Heraus zum Internationalen Frauentag!

Liga für die Fünfte Internationale, Infomail 1045, 7. März

Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, werden Millionen von Frauen weltweit auf Demonstrationen und Massenveranstaltungen versammeln. In einer Reihe von Ländern werden sie, wie in den letzten Jahren, den Aufruf zu einem weltweiten Frauenstreik folgen. In Spanien nahmen noch nie dagewesene sechs Millionen Menschen den Appell von Frauenorganisationen und FeministInnen auf, dem sich auch BasisgewerkschafterInnen anschlossen, die erfolgreich Streiks initiierten und die GewerkschaftsfunktionärInnen soweit unter Druck setzen konnten, dass diesen keine andere Wahl blieb, als den Streik stillschweigend zu unterstützen.

Ein zentrales Anliegen der OrganisatorInnen ist es, nicht nur die Arbeit von Frauen in den Fabriken, auf dem Land, in Krankenhäusern, Schulen, Geschäften und Büros sichtbar zu machen, sondern auch die unbezahlten Arbeiten, die Frauen jeden Tag zu Hause ableisten.

Indem sich der globale Frauenstreik auf arbeitende Frauen konzentriert, wie es die InitiatorInnen des 8. März vor mehr als einem Jahrhundert taten, markiert er einen wichtigen Schritt voran. Alle SozialistInnen, KommunistInnen, ja alle Organisationen der ArbeiterInnenklasse und der Unterdrückten und insbesondere die Massenmitgliedschaft der Gewerkschaften sollten den Aufruf unterstützen, damit ein riesiger globaler Streik zur Realität wird.

Es liegt auf der Hand, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt und in den letzten zehn Jahren wurden einige wichtige Schritte unternommen.

In Lateinamerika haben wir Massenbewegungen gegen Femizide und Gewalt gegen Frauen wie „Ni una menos“ („Keine Frau weniger!“) in Argentinien oder „Ele Não“ („Nicht er!“) in Brasilien erlebt. In den Vereinigten Staaten vereinigten sich Millionen von Frauen in den Märschen gegen Trump und seine sexistische Agenda.

Auch in vielen asiatischen Ländern ist die ArbeiterInnenklasse nicht nur um Millionen Frauen angewachsen. Sie haben auch Massenkämpfe initiiert. In Indien demonstrierten Millionen Menschen gegen Sexismus, Gewalt, sexuellen Missbrauch, Belästigung und reaktionäre religiöse Verbote, welche sich gegen Frauen richten. Auch bei dem 150 Millionen starken zweitägigen Generalstreik im Januar dieses Jahres spielten Arbeiterinnen eine wichtige Rolle.

In Ländern wie der Türkei haben sie trotz Verboten und polizeilicher Repressionen in großer Zahl demonstriert und werden dies auch weiterhin tun. Selbst in Saudi-Arabien haben wir mutige Frauenproteste erlebt.

In Europa gingen in Polen, Irland und Spanien riesige Bewegungen zur Verteidigung des Abtreibungsrechts auf die Straße – im Zusammenstoß mit der Agenda der Kirchen und RechtspopulistInnen. Kurz gesagt, wir haben den Aufstieg einer neuen globalen Frauenbewegung erlebt.

Angriffe von rechts

Diese neue Bewegung ist zu einem großen Teil das Ergebnis der Veränderungen im globalen Kapitalismus, insbesondere seit der großen Rezession, die die Lebensbedingungen der Masse der Frauen umgekrempelt haben. Millionen in den Halbkolonien wurden zu Lohnarbeiterinnen, aber für die meisten bedeutet das, dass sie jetzt die doppelte Last von Ausbeutung und Belästigung am Arbeitsplatz und zuhause zu tragen haben.

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, oft weniger als die Hälfte des Lohns von männlichen „Arbeitnehmern“ im gleichen Wirtschaftszweig. Sie werden häufiger zu Niedriglohnarbeit gezwungen, in kurzfristige und äußerst prekäre Verträge gedrängt.

Darüber hinaus hat der Neoliberalismus viele der sozialen Errungenschaften der Frauen- und ArbeiterInnenbewegungen untergraben oder gar zerstört. Die Angriffe auf Sozialleistungen, die Privatisierung und Kommerzialisierung von Sozialdiensten wie Gesundheit, Kinderbetreuung, Bildung, Altenpflege bis hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln betreffen Frauen überproportional. Diese Entwicklungen verstärken noch zusätzlich ihre Doppelbelastung durch unbezahlte Hausarbeit und schlecht bezahlte Arbeit in den Fabriken, Sweatshops oder auf den Feldern.

Migrantinnen, Flüchtlinge und LGBTIA-Personen sind besonders stark betroffen, da ihnen oft sogar die grundlegenden demokratischen Rechte der BürgerInnen der Länder, in denen sie Arbeit und Zuflucht suchen, verweigert werden. Nachdem sie vor Kriegen, Invasionen, Gewalt und Überausbeutung aus ihrer Heimat geflohen sind, werden sie nun in den Ländern, in denen sie Zuflucht suchen, mit Rassismus, Missbrauch und Überausbeutung konfrontiert.

Nach den blutigen Konterrevolutionen, die den Arabischen Frühling besiegten, geht der Aufstieg der extremen Rechten, des Rechtspopulismus, des religiösen Fundamentalismus aller Art und sogar des Faschismus weltweit immer einher mit einem Ansturm auf die Frauenrechte.

Diese Angriffe treffen die ArbeiterInnenklasse und die Bauern/Bäuerinnen besonders hart, bedrohen aber auch die Errungenschaften der Frauen der Mittelschicht oder in akademischen Berufen- und diese reaktionären Kräfte werden nicht aufhören, wenn sie nicht bekämpft und besiegt werden. Die Trumps und Bolsonaros, die Kaczyńskis und Erdogans, die Modis und bin Salmans dieser Welt werden nicht ohne einen entschlossenen und mutigen Kampf der Massen verschwinden.

Die religiösen ReaktionärInnen – seien es christliche Evangelikale, Katholiken, Islamisten, Hinduisten oder buddhistische Fundamentalisten – sind eng mit dem Aufstieg der Rechten, den Angriffen auf demokratische Rechte und dem Übergang zum Autoritarismus oder gar zu offenen Diktaturen verbunden. Frauen in eine untergeordnete Rolle zu zwingen, eine geschlechtsspezifische soziale Arbeitsteilung zu stärken, reaktionäre Angriffe auf „Genderismus“ und Feminismus, all das geht Hand in Hand mit einem Anstieg des männlichen Chauvinismus und einer Verharmlosung von Sexismus und Machismus aller Art.

Internationale Antwort

Dieser globale Ansturm erfordert eine globale Antwort. Der Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen und für die Rechte der LGBTIA-Menschen ist ein wichtiger Teil des globalen Kampfes gegen neoliberale Angriffe, kapitalistische Ausbeutung, den zunehmenden Rassismus, Umweltzerstörung und die Bedrohung durch Krieg und Besatzung. In der nächsten Runde der kapitalistischen Krise werden diese Millionen von Menschen noch mit größerer Wucht treffen. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt zwischen den großen imperialistischen Mächten und den Möchtegern-Regionalmächten, der den Aufstieg von Nationalismus, Chauvinismus und Rassismus vorantreibt, verweist auf die Notwendigkeit, den Kampf für die Frauenbefreiung zu koordinieren, der selbst ein unverzichtbarer Teil des Klassenkampfes ist.

Der Internationale Frauentag und der globale Frauenstreik können und müssen ein Sammelpunkt sein sowohl für den Aufbau einer wirklich internationalen und internationalistischen Frauenbewegung als auch für die Wiederbelebung der globalen ArbeiterInnenbewegung.

Dazu müssen wir fordern, dass die Führungen der ArbeiterInnenorganisationen, der Gewerkschaften und Parteien sowie die Organisationen der Frauenbewegung die stattfindenden Aktionen, Streiks, Massenkundgebungen und Demonstrationen am 8. März unterstützen.

Zu lange wurde der Internationale Frauentag als „Feier“ des „Wie weit sind wir doch gekommen“ durchgeführt mit der impliziten Selbstzufriedenheit der Minderheit von Oberschichtfrauen mit ihren individuellen „Errungenschaften“. Tatsächlich muss es ein Tag des Massenkampfes sein, eine wütende Demonstration dafür, wie weit wir noch gehen müssen, um die Gleichstellung zu erreichen. Es muss eine Warnung an die HerrscherInnen der Welt sein. Wie sie im südafrikanischen Kampf gegen die Apartheid sagten: „Wenn du eine Frau schlägst, schlägst du gegen einen Fels!“

Innerhalb der Bewegung müssen wir die Notwendigkeit betonen, über eintägige oder national ausgerichtete Aktionen hinauszugehen, die oft als Reaktion auf extrem reaktionäre Angriffe erfolgen. Die Frauenbewegung, die AnhängerInnen des globalen Frauenstreiks, sollten die Initiative ergreifen, um nationale, regionale und globale Aktionskonferenzen sowie Delegiertentreffen zur Koordinierung der Kämpfe einzuberufen. Diese Initiative würde sich natürlich auf den Wiederaufbau einer globalen Frauenbewegung konzentrieren, aber sie sollte auch alle anderen Schlüsselfragen des internationalen Klassenkampfes ansprechen: Ausbeutung, Rassismus, Autoritarismus, Umweltzerstörung, imperialistische Plünderung und Krieg.

Dabei sollte sie dem historischen Beispiel der sozialistischen Frauenbewegung vor und während des Ersten Weltkriegs folgen und als eine der dynamischsten und fortschrittlichsten Kräfte auftreten, um eine Opposition gegen Imperialismus und Kapitalismus um sich zu sammeln und so die Schaffung einer neuen revolutionären Internationale zu fördern.

Eine solche Perspektive wird eindeutig eine politische Klärung und einen Kampf innerhalb der Bewegung erfordern. Die liberalen bürgerlichen Kräfte wie die US-Demokratinnen und bürgerlichen oder kleinbürgerlichen Feministinnen, aber auch die reformistischen Parteien und Gewerkschaftsführungen haben die Frauenbewegung im Stich gelassen. Entweder wollen sie Frieden mit einem „reformierten“ oder liberaleren Kapitalismus schließen oder lehnen eine Strategie ab, die die Zusammenführung der Massen der ArbeiterInnenklasse und die Schaffung einer Frauenbewegung der ArbeiterInnen in den Mittelpunkt stellt. Entweder weigern sie sich, die Tatsache anzusprechen, dass die Unterdrückung der Frauen selbst mit dem kapitalistischen System verbunden ist oder befürworten nicht die notwendigen Mittel, um es zu stürzen. Wie alle anderen Formen der sozialen Unterdrückung kann die von Frauen nicht überwunden werden, ohne die kapitalistische Ausbeutung selbst zu bekämpfen.

  • Hinaus zum Internationalen Frauentag!
  • Für eine neue, globale proletarische Frauenbewegung!
  • Verbindet den Kampf für die Befreiung  der Frauen und LGBTIA-Menschen mit dem gegen den Kapitalismus!
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