Arbeiter:innenmacht

Wasserkrise trifft vor allem Frauen am härtesten

Dilara Lorin, Fight! Revolutionärer Frauenzeitung 14, März 2026

Wasser ist die Grundlage allen Lebens – für Menschen, Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme. Ohne Wasser kein Leben, das ist klar. Doch der Klimawandel lässt Flüsse versiegen, Grundwasserstände sinken und international nehmen Dürren, Überschwemmungen und Starkregen zu. In Ländern wie Pakistan oder Brasilien kommt es immer häufiger zu verheerenden Fluten, bei denen Häuser, Felder und Lebensgrundlagen verloren gehen. Auch in Deutschland zerstören extreme Wetterlagen Wälder, Felder und ganze Ortschaften. Doch Konsequenzen bleiben aus.

Während Regierungen die Geldhähne lieber für Profite aufdrehen als für Menschenleben, rinnt uns das Wasser buchstäblich durch die Finger. Zeitgleich bleibt Katastrophenschutz unterfinanziert, während Milliarden ins Militär fließen. Wir wollen im Folgenden fragen:

Wie treffen Wasserknappheit und Überschwemmungen besonders Frauen, arme Menschen und marginalisierte Gruppen? Und vor allem: Wie können wir verhindern, dass Wasser Luxus wird – und stattdessen allen Leben schenkt?

Aktuelle Krise

Schon jetzt leben rund zwei Milliarden Menschen in Regionen, die mehrere Tage bis Wochen im Jahr lebensfeindliche Bedingungen aufweisen. Die Dimension der Wasserkrise ist für viele, die nicht dort leben, nicht komplett fassbar. Sie betrifft Ernährung, Gesundheit, Hygiene, Landwirtschaft und Energieversorgung. Dürren führen zu Ernteausfällen, Hungersnöten und Preisanstiegen; fehlendes sauberes Wasser begünstigt Krankheiten; Wasserknappheit verschärft bestehende Ungleichheiten massiv. Bereits 2019 erklärte das Weltwirtschaftsforum Wasserknappheit zur größten Gefahr des kommenden Jahrzehnts. Die globale Nachfrage dürfte innerhalb der nächsten 15 Jahre das verfügbare Wasser um 40 % übersteigen.

2,1 Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Finanzkapital und Konzerne haben das erkannt: Nutzungsrechte für Wasser, Staudämme, Aquädukte und Grundwasser werden zunehmend privatisiert. Besonders sichtbar wird dies über die Flaschenwasserindustrie, die in Ländern wie den USA, Spanien, Südafrika oder dem Iran boomt.

Besonders betroffen: Frauen!

Rund 1,1 Milliarden Frauen und Mädchen weltweit haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Dabei ist klar: Akut betroffen sind Frauen in Ländern der halbkolonialen Welt, wo unzureichende Infrastruktur, Armut und Klimakrise zusammentreffen. Sie verschärft bereits bestehende Formen sozialer Unterdrückung, da sich verschärfende Wasserknappheit nahezu alle Bereiche ihres Lebens betrifft und sie zusätzlich täglich in Lebensgefahr bringt.

Carearbeit: In Regionen ohne Wasserinfrastruktur übernehmen überwiegend weibliche Familienmitglieder die Wasserbeschaffung, oft über weite Wege. In der Subsahara summiert sich dies beispielsweise auf jährlich 40 Milliarden Stunden – die Arbeitszeit der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung Frankreichs! Die zeitaufwendigen Wege zur Wasserbeschaffung bedeuten für viele Frauen und Mädchen, dass sie nicht zur Schule gehen oder keiner Lohnarbeit nachgehen können. Finanzielle Unabhängigkeit und Bildung bleiben dadurch vielen verwehrt. Damit werden sie aus gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen herausgedrängt, da ihnen dafür schlicht die Zeit fehlt, ein Zustand, der dem Patriarchat direkt zugutekommt.

Körper, Gesundheit und Ernährung: Wasserknappheit betrifft Menstruationshygiene, Schwangerschaft und Geburt massiv. Unsicheres, verschmutztes – oder einfach zu wenig Wasser – erhöhen das Risiko für Infektionskrankheiten und Komplikationen während Schwangerschaften und Geburten. Wenn Wasser rationiert werden muss, steigen zudem die Lebensmittelpreise. Frauen essen in vielen Haushalten zuletzt oder weniger – das verstärkt Unterernährung und Gesundheitsprobleme.

Gewalt: Der mangelhafte Zugang zu Wasser trägt zudem zu einem Anstieg häuslicher Gewalt bei. Eine Studie der IUCN (International Union for Conservation of Nature; offiziell: International Union for Conservation of Nature and Natural Resources; deutsch: Internationale Union zur Bewahrung der Natur) zu Äthiopien zeigt, dass Frauen körperliche Gewalt erfahren, wenn sie aus Sicht der Männer nicht ausreichend Wasser beschaffen oder dafür „zu viel Zeit“ benötigen. Eine Studie aus Pakistan macht dies anhand von Zahlen deutlich: 80 Prozent der Frauen, die ihr Grundstück verlassen, um Wasser zu beschaffen, erfahren Gewalt. In Indien werden insbesondere Frauen diskriminierter Kasten und Minderheiten beim Wasserholen belästigt oder bewusst erniedrigt – und das lässt vermuten, dass auch sexuelle Gewalt sich verstärken wird.

Wasserkrise: lebensnotwendige Ressource wird zum kapitalistischen Gut

Die globale Wasserkrise ist kein abstraktes Problem – sie entsteht auf der Ebene von Geosphäre und Ökosystemen. Klimawandel, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster führen zu Dürren, Überschwemmungen und der Versalzung von Böden. Bis 2037 wird die globale Durchschnittstemperatur voraussichtlich um 2 °C steigen, bis 2048 auf 2,5 °C. Wärmere Luft speichert mehr Wasser, wodurch Niederschläge seltener, aber extremer werden. Wetterlagen verharren länger, Böden speichern Wasser schlechter, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit geraten unter Druck.

Die Krise ist keine „natürliche“ Folge, sondern Resultat kapitalistischer Ausbeutung – des Umweltimperialismus. Reiche Länder verlagern ökologische Kosten systematisch in Halbkolonien, wo wasserintensive Rohstoffe und energieintensive Industrien angesiedelt werden, während imperialistische Zentren hochprofitables, sauberes Know-how kontrollieren. Megastädte und intensive Landwirtschaft im Globalen Süden belasten Wasserressourcen stark, privatisierte/s Aquädukte, Grundwasser und Staudämme verschärfen die Ungleichheit. Globale Lieferketten verlagern umweltschädliche Produktion in abhängige Länder, während die imperialistischen Zentren saubere Dienstleistungen und Technologie konzentrieren.

Die sozialen Folgen sind gravierend: Über zwei Milliarden Menschen leben in Regionen mit lebensfeindlichen Bedingungen, drei Viertel der Weltbevölkerung sind dauerhaft von Wasserknappheit betroffen, 2,1 Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Dürren zerstören Ernten und treiben Nahrungsmittelpreise, Überschwemmungen Infrastruktur und Wohnraum. Wasser wird zunehmend zur Ware für wenige, während die Mehrheit kaum Zugang hat. Die Krise spiegelt globale Ungleichheit, Klassenverhältnisse und die kapitalistische Logik der Ressourcenausbeutung wider: Wasser ist Lebensgrundlage und dient aber gleichzeitig zur Profitmaximierung. So ist es kein Wunder, dass dadurch auch weitere Unterdrückungsverhältnisse verstärkt werden.

Umwandlung der Produktion: Planwirtschaft!

Angesichts der sich verschärfenden Folgen ist es notwendig, für eine Welt zu kämpfen, in der nicht ein kleiner Teil der Gesellschaft verschwenderisch Gärten bewässert, Pools füllt und sich keine Gedanken über Herkunft und Verfügbarkeit von Wasser macht, während große Teile der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trink- oder Sanitärwasser haben und dafür täglich Risiken eingehen müssen. Die letzten Jahre haben gezeigt: Während Teile des Kapitals zeitweise von einem „Green New Deal“ sprachen – der die Krise ohnehin nicht gelöst hätte –, ist mit dem Aufschwung der Rechten das politische Schweigen zum Klimawandel zurückgekehrt. Sparzwang, Aufrüstung und geopolitische Konkurrenz verschieben ökologische Fragen systematisch nach hinten.

Es ist klar: Um die drohende ökologische und soziale Barbarei abzuwenden, braucht es einen globalen Kampf für eine sozialistische Umwälzung. Notwendig wäre eine Welle von Revolutionen, die Großkonzerne, Agrar- und Industriekapital enteignet und unter demokratische Kontrolle der Arbeiter:innen stellt. Denn es sind gerade diese Unternehmen, die Produktion organisieren, Ressourcen verbrauchen und Gewässer in großem Maßstab verschmutzen. Das muss verbunden werden mit einem konkreten Plan zur Umgestaltung von Produktion, Infrastruktur und Versorgung, erarbeitet von gewählten und rechenschaftspflichtigen Forscher:innen und Vertreter:innen der Arbeiter:innenklasse und Unterdrückten.

Wer jetzt munkelt, dass dies utopisch sei, dem soll gesagt werden, dass es eine Frage der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse ist – und die kann man versuchen, zu kippen! Denn objektiv gesehen ist es mehr als notwendig, Ressourcen global koordiniert zu verteilen, statt sie Märkten und Machtverhältnissen zu überlassen. Gerade deshalb braucht es bewusste Prioritätensetzung. Wir müssen uns fragen: Welche Regionen werden zuerst geschützt? Welche Produktion wird eingeschränkt – welche ausgebaut im langfristigen Interesse von Mensch und Natur? Was tun bei knapper werdenden Ressourcen oder Katastrophen? Solche Fragen lassen sich nicht durch Marktmechanismen lösen, sondern nur durch demokratische Planung unter Kontrolle der Produzent:innen selbst – international koordiniert und orientiert an menschlichen Bedürfnissen statt Kapitalinteressen.

Ein Notfallplan gegen die Wasserknappheit

Daher ist klar: Es muss sich grundlegend etwas ändern – und zwar schnell! Deswegen braucht es einen Notfallplan zur grundlegenden Reorganisation von Produktion, Verkehr, Wohnungsbau, Energie- und Landwirtschaft – letztlich der gesamten Gesellschaft – im Interesse der Mehrheit der lohnabhängigen Bevölkerung und ökologischer Nachhaltigkeit. Ein solcher Plan kann nur funktionieren, wenn die großen Konzerne entschädigungslos enteignet und unter die Kontrolle der Beschäftigten und lohnabhängigen Konsument:innen gestellt werden.

  • Städte umbauen: Umbau von Städten zu Schwammflächen, Schutz und Renaturierung von Hochwassergebieten sowie Rückgabe von Flussräumen an die Natur; Wälder müssen renaturiert und naturnah aufgeforstet werden: als natürliche Klimaanlage und Regenquelle bei Hitze ebenso wie als Wasserspeicher.
  • Trinkwasserversorgung systematisch sichern: Stopp der Flächenversiegelung, großflächige Aufforstung und Schutz natürlicher Wasserspeicher!
  • Für die Verstaatlichung der Energie-, Wasser- und Entsorgungswirtschaft, der Nahrungsmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie unter Arbeiter:innenkontrolle!
  • Landwirtschaft umstellen! Tierhaltung auf gesundes und auskömmliches Maß für den menschlichen Verbrauch und tierartgerecht (Auslauf- und Weideflächen im Freien) beschränken.

Familien und insbesondere Frauen müssen von der Aufgabe der Wasserbeschaffung befreit werden, indem der Zugang zu Wasser als Recht für alle Menschen garantiert wird. Dafür müssen Infrastruktur und Sanitäranlagen auf Kosten der Reichen ausgebaut werden, anstatt ihnen zu erlauben, Wasser weiterhin als Privateigentum zu nutzen.

Die dafür notwendigen Mittel aufzubringen, stellt bereits heute infrage, wofür Regierungen Geld ausgeben und womit aktuell Profite erzielt werden. Denn nicht „die Menschen“ tragen die Schuld an der Klimakrise, sondern der Kapitalismus und jene, deren Profite und Herrschaft an ihm hängen. Die Herrschenden müssen zur Kasse gebeten werden, nicht durch reformistische Symbolpolitik, die im Sturm der Krise untergeht, sondern durch die Wiederaufnahme des Klassenkampfes und ein wirklich glaubwürdiges Programm gegen die Klimakrise.

Anhang: KI und Wasserverbrauch

Wusstest du, dass mit jeder Frage, die Menschen an KI-Chatbots stellen, rund 500 Milliliter Wasser verbraucht werden? Vor allem für die Kühlung von Rechenzentren werden enorme Mengen benötigt. Täglich verbrauchen diese Zentren 11 bis 19 Millionen Liter Wasser – das entspricht dem Bedarf einer Stadt mit 30.000 bis 50.000 Menschen. Durch die Aufheizung der Rechenzentren und die Kühlung mit Wasser verdampft ein Großteil dessen, sodass es nicht wiederaufbereitet werden kann.

Dabei handelt es sich oft um Fragen wie „Wie setze ich mein Passwort zurück?“ oder „Was passt zu einer grünen Hose?“ oder „Wie lange muss ich mein Ei kochen?“ – Fragen, die Menschen weltweit an Chatbots stellen. Fragen, die auch durch einfaches Recherchieren hätten beantwortet werden können. Dass diese KI-Systeme außerdem häufig auch rassistische oder sexistische Narrative reproduzieren, zeigt zusätzlich, dass ihre Nutzung kritisch hinterfragt werden muss.

Die Prozesse hinter solchen KI-Systemen müssen offengelegt werden, damit man sie überprüfen und bei diskriminierenden Antworten den Code korrigieren kann. Auch hier ist eine Enteignung der Konzerne und die Kontrolle durch die Arbeiter:innen notwendig. Die Nutzung solcher Technologien muss kritisch überdacht und gesellschaftlich diskutiert werden, aber unmittelbar bräuchte es einen Stopp der Nutzung für alle nicht-notwendigen Bereiche bis Foschung an nachhaltigen Kühlsystem den Wasser- und Energieverbrauch massiv reduzieren!

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