Arbeiter:innenmacht

Nordirland: Stoppt die rassistischen Pogrome

Rebecca Anderson, Infomail 1312, 16. Juni 2026

Dies ist der dritte Sommer in Folge, in dem es im Norden Irlands zu rassistischen Pogromen gegen schwarze und Migrant:innengemeinschaften gekommen ist. Am 9. Juni traten in Ost- und Nord-Belfast Hunderte maskierter Männer in einem geplanten, koordinierten Angriff Türen ein und brannten Häuser ethnischer Minderheiten nieder. Es kam zu weiteren Zusammenstößen mit der Polizei und zu Schäden am öffentlichen Nahverkehr in vorwiegend loyalistischen/unionistischen Gebieten von Belfast sowie in anderen Teilen des Nordens. Dies folgte auf den Brandanschlag vom vergangenen Samstag auf das Geschäft eines asiatischen Ladenbesitzers in der Shankill Road.

Auslöser für den jüngsten Pogrom war angeblich eine brutale Messerattacke eines sudanesischen Migranten auf einen Mann aus Nord-Belfast. Natürlich verurteilt jede/r einen solchen Angriff, aber die Loyalist:innen und die extreme Rechte wollen die Geschichte verbreiten, dass all das auf die „Invasion“ unserer Küsten durch Migrant:innen zurückzuführen sei. Ihr selektiver Umgang mit Kriminalität steht in krassem Gegensatz zu ihrem Schweigen über die unverhältnismäßig hohe Zahl von Frauenmorden im Norden. Es ist auch ironisch, dass diese paramilitärischen Schläger:innen ganz ungeniert die Tradition des loyalistischen Terrors gegen nationalistische Gebiete feiern, einschließlich ihrer eigenen sadistischen Killerbande aus den 1970er Jahren, der „Shankill Butchers“.

Dieser rassistische Aufschwung der letzten Jahre hängt sehr stark mit dem weltweiten Aufstieg der extremen Rechten und der hetzerischen Sprache rechtsextremer Politiker:innen zusammen. Die spezifische Natur und die Ursprünge des konfessionell gespaltenen Staates im Norden haben jedoch einen nahtlosen Übergang von anti-irischer, katholischer Bigotterie zu Hass gegen Migrant:innen ermöglicht. Obwohl in nationalistischen Gebieten auch rassistische Fanatiker:innen vorhanden sind, gibt es dort viele Aktivist:innen aus der Community, Republikaner:innen und Sozialist:innen vor Ort, die auf ethnische Minderheiten zugehen. Das Fehlen aktiver Opposition in loyalistischen Gebieten gegen rassistische Pogrome ist ein Symptom dieser konfessionell geprägten Geschichte. Das stellt ein riesiges Problem für diejenigen dar, die mutig genug sind, gegen die erstickende Hand der loyalistischen Paramilitärs in ihren Gegenden anzukämpfen.

Soziale Medien spielen eine enorme Rolle bei der Mobilisierung der extremen Rechten, einschließlich Anleitungen, wie sich Randalierer:innen vor der Polizei tarnen können. Die Drohungen, die Pressekommentator:innen in dieser Nacht erhielten, waren erschreckend. Accounts auf dem Provider X riefen am Morgen nach der Messerattacke zum Handeln auf, mit Rufen wie „Der Bürgerkrieg kommt“. Es wurden Listen mit Straßensperren und der Aufforderung „Alle Geschäfte müssen bis 17:30 Uhr schließen“ weit verbreitet. Der Faschist Tommy Robinson (bewarb die Protestorte vor 8,5 Millionen Zuschauer:innen und zeigte dabei auch ein KI-Bild eines Feuerwehrmanns, der sich vor einem brennenden Haus hämisch freut, während ein schwarzer Mann um Gnade fleht. X-Boss Musk fügte hinzu: „Nur wenn wir wiederholt und laut protestieren, wird es Veränderungen geben.“

Während sich die beiden reaktionären Parteien DUP (Democratic Unionist Party) und die TUV (Traditional Unionist Voice) heuchlerisch beeilen, von „Gewalt“ zu distanzieren, werden sie versuchen, aus diesem Vorfall Kapital zu schlagen, um strengere Einwanderungskontrollen durchzusetzen. Der Vorsitzende der DUP, Gavin Robinson, hat gefordert, die „offene, durchlässige Grenze“ zwischen der Republik und dem Norden zu schließen. Dies wurde von der TUV und dem Daily Telegraph unterstützt, wobei Badenoch (schottischer Distrikt) Starmer anfleht, „unsere Grenzen zu sichern“. Die zur Labourparteispitze gehörende Anna Turley versichert uns allen, dass der gemeinsame Reiseverkehr zwischen Irland und Großbritannien nicht als „Hintertür zur Ausnutzung des Asylsystems“ genutzt werden wird. All das ist ein Affront gegen das gesamte irische Volk und dessen jahrhundertealte Forderung, jegliche britische Grenze auf ihrer Insel abzuschaffen. Vielleicht bedeutete der Brexit ja wirklich eine „harte Grenze“!

Wieder einmal sehen wir, wie die extreme Rechte vorprescht und das gesamte Parteienspektrum von der DUP bis zur Labourpartei kleinmütig hinterherläuft. Keine/r ist bereit zu argumentieren, dass Migration nicht das Hauptproblem der Arbeiter:innenklasse ist. Arbeitsmigrant:innen sind nicht keine Feind:innen, sondern Klassenbrüder und –schwestern“! Die Bosse, die über ein zerfallendes Gesundheitssystem sowie eine Lebenshaltungs- und Wohnungskrise herrschen, sind unsere Feind:innen. Es ist Zeit, dass eine geeinte Arbeiter:innenklasse für eine Welt ohne Grenzen und ohne Profit als oberste Priorität kämpft.

Wehrt euch jetzt!

Die Aussicht auf weitere Pogrome hängt schwer über dem Norden, während die Marschsaison beginnt, wo rechte, pro-britische Union:innen die koloniale Herrschaft Britanniens feiern. Der nördliche Staat mit seinem eigenen konfessionellen Hintergrund und seinem anhaltenden Versagen, Migrant:innengemeinschaften zu schützen, wird der Aufgabe einer angemessenen Verteidigung nicht gewachsen sein. Ganz einfach bedeutet das, dass Organisationen der Arbeiter:innenklasse die Führung bei der Bekämpfung von Konfessionalismus und Rassismus übernehmen müssen. Das bedeutet, Selbstverteidigungsorganisationen aufzubauen, sei es auf Gemeinde- oder Arbeitsplatzebene, und solidarisch mit anderen Migrant:innen zu stehen. Das ist keine ultralinke Pose, sondern eine brennende Notwendigkeit, deren Fehlen weitere Pogrome und Angriffe garantieren wird!

Gewerkschaften müssen im Mittelpunkt einer solchen Kampagne stehen – nicht nur zur Verteidigung der Arbeiter:innenklasse gegen rassistische Angriffe, sondern sie sollten auch einen militanten Klassenkampf zur Verteidigung öffentlicher Dienstleistungen, zur Sicherung der Lebenshaltungskosten der Arbeiter:innen und für mehr Investitionen in den Wohnungsbau führen. Das ist der beste Weg, um die Einheit der Arbeiter:innenklasse zu stärken und den Argumenten der Anti-Einwanderungs-Lobby und ihren spaltenden Machenschaften entgegenzuwirken.

UNISON, die größte britische Einzelgewerkschaft, die vorwiegend Beschäftigte im Gesundheitswesen und im öffentlichen Dienst organisiert, hat über eine ganze Reihe von Angriffen auf ihre Mitglieder berichtet, darunter auch, dass sie von Selbstjustizler:innen angehalten und nach ihrer ethnischen Herkunft gefragt wurden. Sie fordern Schutzmaßnahmen für Beschäftigten am Arbeitsplatz sowie auf dem Weg zur und von der Arbeit. UNITE, die zweitgrößte britische Einzelgewerkschaft, die vorwiegend Beschäftigte in der Privatwirtschaft wie Stahl, Metall und Transport organisiert, hat erfolgreich auf eine vorübergehende Aussetzung des öffentlichen Nahverkehrs gedrängt, um die Fahrer:innen zu schützen. NIPSA, Gewerkschaft im öffentlichen Dienst Nordirlands, hat zum „Aufruf der Arbeiter:innenklasse gegen die Rassist:innen“ aufgefordert, und sollte die rassistische Gewalt anhalten, werden Arbeitsniederlegungen organisiert. All das ist ein Schritt nach vorne, aber der Bedarf an Verteidigungsorganisationen ist gerade jetzt von größter Bedeutung.

People before Profit in Belfast hat in einem Brief an das Nordirland-Komitee des Irish Congress of Trade Unions (ICTU) ganz zu Recht dringende Maßnahmen der Gewerkschaftsbewegung gefordert, um „Demonstrationen, Aktionen in den Gemeinden und Arbeitsniederlegungen“ zu organisieren. Es ist richtig, unsere Führungskräfte zum Handeln aufzufordern, und wo sie versagen, müssen wir uns auf der Basis organisieren – notfalls ohne sie – und jetzt Solidarität und Verteidigung im Kampf gegen die extreme Rechte aufbauen. Die Unterstützung des NIC – ICTU für die „Unite Against Racism“-Demonstrationen am 13. Juni Samstag in Belfast und Derry muss in eine Massenwelle der Mobilisierung der Arbeiter:innenklasse gegen die Rassist:innen umgewandelt werden.

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