Vorwort

Redaktion Revolutionärer Marxismus, September 2015

Der Verrat von Syriza, kam er auch nicht unerwartet für RevolutionärInnen, hat die europäische Linke „überrascht” – auch diejenigen, die es eigentlich besser wissen konnten, ja mussten. Bei Podemos zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.

Desorientierung und Konfusion sind eine Reaktion auf den Verrat oder Zusammenbruch dieser Formationen. Ihnen kann abgeholfen werden – vorausgesetzt, es ist ein ehrliches Bedürfnis vorhanden, den Ursachen der eigenen Illusionen nachzugehen und daraus die politischen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die meisten Beiträge dieser Ausgabe des „Revolutionären Marxismus” kreisen daher um die Frage der „Umgruppierung”, der Ursachen der Entstehung „neuer” politischer Formationen und der Taktik ihnen gegenüber. Der Artikel „Krise, Klasse, Umgruppierung” stellt ein analytisches und methodisches Instrumentarium zur Verfügung. Die Beiträge zu Syriza, Podemos, zur kurdischen Frauenbewegung und zur NaO setzen sich mit einzelnen Umgruppierungsprojekten auseinander.

Die Kritik an der Untauglichkeit reformistischer und zentristischer Konzepte darf freilich nicht zu sektiererischen Schlüssen führen. So unerlässlich diese Kritik auch ist – so wird sie allein nicht ausreichen, um proletarische und jugendliche AnhängerInnen dieser Formationen für revolutionäre Politik zu gewinnen. Daher widmen sich alle diese Beiträge nicht nur der Kritik, sondern insistieren zugleich auf der Notwendigkeit eines taktischen Eingreifens.

Die Polemiken zur Ukraine-Politik von RIO und zu Lutte Ouvrière setzen sich ebenfalls mit grundlegenden Fehlern pseudo-revolutionärer Gruppierungen auseinander. Den RM selbst schließen „Thesen zum Trotzkismus im 21. Jahrhundert” ab, die wir auf unserem letzten Weltkongress beschlossen haben.

Da „Umgruppierung” nicht im luftleeren Raum stattfindet, versucht der Artikel zum deutschen Imperialismus den politisch-ökonomischen Rahmen abzustecken, vor dessen Hintergrund RevolutionärInnen in Deutschland agieren müssen. Dass sich die herrschende Klasse anschickt, einen dritten Anlauf zum „Platz an der Sonne” zu nehmen, ist ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Das Gros der Linken in Deutschland weigert sich jedoch standhaft, dies zum Ausgangspunkt seiner eigenen Aktivität zu nehmen und daraus die politischen Schlüsse zu ziehen. Auch dem wollen wir mit unseren Beiträgen auf theoretischer und programmatischer Ebene den Kampf ansagen.

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