zweitrangig – sie sind für die sozialistische Revolution unverzichtbar.   Das bedeutet, gleichzeitig gegen das kapitalistische System, das Patriarchat, Rassismus, Kolonialismus, Heteronormativität und alle Formen struktureller Unterdrückung zu kämpfen, mit einer Perspektive, die unmittelbare Forderungen mit einem Übergangsprogramm hin zu einer Gesellschaft verbindet, die frei von Ausbeutung und Herrschaft ist.

Dieser Kampf wird durch den Aufbau der revolutionären Partei und der Internationalen zusammengefasst und organisiert, die die einzigen Mittel sind, um diese Rechte zu erreichen und zu verteidigen. Dies ist die Leitlinie des revolutionären Feminismus und der LGBTIAQ+-Community, ohne die alles andere begrenzt und abstrakt bleibt. Reformistische oder kleinbürgerliche Strömungen sind dazu bestimmt, entweder zu scheitern oder die feministische und LGBTIAQ+-Bewegung zu verraten. Es gibt keine Möglichkeit, das Patriarchat zu besiegen, ohne das kapitalistische System zu besiegen. Und gleichzeitig gibt es keine Möglichkeit, dieses System der Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung zu zerstören, ohne eine Partei, die national und international unter einem revolutionären und sozialistischen Programm und einer entsprechenden Theorie organisiert ist. Dies ist eine grundlegende Debatte, die wir mit einem Großteil der feministischen und LGBTIAQ+-Bewegung führen, und wir müssen sie mit unserer ganzen militanten Kraft aufnehmen, um die besten Elemente der Avantgarde, die an diesen Fronten mobilisieren und handeln, in die Reihen der Partei und der Revolution zu bringen. In revolutionären Parteien debattieren und definieren die Organisationen Strategien und Leitlinien für ihr Handeln in der Realität. Es werden auch Ausschüsse oder Kommissionen eingerichtet, um Meinungen auszutauschen, Beiträge zu leisten und die von den Organisationen beschlossenen Strategien zu bereichern.

Das sexistische und LGBTIAQ+-feindliche Patriarchat muss zerstört werden. Mit dem Sozialismus wird diese historische Aufgabe beginnen, aber seine vollständige Niederlage wird nur mit der vollständigen Überwindung der Unterdrückungsverhältnisse möglich sein – also mit dem Kommunismus. Deshalb werden wir auch nach der Machtübernahme durch die Arbeiter:innenklasse und der Errichtung des Sozialismus weiterhin einen entschlossenen Kampf gegen das Patriarchat führen. Unsere feministische Politik und unser Programm müssen während des gesamten revolutionären sozialistischen Prozesses präsent sein.

Eine ständige Aufgabe innerhalb unserer Parteien und der Internationalen

Wir werden keine Gesellschaft erreichen können, in der alle Menschen gleich sind, ohne die Entschlossenheit zu zeigen, die sexuelle Ungleichheit innerhalb unserer eigenen Bewegungen zu überwinden. Wir unterstützen das Recht der Frauen innerhalb der Arbeiter:innenbewegung und der Gewerkschaften, sich unabhängig zu treffen, um Diskriminierung zu identifizieren und zu bekämpfen, sowie ihr Recht auf proportionale Vertretung in Führungsstrukturen.

Wir unterstützen auch das Recht, im Rahmen des funktionierenden demokratischen Zentralismus Kommissionen oder Aktionsfronten innerhalb revolutionärer Parteien zu gründen. Der Unterschied zwischen einer stalinistischen Sichtweise und einer trotzkistisch-bolschewistischen Perspektive auf Interventionen unter Frauen und besonders Unterdrückten liegt darin, dass für Letztere diese Intervention die Aufgabe der gesamten Partei ist, aber auch spezifische Instrumente erfordert – so wie die geschlechtsspezifische Unterdrückung spezifisch ist.

Der Stalinismus hat diese Instrumente aufgegeben. Der Kampf gegen Patriarchat, Cisheterosexismus und Kapitalismus muss im Rahmen einer revolutionären Strategie koordiniert werden, mit dem Ziel, die derzeitige Gesellschaftsordnung zu stürzen und den Sozialismus aufzubauen. Deshalb ist es notwendig, spezielle Kommissionen – auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene – zu schaffen, um in Frauenbewegungen und Bewegungen von Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihrer Rassifizierung oder ihrer Behinderung unterdrückt werden, zu intervenieren. Das ist kein liberaler Feminismus oder Identitarismus, sondern eine konkrete revolutionäre Politik, die davon ausgeht, dass die Emanzipation der Frauen und der besonders Unterdrückten kein Nebenprodukt des Kommunismus ist, sondern ein wesentliches Instrument für dessen Aufbau.

Unser Programm

Gegen Ausbeutung, für gleiche Bezahlung und gleiche Rechte! Überall auf der Welt werden Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer oder in prekäre und unterbezahlte Jobs gedrängt, die ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von Familien und Partnern erhöhen. LGBTIAQ+-Personen sind ähnlichen Formen der Ausgrenzung und Marginalisierung auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt. Echte Emanzipation kann nicht durch Sozialmaßnahmen erreicht werden, die Abhängigkeit und Unterordnung verstärken, sondern durch wirtschaftliche Unabhängigkeit, Zugang zu menschenwürdiger Arbeit und die Wiederherstellung der Arbeit„nehmer“:innenrechte. Deshalb kämpfen wir für gleiche Rechte, wo immer sie verweigert werden, und für gleiche Arbeitsbedingungen für alle. Der Kampf gegen die Unterdrückung der Geschlechter muss untrennbar mit dem Klassenkampf verbunden sein und sich gegen die vom Kapital und seinen Gewerkschaftsbürokratien aufgezwungene Fragmentierung richten. Nur wenn wir die Kontrolle über unsere eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen übernehmen, kann die Arbeiter:innenklasse den Weg zu einer sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft ebnen.

Wir fordern:

● Wir sind nicht weniger wert! Gleiche Rechte und gleiche Bezahlung für Frauen und LGBTIAQ+-Personen. Aufhebung aller Gegenreformen, die Rechte eingeschränkt haben.

● Weniger arbeiten, alle arbeiten. Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnkürzungen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen und die Arbeit neu zu verteilen.

● Beendigung der wirtschaftlichen Abhängigkeit und Armut im Alter. Ein nationales Mindesteinkommen, das automatisch an die Inflation angepasst wird, für alle garantiert ist und unter der Kontrolle von Arbeiter:innenorganisationen verwaltet wird. – Ersetzung der bisherigen alleinigen Rolle von Hausfrauen.

● Abschaffung von Zwangsarbeit und prekären Arbeitsverhältnissen. Beendigung von Sklaverei, informeller Arbeit und Ausbeutung durch öffentliche Arbeitsprogramme, die Vollzeitstellen mit angemessenen Löhnen bieten.

● Voller Schutz für Eltern. Schutz für schwangere Arbeit„nehmer“innen, Befreiung von körperlich anstrengender Arbeit, garantierte Arbeitsplatzsicherheit bei der Rückkehr und gleichberechtigter Vaterschaftsurlaub, um eine gemeinsame Verantwortung bei der Kinderbetreuung sicherzustellen.

● Keine Toleranz für Missbrauch am Arbeitsplatz. Beendigung von Belästigung, Erpressung und sexueller Gewalt am Arbeitsplatz durch von Arbeiter:innen geführte, selbstverwaltete Ausschüsse. Gewerkschaften müssen breite Kampagnen in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz zum Thema Einwilligung und gegen Sexismus durchführen.

● Sozialisierung der Reproduktions-, Pflege- und Kindererziehungsarbeit. Das heißt, dass alle reproduktiven Aufgaben wie Kindererziehung, Pflege kranker Angehöriger, Kochen oder Hausarbeit von der ganzen Gesellschaft organisiert werden und nicht mehr in den privaten Bereich (Familie) gedrängt werden, wo wir Frauen oft die zusätzliche Arbeit übernehmen müssen

● Beendigung der Doppelbelastung von Frauen durch die Sozialisierung der Hausarbeit: Für kostenlose 24-Stunden-Kinderbetreuung und einen massiven Ausbau von günstigen, hochwertigen öffentlichen Kantinen, Gemeinschaftsküchen, Restaurants und Wäschereien unter der Kontrolle der Beschäftigten!

Keine Formen von männlichem Chauvinismus und LGBTIAQ+-feindlicher Gewalt mehr

Neugestaltung dieses Abschnitts zur besseren Kategorisierung: Gewalt gegen Frauen und LGBTIAQ+-Personen ist keine Ausnahme, sondern ein struktureller Ausdruck des patriarchalisch-kapitalistischen Systems, das viele Formen annimmt. Femizide, Travestizide, sexuelle, häusliche und institutionelle Gewalt entspringen alle der Logik des Eigentums und der Herrschaft, die in der kapitalistischen Gesellschaft verankert ist, in der Beziehungen von Macht, Kontrolle und Kommodifizierung (Verwandlung von Gütern und Diensten in Waren/Bezahlung) geprägt sind.

Die Statistiken zu Morden, Vergewaltigungen und Belästigungen sind überwältigend und werden ebenso wie Todesfälle am Arbeitsplatz normalisiert. Beides sind Symptome einer Gesellschaftsordnung, die Leben, die nicht in ihre Logik der Produktion und Reproduktion passen, als entbehrlich behandelt. Liberale Demokratien, autoritäre Regime und reaktionäre Religionen halten gleichermaßen an diesem System der Herrschaft fest, greifen systematisch sexuelle und reproduktive Rechte an und verstärken gleichzeitig Narrative, die Gewalt und Ausgrenzung perpetuieren. Travestizide, Konversionstherapien, Belästigung an Schulen und am Arbeitsplatz sowie staatliche und religiöse Unterdrückung spiegeln alle dieselbe Matrix patriarchaler, LGBTIAQ+-feindlicher und kapitalistischer Unterdrückung wider.

Wir fordern:

• Öffentliche Mittel, um gegen geschlechtsspezifische Gewalt vorzugehen, keine Kürzungen bei den Sozialleistungen.

• Finanzierung von Anti-Gewalt-Zentren und Frauenhäusern für misshandelte Frauen, die von den Frauen selbst und nicht von religiösen Einrichtungen kontrolliert werden. Sichere Finanzierung für die soziale und berufliche Wiedereingliederung von Überlebenden.

• Keine Gesetze, die Frauen zwingen oder verbieten, religiöse Kleidung zu tragen. Frauen müssen das Recht haben, sich so zu kleiden, wie sie wollen.

• Die Abschaffung aller Anti-LGBTIAQ+-Gesetze und die Gewährleistung der Selbstbestimmung des Geschlechts

Sexuelle Belästigung und Gewalt prägen nach wie vor unser tägliches Leben. Entgegen dem Mythos, dass „Fremde die Gefahr darstellen“, wird die meiste Gewalt von Männern ausgeübt, die den Opfern bekannt sind. Frauen werden innerhalb der Kernfamilie, die die ideologische Säule des Kapitalismus bildet, immer noch wie Eigentum behandelt, und LGBTIAQ+-Personen sind sowohl innerhalb ihrer Familien als auch in der Gesellschaft körperlicher, sexueller, symbolischer und wirtschaftlicher Gewalt ausgesetzt.

Wir fordern:

• Die Abschaffung der elterlichen Gewalt (Patria Potestas), der Kinderheirat, der Mitgift und aller patriarchalischen Rechtspraktiken.

• Umfassende Anlaufstellen für die Meldung sexueller Gewalt und kostenlose, sofortige psychologische Unterstützung auf Anfrage.

• Die Beendigung der Behinderung von Beschwerden: Anstelle von Polizeikommissionen müssen die Ermittlungen von Ausschüssen aus Gewerkschaften und Vertreter:innen der Überlebenden überwacht werden, die uneingeschränkten Zugang zu den Ressourcen der Polizei haben. Verbot von Verhören, bei denen den Opfern die Schuld für ihre Kleidung oder ihr Verhalten gegeben wird.

• Kostenlose Rechtshilfe und Übernahme der Rechtskosten für Opfer sowie langfristige soziale Unterstützung, finanziert durch den Staat. Bezahlter Urlaub und ein inflationsindexiertes Mindesteinkommen für Überlebende.

• Sofortige Entfernung gewalttätiger Männer aus dem Haushalt. Kostenlose Rechtshilfe und geschützte Fluchtwege für Opfer, um der Gewalt zu entkommen. Ausbau von Rehabilitationsprogrammen für Täter.

Die brutale Realität von Prostitution, Menschenhandel und Pornografieindustrie offenbart ebenfalls die destruktive Logik des Kapitalismus. Einerseits sind immer mehr Menschen, vor allem Frauen, gezwungen, sich durch Sexarbeit über Wasser zu halten; andererseits werden menschliche Beziehungen zu einer Ware, was zu verzerrten und ausbeuterischen Bildern führt. Das heißt nicht, dass wir Sexarbeit kriminalisieren wollen. Wir kämpfen stattdessen für Arbeit„nehmer“:innenrechte, soziale Ausstiegsmöglichkeiten und eine Welt, in der Sexualität wirklich frei ist.

Wir fordern:

• Verbieten von Zuhälterei und Menschenhandel; Beschlagnahmung von Vermögen und Gewinnen und Übertragung der Kontrolle über ihre Arbeitsbedingungen an Sexarbeiter:innen.

• Kostenlose Gesundheitschecks und Verhütungsmittel. Finanzierte Programme für den freiwilligen Ausstieg aus der Prostitution durch Bildung, Ausbildung und sozial nützliche Jobs, die aus Unternehmensgewinnen bezahlt werden.

• Gewerkschaftsbildung von Sexarbeiter:innen.

• Kontroll- und Vetorechte der Arbeiter:innen über diskriminierende Pornografie und sexistische Werbung.

Angesichts dieser Barbarei reichen Gesetzesreformen und kultureller Wandel nicht aus. Wir müssen die patriarchalische, heteronormative Familie als ideologischen Grundpfeiler des Systems abschaffen, die Pflegearbeit sozialisieren und echte Selbstbestimmung über unseren Körper und unsere Wünsche sichern. Nur eine sozialistische Revolution – die Abschaffung des Privateigentums und die Planung der Wirtschaft nach menschlichen Bedürfnissen, nicht nach Profit – kann eine Gesellschaft schaffen, die frei von geschlechtlicher und sexueller Unterdrückung ist.

Wir fordern:

• Von Arbeiter:innen geführte, selbstverwaltete Organisationen zur Bekämpfung von Gewalt am Arbeitsplatz.

• Einen garantierten Weg für Überlebende hetero-cis-patriarchaler Gewalt, der die Meldepflicht ablehnt

• Ein Ende der Frauenmorde durch proletarische, antipatriarchale Selbstorganisation.

• Umfassende Aufklärung über Geschlecht, Sexualität, Einwilligung und Behindertenrechte, organisiert von Gewerkschaften und Frauenorganisationen in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz.

• Gegen jede geschlechtsspezifische und LGBTIAQ+-Gewalt in Situationen von Krieg, Migration und Klimakrise. Für einen sozialistischen, antiimperialistischen, antirassistischen und antikolonialen Feminismus

Imperialistische Kriege zerstören Bevölkerungen zum Vorteil des globalen Kapitals. Frauen und LGBTIAQ+-Personen sind Ziele sexueller Gewalt, Zwangsvertreibung und militarisierter Unterdrückung. Kriegswirtschaften normalisieren geschlechtsspezifische Gewalt, zerstören das soziale Leben und verstärken den Autoritarismus. Von Gaza bis zur Ukraine, vom Sudan bis zum Jemen profitieren kapitalistische Staaten und die Rüstungsindustrie vom Blutvergießen. Der patriarchalische Militarismus unterdrückt Vielfalt und nutzt Männlichkeit als Mittel der Kontrolle.

Unsere Partei lehnt jeden Versuch ab, die Arbeiter:innenklasse durch rassistische Grenzpolitik, kulturellen Nationalismus oder Arbeitssegmentierung zu spalten. Migrantische Arbeiter:innen müssen aktive Akteur:innen beim Aufbau einer revolutionären Politik sein.     Indigene, Bäuer:innen und Arbeiterinnen organisieren sich gegen Bergbau, Abholzung und Wasserprivatisierung. Ihr ökologisches Wissen und ihre Organisationsfähigkeit sind unverzichtbar.

Die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen und LGBTIAQ+-Personen verschärft sich, wenn sie zusätzlich unter rassistischer und kolonialer Unterdrückung leiden. Schwarze, indigene, rassifizierte Frauen und Frauen aus kolonialisierten oder halbkolonialisierten Ländern sind mehrfacher Unterdrückung ausgesetzt, die sie in Situationen extremer Ausbeutung und Gewalt durch Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus und Kolonialismus bringt.

Wir fordern:

● Unterstützung für antimilitaristischen, feministischen und Arbeiterinnen-Widerstand in Kriegsgebieten. Für demokratisch organisierte Selbstverteidigungskomitees der Bevölkerung, die auch Zugang zu Waffen haben und humanitäre Hilfsgüter demokratisch verwalten!

● Nein zu imperialistischen Kriegen, Sanktionen und Blockaden. Weg mit allen imperialistischen Besatzungen wie der Russlands in der Ukraine und zuvor in Tschetschenien, der Besatzungen der NATO-Mächte in Afghanistan und im Irak, der Besetzung Palästinas durch Israel und der Blockade Kubas, Irans, Nordkoreas und Venezuelas durch die USA. Wir unterstützen den Widerstand gegen all diese Besatzungen und Blockaden.

● Nichtzahlung öffentlicher Schulden an Finanzinstitute und internationale Banken

● Nein zum Zionismus, nein zum genozidalen Pinkwashing der Zionist:innen und jeder anderen imperialistischen Intervention unter dem Vorwand der Demokratie, der Rechte von Frauen oder LGBTIAQ+!

● Umleitung der Militärbudgets in die Pflegeinfrastruktur, ökologische Wiederherstellung und Investitionen in Bildung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung für rassifizierte Gemeinschaften.

● Gewährung von Asyl und Staatsbürgerschaft, Öffnung aller Grenzen, Abschaffung aller Kontrollen: Freizügigkeit für alle, die Arbeit oder Asyl suchen, Gewährung der vollen Staatsbürgerschaft, Sozialleistungen, Wohnraum und Arbeitsrechte für alle, die vor Diktaturen, brutalen Kriegen, Unterdrückung aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Geschlechtsidentität und Armut in ihren Herkunftsländern fliehen.

● Alle Kontrollen abschaffen, die die Freizügigkeit von Arbeitssuchenden verhindern, und stattdessen ihnen die volle Staatsbürgerschaft, Sozialleistungen, Wohnraum und Arbeitsrechte gewähren.

● Volle Rechte auf Arbeit, Organisation und Zugang zu Dienstleistungen, unabhängig vom rechtlichen Status.

● Wege zur Staatsbürgerschaft ohne kulturelle Assimilation oder wirtschaftliche Bedingungen.

● Grenzüberschreitende gemeinsame Organisation von Migrant:innen und einheimischen Arbeit„nehmer“:innen.

● Universeller Arbeitsschutz für Arbeitsmigant:innen, einschließlich Gewerkschaftsrechten.

● Einbeziehung von Migrant:innen in die Sozialpolitik, Entscheidungsfindung und Wohnungsbauprogramme.

● Mehrsprachige öffentliche Dienste, die auf die Bedürfnisse von Migrant:innen zugeschnitten sind.

● Ein gerechter ökologischer Wandel unter der Führung der betroffenen Gemeinden. Schutz der ökologischen Selbstverwaltung indigener Völker.

● Verstaatlichung der Rohstoffindustrie und der fossilen Brennstoffe unter der Kontrolle der Arbeiter:innen.

● Ökosozialistische Produktion, die sich an den Bedürfnissen der Gemeinschaft orientiert und nicht am Profit.

● Wiedergutmachung für Sklaverei, Kolonialismus und strukturellen Rassismus. Umverteilung des durch den Kolonialismus geraubten Reichtums.

● Abschaffung rassistischer Polizeikräfte und Gefängnisinstitutionen. Einrichtung einer Arbeiter:innenmiliz unter der direkten Kontrolle von Arbeiter:innenräten.

● Antirassistische politische Bildung, die auf allen Ebenen der sozialistischen Bewegung integriert ist.

● Selbstbestimmung für kolonisierte Nationen und indigene Völker.

Gegen reaktionäre und konservative Angriffe der extremen Rechten

Die extreme Rechte und Faschist:innen verfolgen eine systematische Politik der Angriffe auf die errungenen demokratischen Rechte und greifen mit konservativen und reaktionären Diskursen und Politik die Rechte von Frauen und LGBTIAQ+-Personen an. Daher muss unser Programm in dieser Phase Slogans enthalten, die auf diese Angriffe reagieren und unsere Politik zum Ausdruck bringen, dieser reaktionären Offensive entgegenzutreten und sie zu besiegen.

Wir fordern:

● Die Abschaffung von Zivil- und Familiengesetzen, die aus religiösen Gründen gespalten sind. Für ein einheitliches, säkulares Gesetzbuch in allen Ländern.

● Volle Rechte für LGBTIAQ+-Personen, einschließlich der gesetzlichen Rechte auf Lebenspartnerschaft und Ehe.

● Das Recht von LGBTIAQ+-Personen, Kinder zu erziehen.

● Die Abschaffung aller Gesetze, die LGBTIAQ+-Personen pathologisieren, und die Schaffung geschützter, freier und garantierter Wege zur Selbstbestimmung.

● Kein Verbot, Menschen über ihre sexuelle Orientierung aufzuklären. Keine Einmischung in das Sexualleben mündiger Erwachsener. Für die freie Ausübung aller Formen von Sexualität und Beziehungen.

● Die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung und patriarchalischer Gewaltpraktiken gegen den Körper von Frauen.

Für das Recht, über unseren Körper und unser Leben selbst zu bestimmen. Für eine umfassende Gesundheitspolitik

Die Auferlegung der obligatorischen Mutterschaft steht in direktem Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung des Privateigentums, wodurch Menschen mit Gebärmutter zu Fortpflanzungsinstrumenten und mit unsichtbarer und unbezahlter Pflegearbeit überlastet werden, die das kapitalistische System aufrechterhält. Wir setzen uns für Abtreibung als Frage der öffentlichen Gesundheit, der reproduktiven Gerechtigkeit und der Menschenrechte ein.                   Die Kriminalisierung von Abtreibung ist eine Form der Gewalt und betrifft vor allem schwarze, indigene, migrantische und arme Frauen aus der Arbeiter:innenklasse, denen dadurch die Selbstbestimmung über ihr Leben genommen wird. Wir kämpfen auch dafür, dass die Legalisierung der Abtreibung nicht der Bourgeoisie zugutekommt, die von der Privatisierung des Gesundheitswesens profitiert, sondern dass sie ein universelles Recht ist, das durch ein öffentliches, für alle Menschen zugängliches System garantiert wird.

Wir fordern:

● Legale, sichere, kostenlose, freiwillige und vom öffentlichen Gesundheitssystem finanzierte Abtreibung.

● Allgemeine sexuelle und reproduktive Gesundheit, mit Blick auf Geschlechter- und sexuelle Vielfalt.

● Humanisierte Geburt. Kampf gegen geburtshilfliche und frauenfeindliche Gewalt in der medizinischen Versorgung von Frauen.

● Kostenlose, zugängliche und garantierte Verhütung.

● Wirksame Unterstützung für Mütter durch die Sozialisierung von Pflegeaufgaben und angemessene Einrichtungen zur Unterstützung von Müttern.

● Die Abschaffung aller Gesetze, die die Entscheidungen von Frauen und LGBTIAQ+-Personen über ihren Körper behindern.

● Die Entfernung religiöser Institutionen und Praktiken aus Gesundheitsberatungsstellen und Krankenhäusern.

● Öffentliche Maßnahmen, um den Bedürfnissen von Frauen und Dissident:innen im Alter gerecht zu werden.

Trennung von Staat und allen religiösen Grundlagen

Die Institutionen und Gesetze des bürgerlichen Staates zielen darauf ab, Ausbeutung und patriarchale Unterdrückung zu garantieren, mit frauenfeindlichen, homophoben und transphoben Merkmalen, die ihn ausmachen. Die katholische Kirche hat, wie auch andere, eine direkte Beziehung zum Staat, der ihr Hauptfinanzierer ist. Kirchen haben die Macht, innerhalb des Staates zu handeln, indem sie patriarchale Unterdrückung über Frauen und die LGBTIAQ+-Gemeinschaft ausüben.

Wir fordern:

● Die Abschaffung aller staatlichen Finanzhilfen für religiöse Organisationen in jeglicher Form.

● Eine echte umfassende Sexualerziehung, wissenschaftlich und ohne Einmischung der Kirche.

● Nein zu Gewalt durch reaktionären und religiösen Fundamentalismus: Abschaffung des Schleiergesetzes und aller segregierenden Gesetze in theokratischen Ländern, Wahlfreiheit für Frauen.

● Abschaffung von Zivil- und Familiengesetzen, die nach religiöser Identität unterteilt sind. Für ein einziges säkulares Gesetz in allen Ländern.

● Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Familien, volle Anerkennung der Rechte von Kindern und Familien für alle, Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Familien.

Gewerkschaften

Gewerkschaften sind eine der wichtigsten Ausdrucksformen der Arbeiter:innenbewegung – aber oft sind sie nicht demokratisch aufgebaut. Vor allem in imperialistischen Ländern müssen wir gegen die Gewerkschaftsbürokratie kämpfen, die oft eine Politik der Klassenkollaboration verfolgt. Damit fördert sie Rassismus, Sexismus und andere Spaltungen innerhalb unserer Klasse. Deshalb kämpfen wir, wo immer möglich, für ihre Demokratisierung – einschließlich der Wahl und jederzeitigen Abberufbarkeit von Funktionär:innen und der direkten Rechenschaftspflicht der Streikführung gegenüber den Streikenden selbst.

Wir fordern:

● Das Recht auf separate Treffen und Strukturen für sozial unterdrückte Gruppen – Frauen, junge Menschen, Migrant:innen, Schwule, Lesben, trans und nichtbinäre Menschen sowie Menschen mit psychischen Problemen – ohne jegliche Bevormundung durch den Apparat! Für den aktiven Kampf zur Organisierung dieser Gruppen und gegen jede rassistische, sexistische oder homophobe Diskriminierung!

● Für das Recht der Mitglieder einer bestimmten Branche, sich in Fachstrukturen zu organisieren! Dazu gehört auch die Organisation von Kampagnen in Sektoren mit geringer Gewerkschaftsmitgliedschaft (wie prekär Beschäftigte, Beschäftigte in der Dienstleistungs- und Hightech-Branche sowie Frauen). Es bedeutet auch, Arbeitslose und Unterdrückte aktiv zu organisieren und ihnen volle Mitgliedschaftsrechte in Gewerkschaften zu geben!

Für die weltweite sozialistische Revolution

Der revolutionäre marxistische Feminismus und die LGBTIAQ+-Bewegungen wirken unter Frauen und LGBTIAQ+-Personen, indem sie ihre Befreiung mit dem Sturz der bürgerlichen Gesellschaft in allen Ländern und auf globaler Ebene verbinden. Nur der Sturz der bürgerlichen Gesellschaft kann Frauen und LGBTIAQ+-Personen befreien, die besonders unter kapitalistischer Ausbeutung, familiärer Arbeitsunterdrückung und Pflegeaufgaben (Sozialisierung der Hausarbeit) sowie den tausend Vermächtnissen patriarchalischer Traditionen leiden.

Daher ist ihr wichtigster sozialer Bezugspunkt die Arbeiter:innenklasse im Allgemeinen, die vom Imperialismus unterdrückten Völker und insbesondere das weibliche Proletariat und die Masse der unterdrückten Frauen – sowohl in imperialistischen als auch in abhängigen Ländern. Unser strategisches Ziel ist eine Welt ohne Ausbeutung, ohne Unterdrückung und ohne nationale Grenzen – eine kommunistische Welt. Wir kämpfen für die Herrschaft der Arbeiter:innenklasse. Wir kämpfen für den Aufbau einer internationalen Organisation, die das Werkzeug sein wird, um den Kapitalismus zu besiegen und eine sozialistische, feministische und vielfältige Gesellschaft aufzubauen.

Unser Ziel ist eine multiethnische, internationalistische Bewegung der Arbeiterinnen und LGBTIAQ+, die in der Einheit mit den breiteren Kämpfen der gesamten Arbeiter:innenklasse verwurzelt ist. Unsere Befreiung wird gemeinsam erreicht werden, als Teil der kollektiven Emanzipation der Menschheit.

  • Es lebe die sozialistische feministische und LGBTIAQ+-Revolution!
  • Es lebe der proletarische Internationalismus!
  • Es lebe die internationale sozialistische Revolution!

Verabschiedet vom III. Weltkongress der ISL, Dezember 2025

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