Arbeiter:innenmacht

Die Palästinasolidarität an Universitäten macht einen wichtigen Schritt nach vorne – Bericht von der „Academic Boycott Now!“-Konferenz

Urs Hecker, Neue Internationale 298, Februar 2026

Um eine bundesweite Kampagne für den akademischen Boykott israelischer Universitäten zu entwickeln, kamen am Wochenende vom 23.01. bis zum 25.01. verschiedene Gruppen zur „Academic Boycott Now!“-Konferenz zusammen. 34 Organisationen, Gruppen und Kollektive aus verschiedenen Städten und Universitäten in ganz Deutschland sowie Genoss:innen aus der Schweiz und Österreich, inklusive unserer Genoss:innen vom Arbeiter:innenstandpunkt und Marxistische Aktion Schweiz, beteiligten sich an der Veranstaltung, darunter auch Genoss:innen der Gruppe Arbeiter:innenmacht, des Kommunistischen Studierendenbundes und von REVOLUTION.

Diskussion

Auf der Konferenz wurden über das Wochenende verschiedene politisch-taktische und teilweise auch technische Fragen in Skillshare-Workshops diskutiert. Themen waren dabei unter anderem die Organisation von Studierenden auf dem Campus und das Verhältnis zur studentischen Selbstverwaltung wie AStA oder StuRa und anderen universitären Gremien. Panels beschäftigten sich mit der Analyse des Siedlerkolonialismus, unserer Ausrichtung im Kampf und der Rolle israelischer Universitäten. Hier konnte einmal mehr die Notwendigkeit wie auch die mögliche Effektivität einer Boykott-Kampagne gegen Israel zur Unterstützung des palästinensischen Widerstands und aller Unterdrückten der Region herausgearbeitet werden. Israel ist im hohen Maße abhängig von westlichem Kapital und Zuwendungen und gerade seine zentrale Hightechbranche profitiert enorm von der Verbindung zu westlicher Forschung und Industrie. Wenn wir hier den Hebel ansetzen, können wir so die zionistische Unterdrückung entscheidend schwächen!

Verbunden damit war ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt der Konferenz, nämlich die Frage, wie wir vom Campus eine Verbindung zur Arbeiter:innenklasse herstellen und so eine echte Massenbasis für unsere Kampagne gewinnen können. Besonders die Organisierung von Logistikarbeiter:innen ist hier entscheidend. Auf der Konferenz wurde dies anhand bestehender Interventionen am Flughafen Leipzig/Halle sowie im Hamburger Hafen diskutiert.

Des Weiteren hat die Konferenz beschlossen, für eine mögliche breite Basis der Kampagne zu kämpfen: Zum einen, indem man auf andere Gruppen und Strukturen zugeht, um sie vom Beitritt zur Kampagne zu überzeugen, und zum anderen, indem man politische Parteien, gerade die Linkspartei und ihre Führung, unter Druck setzt, sich endlich auf die Seite des Boykotts zu schlagen. So beteiligten sich auch der SDS und einzelne Gliederungen der Partei, während sich der Vorsitzende der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Tobias Schulze, in der bürgerlichen Presse als Verteidiger der Kooperation mit zionistischen Institutionen hervortat und in den Chor aller staatstragenden Parteien von AfD bis SPD einstimmte.

Beschlüsse

Die Konferenz hat nicht nur diskutiert, im Gegenteil: Es wurden für alle teilnehmenden Gruppen verbindliche Beschlüsse getroffen, die den Kampf für Palästina an den Universitäten ernsthaft voranbringen. So wurde eine Resolution einstimmig beschlossen, die die inhaltlichen Grundlagen der Kampagne festlegt, und durch die sich alle teilnehmenden Gruppen verpflichten, an ihren Universitäten für den akademischen Boykott Israels zu kämpfen und eine bundesweite Kampagne um dieses Ziel aufzubauen.

Des Weiteren wurde eine bundesweite Struktur gewählt, die uns ermöglicht, eine koordinierte und zielgerichtete Kampagne aufzubauen. Ein Kampagnenplan wurde diskutiert und auf den Weg gebracht, konnte aber aus Zeitgründen nicht vollständig beschlossen werden. Der Plan arbeitet verschiedene strategische Phasen des Kampfes für akademischen Boykott auf unseren Campussen heraus und legt allgemeine Taktiken entsprechend dieser Phasen fest. Dadurch kann der Plan als Leitfaden für Gruppen in den verschiedensten Ausgangslagen dienen und liefert so wichtige Orientierung für die Kampagne.

Damit die bundesweite Präsenz der Kampagne effektiv genutzt werden kann und die mit der Kampagne verbundene Organisierungsarbeit an den Universitäten erfolgreicher und noch vereinter abläuft, haben wir als GAM/KSB mehrere Ergänzungsanträge gestellt.
Darin schlagen wir koordiniertes Vorgehen zu bestimmten lokalen und bundesweiten Aktionen vor. Zu diesen gehören unter anderem Veranstaltungen zum Semesterstart im kommenden Sommersemester, eine bundesweite Demonstration zur Hochschulrektorenkonferenz und eine bundesweite Aktionswoche im kommenden Wintersemester.

Auch wenn noch einiges zu konkretisieren ist, so ist Ziel der gesamten Konferenz, über die bisherige, vor allem lokale Arbeit hinauszugehen und möglichst eine einheitliche und schlagkräftige Kampagne aufzubauen.

Die Konferenz war für uns und vor allem für die gesamte Palästinabewegung an Universitäten ein Erfolg und echter Schritt vorwärts. Jetzt liegt es an allen beteiligten Gruppen und Genoss:innen, die Kampagne wirklich praktisch umzusetzen! Lasst uns gemeinsam an unseren Universitäten organisieren, ausdauernd, mit klarer taktischer Ausrichtung und als Teil einer bundesweiten einheitlichen und zielgerichteten Kampagne! Lasst uns darum kämpfen, eine Verbindung zur breiteren Arbeiter:innenklasse aufzubauen, und lasst uns diesen Kampf gemeinsam gewinnen!

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