Martin Suchanek, Infomail 1301, 3. Januar 2026
Am Morgen des 3. Januar haben die USA ihren imperialistischen, kriminellen Angriff auf Venezuela massiv verschärft. In der Nacht vom 2. zum 3. Januar wurden Militärstützpunkte und zivile Ziele in der Hauptstadt Caracas und zahlreichen anderen Städten massiv bombardiert. Stolz verkündet Trump, dass Präsident Maduro und seine Frau von US-Antiterroreinheiten gekidnappt wurden.
Diese Form des Staatsterrorismus und der ungeschminkten imperialistischen Intervention verdeutlichen, worum es den USA geht. Der Weltmacht Nr. 1 gilt Venezuela wie ganz Lateinamerika als „Hinterhof“, als eigenes halbkoloniales Herrschaftsgebiet. Dort will die Regierung Trump aufräumen und alle Regierungen und Regime, die sich den USA nicht „freiwillig“ vollständig unterordnen, durch Vasallen ersetzen.
In etlichen Fällen mag das „friedlich“ verfolgt werden, wie durch massive Unterstützung rechter und rechtsextremer Kräfte bei Wahlen. Wo dies nicht gelingt, greifen die USA zu allen Mitteln, die Länder zu destabilisieren und einen Regimewechsel herbeizuführen – sei es durch Blockaden oder Strafzölle, sei es durch Kanonenbootpolitik wie beim Kapern von Schiffen und Booten, sei es durch offene Angriffe mit Bombardements und Bodentruppen.
Die Rechtfertigungen für diese verbrecherischen Interventionen, wie z. B. der „Krieg gegen Drogen“ oder dass das venezolanische Öl eigentlich den USA gehörte, sind lächerlich und verlogen. Sie spielen letztlich aber auch keine Rolle. Unter Trump haben sich die USA, wie z. B. ihre „Sicherheitsdoktrin“ offen formuliert, längst davon losgesagt, die Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen durch fadenscheinigen Verweis auf das Völkerrecht und um universale Werte zu rechtfertigen. Gut ist, was für die Großmacht USA gut ist. Alles andere ist nebensächlich.
Der Sturz des Regimes Maduro und die Errichtung eines Vasallenregimes in Venezuela haben daher auch weit über das Land hinaus eine globale Bedeutung. Die Botschaft gilt keineswegs, ja nicht einmal in erster Linie einem Regime, dessen „Verbrechen“ darin bestand und besteht, eine begrenzte Unabhängigkeit von den USA zu erlangen. An der Anbiederung Venezuelas an Russland und China stört die USA nicht die Unterordnung an sich, sondern dass sich das Land den falschen imperialistischen Mächten anschließt.
Die reaktionären Seiten des Maduro-Regimes, die Ausbeutung und politische Unterdrückung der eigenen Arbeiter:innenklasse, die Bereicherung durch den Staatsapparat und die bolivarische Bourgeoisie spielen für die USA natürlich keine Rolle. Im Gegenteil. Ihre Intervention soll keineswegs die Arbeiter:innenklasse und unterdrückten Volksmassen befreien oder gar Demokratie und Selbstbestimmung bringen, sondern die traditionellen proamerikanischen Eliten nach Jahrzehnten des Bolivarismus wieder an die Macht bringen. Es ist kein Wunder, dass diese rechte, erzreaktionäre „Opposition“ die US-Intervention begrüßt und unterstützt – und hofft, sich selbst als zukünftige US-Vasall:innen bereichern zu können.
Ein Regierungswechsel durch den Krieg der USA wäre eine Katastrophe für die venezolanischen Massen – und für die Massen in ganz Lateinamerika. Ein Regierungswechsel durch die USA würde nicht nur eine kriminelle, rechte Opposition an die Macht hieven, er würde auch weitere Interventionen auf dem ganzen Kontinent mit sich bringen. Daher verteidigen wir Venezuela gegen den US-Angriff und treten für die Niederlage der US-Intervention ein. Venezuela hat jedes Recht, sich gegen die US-Angriffe militärisch zu verteidigen, mit allen Mitteln, die ihm dazu zur Verfügung stehen. Der Widerstand gegen US-Luftschläge oder gegen Bodentruppen ist gerechtfertigt und zu unterstützen. Wir lehnen jeden Regierungswechsel ab, der durch einen US-Angriff und Coup herbeigeführt werden soll, ohne die Politik und Strategie des Regimes zu unterstützen.
Wir müssen vielmehr fordern, dass es jede Repression gegen seine proletarischen und linken Kritiker:innen einstellt und Gefangene freilässt, die wegen ihrer politischen Ideen, wegen Protesten oder wegen ihres Kampfes zur Verteidigung der Rechte des venezolanischen Volkes inhaftiert wurden. Wir fordern die sofortige Wiederherstellung der verletzten Lohn- und Arbeitsrechte der Arbeiter:innenklasse und die Wiederaufnahme demokratischer Mechanismen, die die notwendigen Bedingungen für die Neuordnung und Verteidigung des Landes sowie für die Wiedererlangung der Fähigkeit des Volkes, über sein eigenes Schicksal zu entscheiden, schaffen. Ebenso fordern wir, dass der Zugang zu öffentlichen Räumen und Medien erleichtert wird, damit alle antiimperialistischen Stimmen und Kräfte, die nicht mit der Regierung verbunden sind, ebenfalls ihre Positionen und Vorschläge zur Bekämpfung der US-Aggression zum Ausdruck bringen können.
Während die USA ihre Bombardements fortsetzen und eine Bodeninvasion droht, haben China und Russland die US-Aggression verurteilt. Andere Staaten – darunter auch einige westliche – mögen folgen. Doch das wird die US-Angriffe nicht stoppen. China und Russland werden sich mit diplomatischen Noten begnügen, Russland wird von Trump evtl. noch ein paar Zugeständnisse beim Krieg im „eigenen“ Hinterhof gegen die Ukraine verlangen (und womöglich erhalten). Die Regierung Merz hüllt sich derweil in Schweigen. Der Protest aller imperialistischen Staaten gegen die US-Intervention ist nicht nur bestenfalls halbherzig und leer, sondern auch zynisch, lassen sie doch alle der Regierung Netanjahu freie Hand beim Genozid in Gaza, der ethnischen Säuberung in der Westbank oder Angriffen auf benachbarte Staaten. Vor allem aber sind alle – Verbündete wie Rival:innen – letztlich bereit, die imperialistische Dominanz der USA über Venezuela zu akzeptieren.
Kolumbien, dessen Regierung selbst auf der US-Abschussliste steht, will die UN anrufen, lehnt das Kidnapping von Maduro ab und fordert einen Stopp der US-Intervention. Diese Stoßrichtung verfolgen auch die reformistischen, linkspopulistischen und bürokratischen Führungen der Arbeiter:innenbewegung und von Massenbewegungen in den Halbkolonien.
Doch bloße Verurteilungen und diplomatische Noten werden die US-Luftangriffe und Bodentruppen nicht stoppen. Die einzige reale Hilfe für den Widerstand in Venezuela bieten und die imperialistische Aggression stoppen kann nur eine weltweite Massenbewegung gegen die US-Intervention. Daher treten wir für eine gemeinsame Mobilisierung aller Organisationen der Arbeiter:innenklasse und Unterdrückten sowie aller antiimperialistischen Kräfte ein – für Massenprotest vor den US-Botschaften, für Solidaritätsstreiks und für Blockaden von US-Nachschub (z. B. durch Arbeitsniederlegungen und die Weigerung, US-Kriegsgüter zu transportieren) und für die Schließung aller US-Militärbasen!