Warnstreik bei Lufthansa: Völlig berechtigt und längst überfällig!

Deutsch: Felix Gottwald - www.felixgottwald.net (Derzeit befinden sich 22 Bilder in meiner Kategorie)English: Felix Gottwald - www.felixgottwald.net (There are 22 Pictures in my Category), CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons

Mattis Molde, Infomail 1194, 26. Juli 2022

Die Medien heulen auf: „Gerade jetzt! Trifft die falschen! Ver.di verantwortungslos!“ Und dann kommen sie nicht umhin zuzugeben, dass alleine die Lufthansa (LH) bereits 6.000 Flüge in diesem Sommer gestrichen hat. An den Flughäfen herrscht sowie schon Chaos, weil massenhaft Personal fehlt, besser gesagt entlassen worden war von der Lufthansa und den anderen tollen Unternehmen, die sich die Profite und Subventionen teilen.

Bei den rund 20.000 Beschäftigten des Bodenpersonals werden Löhne überwiegend im Niedriglohnbereich gezahlt. So gibt es Tarife, die noch unter 12 Euro liegen, also demnächst unter dem Mindestlohn. Sehr erfolgreich haben die Airportmanager:innen seit Jahren durch Ausgliederungen, Subunternehmertum und starken Druck auf die Beschäftigten in den letzten Jahren die Löhne unten gehalten und teilweise gekürzt. Im Grunde sind die 9,5 %, und mindestens 350 Euro/ Monat mehr noch zu wenig. Die Forderungen sind also völlig berechtigt, sie müssen voll durchgesetzt werden!

Es ist auch völlig richtig, den Streik dann zu führen, wenn er am wirkungsvollsten ist. Nein, es sind nicht die Gewerkschafter:innen, die „schamlos“ die Situation ausnutzen, es waren die Bosse, die hemmungslos die Pandemie ausgenutzt haben, um Tausenden die Arbeit zu streichen und Löhne zu drücken.

Ja tatsächlich, die „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“ (BDA) redet von schamlos. Im Handelsblatt (https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaft-arbeitgeberverband-aeussert-scharfe-kritik-an-warnstreik-bei-lufthansa/28547404.html) springt Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter dem Konzern bei und wirft sich ebenso geschickt wie demagogisch für die Kund:innen in die Bresche: „Die Lufthansa und vor allem deren Passagiere mit Lohnforderungen mitten im Sommer zu belasten, ist absolut unverhältnismäßig. Hier wird der nachvollziehbare Urlaubswunsch der Menschen schamlos ausgenutzt, um einen Vorteil zu erlangen.“

Diesem Wortführer des Großkapitals geht es weder um „Scham“ noch um „Menschen“: Ein erfolgreicher Arbeitskampf bei der Lufthansa mit einem ordentlichen Ergebnis kann noch viele andere Tarifrunden beflügeln und generell die ganze lohnabhängige Klasse, die schwer unter den Lasten von Krise und Krieg leidet.

Deshalb springt er dem LH-Management zur Seite, will, dass es hart bleibt, auch wenn so das Chaos an den Flughäfen verstärkt wird. Bemerkenswert an dieser Stelle ist auch, wie wenig die einzelnen Unternehmen wie die LH sowie das Kapital insgesamt einen Plan haben, Verkehr und Mobilität flüssig und effizient zu gestalten – umweltgerecht und zukunftsträchtig schon gar nicht.

Für die „Menschen“ oder wie es der T-online-Kommentar präziser benennt diejenigen, „die unter denselben Bürden leiden wie die Streikenden selbst – Inflation und hoher Arbeitsbelastung“, ist dieser Streik eben keine „Belastung“, selbst wenn sie am Flughafen warten müssen, sondern ein Aufruf zur Solidarität und dazu, selbst aktiv zu werden gegen Inflation und Krisenlasten. Wir alle brauchen eine Massenbewegung gegen Inflation, Krieg und Krise.

Vor dieser haben Kampeter und der BDA, die Politiker:innen und besorgten Kommentator:innen Angst!

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