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Britannien: Warum wir wieder Workers Power publizieren

Workers Power-Redaktion, 6. September 2021, Infomail 1162, 12. September 2021

Mit dieser Ausgabe nimmt WORKERS POWER sein Erscheinen nach sechs Jahren wieder auf und löst damit RED FLAG ab, das während der viereinhalb Jahre der Führung der Labour Party durch Jeremy Corbyn und der ersten 18 Monate durch Keir Starmer 39 Ausgaben lang erschien. RED FLAG vertrat in jeder Hinsicht die gleiche Politik wie sein Vorgänger und wurde als Organ der britischen Sektion der Liga für die Fünfte Internationale weitergeführt.

2015 appellierte Jeremy Corbyn an alle SozialistInnen, der Labour-Partei beizutreten oder es wieder zu tun. Diesem Aufruf folgten AnhängerInnen der Liga für die Fünfte Internationale gemeinsam mit Hunderttausenden und trugen dazu bei, die Partei zur größten linken Partei in Europa zu machen. Unter Corbyn stellte die Labour-Partei die bis dahin akzeptierte Notwendigkeit von Sparmaßnahmen sowie die offen marktfreundliche Ideologie von Tony Blair in Frage.

Doch Corbyns Führung, die er fast zufällig erlangte, wurde durch die Tatsache behindert, dass eine große Mehrheit der parlamentarischen Labour-Partei ihm gegenüber feindlich eingestellt war, ebenso wie die meisten Gemeinderäte und die Parteibürokratie. Corbyn und sein Stellvertreter John McDonnell weigerten sich jedoch von Beginn an, die abtrünnigen Abgeordneten und Ratsmitglieder ernsthaft zu bekämpfen und von ihren Positionen zu vertreiben.

Zugleich wurden keine dauerhaften Reformen zur Demokratisierung der Partei durchgeführt. Sie befürchteten eine Spaltung, die die Aussicht auf eine Regierung Corbyn zunichtemachen würde. Wie die Labour-Linke in den letzten hundert Jahren glaubten sie, dass Labour eine „breite“ Gemeinschaft darstellen müsse und vergaßen dabei, dass die Rechten, wenn sie nicht die Spitzen besetzen, versuchen würden, die Partei zu zerstören.

Das liegt daran, dass die Loyalität der Rechten nicht der Partei gilt, geschweige denn der ArbeiterInnenklasse, sondern ihrem Feind: dem Establishment und der KapitalistInnenklasse. Corbyns Internationalismus und seine Unterstützung des palästinensischen Widerstands gegen Israels Versuch, die PalästinenserInnen als Nation zu zerstören, bedeuteten, dass die er keine Hoffnung auf eine positive Sicherheitsüberprüfung durch die herrschende Klasse hatte und niemals Premierminister hätte werden dürfen.

Obwohl die Corbyn-Linke innerhalb der Partei und der Gewerkschaften wahrscheinlich sogar größer war als die Labour-Linke in den 1980er oder 1950er Jahren, war sie atomisiert, besaß keine eigene Führung oberhalb der lokalen Ebene und war gelähmt, als die Rechte zum Gegenangriff überging.

Wahrscheinlich haben Hunderttausende die Partei verlassen oder sind dabei, es zu tun. Die Zahl der linken Abgeordneten (der Socialist Campaign Group), gemessen an denjenigen, die es gewagt haben, gegen den Ausschluss von Ken Loach zu protestieren, ist auf 15 gesunken und damit ungefähr auf den Stand von vor 2015. Bald, wenn nicht schon jetzt, wird der Großteil der Corbyn-Linken sich außerhalb der Partei befinden.

Wer ist die Gruppe Workers Power?

Wir werden weiterhin Beziehungen zu den linken ReformistInnen und subjektiven RevolutionärInnen aus diesem Milieu unterhalten, aber wir können ihnen oder der neuen Generation von KlassenkämpferInnen nicht mehr sagen, dass der Kampf innerhalb der Labour Party die zentrale Frage des Tages ist.

Im Gegenteil, SozialistInnen müssen sich an die sozialen Bewegungen wie Black Lives Matter, Extinction Rebellion und Kill the Bill wenden, um praktische Unterstützung zu leisten und politische Führung anzubieten. Wir müssen uns mit der Basis der Gewerkschaften verbinden, deren einfache Mitglieder von Arbeitsplatzverlusten, Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit bedroht sind und deren AnführerInnen nur Kompromisse und Ausverkäufe anbieten.

Damit wollen wir unsere eigene revolutionäre Tradition als WORKERS POWER, die bis ins Jahr 1975 zurückreicht, wieder in den Vordergrund rücken. Wir haben diese Tradition, die in Manifesten, Entschließungen und wichtigen Artikeln sowie vor Ort im BergarbeiterInnenstreik, gegen den Irakkrieg und anderswo zum Ausdruck gekommen war, zwar nie aufgegeben, aber wir wollen diese Verbindung so sichtbar wie möglich machen.

Wir möchten auch betonen, dass wir Teil einer weltweiten Tendenz sind, der Liga für die Fünfte Internationale mit Sektionen auf vier Kontinenten, von denen viele in ihrer eigenen Sprache Workers Power heißen. Wir sind noch keine Parteien, sondern kämpfende Propagandagruppen, aber wie Leo Trotzki im Übergangsprogramm erklärte:

„Wenn unsere Internationale zahlenmäßig auch noch schwach ist, so ist sie doch stark durch die Doktrin, das Programm, die Tradition und die unvergleichliche Festigkeit ihrer Kader.“

Schließt Euch uns an!