Thesen zu den ersten Stadien des Parteiaufbaus

Liga für eine revolutionär-kommunistische Internationale, 1992, Revolutionärer Marxismus 21 und 43, Oktober 2011

Einleitung

1.1 Die “Liga für eine revolutionär-kommunistische Internationale”(LRKI; 2003 in “Liga für die Fünfte Internationale”umbenannt) bekräftigt ihr generelles Verständnis der Etappen des Parteiaufbaus, wie es in Teil 7 des „Trotzkistischen Manifests“ niedergelegt ist. Das folgende Dokument versucht, die praktischen Aufgaben in den Anfangsstadien des Parteiaufbaus ausführlicher zu erläutern. Die LRKI hat zwar ein internationales programmatisches Fundament für ihre Arbeit vorgelegt, verfügt aber über keine unmittelbare Erfahrung im Parteiaufbau jenseits des Stadiums von kleinen kämpfenden Propagandagruppen. Natürlich verfügen wir für diese Etappen über das unvergängliche Erbe der revolutionären Kommunistischen Internationale, wir können es jedoch noch nicht mit den Ergebnissen eigener Erfahrungen anreichern und anhand dieser weiterentwickeln. Anders verhält es sich hinsichtlich des Gründungsstadiums und des Aufbaus von Propagandagruppen, die nach besten Kräften am Klassenkampf teilnehmen. Wir lassen uns dabei von Trotzkis Theorie und Praxis der 30er Jahre leiten, haben aber auch Lehren aus den negativen Beispielen seiner Epigonen Moreno, Mandel, Healy, Cliff, Lora und Robertson gezogen. Zugleich müssen wir mehr als ein Jahrzehnt eigener Erfahrungen, unsere Erfolge und Misserfolge, kritisch reflektieren.

1.2 Die LRKI ging stets von der zentralen Bedeutung des Programms und der Notwendigkeit, dafür in den Kämpfen der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten einzutreten, aus. Aber das Programm kann zum leblosen Fetisch werden, wenn es nicht mit dem Aufbau einer revolutionären Kampforganisation verknüpft wird. Parteiaufbau ist eine sehr konkrete Aufgabe. Er ist eine Kunst, die nicht losgelöst von der Praxis gemeistert werden kann, die aber von wissenschaftlichen Grundsätzen angeleitet sein muss. Wir müssen versuchen, diese Prinzipien zu verstehen und zu systematisieren. Eine revolutionäre Partei lässt sich nicht improvisieren. Die bolschewistische Partei entwickelte sich in drei russischen Revolutionen. Sie erlebte die Generalproben der Revolution von 1905 und Februar 1917, stählte sich und verband sich mit den Massen. Als revolutionäre Partei kann nur eine solche gelten, die vor der Revolution die Gesetzmäßigkeiten verstanden hat, die die Entwicklung der Gesellschaft und die eigene Rolle in dieser Entwicklung bestimmen.

1.3 Die verschiedenen Etappen des Parteiaufbaus kombinieren lediglich Propaganda, Agitation und Organisation in verschiedenen Proportionen. Auch ist keines dieser Stadien eine vollkommen abgeschlossene Einheit. Aufgaben, die in einem späteren Stadium eindeutig den Vorrang haben, können in früheren Stadien nicht in jeder Lage nachgeordnet sein. Bedingungen des verschärften Klassenkampfes oder revolutionärer Ereignisse können es dringend erforderlich machen, dass sich ein kleiner Kaderkern für eine ganze Periode vollständig im Massenkampf engagiert. Aber unter solchen Umständen darf die Organisation nicht den Blick für das reale Kräfteverhältnis verlieren, das sie wieder zur Rückkehr zum Propagandazirkel zwingen könnte, wenn sich die Situation ändert.

1.4 Wenn solche Fortschritte möglich sind, dann kann es auch Rückzüge geben. Eine große Organisation kann zur Rückkehr zu früheren Etappen und zur Wiederholung von entsprechenden Aktivitäten gezwungen sein, sei es aufgrund objektiver Zwänge (größere Niederlagen der Arbeiterklasse) oder eigener taktischer Fehler (einschließlich von Spaltungen). Eine revolutionäre Partei kann daher sowohl Etappen überspringen als sie auch mehrmals durchlaufen. Wenn wir von verschiedenen Stadien des Parteiaufbaus sprechen, dürfen wir nicht annehmen, dass sie in einer korrekten Reihenfolge ohne Sprünge oder Rückzüge durchlaufen werden müssen. Der Wechsel zwischen revolutionären und konterrevolutionären Situationen oder die Existenz längerer nicht-revolutionärer Perioden, die zu raschem Wachstum oder Zusammenbruch, zu Spaltungen oder Fusionen in reformistischen, zentristischen und revolutionären Organisationen führen, bedeutet, dass es keinen evolutionären Weg zum Aufbau einer revolutionären Partei geben kann. Nichtsdestotrotz hat jedes Stadium seine eigenen allgemeinen Merkmale, seine spezifischen Typen von Publikationen und Aktivitäten.

Wesenszüge der leninistischen Partei

2.1 In jeder Aufbauetappe sind gewisse grundlegende Prinzipien der leninistischen Partei anwendbar. An erster Stelle steht das Primat des Programms als grundlegendes Kennzeichen der Organisation: „zuerst das Programm“! Auf Grundlage des Programms sind die Mitglieder imstande, die revolutionäre Festigkeit der Führung zu messen. Auf der Grundlage des Programms schult die Partei ihre Kader und zieht sie zu prinzipienfesten Führern in den Kämpfen der Arbeiterklasse und der Unterdrückten heran. Das Programm ist eine Landkarte, die die Stationen auf dem Weg zur Arbeitermacht verzeichnet. Es ist die wissenschaftliche Zusammenfassung der Erkenntnisse über die Wesensmerkmale der kapitalistischen Gesellschaft in ihren Hauptformen, der Lehren aus den Siegen und Niederlagen in dem epochalen Kampf der Arbeiter für den Sturz des Imperialismus. Das Programm ist eine Strategie, um im Klassenkampfe durch die Anwendung einer Reihe von miteinander verbundenen Taktiken zu siegen.

2.2 Über die Anerkennung dieses Programms werden Mitglieder für die Partei gewonnen. Parteimitglieder müssen drei Erfordernissen genügen, auf denen auch die Bolschewiki beharrten: Übereinstimmung mit dem Parteiprogramm, den Parteistatuten und der grundsätzlichen Linie der Partei; disziplinierte Aktivität in einer Ortsgruppe oder Zelle; Abführung einer regelmäßigen Summe an die Parteikasse. Der Vollmitgliedschaft sollte eine Periode der Schulung, Ausbildung und Auslese vorangehen. Die Genossen und Genossinnen sollten vor dem Eintritt normalerweise ein Stadium als Unterstützer/Unterstützerin und als Kandidat/Kandidatin mit allen Rechten außer dem Stimmrecht durchlaufen. Die Auslesemerkmale werden von Land zu Land verschieden sein, unter legalen oder illegalen Bedingungen, in Perioden der Niederlage oder des Aufschwungs der Bewegung der Massen. Bei der Auswahl von Genossen sollten wir großes Gewicht auf Eigenschaften wie Loyalität, Einsatz, Aufrichtigkeit und Verständnis der wichtigsten Positionen der Partei legen. Proletarischen Mitgliedern, besonders jenen aus unterdrückten Teilen der Klasse wie Frauen, Schwarze oder Immigranten sollte eine kürzere Prüfungsfrist eingeräumt und eine andere Ausbildung gegeben werden als Mitgliedern kleinbürgerlicher Herkunft. Nichtsdestotrotz darf die Partei keine Undiszipliniertheit oder Sonderrechte, auch nicht bei den prominentesten Arbeiterführern, zulassen. Wir sollten eine Atmosphäre und Umgebung in der Partei zu fördern versuchen, die die Integration von Genossen aus diesen Sektoren erleichtert. Innerhalb der Organisation darf es keine Diskriminierung von Genossen und Genossinnen aufgrund ihrer Herkunft aus einer bestimmten Klasse, ihres Geschlechts, ihrer nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit geben. Alle müssen gleich behandelt werden; jeder/jede ist ein/e Genosse/in.

2.3 Das Ringen der Partei um das Programm in lebendigen Kämpfen befähigt diese, ihr eigenes Programm weiterzuentwickeln und zu bereichern. Das revolutionäre Programm ist keine tote Materie. Es lebt und muss, wie Trotzki sagte, im Licht der Erfahrung, dem obersten Prüfstein menschlicher Weisheit, ständig getestet und korrigiert werden. Nur in diesem Test wird sich die Korrektheit des Programms erweisen und werden seine Irrtümer überwunden werden können. Die Erfahrung der Bolschewiki nach der Februar-Revolution zeigt die zentrale Bedeutung dieses Programmverständnisses, als sich die Partei durch Prüfung und Korrektur ihrer alten Formeln im Feuer des revolutionären Kampfes programmatisch aufrüstete. Der Kampf ohne ein revolutionäres Programm führt entweder in die Niederlage oder verkommt zur Anpassung an die alte Ordnung, gleichgültig wie militant er beginnt. Ein Programm, das nicht auf der Grundlage von Kämpfen ständig weiterentwickelt wird, degeneriert zu einem bloßen Katechismus. Durch die Anpassung und Konkretisierung des internationalen Programms in nationale, lokale, sektorale und konjunkturelle Aktionsprogramme versucht die Partei die Massen für ihr Programm zu gewinnen. Kurz gesagt, die Partei versucht in jedem Stadium für ihr Programm in der Arbeiterbewegung zu kämpfen. Die Form dieses Kampfes hängt jedoch von der Größe der Organisation, ihren ideologischen Aufgaben und der Entwicklung des Klassenkampfes ab. In der imperialistischen Epoche muss eine solche Perspektive Bestandteil des politischen Arsenals jeder Organisation sein, die beabsichtigt, von der revolutionären Idee zur revolutionären Aktion überzugehen.

2.4 Die leninistisch-trotzkistische Partei muss internationalistisch nicht nur in Organisation und Programm sein. Ihre Kader müssen aktive Internationalisten sein, die nationale Vorurteile und Chauvinismus, die typisch für die kapitalistische Gesellschaft sind, bekämpfen. In der imperialistischen Epoche bedeutet das, dass die Partei alle Mitglieder dazu erziehen muss, ihre „nationale“ Arbeit und Kämpfe vom Standpunkt der Weltrevolution aus zu betrachten. In den imperialistischen Ländern bedeutet das, dass Kommunisten danach streben, sich den Standpunkt der Arbeiter und unterdrückten Massen der halbkolonialen Welt und der degenerierten Arbeiterstaaten zu eigen zu machen und „ihr“ imperialistisches Vaterland als Hauptfeind zu betrachten. Es bedeutet, die Kämpfe dieser Arbeiter gegen den Imperialismus zu unterstützen und für die Solidarität der Arbeiter in den imperialistischen Metropolen einzutreten. Zugleich ist es die Pflicht von Internationalisten in der halbkolonialen Welt, darauf zu achten, dass der berechtigte Hass auf den Imperialismus und seine sozialchauvinistischen „labour lieutenants” in den imperialistischen Ländern nicht zu einem Mangel an Verständnis und Solidarität für die dortigen Arbeiterkämpfe führt.

2.5 Ohne starke internationale geschwisterliche Verbindungen, in letzter Instanz ohne demokratisch-zentralistische Organisation, kann sich der Internationalismus nicht fest verankern und dem Druck von Kriegen, Revolutionen und Konterrevolutionen widerstehen. Nur eine internationale revolutionäre Organisation kann ein wahrhaft internationales Programm und eine revolutionäre Perspektive im Weltmaßstab entwickeln. Sie muss durch innere Schulung, Debatte und internationalen Kaderaustausch einen Zustand erreichen, in dem sich alle Kader zuerst als Mitglieder einer Internationale und dann, daraus abgeleitet, als Mitglieder einer ihrer nationalen Sektionen empfinden.

2.6 Der demokratische Zentralismus ist das organisatorische Grundprinzip, das die Partei befähigt, alle Aspekte ihrer Arbeit auszuführen. Zentralismus bedeutet, dass die Partei mit einem einzigen Willen, mit militärischer Präzision, wo und wann sie in den Kampf eingreift, handeln kann. Ohne eine solche Disziplin hat kein Kader und keine Organisation das Recht, sich bolschewistisch zu nennen. Doch diese Disziplin ist nicht blind, gedankenlos oder mechanisch. Zentralismus ist keine Einbahnstraße von Befehlen aus der Zentrale nach außen. Jede örtliche Zelle bringt nicht nur Information, sondern auch eigene Meinung und Analyse zurück. Die Führung bleibt so mit der Kampffront verbunden, mit den Ansichten und Stimmungen der Vorhut und der Massen. Zugleich können die Kader sich dem breiteren und allgemeineren Horizont der nationalen und internationalen Zentrale unterordnen, provinzielle und nationale Vorurteile überwinden.

2.7 Wiewohl die Zentralisierung lebensnotwendig ist, um die Macht des bürgerlichen Staates zu brechen, kann die revolutionäre Partei die Disziplin einer bürgerlichen Armee nicht nachahmen. Blinder Gehorsam erzieht keine Revolutionäre. Er kann Bürokraten hervorbringen, wie es der Stalinismus durch die Isolierung von Kadern und durch die Auslieferung der Basis an eine allmächtige und sich selbst verewigende Clique oder einen „Führer‘ 50 Jahre lang zeigte. Diese Art Disziplin hat die leninistische Parteikonzeption selbst in Misskredit gebracht, indem der demokratische Zentralismus mit bürokratischem Despotismus gleichgesetzt worden ist. Dagegen stellen wir die möglichst umfassende Anwendung der Arbeiterdemokratie. Die Führung muss von der Mitgliedschaft gewählt und ihr verantwortlich sein. Dies muss regelmäßig nach einer Periode der ausführlichsten Diskussion und auf einer Versammlung der Mitglieder oder ihrer Delegierten geschehen, bei der einzelne Genossen und Gruppierungen das Recht auf Kritik an der scheidenden Führung haben. Die Führung muss in jeder Sektion und international auf der Grundlage von Verantwortlichkeit und Einbeziehung aufgebaut werden. Führungen sind keine Klubs für die politisch Klugen, sondern Instrumente des revolutionären Klassenkampfs und beruhen auf dem Prinzip der Einbeziehung. Mitglieder mit sehr unterschiedlichen Begabungen und Erfahrungen müssen in die Führung einbezogen werden, so dass Organisatoren, Agitatoren, Theoretiker, Autoren, aktive Arbeiter, gesellschaftlich Unterdrückte und die Jugend eingebunden werden können.

2.8 Es muss auch eine Disziplin innerhalb aller Führungsgremien geben. Alle Mitglieder haben das Recht und die Pflicht, Minderheitspositionen vor ein höheres Gremium zu bringen. Dies muss jedoch mit der loyalen Durchführung existierender Beschlüsse einhergehen, damit die Aktion der Partei nicht gestört wird. Eine Abstimmung zu verlieren, sich in der Minderheit zu befinden, ist nicht das größte von allen Übeln. Morgen kann die Praxis beweisen, dass die Minderheit Recht hatte. Die loyale Argumentation auch einer falschen Position kann der Partei helfen, eine korrekte, aber einseitige Position zu verbessern. Die absolute Bedingung für die Partei zur Korrektur eigener Fehler ist loyale Kritik.

2.9 Alle Führer und Mitglieder haben ein allgemeines Appellationsrecht an die Mitgliedschaft, besonders während einer Vorkonferenz-Periode, und ein Fraktions- bzw. Tendenzrecht, wenn sie es in Anspruch nehmen wollen. Wenn solche zeitweiligen internen Gruppierungen auf klarer Plattform gebildet werden, ist es notwendig, dass die Mehrheit breiteste Demokratie und freien Zugang zur Diskussion in den Ortsgruppen und im internen Bulletin gestattet. Niemand darf unterdrückt, einer Zensur unterworfen oder wegen der Äußerung dieser Differenzen bestraft werden. Die Minderheiten müssen sich wiederum loyal zur Organisation verhalten, völlig innerhalb der Disziplin handeln und dürfen sich nicht mit den Feinden der Organisation verschwören. Nur so kann es eine gesunde Diskussion geben. Fraktionen sind aber, wie Trotzki bemerkte, ein „notwendiges Übel” – und nicht wie einige seiner Epigonen (bspw. das Vereinigte Sekretariat der Vierten Internationale) glauben, ein Zeichen für die politische Gesundheit einer Organisation.

2.10 Demokratie und Zentralismus sind nicht zu allen Zeiten und örtlichen Gegebenheiten proportional zueinander festgelegt. Während einer Vorkonferenz(-kongress)-Diskussion behauptet sich die Demokratie vor dem Zentralismus, um eine möglichst umfassende Debatte zu ermöglichen. Um Widersprüche zu lösen, müssen sie frei geäußert werden können. Nach einem Kongress, und wo Kampf und Manöver erforderlich sind, überwiegt die zentralisierte Disziplin. Die Partei sollte unter legalen Bedingungen zumindest Bulletins für die Mitglieder produzieren, um die Schulung und interne Debatte zu fördern. Ein Typus sollte rein intern zur freien Aussprache aller innerparteilichen Streitfragen konzipiert sein. Die Mitglieder sollten keine internen Probleme der Gruppe mit Nicht-Mitgliedern erörtern. In einem anderen Bulletintyp sollten Artikel, die (noch) nicht Linie der Organisation sind, Analysen und Beiträge von Sympathisanten oder aus dem Umfeld erscheinen. Unter gewissen Umständen ist es möglich, die Parteipresse für innerparteiliche Debatten zu öffnen. Dies könnte nicht nur in Zeiten relativer Stabilität, wenn die Partei nicht unter starkem Druck des Staates steht oder von feindlichen Kräften innerhalb der Arbeiterbewegung unterdrückt wird, von Nutzen sein. Auch unter schwierigen Umständen, wie sie die Bolschewiki vor der April-Konferenz 1917 erlebt haben, erwies sich dies als nützlich, als eine Spaltung in der Partei vermieden werden musste. Damals wurde die öffentliche Debatte auch als Mittel zur Erzeugung eines unmittelbaren Drucks der Basis gegen den Konservatismus der „alten Bolschewiken” eingesetzt. Wenn eine Partei beträchtlich wächst, ist es oft unvermeidlich, dass einige ihrer internen Zwistigkeiten durchsickern. Unter diesen Umständen wäre es besser, eine loyale und gesunde öffentliche Debatte über die anstehenden Fragen zu führen. Die Partei ist jedoch auf Dauer kein Diskussionsverein. Besonders unter verschärften illegalen Kampfbedingungen sind manche Formen der Demokratie gar nicht oder nur abgeschwächt möglich. Hier erfüllt der Geist des demokratischen Zentralismus seine wichtigste Aufgabe – was Lenin ein völliges genossenschaftliches gegenseitiges Vertrauen unter Revolutionären genannt hat, worunter wir Loyalität verstehen. Das ist ein solidarischer, kollektivistischer, proletarischer Geist, der auf der Haltung „wie kann die Partei vorwärts kommen” fußt. Sie steht in vollständigem Gegensatz zu einer individualistischen, aufgeblasenen Konkurrenzhaltung, dem kleinbürgerlichen Geist. Diese Loyalität und das Vertrauen unter Genossen müssen zur Bekämpfung von jeglicher Cliquenwirtschaft, Subjektivismus und persönlichen Intrigen in der Partei entfaltet werden. Loyalität kann sich nicht auf zynische Diplomatie oder Bevormundung von Führern gegenüber Mitgliedergruppen gründen. Proletarische Loyalität kann nur auf einem demokratischen Geist und einem hohen politischen Niveau beim Herangehen an alle Probleme fußen.

2.11 Der Arbeiter lernt den Geist kollektiver Anstrengung in der proletarischen Umgebung, am Arbeitsplatz, in den Gewerkschaften. Der Parteirekrut kleinbürgerlicher Herkunft muss diese Mentalität in der Arbeiterbewegung und in der Partei selbst lernen. Ein künstlicher „Arbeiterismus“, der Kult mit vermeintlich proletarischen Eigenheiten, ist allerdings keine Lösung dieses Problems. Allzu oft sind es keine Klassencharakteristika, sondern nationale oder lokale, gewerkschaftliche oder ökonomistische Eigenheiten. Von den proletarischen Schichten erfordert der Kollektivgeist nicht bloß die Übernahme der formalen politischen Perspektive, sondern auch der Kampfpraxis der Arbeiterklasse. Das erfordert die Ablehnung der Haltung der Angehörigen der privilegierten Klasse: Arroganz gegen die Werktätigen und Unterwürfigkeit gegen die Bourgeoisie und ihre Agenten. Es bedeutet die Ablehnung der „demokratischen“ öffentlichen Meinung und der moralischen Werte der Ausbeuter. Es bedeutet, die Kampfbedingungen der Arbeiterklasse zu teilen, ohne das Recht zu befehlen. Der eindeutigste Test für diesen Übergang zum Lager der Arbeiterklasse besteht darin, ob Nicht-Proletarier disziplinierte proletarische Politik zum Mittelpunkt und Zweck ihres Lebens machen und ihr alle beruflichen und persönlichen Interessen unterordnen.

2.12 Wie Lenin in „Was Tun“ zeigte, bedeutet für einen kämpferischen Arbeiter, Berufsrevolutionär zu werden, über die Perspektive eines „Gewerkschaftssekretärs“ (oder eines Betriebsrats) hinauszugehen und die eines „Volkstribuns“ einzunehmen. Das heißt die Idee aufzugeben, dass der Klassenkampf vor allem ein ökonomischer Kampf um Löhne und Arbeitsbedingungen sei; das heißt lokale und nationale Beschränkungen zu überwinden und die Fähigkeiten eines revolutionären Agitators und Propagandisten zu entwickeln. Bei der Aneignung dieser Fertigkeiten haben Arbeiter natürlich Nachteile gegenüber Kleinbürgern und Intellektuellen. Die revolutionäre Organisation muss dies in jedem Stadium des Parteiaufbaus anerkennen und revolutionäre Arbeiter bei der Überwindung dieser Probleme unterstützen. Diese können durch einen Mangel an formaler Bildung, durch Sorge um den Erhalt einer Familie mit niedrigem Einkommen, Schichtarbeit, durch Arbeit in einer Umgebung, deren kulturelles Niveau von den Kapitalisten bewusst niedrig gehalten wird, bedingt sein. Revolutionäre Arbeiter sind für die Organisation auch im Anfangsstadium so wertvoll, da sie ein lebendiges Bindeglied zu den Massen verkörpern. Außerdem besitzen revolutionäre Arbeiter Vorteile gegenüber kleinbürgerlichen bzw. intellektuellen Parteirekruten. Sie sind imstande, viele der kompliziertesten marxistischen Ideen durch eine Erziehungsmethode zu verstehen, die die Analyse der eigenen Ausbeutung und Unterdrückung mit der Entwicklung der Kämpfe gegen sie verknüpft.

2.13 Lenin besteht darauf, dass die Partei zur Hauptsache aus Personen bestehen soll, die in revolutionären Aktivitäten berufsmäßig engagiert sind. Dies bedeutet nicht nur Vollzeit-Funktionäre im engen Sinn, Studenten und Beschäftigungslose, also jene, die ihre meiste Zeit der politischen Arbeit widmen können. Lenin macht klar, dass auch Vollzeit-Arbeiter mit eingeschlossen sind. Aber es schließt diejenigen aus, die nur ihre „Freizeit“ für Politik verwenden wollen. Sobald es die personellen und materiellen Möglichkeiten gestatten, sollte selbst die kleinste revolutionäre Gruppe einen kleinen Apparat mit hauptamtlichen Revolutionären einrichten. Dieser muss eine wichtige Rolle auf der Führungsebene und beim Wachstum in den regionalen und lokalen Gliederungen spielen. Die Anhäufung solcher Berufsrevolutionäre, Kader, die ihre gesamte Zeit der Parteiarbeit widmen, ist unauflöslich mit der Sammlung von Parteikadern im Allgemeinen verbunden. Wenn jedoch die Führung zum Reich einer Vollzeit-Bürokratie wird, bedeutet dies eine große Gefahr für die Partei. Selbst der revolutionärste Funktionärskörper muss unter strenger Kontrolle einer Führung stehen, die in der Arbeiterklasse und anderen unterdrückten Schichten verwurzelt ist und ein hohes Maß an revolutionärem Bewusstsein und Bildung aufweist.

2.14 Die gesamte Aktivität der Partei muss in die Entwicklung von Kadern münden. Ausgangspunkt muss die Einheit von Theorie und Praxis sein. Doch diese Einheit entsteht nicht naturwüchsig, sie muss erkämpft werden. Praxis ohne Theorie und Analyse ist kurzsichtig, opfert die Aufgaben und Errungenschaften von morgen für kurzfristige Erfolge von heute. Von der Praxis isolierte Theorie wird rasch zum byzantinischen Dogmatismus oder ohnmächtigen Skeptizismus. Die Einheit von Theorie und Praxis muss alle Bereiche der Parteiarbeit durchdringen. Praktische Aufgaben müssen analysiert und mit einer Perspektive versehen werden. Ernste Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten und Anwendungsprobleme müssen einer theoretischen Analyse unterzogen werden. Dieser Prozess muss als Methode auch dem jüngsten Parteikader geläufig sein. Es darf zu keiner absoluten Trennung zwischen Denkern und Praktikern kommen, die die Partei in einseitige Interessensgruppen teilt. Jede notwendige Arbeitsteilung muss in überschaubaren Grenzen gehalten werden, sowohl für Einzelgenossen wie für Kollektivorgane. Ein Führungsgremium muss demzufolge „ausgewogen“, muss besetzt sein mit Genoss/inn/en, deren Stärken und Schwächen sich wechselseitig ergänzen und ausgleichen.

2.15 Das demokratische Innenleben und die demokratische Debatte der Partei muss selbst ein ständiger Erziehungsprozess sein. Aus diesem Grund müssen interne Streitfragen so behandelt werden, dass die Mitgliedschaft dabei erzogen wird. Demagogie, das heißt Vorurteile schüren, Unwissenheit ausnützen, Verwirrung stiften oder unsachgemäße Argumentation, hat die entgegen gesetzte Wirkung. Sie zerstört die Kaderentwicklung, die Loyalität, das Vertrauen und letzten Endes die disziplinierte Effektivität der Aktion. Den Gegenpol zur Demagogie bilden Schulung und Ausbildung. Die Kaderausbildung muss vor allem dazu führen, dass Methode und Lehre des klassischen Marxismus in Fleisch und Blut übergehen. Sie muss auf dem Verständnis des dialektischen und historischen Materialismus, der Marxschen Politökonomie, der Formen des Klassenkampfes sowie der Taktiken und Strategie, die in unserem Programm und ihren Vorläufern zusammengefasst sind, fußen. Auf dieser Grundlage muss die Erweiterung von Kenntnissen aufbauen, um die Spezialisierung von Genossen in den verschiedenen Bereichen von Agitation, Propaganda und theoretischer Arbeit zu ermöglichen. Regelmäßige Schulungen für Einzelgenossen und Gruppen oder Sonderschulungen sind wesentlich für die Hebung des Ausbildungs- und Kulturniveaus der Parteikader. Die Unterweisung von Kadern in den Fertigkeiten des Schreibens, Redigierens und Druckens ist genauso lebenswichtig wie die Fähigkeiten zur Agitation und Propaganda (z.B. öffentliches Auftreten). Diese Ausbildung muss mit Praxis verbunden werden, wobei unerfahrene Genossen mit erfahreneren Kadern zusammenarbeiten sollen. Die Kaderausbildung umfasst die Erlangung von handwerklicher bzw. fachlicher Qualifikation, das Erlernen durch Beobachtung und Nachahmungstechniken. Aber Kader sind nicht bloß Autoren oder Interventionisten bei Diskussionsveranstaltungen. Sie sind auch potentielle Führer im Klassenkampf. Als solche müssen sie versuchen, ihre Wurzeln und Aktivitäten in der Arbeiterklasse zu etablieren und zu behaupten. Zu diesem Zweck müssen alle vorgenannten Tätigkeiten durch die Schulung von Kadern in der Arbeiterbewegung ergänzt werden. Lernen wie der Bezug zum Kampf der Massen hergestellt wird, wie in den Massenorganisationen gearbeitet werden kann, ohne als Außenseiter zu erscheinen, lernen wie die unverbrüchliche Treue zu revolutionären Prinzipien mit der praktischen Flexibilität in den Massenorganisationen verbunden werden kann – all das stellt entscheidende Qualitäten des revolutionären Kaders dar.

2.16 Die Kaderschulung und -ausbildung hat für sozial Unterdrückte, spezifisch Diskriminierte und Arbeitergenossen eine besonders wichtige Bedeutung. Mangelhafter Zugang zu Bildung und Beschäftigung, niedriges Einkommen, Zeitmangel aus Gründen auferlegter sozialer Rollenverteilung, Haltungen, die die Fertigkeiten und Fähigkeiten dieser Gruppen abwerten, können Schranken gegen eine aktive Teilnahme in der Partei darstellen. Doch Genossen und Genossinnen, die solchen Schranken gegenüberstehen, sind wichtig für die Partei. Sie können den Prozess fördern, durch den das Parteiprogramm mit den Erfahrungen der Unterdrückten bereichert wird. Durch die Bereitstellung von Mitteln der Kaderisierung sollte die Partei solche Genossen und Genossinnen positiv diskriminieren und auf diese Weise die Entwicklung von Fertigkeiten und Vertrauen fördern. Dies ist notwendig, um die Angehörigen von sozial unterdrückten Gruppen voll an der Organisation teilhaben zu lassen. Die Partei darf es nicht zulassen, dass Kader aus unterdrückten Gruppen ghettoisiert oder auf Aufgaben und Tätigkeiten beschränkt werden, die in ihre sozial stereotypisierten Rollen passen. Alle Genossen sollen so ausgebildet und entwickelt werden, dass sie zu allen Bereichen der Parteiarbeit etwas beisteuern können. Die Partei sollte erkennen, dass die Führungsgremien auf allen Ebenen ihre Qualitäten und Erfahrungen integrieren müssen. Die erfahrensten Genossen müssen Bescheidenheit zeigen und anerkennen, dass auch sie von allen Genossen viel lernen können. Ein neuer Parteirekrut aus den ärmsten Schichten der Arbeiterklasse und der unterdrückten Massen, selbst ein Analphabet, kann aus seiner Erfahrung jedem einsichtigen Führer eine ganze Menge vermitteln.

2.17 Aber auch eine solche „positive Diskriminierung“ zur bewussten Entwicklung von Genossen und Genossinnen aus sozial unterdrückten Gruppen wird nicht von selbst ihre Probleme lösen können. Unter den Bedingungen der Klassengesellschaft ist es selbst für die entwickeltsten Genossen unmöglich, sich völlig von Vorurteilen und diskriminierenden Verhaltensweisen zu befreien. Ein ständiger Kampf muss gegen alle Hindernisse bis zur vollen Integration geführt werden, nicht nur in der Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch speziell in der Partei. Das Recht auf abgeschlossene Treffen für Genossinnen und Genossen aus den unterdrückten Gruppen ist ein Mittel dazu. Diese von der nordamerikanischen Linken entwickelten Treffen sind offen für alle Parteimitglieder einer unterdrückten oder diskriminierten Gruppe. Sie können von Individuen einberufen werden, die meinen, unter Repression und systematischer Diskriminierung zu leiden und die das beste Mittel zur Bewältigung dieses Problems finden wollen. Diese Treffen sollten kein Vetorecht gegen Parteibeschlüsse haben. Dies würde der Mehrheit die Pflicht zur Diskussion und zur Entscheidung über eine Antwort auf das Problem nehmen. Es ist wichtig, die für die diskriminierenden Praktiken verantwortlichen Genossen von ihren Fehlern zu überzeugen statt zu versuchen, der ganzen Mitgliedschaft Entscheidungen aufzuzwingen.

2.18 Jede gesunde Organisation muss Kritik und Selbstkritik üben, gleich ob an Einzelgenossen oder Kollektivorganen. Keine Partei, kein Führungsgremium, kein Mitglied kann wirklich vollkommen fehlerlos sein. Alle sind im Dickicht des Klassenkampfs verschiedenem Druck ausgesetzt und müssen sich neuen Erscheinungen stellen. Dabei machen sie wahrscheinlich eine Reihe von Fehlern. Es ist kein Zeichen von Schwäche oder Dummheit, eigene Fehler einzugestehen und zu versuchen, sie auszuschalten. Die Organisation muss immer bestrebt sein, sich den Erfahrungen der eigenen Klasse, ihrer Führung und Mitgliedschaft kritisch anzunähern. Deshalb ist es unverzichtbar, regelmäßig eine tief schürfende, selbstkritische Bilanz jeder Zelle, Fraktion oder jedes Führungsorgans einer nationalen Sektion und der Internationale zu ziehen. Wir sind keine Stalinisten, die „Selbstkritik“ als Mittel zur Maßregelung von Einzelgenossen durch den Zwang zur Selbstdemütigung benutzen. Der beste Genosse ist nicht der, der „keine Fehler macht“ (der sie in Wahrheit einfach nicht erkennt). Im Gegenteil: der beste Genosse ist der, der ein gutes Beispiel gibt durch das offene Eingeständnis seiner Fehler und die Lehren daraus erörtert und sich anstrengt, sie auszumerzen. Organisationen oder Militante, die die eigenen Fehler nicht kritisieren, sind dazu verurteilt, sie künftig in noch gravierenderer Form zu wiederholen.

2.19 Die Partei muss aus Berufsrevolutionären bestehen, das heißt aus Kadern, deren zentrales Lebensziel die revolutionäre Betätigung darstellt. Nur eine Minderheit von ihnen kann oder soll jedoch bezahlter Parteifunktionär sein. Die Größe des Apparates aus Hauptamtlichen wird von den jeweiligen politischen Bedingungen abhängen. Eine Mehrheit der Parteimitglieder muss aus Militanten bestehen, die in bezahlter Arbeit, in der Produktion stehen, was sie nicht nur in täglichen Kontakt mit Arbeitern bringt, sondern sie auch in die Lage versetzt, die finanziellen Mittel aufzubringen, ohne die die Parteitätigkeit undenkbar wäre. Es ist sehr wichtig zu versuchen, Kader aus der Arbeiterklasse und den unterdrückten Schichten auf allen Führungsebenen zu beteiligen. Sie werden wahrscheinlich weniger kulturelle und formale Bildung haben als kleinbürgerliche Intellektuelle, aber sie werden für die Partei das Ohr am Puls der Klasse und der Unterdrückten haben und unsere Linie diesen Sektoren besser vermitteln können. Dieses Engagement wird wiederum unsere Linie, Einfluss und Organisation verbessern helfen. Wir lehnen das Konzept ab, wonach alle oder eine Mehrheit der Arbeiterführer von ihren Arbeitsplätzen wegzubringen sind, um sie für Vollzeit-Aktivitäten der Partei freizustellen. Dies würde einen nachteiligen Effekt auf unsere Verbindungen zur Klasse haben und den betreffenden Genossen und Genossinnen schaden.

2.20 Jede bolschewistische Organisation muss fähig sein, ihre Arbeit unter Bedingungen der Illegalität zu vollbringen, und die dazu notwendigen konspirativen Maßnahmen beherrschen. Sie muss lernen, offene und verdeckte Arbeit miteinander zu verbinden. Sie muss sich auf den Widerstand gegen die Repression nicht nur seitens des Staates, sondern auch seitens der Faschisten oder der bürokratischen Agenten der Bourgeoisie in den Arbeitermassenorganisationen vorbereiten. Unter allen Umständen, gleichgültig wie demokratisch das jeweilige Land gerade ist, ist es wesentlich, eine Art von illegalem Apparat, ein Sicherheitssystem, Codes usw. zu haben. Jeder Genosse, der staatliche oder unternehmerische Repression erleidet, muss von der Organisation verteidigt werden. Es ist lebensnotwendig, dass der/die wegen seiner Parteizugehörigkeit inhaftierte oder entlassene Genosse/in materielle Hilfe erhält und dass die gesamte nationale und internationale Organisation zur Unterstützung dieses/r Gefangenen im Klassenkrieg zusammenhält. Wenn eine ganze Anzahl von Kadern inhaftiert ist, ist es bedeutsam, Widerstandszellen in den Gefängnissen aufzubauen.

2.21 Die Presse muss der kollektive Organisator für die Parteiarbeit sein. Sie sollte auch aus der kollektiven Arbeit der Partei entstehen und das Medium sein, durch das die Partei einen Dialog mit der unmittelbaren Peripherie und der Klasse im weiteren Sinn führt. Alle Mitglieder sollten danach streben, zur Produktion beizutragen, und alle sollen die Presse verkaufen. Beim Verkauf sollten die Kader zeigen können, dass sie eine profunde Kenntnis der Parteipositionen haben und imstande sind, diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Es ist auch wichtig, dass die Führer diese Aufgabe regelmäßig übernehmen. Spezifische Arbeitsbereiche, Fabriken oder andere Arbeitsplätze, sollen in den Blickpunkt gerückt werden, um über die Presseverkäufe Verbindungen zur Arbeiterklasse zu knüpfen, Informationen zu ihr zu transportieren, aber gleichzeitig auch Informationen von ihr zu erhalten. Wir sollten versuchen, auch ungeschulte und bislang unorganisierte Arbeiter dazu zu bewegen, ihre Gedanken in der Parteipresse durch Interviews, durch Berichte über ihre Probleme und Kämpfe zum Ausdruck zu bringen. Arbeiterkorrespondenzen sollten nicht nur Missstände anklagen, sondern auch eine konkrete Kampforientierung gegen diese angeben. In verschiedenen Perioden, selbst im Stadium des Aufbaus einer kämpfenden Propagandagruppe, kann es notwendig sein, über zwei Typen von Presse zu verfügen: einer eher agitatorisch, periodisch, populär, der andere eher theoretisch und propagandistisch. Letzterer Typus kann auch gemeinsam mit gleichsprachigen Sektionen anderer Länder erstellt werden. Besondere Flugschriften, die sich an spezifische Sektionen von Arbeitern, Bauern oder Bewohner von Elendsvierteln wenden, sind ebenfalls notwendig. Über solche Bulletins sollte die Partei versuchen, Vorfeldstrukturen aufzubauen.

Etappen des Parteiaufbaus

3.1 Im Allgemeinen charakterisieren wir die Stadien des Parteiaufbaus durch die Prioritäten, denen sich die Organisation zuwenden muss und weniger durch die bloße Größe. So kann ein ursprünglicher Kaderkern der Zahl nach größer sein als eine kämpfende Propagandagruppe. Nichtsdestotrotz bleibt es ein Kaderkern, wenn seine zentrale Priorität die Neuformulierung von Grundprinzipien ist. Nur durch die Erfüllung dieser ideologischen Aufgaben kann man zur Entwicklung einer bestimmten kollektiven Praxis voranschreiten.

3.2 Revolutionäre lassen sich in jedem Stadium des Parteiaufbaus von der Suche nach einem politischen Betätigungsfeld leiten. Dies kann die Form eines Entrismus in eine größere Organisation, einer Beteiligung an einer wichtigen Kampagne, an Einheitsfronten oder einer Konzentration auf bestimmte Gewerkschaften, Parteien usw. annehmen. Wo der geeignetste Brennpunkt für revolutionäre Arbeit ist, müssen Revolutionäre sein. Ohne Forum für revolutionäre Ideen ist die winzige Gruppe zu Stillstand und Spaltung, zu Demoralisierung oder gar Aufgabe des revolutionären Kampf verurteilt. Ohne ein entsprechendes Forum wird unser Ideenstrom versiegen. Zur Suche nach einem solchen Forum gehört ein gewisses Maß an Außenarbeit, selbst für die kleinste revolutionäre Gruppe. Die erste Etappe im Parteiaufbau ist die ursprüngliche Kaderakkumulation, die Sammlung eines Kollektivs, dessen Hauptaufgabe im Schreiben, Veröffentlichen und Zirkulieren von Propaganda besteht. Die Elemente des demokratischen Zentralismus auf dieser Stufe sind kollektive Arbeitsweise und Diskussion sowie die Durchführung von Mehrheitsbeschlüssen. In diesem Stadium ist ein großer Unterschied zwischen „Führung“ und „Mitgliedschaft“ unwahrscheinlich. Eine Keimzelle muss aus Gesinnungsgenossen, Theoretikern und Polemikern gebildet werden, die eine erkennbare ideologische Strömung in der Auseinandersetzung mit opportunistischen und sektiererischen Tendenzen schaffen kann. Theoretische Arbeit und Propaganda für den Marxismus und sein Programm sind ein unauflöslicher Bestandteil des Klassenkampfs. Sie gegenüber „praktischer Arbeit“, Agitation, gewerkschaftlichem oder direktem politischen Massenkampf negativ zu bewerten, ist ein Zeichen von Kleinbürgerlichkeit und Opportunismus. Diese Arbeit ist wesentlich in allen Etappen des Parteiaufbaus. In den Anfangsstadien genießt sie sogar Vorrang, wenn der Parteikern sich anschickt, ein eigenes nationales und internationales Programm zu erstellen. Sie ist auch lebensnotwendig bei allen größeren Wendepunkten des Klassenkampfs, wenn es gilt, die Periode und ihre Aufgaben neu zu bewerten und zu bewältigen. Ebenso wie der geringschätzige Vergleich von theoretischer und propagandistischer mit „praktischer“ Arbeit eine kleinbürgerliche Haltung entlarvt, verrät umgekehrt die Verachtung von Praxis und die absolute Gegenüberstellung von Theorie bzw. Propaganda und praktischer Aktivität im Klassenkampf eine passive sektiererische Einstellung. Sie enthüllt einen Widerwillen, sich den „Tageskämpfen“ zu stellen. Ihr liegt eine Geringschätzung von und ein Mangel an revolutionärem Willen zugrunde.

3.3 Bereits existente oder potenzielle Kader sind die wichtigsten Rekrutierungsziele einer winzigen Gruppe, deren Aufgaben notwendigerweise hauptsächlich auf Propaganda orientiert sind. Solche Kader können an verschiedenen Orten anzutreffen sein, je nach Charakter des Klassenkampfes und der sozialistischen Bewegung in einem Land. Erfahrene kämpferische Arbeiter, kritische Mitglieder zentristischer Organisationen, militante Jugendliche mit frischen Kampferfahrungen und dem Wunsch nach revolutionärer Weltanschauung, linksreformistische oder stalinistische Arbeiter, die zwar von ihren Mutterorganisationen erzogen worden, aber dennoch unzufrieden mit deren prokapitalistischen Aktionen sind, revolutionäre Nationalisten, deren Hoffnungen durch den Verrat ihrer kleinbürgerlichen respektive bürgerlichen Führer betrogen worden sind, sowie Studenten und Intellektuelle, deren intellektuelle Entfaltung durch eine Diktatur verhindert wird – sie alle stellen potenzielle Rekruten für den kleinen Kaderkern dar. Aus welchem Bereich auch neue Mitglieder gewonnen werden, es ist die Aufgabe des revolutionären Kerns, aus diesen Rekruten allseitige Kader zu machen, sogar auf Kosten einer Einschränkung der Erwartungen der rekrutierten Arbeiter und Jugendlichen in Bezug auf agitatorische Arbeit oder der Enttäuschung der literarischen Ambitionen der kleinbürgerlichen und intellektuellen Rekruten, die noch keine „Parteiintellektuellen“ sind, Besitzansprüche auf ihre geistige Arbeit erheben und glauben, dass sie allein alle Antworten besäßen. Alle müssen Kader werden, die imstande sind, einen Teil der Propagandaarbeit der Organisation mit zu tragen.

3.4 Die Hauptaufgabe ist die Erstellung regelmäßiger Theorie und Propaganda. Die wesentlichen literarischen Waffen eines ursprünglichen Kaderkerns, der sich etablieren will, sind ein theoretisches Journal bzw. eine Revue oder eine regelmäßige Folge von umfassenden Broschüren oder auch Büchern, die nicht nur das revolutionäre Erbe des Marxismus gegen Stalinisten, Sozialdemokraten und Zentristen verteidigen, sondern auch fähig zur Erneuerung und Theoriebildung sind. Die Veröffentlichungen müssen die Grundfragen des nationalen und internationalen Klassenkampfes aufgreifen. Sogar als Teil einer bereits existenten internationalen Tendenz, die schon wichtige Strecken zur Wiedererarbeitung des Programms zurückgelegt hat, übernimmt jede hinzukommende nationale Sektion die Verantwortung, in Zusammenarbeit mit den internationalen Gesinnungsgenossen die theoretischen Aspekte des Klassenkampfes im eigenen Land aufzuarbeiten und in der Konsequenz ein Aktionsprogramm zu erstellen. Das befreit den kleinen Parteikern natürlich nicht von der Pflicht zur praktischen Arbeit. Die begonnene Praxis muss darauf ausgerichtet sein, die Fertigstellung dieser wichtigen propagandistischen Aufgaben zu unterstützen und ihr zeitweilig untergeordnet sein, es sei denn dass eine praktische Intervention z.B. in einen revolutionären Massenkampf eine rasche Kaderrekrutierung ermöglicht.

3.5 Wenn sich ein revolutionärer Kern über die Bildung einer Fraktion oder Tendenz in einer zentristischen oder reformistischen Organisation herausschält, ist der Ausgangspunkt wahrscheinlich eine Abrechnung mit deren Taktiken und Methoden und mündet in eine ausführliche Kritik am „Programm“ der betreffenden Organisation. Ein Fraktionskampf mit anschließender Abspaltung einiger Kader ist die optimale Plattform für die Schaffung einer neuen Organisation.

3.6 Der ursprüngliche Kaderkern muss ungeachtet seiner Größe sein polemisches Feuer nicht nur auf die falschen Führer der Massen in der Arbeiterbewegung richten. Besondere Aufmerksamkeit muss auch den zentristischen Möchtegern-Führern gewidmet werden, wenn sie ein ernstes Hindernis für den Aufbau des Kerns einer aktiven Propagandagruppe darstellen, selbst wenn einige der zentristischen Organisationen bedeutungslos für die Massen und ihre Kämpfe sind. Denn es kann sein, dass aus diesen Konkurrenzgrüppchen oder aus Schichten, die deren Ideen kennen, die ersten Mitglieder kommen, die zur Umwandlung des ursprünglichen Kaderkerns in eine kämpfende Propagandagruppe führen.

3.7 Die nächste Etappe, die der kämpfenden Propagandagruppe, setzt viele Aufgaben der vorangegangenen Etappe fort, stellt aber die Durchführung einer weit reichenden und systematischen Propaganda für diese Ideen in den Mittelpunkt. Sie konzentriert sich auf ihre Anwendung in einer Reihe von Schlüsselfragen. Sie befasst sich nicht nur mit der Ausarbeitung eines Programms, sondern mit dem Versuch, Anhänger für dieses Programm zu gewinnen. Für die meisten Kader besteht die Hauptaufgabe nicht in Theoriebildung, sondern vielmehr in Propagandaarbeit. Die Verbreitung und Erläuterung der Positionen einer Propagandagruppe beanspruchen mehr Zeit als deren Zustandekommen.

3.8 Eine regelmäßige Publikation ist Grundvoraussetzung für eine kämpfende Propagandagruppe. Sie sollte jeden Monat oder mindestens alle zwei Monate erscheinen. Ihr Verkauf in den verschiedenen Aktions- und Propagandafeldern ist das Mittel zur Gewinnung von Mitgliedern. Sie muss sich auf die zentralen Aufgaben einer kämpfenden Propagandagruppe ausrichten und ihnen zugeordnet sein. Sie darf sich nicht auf rein theoretische Aufgaben orientieren, aber auch nicht zu weit der Illusion einer populären Massenzeitung hingeben. Sie muss den Gruppenaktivitäten dienen. Für eine größere kämpfende Propagandagruppe muss ein theoretisches Organ die Aufgaben der programmatischen Ausarbeitungen und des ideologischen Kampfes übernehmen. Populäre Massenagitation sollte, falls nötig, für gewöhnlich in Form von Flugblättern oder -schriften erscheinen. Die Zeitung ist in erster Linie ein Instrument zur Propaganda, zur geduldigen Erklärung unserer Ideen für eine (bedauerlicherweise) kleine Anzahl von Leuten.

3.9 Zu den Hauptfähigkeiten der Mitglieder müssen nun Argumentation, Schulung, Polemik gegen andere Gruppen, geduldige Aufklärungsarbeit über die Gruppenpolitik und die Gewinnung von Kadern für die Gruppe gehören. Ein zentrales Propagandaziel ist die Bildung von Schulungs- oder Diskussionszirkeln, in die Kontakte und Sympathisanten einbezogen und aus deren Kreis neue Mitglieder gewonnen werden sollen. Ist das nicht möglich, muss das Hauptmittel die Intervention bei den Veranstaltungen und Aktionen der größeren zentristischen oder reformistischen Gruppen bleiben. Das Ziel der Propagandagruppe ist nicht nur die Rekrutierung von Individuen, sondern ganzer Gruppen durch die Erzeugung von oppositionellen Fraktionen in zentristischen oder auch sektiererischen Gruppen, die sich schließlich abspalten und mit der revolutionären Organisation fusionieren. Wo es eine Tradition bedeutender zentristischer Organisationen gibt, werden die ersten Rekruten aller Wahrscheinlichkeit nach aus ihren Reihen gewonnen. Anderswo müssen andere Rekrutierungsfelder gefunden und ins Zentrum gerückt werden.

3.10 Die kämpfende Propagandagruppe muss sich auch in die bedeutenden Kämpfe der Arbeiterklasse einschalten. Unter normalen Umständen muss eine kämpfende Propagandagruppe erkennen, dass ihre Agitation und zugespitzte Propaganda in Tageskämpfen in erster Linie exemplarischen Charakter hat, das heißt ein Beispiel gibt, wie bei größerer Unterstützung überall zu handeln wäre. Unter außergewöhnlichen Gegebenheiten, wie günstigen lokalen Bedingungen, kann ein Kampf um die Führung möglich sein. Die Gruppe muss Kollektive zur Unterstützung der exemplarischen Arbeit von kämpferischen Arbeitern einsetzen, eine Methode, die den zusätzlichen Vorteil für nicht-proletarische Mitglieder bietet, an proletarischem Leben und Kampf teilzuhaben. Diese Maßnahmen sind ein notwendiges Mittel, um die junge kämpfende Propagandagruppe proletarischer zu machen und sie auf ein nächstes Stadium vorzubereiten, in dem die proletarische Zusammensetzung, ihr Gewicht und Einfluss in der Klasse quantitativ und qualitativ gesteigert werden kann. Das Gruppenziel in diesen Kämpfen besteht darin, die Erfahrungen der Kader im Klassenkampf zu vertiefen, eine kollektive Strategie durch das Lernen von der Arbeiterklasse und anderen unterdrückten Schichten zu entwickeln und die fortgeschrittenen militanten Elemente nach Möglichkeit für die kämpfende Propagandagruppe zu gewinnen. Regelmäßigere und systematischere Arbeitsbereiche von Teilen der Gruppe müssen, wo möglich, organisiert werden: in Gewerkschaften, reformistischen Parteien, Volkskomitees. Die Propagandagruppe sollte niemals der opportunistischen Methode folgen, den Apparat dieser Organisationen hinter dem Rücken der Massen zu übernehmen und dann seine Mittel für Parteizwecke zu missbrauchen, wie es die Stalinisten und Zentristen oft getan haben.

3.11 Wenn die kämpfende Propagandagruppe keinen Arbeiterkader in kämpfenden Massenorganisationen hat, ist sie gezwungen, „von außen“ durch die Förderung von Solidaritätsaktionen und durch Flugblätter zu intervenieren. Aber das ist eine Schwäche, und sobald eine ausreichende Anzahl von Kadern vorhanden und ausgebildet ist, sollte eine „Wende“ zu mehr Agitation, zur Arbeit in und um die Massenorganisationen eingeleitet werden. Die kämpfende Propagandagruppe kann in dieser Etappe versuchen, nicht-industrielle Arbeiter in zentralen oder für den Klassenkampf wichtigen Industrien zu platzieren. Das ist wahrscheinlich am ergiebigsten, wenn die Organisation auch direkt eine Anzahl von Industriearbeitern rekrutiert. Auf dieser Stufe ist das Ziel die Schaffung von Propagandazirkeln, die eine Reihe von Arbeitern anziehen können oder sogar in Betrieben konzentriert sind. Die revolutionäre Tendenz muss die besonderen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung, Integration und Ausbildung von Kadern, wo Armut, lange Arbeitszeiten und schwere Lebensbedingungen herrschen, in den Griff bekommen. Diese Schwierigkeiten wiegen besonders schwer in den ersten Phasen der Umwandlung von einer ideologischen Strömung mit zwei oder drei Mitgliedern in eine kämpfende Propagandagruppe mit 10-20 oder mehr Genossen und Genossinnen. Rekruten mit ausgezeichnetem Ruf als Denker, Kämpfer oder Organisatoren, die in einem wohlhabenderen Land stabile oder selbst Führungskader sein könnten, werden oft durch wirtschaftliche Not und daraus resultierende persönliche und familiäre Krisen aus der politischen Arbeit gerissen.

3.12 Zur Anleitung einer größeren Gruppe mit breiter gefächertem Aufgabenbereich bedarf es eines klar strukturierten Führungssystems. Ein kleinerer politischer Ausschuss ist immer vonnöten, um nicht nur die Tagesaktivitäten anzuleiten, sondern auch die Publikation(en) herauszubringen. Eine getrennte Redaktion ist erst zu einem späteren Zeitpunkt eine wünschenswerte Arbeitsteilung. Sie muss aber politisch der Leitung unterstehen. Aber eine kleine politische Exekutive reicht nicht aus. Die Gruppe braucht auch ein größeres und souveränes Führungsgremium, einen nationalen bzw. Zentralausschuss. Dieser sollte für die verschiedenen Bereiche und Typen der Gruppenarbeit gelten. Bei der Wahl dieses Organs sollten die verschiedenen Bereiche und Regionen, in denen die Gruppe Zellen oder Ortsgruppen hat, repräsentiert sein. Es soll aus den besten Journalisten, Hauptamtlichen, Theoretikern, Gewerkschaftskämpfern und Aktivisten bei den Unterdrückten bestehen sowie eine angemessene Repräsentanz von Frauen, Jugendlichen und national oder rassisch unterdrückten Minderheiten aufweisen.

3.13 Um den Grenzen einer kämpfenden Propagandagruppe zu „entfliehen“ und zur Etappe einer kleinen Kaderpartei zu gelangen, ist mehr als das organisch tröpfelnde Wachstum durch individuelle Kadergewinnung notwendig. Hierzu müssen ein oder mehrere qualitative Sprünge bewirkt werden. Das könnte z.B. durch die unmittelbare qualitative Expansion der kämpfenden Propagandagruppe in einer revolutionären Situation geschehen. Sie wäre in dieser Situation in die Lage versetzt, sich durch langfristige systematische Propaganda sowie Kaderauslese und -schulung mit den radikalisierten Massen zu verbinden, die die Losungen der Gruppe aufnehmen, ihre Presse unterstützen und deren Aktivisten schließlich in großer Zahl zur Organisation stoßen. So kann die Organisation bekannt und ein bedeutender Bezugspunkt in der gesamten Arbeiterbewegung werden. Andere Arten der Umwandlung stellen die Fusion mit einer weit größeren, nach links gehenden zentristischen Organisation und deren Transformation in eine revolutionäre Vorhutpartei oder eine günstige Abspaltung revolutionärer Elemente aus einer linksreformistischen oder zentristischen Partei dar, woraus sich ein quantitativer und qualitativer Sprung ergibt. Dazu wären verschiedene Arten von Entrismus-Taktiken in linken Parteien anwendbar, darunter auch der volle Entrismus in eine reformistische oder zentristische Organisation mit dem Ziel der Bildung einer großen „revolutionären“ Fraktion oder Tendenz bis zum endgültigen Ausschluss. Andere Einheitsfronttaktiken könnten den Übergang von einer Propagandagruppe zu einer Kaderpartei unterstützen, so z.B. die Schaffung einer größeren revolutionären Tendenz in den Gewerkschaften, den Organisationen der Bauern, Studierenden oder der städtischen Armut bzw. in den Bewegungen der Unterdrückten, in denen die kämpfende Propagandagruppe die Führung erringt und mit einer ganzen Schicht der aktivsten Kämpfer „verschmilzt“ oder sie rekrutiert.

3.14 Die kleine Kaderpartei muss, will sie diesen Namen verdienen, in ihren Reihen zumindest einen repräsentativen Querschnitt der Vorhut der Klassen vereinigen. Sie muss aus den Gewerkschaftsvertretern der Basis, aus den Führern der Gemeindeorganisationen sowie prominenten Repräsentanten der Einheitsfrontkämpfe zusammengesetzt sein. In einer solchen Partei sollte die Arbeit auf die Arbeiterklasse ausgerichtet sein. Die Proletarisierung von Basis und Führung ist notwendig. Nach rund einem Jahrzehnt hatte die SWP/USA die Größe einer kleinen Kaderpartei erreicht und war in der Lage, in Massenkämpfe einzugreifen, ja sogar sie anzuführen, wie zum Beispiel in Minneapolis. Damals drängte Trotzki darauf, den Druck des kleinbürgerlich intellektuellen Dilettantismus in den eigenen Reihen zu überwinden. Er schlug vor, dass jeder Nicht-Arbeiter verpflichtet werden sollte, binnen weniger Monate ein proletarisches Mitglied für die Partei zu werben. Falls ihnen dies nicht gelingen sollte, hätten sie auf den Stand eines Sympathisanten zurückversetzt werden sollen.

3.15 Die revolutionäre Organisation sollte den konzentriertesten und organisiertesten Teilen des Industrieproletariats besonderes Augenmerk schenken: den Schichten, die durch ihr ökonomisches Gewicht und ihren Konzentrationsgrad die schärfsten Feinde der Kapitalisten sind und die Achse der Vorhut der Klasse bilden. Die Arbeiterviertel im Umkreis der Bergwerke und Fabriken sowie die von ihnen geprägten Städte haben sich immer als Kern der Entfaltung und Radikalisierung der Klasse und der potenziellen Herausbildung von Anhängern der revolutionären Partei erwiesen. Die revolutionäre Organisation, die es ernst mit der Proletarisierung meint, muss bestrebt sein, enge Bande mit den Fabriken, Agrarindustrien, Bergwerken und anderen Unternehmen zu knüpfen. Sie muss in diesen Gebieten Zellen aufbauen und eine auf die Arbeiter abgestellte tägliche systematische Agitation und Propaganda betreiben.

Internationale Erfahrungen – Unterschiede in Tradition und Terrain

4.1 Bei der Schaffung einer internationalen demokratisch-zentralistischen Organisation müssen nationale Eigentümlichkeiten beachtet und überwunden werden. Die Brüche in der revolutionären Tradition – der letzte und längste dauert nun schon rund vierzig Jahre – haben die Krise verschärft. Hinzu kommen spezifische nationale Probleme. Die Sichtweise eines Kommunisten aus einem imperialistischen Land mit jahrzehnte- oder jahrhundertelanger ungebrochener Tradition der Legalität und des weitgehend gewerkschaftlichen „Klassenkampfes“ unterscheidet sich von der eines Kommunisten aus einem Land, selbst einem imperialistischen, das Faschismus, Stalinismus, Illegalität und scharfe Repression durchlebt hat. Eine von Sozialdemokratie, Stalinismus oder gar einer bürgerlich „liberalen“ Partei wie den US-Demokraten dominierte nationale Arbeiterbewegung erzeugt andere Vorurteile. Um so mehr diktieren die Bedingungen in jenen Halbkolonien, wo Massenarbeitslosigkeit und -armut die Norm, wo Gesundheits- und Bildungswesen dürftig sind, die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Intelligenz und Arbeiterklasse, zwischen Männern und Frauen. Dasselbe gilt für die stalinistischen Staaten, die noch nach dem alten repressiven bürokratischen Plan organisiert sind, oder wo Regierungen der freien Marktwirtschaft die Lebensbedingungen und Errungenschaften der Massen attackieren oder ethnische Konflikte schüren. Natürlich existieren diese Unterschiede auch zwischen Halbkolonien oder degenerierten Arbeiterstaaten je nach Grad der Wirtschaftsentwicklung, religiösem und kulturellem Hintergrund, der Geschichte der fortschrittlichen Kämpfe von Arbeiterklasse, Bauern und städtischem Kleinbürgertum. Auch können die Hauptfeinde in der Massenbewegung höchst unterschiedlicher Art sein, z.B. große sozialdemokratische Parteien, monolithische stalinistische Regime, klassenübergreifende nationalistische oder religiöse Bewegungen.

4.2 Die Aufgabe einer internationalen revolutionären Organisation liegt im Erkennen dieser Differenzen. Alles, was bei den einzelnen nationalen Arbeiterklassen und den revolutionären Traditionen wertvoll und fortschrittlich ist, muss erkannt und übernommen werden. Zugleich aber muss das kritisiert und abgelehnt werden, was daran schädlich und reaktionär ist. Unser Ziel ist die Herstellung oder besser Wiederherstellung einer wahrhaft internationalen kommunistischen Kultur und weltweiten Praxis. Die Führung muss dabei von den internationalen zentralen Organen (ein häufig zusammentretendes internationales Sekretariat (IS) und ein regelmäßig tagendes internationales Exekutivkomitee (IEK)) übernommen werden, die diesen Verschmelzungsprozess als genauso wichtigen Teil ihrer Arbeit ansehen wie das programmatische Schaffen. Eine starke Vertretung der verschiedenen nationalen Sektionen ist nicht nur auf dem Kongress und im IEK notwendig, sondern auch so weit wie möglich im IS. Zu diesem Zweck muss versucht werden, führende Genossen aus diversen Sektionen periodisch in die Arbeit des IS einzubeziehen, dessen Sitz gezwungenermaßen an ein Land gebunden ist. Zusätzlich müssen IS-Mitglieder die Sektionen regelmäßig besuchen und lange genug bleiben, um wirkliche Erfahrungen mit den jeweiligen Arbeitsbedingungen, den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kader sammeln zu können. Außerdem sollten Revolutionäre dem gesunden Erbe der frühen Komintern nacheifern, als keine Sektion, nicht einmal die Millionen Mitglieder umfassenden Bolschewiki, die Internationale zu beherrschen versuchte; es muss gewährleistet sein, dass keine Sektion mehr als 30% der IEK-Mitgliedschaft stellt.

4.3 Die gemeinsame internationale Erfahrung sollte nicht auf die internationale Führung beschränkt sein. Sie sollte sich auf die nationalen Führungen und, wo möglich, auch auf die Mitgliedschaft erstrecken. Austausch von Genossen, manchmal für längere Perioden, kann bei der Überwindung von Sprachbarrieren helfen und ein lebendiges Band der internationalen Verbindung zwischen allen Sektionen formen. Organisationen in verschiedenen Etappen des Parteiaufbaus können unschätzbare Lehren aus der Geschichte und Erfahrungen von anderen übernehmen. Ihre Kader können durch die Arbeit in anderen Sektionen kurzfristig soviel lernen wie in jahrelanger Tätigkeit in der eigenen nationalen Sektion.

4.4 Die Kader einer internationalen Tendenz, die in verschiedenen Ländern über den Erdball verstreut sind und verschiedene Sprachen sprechen und lesen, dürfen ihre Kenntnisse über die Arbeit der anderen Sektionen nicht zufällig erwerben. Regelmäßige internationale interne Bulletins, Übersetzungen der wichtigsten Artikel und Berichte, aufmerksames Verfolgen der Presse aus allen Sektionen, spezielle Diskussionen in jeder Zelle und Ortsgruppe und regelmäßige nationale Schulungen sind nötig, um einen hohen internationalen Kaderstandard zu wahren.

4.5 Die koordinierten Anstrengungen der internationalen Tendenz können die Anfangsstadien des Parteiaufbaus für die später dazu stoßenden Sektionen modifizieren und abkürzen. Zunächst muss keine neue winzige Gruppierung die theoretisch-programmatischen Aufgaben allein bewältigen, sobald ein internationales Programm und eine internationale Tendenz existieren. Sofern eine andere gleichsprachige Sektion vorhanden ist, muss ein kleiner erster Organisationskern nicht alle seine Anstrengungen auf die Veröffentlichung von ausreichendem Material legen, wie eine isolierte Gruppe. Sogar eine Gruppe, die viel Übersetzungsarbeit zur Aneignung der Schlüsseldokumente der internationalen Tendenz benötigt, genießt den Vorteil eines programmatischen Fundaments. Außerdem können kleinere Organisationen von den vorhandenen Modellen profitieren, wie die Kaderschulung und die Führungsstruktur aufzubauen sind.

4.6 Armut engt den Publikations- und technischen Apparat sowie die Reisefreiheit stark ein. Dies kann und soll durch eine erhebliche Umverteilung der Finanzmittel in der internationalen Tendenz von den größeren Gruppen in den wohlhabenderen (imperialistischen) Ländern zu den Gruppen in den ärmeren halbkolonialen Ländern überwunden werden. In einer Periode massenhafter Klassenkämpfe und großer Gelegenheiten ist es für solche Sektionen lebensnotwendig, alle Arten von politischen und materiellen Zuwendungen zu erhalten. Dies kann ein beträchtliches Wachstum der Organisation an Mitgliedschaft und Einfluss unterstützen. Es gibt jedoch politische Grenzen für diese Hilfe; die notwendige Selbstachtung und das Selbstvertrauen der Genossen in diesen Ländern, die nicht die „Abhängigkeit“ ihrer Bourgeoisie kopieren wollen, müssen respektiert werden. Selbst in der gesündesten Organisation kann trotz internationalistischen Geistes beim Empfänger der Eindruck politischen Drucks durch totale Abhängigkeit vom Geber entstehen. In kranken Organisationen (auch degenerierten „trotzkistischen“) ist dies ein Mittel zur Ausschaltung politischer Opposition, zur Spaltung und Manipulation. Das darf bei uns nicht passieren. Die Unterstützung durch große Summen aus dem Ausland kann außerdem von politischen Gegnern (beispielsweise Lora in Bolivien) für eine Verleumdungskampagne gegen die betreffenden Sektionen ausgeschlachtet werden. Deshalb sollte finanzielle Hilfe zur Beseitigung wirklich unüberwindbarer Hindernisse eingesetzt werden.

4.7 Die Stalinisten und allzu viele „trotzkistische“, das heißt zentristische, internationale Gruppierungen scharen sich um eine dominante „Muttersektion“, in deren Händen die ganze Zentralgewalt der Internationale konzentriert ist und die das permanente Zentrum darstellt. Die Internationale wird zu einer bloßen Ansammlung von Satelliten um die Muttersektion und ist zudem dem obersten Führer dieser Sektion, seinen Ansichten und Plänen untergeordnet und ahmt seine Methoden und selbst seine Launen nach. Gelegentlich versuchen diese führenden Sektionen ihren Einfluss zu verstärken und ihre Rolle damit zu rechtfertigen, dass sie bereits das Zentrum der Weltrevolution verkörpern oder im Begriff sind, diese Position einzunehmen; dass sie auf dem Sprung zur Arbeitermassenpartei sind, oder dass sie gar vor der Machtergreifung im Staat stehen (N. Moreno in Argentinien, G. Lora in Bolivien und G. Healy in Britannien). Stellt schon der isolierte nationale Trotzkismus eine schreckliche Deformation dar, so ist dieser „koloniale Trotzkismus“ noch schlimmer, weil er andere Sektionen zu beherrschen, korrumpieren und manipulieren versucht. Jede gesunde revolutionäre Internationale sollte eine Führung anstreben, die nach Zusammensetzung, Praxis und Tagungsort so international wie nur möglich ist und das internationale Zentrum vom Apparat der größten nationalen Sektion klar trennen.

4.8 Sicherheit und die Aufgaben der legalen und illegalen Arbeit sind in einer internationalen Tendenz eine aktuelle Frage für jede Sektion und auch für das internationale Zentrum. Sektionen aus Ländern mit stabiler, weit reichender Legalität müssen diese für die internationale Tendenz insgesamt ausnützen. Sie müssen Gastgeber für Konferenzen und Treffen sein, Material publizieren, Forschung, theoretische und literarische Arbeit unter Ausnutzung der Quellen der Bourgeoisie (Büchereien usw.) verrichten. Gleichzeitig müssen sie den Umgang mit illegaler, konspirativer Arbeit lernen, in erster Linie, um die Genossen in den Ländern ohne oder mit nur schwachen bzw. kaum einklagbaren demokratischen Freiheiten zu schützen. Die Wiederentdeckung der bolschewistisch-leninistischen Praxis der Verbindung von legaler und illegaler Arbeit ist eine der wichtigen Aufgaben einer internationalen Tendenz. Sie muss auf einer solidarischen Kritik der übernommenen Traditionen beruhen, an Gewohnheiten und Methoden der verschiedenen zentristischen Traditionen, aus denen die Gruppierungen stammen.

4.9 Wenn eine internationale Tendenz das Erbe des Föderalismus, das die degenerierte Vierte Internationale hinterlassen hat, überwinden will, braucht sie nicht nur eine internationale Führung, die das Vertrauen der Sektionen genießt. Sie benötigt auch ein internationales Programm, Perspektiven und taktische Resolutionen zu ihrer Anleitung. Außerdem muss sie auch die gesamte Tendenz in gemeinsame weltumspannende Aktionen und Kampagnen führen. Anfangs wird eine solche Arbeit relativ bescheiden sein. Sie muss stets realistisch bleiben. Sie darf sich nicht in bombastischen Aufrufen oder windigen Kampagnen und Konferenzen ergehen, die niemanden außer ein paar Figuren mobilisieren, die selber rasch durch den Mangel an greifbaren Resultaten enttäuscht werden. Die Mandelisten, Lambertisten und Morenisten sind Altmeister dieser Betrugsmethoden. Die Enthüllung lässt gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Aber Ereignisse wie bedeutende Kriege, revolutionäre oder konterrevolutionäre Aktionen oder Krisen in den reformistischen oder zentristischen Weltströmungen bieten sämtlich Gelegenheiten für ein organisiertes internationales Eingreifen. In den Ländern, wo sich Sektionen befinden, können Kampagnen zur Rettung von Gefangenen des Klassenkampfes, für Solidaritätsstreiks und Boykotte anlaufen. Zu internationalen Ereignissen, Kundgebungen und Konferenzen können Abordnungen entsandt werden. Die vorrangige Aufgabe der internationalen Führung und der kooperierenden Sektionen ist die Herausgabe von Propaganda in so vielen Sprachen wie nur möglich, für unser Programm und unsere Organisationen und gegen die zentristischen bzw. reformistischen Konkurrenten.

4.10 Eine weitere Aufgabe der internationalen Tendenz ist die Koordination und der Ausgleich des Wachstums der internationalen Sektionen. Wenn eine oder mehrere Sektionen schnelle und bedeutsame Erfolge erzielt, ist es wichtig, dass alle Sektionen daraus die Lehren ziehen und sie anwenden. Die Inanspruchnahme des„„Prestiges“ dieser Erfolge in anderen Länder ist nicht zu verachten, vorausgesetzt, wir lügen und übertreiben nicht oder „kompensieren“ die Schwächen in einem Land nicht mit dem selbstgefälligen Glauben, dass unsere Genossen im Land X stark sind und wachsen. Wenn umgekehrt eine Sektion schwach ist, stagniert oder sich in der Krise befindet, ist das die Angelegenheit aller Sektionen und der internationalen Führung, die mit Ursachenforschung eingreifen und nach Möglichkeit Abhilfe schaffen müssen. Diese Kritik muss ehrlich und undiplomatisch, aber zugleich kameradschaftlich und konstruktiv sein. Widerstand seitens einer Sektion oder der internationalen Führung gegen Kritik aus nationalem Stolz oder Ansehen heraus ist anti-leninistisch und anti-internationalistisch.

4.11 Mit den koordinierten Aktivitäten der gesamten Tendenz kann man Kader aus anderen Sektionen zum Aufbau neuer Sektionen und zur Formung einer kämpfenden Propagandagruppe freistellen. Die eigene Erfahrung und die von zentristischen und sektiererischen Strömungen besagt aber, dass die „Fallschirmspringereinsätze“ durch Kader von außen und die Erhebung dieser Gruppen zu „nationalen Sektionen“ zum Scheitern verurteilt sind. Zur Verankerung einer Sektion bedarf es eines einheimischen Kaderkerns, der der Landessprache in Wort und Schrift mächtig und in der Entwicklung der eigenen Arbeiterbewegung und Klassenkampfkultur bewandert ist. Andererseits kann eine kleine Belegschaft von „Missionaren“ Kader gewinnen oder der Herausbildung einer Fraktion innerhalb einer zentristischen Organisation assistieren. Die internationale Führung muss solche Unternehmungen sorgfältig und schwerpunktmäßig organisieren. Dabei muss sie die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, mit einer langfristigen Planung verbinden, die der Bedeutung der betreffenden Länder Rechnung trägt (zum Beispiel ein größeres imperialistisches Land oder eine an Kämpfen und revolutionärer Erfahrung reiche Halbkolonie). Schließlich muss die gesamte Tendenz die Gewähr bieten, dass im Prozess des Wachstums und der Ausdehnung die zentralen Koordinations- und Kontrollorgane bzw. -apparate ihrer gestiegenen Verantwortung gewachsen bleiben oder das geforderte Niveau erreichen.

4.12 Wenn das Ziel einer kämpfenden Propagandagruppe in jedem Land die Gründung einer revolutionären Partei ist (am ehesten über das Stadium einer kleinen Kaderpartei von einigen tausend Mitgliedern als einer Massenpartei mit mehreren zehn- oder gar hunderttausend Militanten), dann liegt die Aufgabe einer internationalen kämpfenden Propagandatendenz in der Gründung einer neuen „internationalen Partei der Weltrevolution“. Es gibt keine festgelegte Größe, kein organisches Verhältnis zur Arbeitervorhut, die den Zeitpunkt bestimmen, wann eine solche Internationale gegründet bzw. ausgerufen werden kann. Eine besonders kritischer internationaler Wendepunkt (Weltkrieg, Krise, revolutionäre oder vorrevolutionäre Weltlage) kann das Überspringen von Etappen und die „Proklamation“ einer Tendenz notwendig machen, die unverhältnismäßig schwach im Hinblick auf die Aufgaben einer Internationale ist. Aber unter diesen Umständen können die sich überschlagenden Ereignisse, die geballte Aufmerksamkeit der Vorhutkämpfer für die konkurrierenden Banner bzw. Programme eine solche Ausrufung rechtfertigen (Lenin wollte mit Zimmerwald/Kienthal brechen, als der Erste Weltkrieg noch im Gange war, und Trotzki gründete die Vierte Internationale 1938 mit schwachen Kräften). Aber außerhalb dieser Bedingungen kann das langwierige Verfechten unseres Programms gegen den degenerierenden Zentrismus einen „langen Marsch“ erforderlich machen, der eine unabhängig kämpfende internationale Propagandatendenz oder den Eintritt als revolutionäre Fraktion in eine zentristische oder reformistische Internationale mit sich bringen könnte.

Schlussfolgerung

5.1 Wir wissen, dass die obigen Thesen nicht alle Antworten auf Fragen des Aufbaus von revolutionären Massenparteien geben. Sie sind vorläufig und begrenzt auf die Frühstadien des Parteiaufbaus, auf die die trotzkistische Bewegung historisch angewiesen ist. Wir wissen, dass es ganze Dimensionen des Parteiaufbaus gibt, besonders auf der Stufe von Massenorganisationen, die wir nicht ausführlich behandelt haben. Wir ziehen nur eine Bilanz der positiven und negativen Lehren aus dem Kampf für den Aufbau einer revolutionären Internationale seit dem Niedergang der Kommunistischen Internationale in den 20er Jahren. In diesem Sinne sind die Thesen mehr ein Beginn, eine Reihe von Wegweisern als ein Handbuch zum Parteiaufbau.

5.2. Wir sind keine Dogmatiker und wissen, dass wir in der Praxis des Parteiaufbaus noch viel zu lernen haben und unsere Thesen ergänzungsbedürftig sind. Es muss jedoch ein Anfang gemacht werden, um unsere Tendenz weg zu führen von den Irrtümern, die andere Tendenzen zur Auflösung oder in den Niedergang getrieben haben.

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