Arbeiter:innenmacht

Israel macht weiter mit Angriffen auf den Libanon

Elsa Bayoud, Infomail 1303, 11. Februar 2026

Trotz des Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hisbollah vom November 2024 bombardiert Israel den Libanon einfach weiter. Am 22. Januar 2026 wurden bei Angriffen an der syrisch-libanesischen Grenze zwei Menschen getötet, 19 verletzt und 50 Familien vertrieben. Zwei weitere Menschen fielen Raketenangriffen in den Bezirken Sidon und Tyros zum Opfer. Insgesamt hat Israel seit dem angeblichen Waffenstillstand 350 Menschen im Libanon getötet, wobei es laut UN-Berichten mehr als 10.000 Mal gegen den Waffenstillstand verstoßen hat. Der Libanon hingegen hat keinen einzigen Schuss auf Israel abgefeuert.

Israel hat außerdem einen wichtigen Steinbruch im Libanon zerstört und baut eine Mauer einen Kilometer tief in den Libanon hinein, jenseits der international anerkannten Grenze, und schreitet damit mit seiner Landnahme voran. Die Vereinigten Staaten von Amerika bauen die größte Botschaft der Welt, die so groß wie ein Universitätscampus ist und in den Bergen liegt. Wie zu erwarten war, wird darüber nicht viel berichtet, aber die libanesische Diaspora beobachtet diese Ereignisse mit wachsender Sorge und Angst.

Lage im Libanon

Im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens hat Israel zugestimmt, die Angriffe auf den Süden einzustellen, wenn die Hisbollah ihre Waffen an die libanesische Armee abgibt und der Libanon die Entwicklung einer „Wirtschaftszone“ im Süden zulässt. Die Details dieser Wirtschaftszone und was sie für die Menschen im Südlibanon bedeutet, sind bisher unklar. Die libanesische Regierung ist bei der Entwaffnung der Hisbollah gescheitert. Zwar wurden die Waffen im Süden abgegeben, doch jeder Versuch, die Gruppe vollständig zu entwaffnen, würde wahrscheinlich auf Widerstand stoßen.

Angesichts der anhaltenden Bombardierungen durch Israel, der allgegenwärtigen Gefahr künftiger Kriege und Übergriffe und natürlich des Völkermords in Gaza war Israel und den USA bei der Auferlegung der Bedingung der Entwaffnung bewusst, dass die Hisbollah ihre Mittel des Widerstands nicht freiwillig aufgeben würde. Obwohl die Hisbollah durch den Krieg mit Israel im Jahr 2024 geschwächt wurde, bleibt sie eine bedeutende politische und militärische Kraft, die über eine Basis in einem Teil der Bevölkerung und die Unterstützung des Iran verfügt.

Die Verhandlungen zwischen Libanons Präsident Joseph Aoun und Naim Qassem von der Hisbollah dauern an. Die jüngste Rede von Auon deutet auf eine Einigung hin, dass die israelische Besatzung unmissverständlich als „der Feind” bezeichnet werden soll.

Wer Arabisch versteht, weiß, wie stark dieser Begriff ist. Allerdings ist der Libanon sowohl in der Region als auch international isoliert und sieht sich der militärischen und wirtschaftlichen Macht Israels und seiner westlichen Unterstützer:innen gegenüber. Obwohl die Hisbollah Israel erheblichen Widerstand geleistet hat, ist sie durch ihr politisches Programm eingeschränkt. Sie geriet 2019 in direkten Konflikt mit der libanesischen Arbeiter:innenklasse, als sie die Regierung gegen einen populären wirtschaftlichen Aufstand gegen die Korruption unterstützte.

Auf internationaler Ebene bedeuteten ihre engen Verbindungen zum iranischen Regime, dass sie den syrischen Diktator Baschar al-Assad gegen die demokratische Revolution ab 2012 unterstützte. Viele Libanes:innen lehnen die Verbindungen der Hisbollah zum Iran ab. Eine Umfrage aus dem Jahr 2012 ergab, dass die Mehrheit der Libanes:innen eine ablehnende Haltung gegenüber dem iranischen Regime einnimmt.

Die Befreiung des Libanon vom Imperialismus und der militärischen Vorherrschaft Israels erfordert einen internationalistischen Kampf der Arbeiter:innenklasse für sozialistische Vereinigte Staaten des Nahen Ostens. Dies setzt den Sturz von Diktator:innen voraus, sowohl derjenigen, die mit den USA verbündet sind, als auch derjenigen, die sich ihnen widersetzen, sowie die Vereinigung der Arbeiter:innenklasse über Grenzen und konfessionelle Spaltungen hinweg. Und es erfordert, dass sich Sozialist:innen in den imperialistischen Kernländern gegen die Interventionen ihrer Regierungen in der Region und deren Lieferung von Waffen und Finanzmitteln an Israel organisieren.

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