Kämpferinnen für die Frauenbefreiung: Alexandra Michailowna Kollontai

Frauenzeitung Arbeitermacht/REVOLUTION, März 2014

Alexandra Kollontai (31. März 1872 – 9. März 1952) war eine der schillerndsten Frauen der Oktoberrevolution, sie war Revolutionärin, Diplomatin und Schriftstellerin.

Schon im zaristischen Russland entschied sich Kollontai gegen die bürgerliche Familie, verließ mit 26 Jahren Mann und Sohn, um in Zürich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Schon damals thematisierte sie in ihren Schriften v.a. die Situation der Frau und forderte von Anfang an die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Nach ihrer Rückkehr nach Russland agitierte sie gegen die Regierung und wurde deshalb mehrfach verhaftet und verurteilt. 1908 ging sie ins Pariser Exil. Im Februar 1917 verließ sie Frankreich und ging zurück nach Russland, wo sie sich Lenin anschloss. Kollontai argumentierte öffentlich gegen die provisorische Regierung und setzte sich für die Räte ein. 1917 wurde sie in das Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets gewählt. Im Jahr darauf, nach dem Sieg der Oktoberrevolution, war sie im Kommissariat für Volkswohlfahrt tätig. Sie gehörte als erste Frau dem revolutionären sowjetischen Kabinett an und war damit die erste Ministerin der Welt. 1920 übernahm sie den Vorsitz der Frauenabteilung im ZK der KPdSU.

Kollontai wurde Volkskommissarin für soziale Fürsorge und setzte in ihrer Tätigkeit durch, dass das Eherecht gelockert wurde. Außerdem erkämpfte sie das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und schlug die Einrichtung von Volksküchen und die Förderung kollektiver Kindererziehung vor. Sie setzte sich für kommunale Einrichtungen ein und plädierte für die freie Liebe und Sexualität.

Kollontai war zeitlebens überzeugte Feministin. Bereits 1905 hatte sie sich für autonome Frauenabteilungen innerhalb der Kommunistischen Partei stark gemacht. Sie grenzte sich aber scharf von der bürgerlichen feministischen Bewegung ab, da sie die Auffassung vertrat, dass nur im Sozialismus die Gleichberechtigung von Frau und Mann verwirklicht werden könne.

„Nicht die sexuellen Beziehungen bestimmen das moralische Ansehen der Frau, sondern ihr Wert im Arbeitsleben, bei der gesellschaftlich-nützlichen Arbeit.“

1923 wurde sie Gesandte der Sowjetunion in Norwegen und war somit die erste akkreditierte Diplomatin weltweit.

Eine Würdigung von Kollontais großen Verdiensten in der Entwicklung der kommunistischen  Bewegung und ihrer theoretischen Arbeiten zum Verständnis der Ursachen der Frauenunterdrückung darf auch ihre politischen Schwächen nicht verschweigen. Von 1906-15 war sie Menschewistin, bewegte sich dann aber rasch auf den Bolschewismus zu. Viel schwerer wiegt jedoch ihre politische Kapitulation vor dem Stalinismus.

Kollontai zog sich mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von allen Ämtern zurück und verabschiedete sich nach Moskau in den Ruhestand, blieb dort aber bis zu ihrem Tod am 9. März 1952 eine wichtige Beraterin des sowjetischen Außenministeriums.

Werke:

Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin

Ich habe viele Leben gelebt

Mein Leben in der Diplomatie. Aufzeichnungen aus den Jahren 1922 bis 1945

Die neue Moral und die Arbeiterklasse

Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung. 14 Vorlesungen

Wassilissa Malygina. Erzählungen über „Wege der Liebe“ im frühen Sowjet-Russland

Frauen zwischen Ehe und Revolution.

Wege der Liebe. Drei Erzählungen

Der weite Weg. Erzählungen, Aufsätze, Kommentare

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