Der Aufstieg Stalins

Richard Brenner, Oktober 2013

Noch heute beschwört das Wort „Kommunismus“ bei vielen Vorstellungen von einer grauen Welt herauf, in der alle gleich sind, wo vor den Läden lange Schlangen stehen und niemand aus Angst vor Repression seine Meinung offen sagen kann – ein steriles Bild aus Gleichförmigkeit und Unterdrückung.

Seit dem Zusammenbruch der osteuropäischen Staaten 1989 und dem Ende der Sowjetunion 1991 ist der Begriff Kommunismus zudem mit dem Makel des Scheiterns behaftet.

Millionen ArbeiterInnen weltweit hatten die Sowjetunion als Alternative zum Kapitalismus betrachtet. Wenn der Sozialismus als Tagtraum kritisiert wurde, deuteten sie auf die Sowjetunion als Beispiel für ein “real existierendes sozialistisches Land”. Sie wurden bitter enttäuscht. Als die UdSSR zusammenbrach, waren mit ihr zugleich die in sie gesetzten Hoffnungen untergegangen.

Viele haben aus diesem Desaster einen scheinbar logischen Schluss gezogen: wenn die UdSSR sozialistisch war, wollen wir mit Sozialismus nichts mehr zu tun haben. Der Sturz des Ostblocks hat sie davon überzeugt, dass der Sozialismus ein gescheitertes Experiment war, das den Ländern, die danach strebten, nur Elend gebracht hat.

TrotzkistInnen weisen beide Spielarten dieser pessimistischen Sichtweise zurück. Die UdSSR war nicht sozialistisch – sie war stalinistisch.

Leo Trotzki und seine AnhängerInnen haben vor dem Stalinismus als Krankheit in der Sowjetunion und der sozialistischen Bewegung gewarnt. Stalins Herrschaft blockierte den Weg zum Sozialismus. Ohne Arbeiterdemokratie, echte Sowjets und die sozialistische Weltrevolution konnte die Sowjetunion auf Dauer nicht überleben.

Ohne eine grundsätzliche Umgestaltung der UdSSR durch die Arbeiterklasse musste sie untergehen und in den Kapitalismus zurück fallen. Als Millionen ArbeiterInnen in den 20er und 30er Jahren den Führern der UdSSR folgten und sie für sozialistische Helden hielten, traten allein die Trotzkisten gegen diese falschen Führer auf und brandmarkten sie als Verräter an der Arbeiterklasse.

Die GründerInnen und frühesten Mitglieder der trotzkistischen Bewegung wurden von den Stalinisten verleumdet, verfolgt, inhaftiert und ermordet, weil sie sich nicht zum Schweigen bringen ließen. TrotzkistInnen sind deshalb wegen der Niederlage des Stalinismus nicht desillusioniert. Im Gegenteil: die Niederlage des Stalinismus bestätigt die Richtigkeit der trotzkistischen Kritik an ihm. Da der Stalinismus, der die Arbeiterbewegung und die Linke jahrzehntelang irreführte und schwächte, überwunden ist, ist mit ihm auch ein wichtiges Hindernis für die internationale Revolution verschwunden.

Der erzwungene Rückzug der Bolschewiki

Russland ging sehr geschwächt aus dem Bürgerkrieg hervor. In Petrograd erzeugte die Industrie z.B. nur ein Achtel ihres Ausstoßes von 1913. Die Zahl der IndustriearbeiterInnen fiel hier von 230.000 zwischen 1918 und 1920 auf unter 80.000.

Der verzweifelte militärische Kampf gegen die Weißen hatte den Bolschewiki kaum Chancen gelassen, die Arbeiterdemokratie zu verbreitern und auszudehnen. Im Gegenteil: um den Krieg zu gewinnen, musste oft auf extrem administrative und überzentralistische Methoden zurückgegriffen werden. In den Fabriken mussten die Befugnisse der örtlichen Arbeiterausschüsse von den Bolschewiki beschnitten werden, damit die Produktion in den von der Regierung kontrollierten Gebieten koordiniert werden konnte. Von den Bauern musste Getreide beschlagnahmt werden, damit die Städte ernährt werden konnten. Militärische Schwächen führten dazu, dass die Sowjetregierung das Recht auf Wahl der Offiziere in der Armee einschränkte. Fachleute mussten in der Industrie zur Hebung der Produktion berufen werden. Die Sowjets selbst wurden kleiner und weniger repräsentativ, weil Millionen ArbeiterInnen und Bauern in der Roten Armee dienten.

Lenin und Trotzki haben nie ein Hehl aus ihren Vorhaben gemacht oder versucht, diese Maßnahmen als sozialistisch auszugeben. Lenin schrieb, dass sie “einen Schritt zurück für unsere sozialistische, sowjetische Staatsmacht” (Lenin, Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht, LW 27, S. 239) bedeuteten. Er warnte sogar: “Den Massen verheimlichen, dass die Heranziehung bürgerlicher Spezialisten durch außerordentlich hohe Gehälter eine Abweichung von den Prinzipien der Kommune ist, würde bedeuten, auf das Niveau bürgerlicher Politiker herabzusinken und die Massen zu betrügen.” (Ebenda, S. 239)

Wie konnte Lenin dies sagen und zugleich diese Politik durchführen? Weil er sie als vorübergehende Notwendigkeit ansah. Während des Krieges und kurz danach mussten Sondermaßnahmen zur Überlebenssicherung des Arbeiterstaates ergriffen werden. Aber es handelte sich um Rückzüge, die – wenn der Sozialismus gefestigt werden sollte – nicht lange fortbestehen konnten.

NÖP und Fraktionsverbot

1921 hielten die russischen Bauern ihre Vorräte aus Protest gegen die Requirierung von Getreide zurück. Der Staat musste einen neuen Bürgerkrieg gegen die Bauern vermeiden. Er brauchte eine Ruhepause, in der die Wirtschaft wiederaufgebaut werden konnte. Zu diesem Zweck musste eine Kompromiss mit den Bauern her: die Neue Ökonomische Politik (NÖP).

Anstelle der Getreidebeschlagnahme wurden die Bauern besteuert und ein fester Teil der Produktion jedes Bauernhofes abgeführt. Der Rest konnte von den Bauern frei auf dem Markt nach alter kapitalistischer Manier verkauft werden. Damit wurde zwar die Gefahr eines Bauernkrieges abgewendet und die Produktion angekurbelt, aber gleichzeitig wurden Konkurrenz, Ausbeutung und all die für den Kapitalismus typischen Praktiken ermuntert. Dieses Risikos waren sich die führenden Bolschewisten allerdings bewusst.

Gleichzeitig erließ das Sowjetregime Maßnahmen, um zu verhindern, dass die NÖP in eine volle Wiederherstellung des Kapitalismus in Russland umschlug. Den armen und mittleren Bauern ließ man staatliche Zuschüsse angedeihen, um die Bildung von Genossenschaften als Gegengewicht zu den reichen Bauern zu fördern.

Die Kernindustrien blieben ebenso wie der Außenhandel in staatlicher Hand. Anstelle der Produktion nach Profit begann die Sowjetregierung versuchsweise mit der bedürfnisorientierten Erzeugung nach einem Plan. 1921 wurde ein staatlicher Planungsausschuss zur Durchführung dieser sozialistischen Aufgabe eingerichtet.

Mittels der NÖP konnte die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden. Das verschaffte der Sowjetunion eine lebenswichtige Atempause, als die Bevölkerung durch Hungersnot und Krieg zermürbt war.

Aber die NÖP gestattete auch einer bestimmten Schicht von Leuten, sich Privilegien zu sichern. Die reichen Bauern, die Kulaken, und viele Zwischenhändler zogen ihren unmittelbaren Vorteil aus der profitorientierten Produktion. Sie wurden immer reicher und verschärften damit die ländliche Klassendifferenzierung. Zugleich wuchs eine Schicht von sogenannten NÖP-Leuten innerhalb der Kommunistischen Partei und dem Staatsapparat heran. Ihre Aufgabe war die Organisation der Verteilung von Produkten und die Funktion als Mittelsmänner zwischen Kulaken und Staat.

Lenin und Trotzki wollten gewährleisten, dass wachsender Wohlstand und Macht der Kulaken nicht zur Korrumpierung der Partei führten. Sie fürchteten, dass ein Teil der Partei stärker die Interessen der Kulaken vertritt als die der Arbeiterklasse.

Die kommunistischen Führer beschlossen, dem durch Verhängung eines – ausdrücklich als vorübergehend und außerordentlich bezeichneten – Verbots organisierter Fraktionen innerhalb der Partei, das auf dem 10. Parteikongress 1921 eingeführt wurde, einen Riegel vorzuschieben.

Das bedeutete allerdings nicht das Ende jeglicher politischer Diskussion und Debatte in der Partei. Der 10. Kongress betonte, dass Kritik an der Partei “unbedingt notwendig” sei und dass “jeder praktische Vorschlag unverzüglich, ohne jede Verschleppung unverzüglich, an die örtlichen und zentralen leitenden Organe der Partei zur Erörterung weitergeleitet wird” (Lenin, Ursprünglicher Entwurf der Resolution des X. Parteitages der KPR über die Einheit der Partei, in LW, Bd. 32, S. 247), damit sie notwendig Korrekturen machen können. Aber Parteimitglieder sollten keine Fraktionen oder politischen Plattformen auf Grund von Differenzen bilden.

Das erwies sich als Fehler und erreichte das Gegenteil von dem, was Lenin und Trotzki beabsichtigt hatten. Eine privilegierte Bürokratie entstand allmählich in den Reihen der Partei. Sie bestand aus und wurde gefördert von Leuten, die ihre Position in der Gesellschaft der führenden Rolle der Partei und ihrer Macht unter der NÖP verdankten. 1923 waren die Altmitglieder aus der Zeit vor der Revolution in der Partei schon eine Minderheit von unter 10%.

Die neue Schicht von Bürokraten – eine “Kaste”, wie Trotzki sie später bezeichnen sollte – hatte einen Anführer in der Parteispitze: Josef Stalin. Nach seiner Berufung zum Generalsekretär der Partei 1922 vereinigte Stalin eine gewaltige Machtfülle in seiner Hand.

Ein riesiger Apparat von ernannten Funktionären ersetzte das alte Regime der frei gewählten Amtsträger innerhalb der Partei und der Sowjets. Jede abweichende Meinung, jede Kritik wurden bald geächtet.

Gefahr der Bürokratisierung

Im März 1923 erlitt Lenin seinen dritten Schlaganfall, der seiner aktiven politischen Laufbahn ein Ende setzte und einen Machtkampf in der Parteiführung heraufbeschwor, der nach Lenins Tod im Januar 1924 offen ausbrach.

Stalin, Sinowjew und ein weiterer  “alter Bolschewik”, Kamenjew, schlossen ein Geheimbündnis. Ihr Ziel war simpel – die Verhinderung Trotzkis als Nachfolger Lenins und Leitfigur in der Partei. Aber so einfach war das nicht, immerhin war Trotzki neben Lenin der  bekannteste und populärste Sowjetführer. Er war die zentrale Persönlichkeit im Petrograder Sowjet. Er hatte den Aufstand zum Sturz der provisorischen Regierung organisiert und die Rote Armee im Bürgerkrieg befehligt. Lenins Testament beschrieb ihn als „fähigsten Mann im gegenwärtigen ZK“ (Lenin, Werke, Bd. 36, S. 579) der Partei.

Doch viele in der Partei, gerade langgediente Bolschewiki, begegneten Trotzki mit Argwohn: er stand 1903 auf Seiten der verhassten Menschewiki und hatte vor 1917 einen langen Kampf gegen Lenins Konzept der revolutionären Partei geführt. Die bürokratische Fraktion in der Parteispitze spielte auf dieses Misstrauen an, als sie nach Lenins Tod ihre Kampagne zur Isolierung Trotzkis entfachte.

In einer Reihe von Briefen, vom Krankenlager aus diktiert, warnte Lenin immer wieder vor der Bürokratisierung der Partei, vor der Aufblähung des Staatsapparates und der wachsenden Entfremdung von den Arbeitermassen. Er beschrieb den neuen Staat als nicht vollständig sozialistisch, sondern als einen Zwitter zwischen neuem Arbeiterregime und altem Zarenstaat, dessen bürokratische “Experten” die Bolschewiki im Bürgerkrieg und in der Periode des wirtschaftlichen Wiederaufbaus gezwungen waren zu nutzen:

„Jetzt aber müssen wir, wenn wir ehrlich sein wollen, umgekehrt sagen, dass wir einen Apparat als eigenen bezeichnen, der uns in Wirklichkeit fremd ist und ein bürgerlich-zaristisches Gemisch darstellt, das wir beim besten Willen in den fünf Jahren nicht überwinden konnten, in denen wir uns die Hilfe anderer Länder fehlte und wir uns vorwiegend militärisch ‚beschäftigten‘ und die Hungersnot bekämpften.“ (Lenin, Zur Frage der Nationalitäten oder der „Autonomisierung“, in LW, Bd. 36, S. 591)

Trotz seines ernsten Zustandes warnte Lenin mit wachsendem Nachdruck vor der Rolle Stalins. Er drängte darauf, ihn seines Postens zu entheben.

“Stalin ist zu grob, und dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr mit Kommunisten durchaus erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemanden anderen an seine Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, dass er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist.“ (Lenin, Ergänzung zum Brief vom 24. Dezember 1922 vom 4. Januar 1923, LW 36, S. 580)

Zur Umsetzung dieses Ratschlags wandte sich Lenin an Trotzki mit dem Angebot für einen politischen Block gegen Stalin auf dem 12. Parteikongress im April 1923. Doch Trotzki verschob dessen Durchführung – ein Fehler, den er sein Lebtag bereuen sollte.

Im Herbst 1923 ging die Parteileitung gegen oppositionelle Formationen in der Partei vor. Sie forderte, dass Fraktionsbildung entweder der Parteispitze oder der nun in GPU umbenannten Geheimpolizei gemeldet werden sollte. Anstelle von demokratischer Diskussion sollte die Partei nun einer repressiven Polizeiherrschaft unterworfen werden.

Ab Oktober konnte Trotzki nicht länger untätig bleiben. Er begann einen Kampf gegen den Stalinismus, der bis zu seinem Lebensende dauern sollte.

Der Kampf um Parteidemokratie

Im Oktober 1923 unterzeichneten Trotzki und 45 andere führende Parteimitglieder einen Brief an das Zentralkomitee, worin sie gegen die zunehmende Bürokratisierung in der Partei und die sich verschlechternde Wirtschaftslage protestierten. Die „Erklärung der Sechsundvierzig“ zeichnete ein akkurates Bild der Zustände in der Partei:

“Parteimitglieder, die mit dieser oder jener Verordnung des ZK oder sogar eines Gouvernementskomitees unzufrieden sind, die diese oder jene Zweifel haben, diese oder jene Fehler, Ungereimtheiten oder Missstände für sich registrieren, fürchten sich davor, hierüber auf Parteiversammlungen zu sprechen – mehr noch, sie haben Angst, miteinander zu reden, wenn der Gesprächsteilnehmer kein völlig zuverlässiger, d.h. nicht ‚schwatzhafter‘ Mensch ist. Die freie Diskussion innerhalb der Partei hat faktisch aufgehört, die öffentliche Meinung der Partei ist verstummt. In unseren Tagen werden die Gouvernementskomitees und das ZK der KPR nicht von der Partei und nicht von ihren  Massen aufgestellt und gewählt. Im Gegenteil: In immer größerem Maße wählt die Sekretärs-Hierarchie der Partei die Teilnehmer für Konferenzen und Parteitage, die immer mehr zu Versammlungen werden, auf denen diese Hierarchie bestimmt.

Das Regime, das sich innerhalb der Partei etabliert hat, ist völlig unerträglich: es tötet die Selbständigkeit der Partei und setzt an Stelle der Partei einen auserwählten bürokratischen Apparat.” (Erklärung der 46, in: Trotzki, Schriften 3.1., S. 634)

Die Plattform zeigt, dass das Fraktionsverbot fehlgeschlagen und die Parteispitze von einer zentristischen Fraktion unter Führung Stalins beherrscht war. Die soziale Basis dieser Fraktion war der vieltausendköpfige, nach dem Bürgerkrieg für die Staatsmaschine rekrutierten Funktionäre. Trotzki sagte, dass in dem Maße, wie der direkte Einfluss der Arbeiterklasse auf die Bürokratie schwand, sich die Stalin-Fraktion dem Druck von prokapitalistischen Kräften auf dem Lande ausgesetzt sah.

Die Opposition forderte: „Das fraktionelle Regime muß beseitigt werden, und dafür sind in erster Linie die Träger dieses Regimes verantwortlich; es muß durch ein Regime der kameradschaftlichen Einheit und der innerparteilichen Demokratie ersetzt werden.“ (Erklärung der 46, Ebenda, S. 635)

Nur so könnten die politischen Meinungsverschiedenheiten angemessen erörtert werden, ohne Angst vor Repressalien durch Führung oder Geheimpolizei.

Zweites Hauptthema der Plattform war die Wirtschaftskrise. Die NÖP hatte die landwirtschaftliche Produktion gesteigert, die Preise für Nahrungsmittel waren gefallen. Die Rückständigkeit der russischen Industrie verursachte andererseits einen Mangel an Fertigwaren, deren Preise stiegen. ArbeiterInnen und Bauern bekamen zu spüren, dass es keine billigen gewerblichen Waren gab. In der Folge davon sank ihr Interesse, Agrargüter für den Austausch gegen Industrieprodukte zu erzeugen.

Trotzki und viele der Plattform-Unterzeichner wollten, dass die Partei einen umfassenden Wirtschaftsplan ausarbeitete, wie es von Lenin vorgeschlagen worden war. Damit hätte die Industrie großflächig modernisiert, die Preisspanne zwischen Industrie- und Agrarprodukten verringert und Macht, Wohlstand und Bedeutung der Kulaken abgebaut werden können. Dann wiederum konnte die Landwirtschaft erneuert und stetige Fortschritte hin zur Organisierung einer wahrhaft sozialistischen Produktion gemacht werden, die sich an den Bedürfnissen der VerbraucherInnen orientiert.

Diese Vorschläge wurden von der neuen Bürokratie übergangen, bis sich die Krise Ende der 20er Jahre dramatisch zuspitzt hatte. Trotz großen Rückhalts in den Parteireihen, v.a. bei der Jugend, den StudentInnen und in Moskau, erlitt die Opposition 1923 eine Niederlage.

Die Unterdrückung wirklicher Parteidemokratie ermöglichte es der Stalin-Fraktion, Trotzkis Anschauungen falsch darzustellen und Parteimitglieder inner- und außerhalb Russlands davon abzuhalten, sich selbst eine Meinung zu seinen Positionen zu bilden.

Die 1919 als Weltpartei errichtete Kommunistische Internationale, die die revolutionären KommunistInnen der ganzen Welt vereinte, war nun demselben bürokratischen Druck ausgesetzt wie die russische Partei. Die Stalinisten forderten von jeder Partei ein Bekenntnis gegen den “Trotzkismus” sowie die Ablehnung von Trotzkis Argumenten und benutzten dafür ihre Kontrolle über den Apparat, um sicher zu gehen, dass kaum jemand seine Dokumente im Wortlaut kannte.

Die Niederlage der Opposition 1923 signalisierte einen weiteren Schritt im Niedergang der Partei. Von 1923 an warnten Trotzki und die Opposition vor den Gefahren für den Arbeiterstaat durch die Vermehrung von Reichtum und Macht der Kulaken. Die Opposition brachte eingehende Vorschläge für den Aufbau der russischen Industrie nach einem Plan und die Forcierung landwirtschaftlicher Genossenschaften ein. Diese könnten dann billig von den Städten mit industriellen Gütern versorgt, falls nötig sogar subventioniert werden. So könnte die starke Stellung der reichen Bauern allmählich unterhöhlt und das Band zwischen den arbeitenden städtischen und ländlichen Bevölkerungsteilen wieder gefestigt werden.

Doch Stalin war blind für die Bedrohung durch die Kulaken. Sein Verbündeter, der frühere “Linkskommunist” und Brest-Litowsk-Gegner Bucharin, war auf den rechten Flügel der Partei gewechselt. Er und seine Anhänger spiegelten die Interessen der reichsten Bauern wider und traten offen für sie ein. Sein Zuruf an sie lautete “Bereichert euch!” – das Gegenteil einer sozialistischen Vorgangsweise. Der Präsident der UdSSR, Kalinin, lobte in seinen Reden sogar die “wirtschaftlich kraftvollen Bauern” und beschimpfte die armen Bauern als faul!

In Leningrad, dem früheren Petrograd, mit seiner langen revolutionären Tradition wuchs die Besorgnis der Arbeiterklasse über den heraufziehenden “Kulaken-Sozialismus”.

Der Parteiführer Petrograds, Sinowjew, geriet unter großen Druck seitens der dortigen Arbeiterschaft. 1925 brach dieser frühere Trotzki-Gegner mit Stalin. Ein Jahr darauf gründete er mit Trotzki die “Vereinigte Opposition”. Sie strebten Planwirtschaft, Industrialisierung sowie höhere Steuern und Zwangsanleihen für die Kulaken an, traten der reaktionären Theorie vom „Sozialismus in einem Land“ entgegen und pochten auf das Recht, in den Reihen der Partei gehört zu werden.

Die Stalinisten antworteten auf doppelte Weise. Anstelle von Argumenten verhöhnten und verleumdeten sie ihre Gegner. Sie behaupteten, die Opposition wären “Konterrevolutionäre”, die die “Bauern berauben” wollten. Die Kulaken-Gefahr sei “übertrieben”. Der Stalin-Bucharin-Block ging mit polizeilichen Unterdrückungsmethoden gegen die Opposition vor. Sinowjew wurde von seinen Funktionen in Leningrad und als Vorsitzender der Kommunistischen Internationale (Komintern) entbunden. Im November 1927 wurden er und Trotzki einen Monat vor der Konferenz aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen.

Die “Vereinte Opposition” traf der Bannstrahl Stalins. Die Geheimpolizei GPU überfiel die Druckerei, in der Exemplare der politischen Plattform für die Parteimitglieder hergestellt wurden. Ein Drucker wurde als Agent der weißgardistischen Generäle beschuldigt – eine komplette Lüge.

Die Führer der “Vereinten Opposition” Trotzki, Sinowjew und Kamenjew waren alle jüdischer Herkunft. Die Stalin-Bucharin Führung schreckte nicht davor zurück, eine antisemitische Kampagne gegen sie anzuzetteln. Mittels gedungener kriminelle Elemente wurden oppositionelle Zusammenkünfte aufgelöst. Die Polizei griff Demonstrationen der Opposition an.

1928 waren die Schlüsselfiguren der Opposition sämtlich aus der Partei ausgestoßen. Trotzki wurde verbannt. Die Bürokratie hatte über die Repräsentanten der Tradition des Oktober 1917 und des Sozialismus gesiegt. Von da an mussten die wahren Hüter von Lenins sozialistischem Programm ihren Kampf gegen Stalin isoliert in Gefangenenlagern weiterführen.

Stalin übernimmt die alleinige Kontrolle

Kaum war die Opposition durch die Stalinsche Repression unterdrückt, schon machten die Kulaken gegen den Arbeiterstaat mobil. Im Winter 1927/28 wollten sie ihr Getreide nur zu höheren Abnahmepreisen an den Staat verkaufen. Von Bucharin zur Selbstbereicherung ermutigt, waren sie jetzt entschlossen, dies auf Kosten der Arbeiterklasse auch zu tun. Trotzkis Warnungen waren bestätigt.

Der Stalin-Bucharin-Pakt geriet nun unter großen Druck. Bucharins rechter Flügel verfolgte einen Kurs, der letztlich zur Wiederherstellung des Kapitalismus und des Marktes führen musste. Dies konnte der größte Teil der KP-Bürokratie, die soziale Basis von Stalins zentristischer Fraktion, nicht hinnehmen. Denn sie verdankten ihre Macht, ihre Privilegien und Positionen letztlich der Existenz des Arbeiterstaats, obwohl ihre Politik diesen letztlich ruinierte.

Nach der Niederlage der Opposition hatte die Bürokratie keine große Gefahr mehr von Seiten der Arbeiterklasse zu fürchten, weil diese nun keine Führung mehr hatte. Sie musste jetzt auf die Gefahr der Kulaken antworten. Wenn der Getreideboykott Erfolg hätte, wer sollte die reichen Bauern davon abhalten, danach auch zu versuchen, die Bürokratie selbst zu stürzen?

Stalin wandte sich nun gegen die Bucharin-Fraktion, 10.000 Parteimitglieder wurden ausgeschickt, um das Getreide zu beschlagnahmen, während die Anhänger der Rechten hinausgesäubert wurden. Die Zeit der NÖP war vorüber. Bucharin wurde aus der engeren Leitungszentrale entfernt, blieb aber im Zentralkomitee. Unterdessen wurden die ersten Mitglieder der “Linken Opposition” Trotzkis  erschossen. Die “Linke Opposition” war in der revolutionären Arbeiterklasse verankert. Ihr Programm stand für wirklich internationalen Sozialismus. Die Klassenbasis der Bucharinisten lag in der reichen Bauernschaft, bei den NÖP-Leuten und neuen Kapitalistenkreisen. Ihr Programm führte zurück zum Kapitalismus.

Stalins “Zentrums”-Fraktion stand dazwischen. Ihr einziger Stützpfeiler war die Bürokratie des Arbeiterstaates und der Partei. Damit erklärte sich auch ihre Feindschaft zur Arbeiterklasse und zur Weltrevolution, die sie überflüssig gemacht hätte, aber ebenso ihre Weigerung, Bucharin ganz auf dem Weg zum Kapitalismus zu folgen.

Stalin Lage war heikel. Die Bürokratie stellte keine unabhängige, rechtmäßige Klasse dar – weder im Kapitalismus noch im Sozialismus konnte sie eine wesentliche Rolle in der Gesellschaft spielen. Sie war ein Schmarotzer am Arbeiterstaat, hervorgebracht durch Isolation, Rückzug und Niederlage. Sie behinderte den Übergang zum Sozialismus, vermochte aber kein eigenes Gesellschaftssystem an dessen Stelle hervorzubringen. Ihre einzige Rolle bestand im Blockieren des Fortgangs der Revolution und der Auspolsterung des eigenen Nestes.

Als Vertreter dieser Bürokratie fand Stalin keine andere Stütze in der Sowjetunion. Diese Instabilität erschreckte ihn und seinen bürokratischen Anhang. Es gab nur einen Weg, die Kontrolle auszuüben: durch Terror. Aber das war nicht der Rote Terror gegen die Bourgeoisie und deren Agenten. Vielmehr zielten die Anschläge der GPU auf jeden Anflug von Opposition und löschten Millionen alter BolschewistInnen, ArbeiterInnen, GegnerInnen der Bürokratie, Minderheiten und sogar unabhängige WissenschaftlerInnen und Fachleute aus.

Die Windmühle

George Orwells berühmtes Buch „Animal Farm“ ist eine Fabel, die sich auf die Geschichte der russischen Revolution bezieht. Die Tiere übernehmen die Farm und werfen die kapitalistischen menschlichen Lebewesen hinaus. Zwei Schweine rivalisieren um die Führung der Tiere, Snowball, das Trotzki darstellen soll, und Napoleon, der Stalin dieser Geschichte.

An einer Stelle trägt Snowball Pläne für den Bau einer Windmühle vor, um die Arbeit für alle Tiere zu erleichtern. Napoleon verrichtet daraufhin kommentarlos sein Geschäft auf den Bauplänen. Er richtet eine Meute von bösartigen Hunden ab und lässt Snowball von der Farm vertreiben. Dann schickt er sich an, eine eigene Windmühle zu bauen, und für deren Fertigstellung treibt er die anderen Tiere zu unsäglichen Opfern an.

Stalin hatte über die Pläne der Opposition zur Industrialisierung, Planung und Kollektivierung der Landwirtschaft gespottet. Nach der Niederwerfung der Kulaken-Gefahr startete er wie das Schwein bei Orwell eine Kampagne, die sich der Politik der Opposition bediente. Doch anstelle von vernünftiger, demokratisch abgestimmter Planung für einen stetigen Fortschritt setzte Stalin auf Zwang, Befehle und brutalen Terror, um seine oft unrealistischen, gigantomanischen Pläne durchzusetzen.

Während Lenin und Trotzki für freiwillige Erzeugerzusammenschlüsse auf dem Land plädiert hatten, um die Macht der Kulaken zu untergraben, kollektivierten die Stalinisten die Landwirtschaft nun per Zwang. Ende Februar 1930 arbeitete mehr als die Hälfte der sowjetischen Bauernschaft auf Kolchosen (Genossenschaften). Jeder, der sich der neuen Politik widersetzte, wurde in der öffentlichen Propaganda plötzlich als Kulak bezeichnet; 320.000 wurden in den ersten Monaten des neuen Kurses deportiert.

Aber ohne tauglichen Plan für die industrielle Entwicklung, ohne den Rückhalt der Bauern selbst, verarmte und entfremdete sich die Landbevölkerung. Als Zeichen des Widerstandes schlachteten sie ihr Vieh. Von 1929 bis 1934 sank der Rinderbestand um 40%, der Schafe um 65% und die Getreideernte um ein Viertel. Zwar waren die Kulaken geschlagen, aber um den Preis einer schwer zerrütteten Landwirtschaft und einer dramatischen Hungersnot.

In der Industrie übernahmen die Stalinisten gleichfalls die Pläne der Opposition, aber wiederum in verzerrter Form. Hatten sie zuvor noch ihren Spott mit dem bloßen Gedanken an einen Wirtschaftsplan getrieben, installierten die Stalinisten nun einen überambitionierten Megaplan, setzten Planziffern und einen 5-Jahres-Plan fest. Der Plan war nicht Ergebnis einer demokratischen Debatte, die Bedürfnisse und Möglichkeiten berücksichtigte, sondern von “oben” dekretiert. Diskussion oder Kritik wurde unter dem Vorwurf konterrevolutionärer Tätigkeit unterbunden.

Trotzdem wurden wirkliche Fortschritte erzielt, was die Voraussagen der Opposition bestätigte. Während des ersten Fünfjahrplans wurden 1.500 neue Fabriken gebaut. Ein neues Kohlerevier wurde erschlossen und das Dnjeperstroj-Kraftwerk, das größte Europas, entstand. Aber diese Errungenschaften waren nur erreichbar dank der aufopferungsvollen Tätigkeit der ArbeiterInnen, die mit aller Anstrengung eine Alternative zum Kapitalismus aufbauen wollten. Das gewaltige Potenzial der Planwirtschaft wurde verdreht und gehemmt durch den Stalinismus, ihre Dynamik gelähmt durch die Bürokratie.

Der Plan wurde von Funktionären ohne Rechenschaftspflicht aufgestellt. Ihr Ziel war nie die Hebung des Lebensstandards der Massen und die Erleichterung ihrer Arbeitslast. Planziele wurden ohne Rücksicht auf ihre Erreichbarkeit gesteckt. Um das Soll zu erfüllen, wurde nicht auf die Qualität der Produkte geachtet. Man vergeudete Riesenkräfte für den aufgeblähten Repressionsapparat.

Die Bürokraten plünderten den Staat, rafften immer mehr Privilegien und Reichtümer und frisierten die Bilanzen, um ihren Raubzug zu vertuschen. Stalin verleugnete das eigentliche Ziel des Sozialismus, die Beseitigung von Ungleichheit und den Aufbau einer klassenlosen Gesellschaft, indem er erklärte: “Gleichmacherei hat nichts mit marxistischem Sozialismus gemein. Nur Leute, die nicht vertraut sind mit dem Marxismus, können die primitive Vorstellung haben, dass die russischen Bolschewiki allen Reichtum in einen Topf werfen und ihn gleich verteilen wollen.”

Die verratene Revolution

1932 hatte Stalin seine Herrschaft perfektioniert. Trotzki beschrieb sie als eine Form von Bonapartismus. Dieser Begriff taucht zuerst bei Karl Marx auf. Er erklärte damit, wie in Krisenzeiten ein „starker Mann“ emporkommen, alle gesellschaftlichen Kräfte für sich zu vereinnahmen und scheinbar über den widerstreitenden Klassen stehend deren Gegensätze auszugleichen vermag.

Stalinismus war eine Art Bonapartismus im Arbeiterstaat. Der Diktator thronte über den Widersprüchen zwischen der UdSSR und den kapitalistischen Feinden, aber auf unsicherer  Grundlage.

Zur Absicherung ihrer Herrschaft musste die Bürokratenkaste auf jeden möglichen Gegner einschlagen. Die Großen Säuberungen der 30er Jahre erfassten als Ergebnis Millionen, die Opfer von Verfolgung und Unterdrückung wurden. In ihrer Raserei bedrohte, folterte und erpresste die Bürokratie. Unter lächerlichen Anschuldigungen wurden Menschen festgenommen, zu Geständnissen durch Vorspiegelung strafmildernder Umstände erpresst und dann nach makabren “Schauprozessen” hingerichtet.

Ehemalige Mitglieder der “Linken Opposition” wie Pjatakow und Rakowski legten erzwungene Geständnisse ab und riefen unter Folter zur Ausschaltung ihrer eigenen Bewegung auf. Sinowjew, Kamenjew und Smirnow gestanden, weil sie sich von Stalins falschem Versprechen täuschen ließen, sie würden dann verschont bleiben. Kurz nach ihrer Aussage aber wurden sie zur Hinrichtung abgeführt.

Die Säuberungen waren zügellos. Jeder, der nur einen Deut gefährlich für Stalin schien, wurde umgebracht. Die gesamte alte Garde der Bolschewiki, darunter auch Bucharin, wurde ermordet. Auch die Führung und das Offizierskorps der Roten Armee traf der Terror, machte die Rote Armee damit praktisch führungslos und schwächte sie dramatisch. WirtschaftlerInnen und wissenschaftliche ExpertInnen, die Fehler im Fünfjahrplan aufdeckten, wurden beseitigt. Die Gefangenenlager quollen über. Hunderttausende Gefangene starben für Stalins enorme Sklavenarbeitsunternehmen.

In allen Schauprozessen fehlte jedoch der Hauptangeklagte – Trotzki. Er war ins Ausland verbannt worden. In Abwesenheit wurde er für schuldig befunden, mit Hitler und den Japanern einen Block gebildet sowie Terrorismus und Industriesabotage verübt zu haben. Für jeden Fehler, jede Schwäche des bürokratischen Systems wurde ausgerechnet der frühere Führer der Revolution haftbar gemacht.

Trotzkis jüngster Sohn, ein Ingenieur ohne politische Betätigung, wurde von der GPU ermordet. Seine engsten Mitarbeiter im Westen, Sekretäre und Assistenten wurden gejagt und umgebracht. Trotzkis ältester Sohn Leo Sedow fiel in einem Pariser Krankenhaus Stalins Schergen zum Opfer.

Nichts blieb unversucht, um Stalins ärgste Bedrohung auszurotten: das Überleben des revolutionären Programms des Bolschewismus mit seinem Versprechen der Weltrevolution und der Zerstörung von Macht und Privilegien der Bürokratie. Erst wenn diese Alternative ausgeschaltet war, konnte Stalin hoffen, seine UdSSR, in der viele Errungenschaften der Oktoberrevolution 1917 getilgt waren, als “real existierenden Sozialismus” zu präsentieren.

Der degenerierte Arbeiterstaat

Trotzki, der einzig noch verbliebene bolschewistische Führer, kapitulierte nicht vor Stalin. Er kämpfte bis zum Schluss. Er war der einzige Anti-Stalinist, der die marxistische Methode für das Verständnis des Niedergangs der russischen Revolution anwendete. Er analysierte jede Aufstiegsphase und jeden politischen Schwenk der Bürokratie, um sie besser verstehen und die Arbeiterklasse so besser mit dem Programm für deren Sturz wappnen zu können.

Es gab gewichtige materielle und geschichtliche Gründe für den Niedergang der russischen Revolution und den Aufstieg des Stalinismus. Die in den Auseinandersetzungen in der UdSSR beteiligten Persönlichkeiten widerspiegelten auf jeder Ebene Klassendruck und -interessen und handelten in Überstimmung damit.

Trotzki erklärt dies folgendermaßen: “Die Hilfe aus dem Westen blieb aus. Die Macht der demokratischen Sowjets erwies sich als hinderlich, ja, als unerträglich, als es darum ging, die für die Verteidigung, Industrie, Technik und Wissenschaft unentbehrlichen privilegierten Gruppen zu versorgen. Auf Grund dieser keineswegs ’sozialistischen‘ Operation ‚zehn wegnehmen, um einem zu geben‘ kam es zur Absonderung und Vermehrung einer mächtigen Kaste von Spezialisten an der Futterkrippe.” (Trotzki, Die Verratene Revolution, Trotzki, Werke 1.2., S. 735)

Die Rückständigkeit und Isolation Russlands waren die Hauptgründe für den Rückzug der Revolution und das Erstarken der Bürokratie.

Wie war der Sowjetstaat einzuordnen? Die Stalinisten bezeichneten ihn als sozialistisch. Trotzki argumentierte entgegengesetzt. Eine sozialistische Gesellschaft hat für ihn zur Voraussetzung das Absterben des Staates als Hüter des Eigentums, die Milderung von Ungleichheit und die allmähliche Ablösung des Eigentumsgedankens auch in Moral und Bräuchen der Gesellschaft. Die wirkliche Entwicklung in der Sowjetunion der vergangenen Jahre ist einem genau umgekehrten Weg gefolgt. Die Ungleichheit wächst und mit ihr der staatliche Zwang.

Sozialismus war das Ziel der frühen Sowjetrepublik. Es war nicht erreicht worden, dazu bedurfte es der Arbeiterdemokratie und der Weltrevolution. In der UdSSR und außerhalb hatte der Stalinismus durch sein konterrevolutionäres Programm der internationalen kommunistischen Bewegung den Zugang zum Sozialismus versperrt und den Rückwärtsgang eingelegt.

War die UdSSR also kapitalistisch? Das schien für viele heute wie damals eine schlüssige Klärung des ganzen Problems zu sein. Trotzki verneinte dies.

Kapitalismus ist ein System, in dem alles für den Verkauf als Ware auf einem Markt produziert wird. Arbeitskraft, die Fähigkeit der Arbeitsbevölkerung zu arbeiten, wird ebenso wie alle anderen Waren auf einem Markt gekauft und verkauft. Die Produktion durchläuft Zyklen von Blüte und Flaute. Arbeitslosigkeit und Inflation zerrütten die Ökonomie. Die herrschende Klasse macht Riesenprofite durch die legale Ausbeutung der Arbeiterschaft.

In der UdSSR war das grundsätzlich anders. Güter wurden nicht wegen des Profits durch Verkauf auf einem Markt erzeugt, sondern die Produktion wurde gemäß dem Bedarf organisiert, den allerdings die Bürokratie in ihrem zentralen Plan festlegte. Statt in privatem Besitz befand sich alles Eigentum in Staatshand. Arbeitskraft wurde nicht frei gehandelt, sondern durch Planung eingeteilt; die Löhne waren festgesetzt.

Die Wirtschaft entfaltete sich ohne die zyklischen Schwankungen der kapitalistischen Ökonomie. Anstelle von Massenerwerbslosigkeit gab es, wenn überhaupt, Überbelegung in den Großindustrien. Für Jahrzehnte blieb Inflation ein Fremdwort. Die Bürokratie bereicherte sich, jedoch illegal, durch Diebstahl an Staatseigentum und Fälschung von Bilanzen. Sie besaß weder Besitzrechte, noch konnte sie durch Kauf, Verkauf oder Vererbung von Fabriken oder von Grund und Boden ihren Besitz mehren.

Waren die Stalinisten eine neue herrschende Klasse wie die alte Bourgeoisie? Trotzki verneinte das. Ohne ihren reaktionären Charakter nur für einen Moment aus den Augen zu verlieren, wies Trotzki darauf hin, dass die Bürokratie die Anforderungen der Kategorie Klasse nicht erfüllte. Eine herrschende Klasse prägt notwendigerweise das Gesellschaftssystem, an dessen Spitze sie steht, und bringt diese Gesellschaft voran, bis ihr System sich erschöpft hat und einer anderen Klasse und einer neuen Gesellschaftsordnung Platz machen muss. Aber die Rolle der Stalinisten war zu keiner Zeit notwendig für die Entwicklung der UdSSR:

„Die historische Rechtfertigung einer jeden herrschenden Klasse bestand darin, daß das Ausbeutungssystems, an dessen Spitze sie stand, die Entwicklung der Produktivkräfte auf eine neue Stufe hob. Zweifellos hat das Sowjetregime der Wirtschaft einen mächtigen Impuls gegeben. Doch dieser Impuls ging von der Verstaatlichung der Produktionsmittel und vom Planungsprinzip aus, keineswegs aber von der Tatsache, dass die Bürokratie die Befehlsgewalt über die Wirtschaft usurpiert hat. Im Gegenteil, die Bürokratie als System wurde zum schlimmsten Bremsklotz für die technische und kulturelle Entwicklung des Landes. (…) Das erklärt sich namentlich daraus, daß die Bürokratie nicht Trägerin eines neuen, ihr eigenen, ohne sie nicht denkbaren Wirtschaftssystems ist, sondern eine parasitäre Wucherung am Arbeiterstaat.” (Trotzki, Die UdSSR im Krieg, Trotzki, 1.2., S. 1277)

Sie war also keine neue Herrscherklasse, sondern eine bürokratische Kaste. Ohne Kapitalisten kann es keinen Kapitalismus geben. Ohne die stalinistische Bürokratie allerdings könnte die geplante Wirtschaftsgrundlage der UdSSR nicht nur überleben, sie würde sogar viel besser funktionieren. Die Beseitigung der Bürokratie war geradezu eine Voraussetzung für die Entfesselung des wahren Wirtschaftspotenzials des Arbeiterstaats.

Deshalb bezeichnete Trotzki die UdSSR als “degenerierten Arbeiterstaat”. Die Kapitalisten und ihr System waren gestürzt und die nötigen Wirtschaftsgrundlagen für einen Fortschritt zum Sozialismus gelegt: das staatliche Eigentum an Industrie und Landwirtschaft, die zentrale Planung der Produktion sowie die alleinige staatliche Kontrolle über den Außenhandel, um die russischen Kapitalisten und Kaufleute daran zu hindern, sich durch Geschäfte mit ausländischen Kapitalisten wieder Macht zu verschaffen.

Doch der Übergang zum Sozialismus war blockiert durch die stalinistische Bürokratie, die der Arbeiterklasse die politische Macht mittels massiver Unterdrückung entrissen hatte.

Ein Arbeiterstaat, der nicht unter der Leitung von ArbeiterInnen stand? Für viele ist das ein Widerspruch. Aber die Geschichte kennt viele solcher Widersprüche; jede politische Bewegung, Organisation oder Herrschaft in der Geschichte trägt einen Konflikt zwischen konkurrierenden Kräften in sich. Der wirkliche lebendige Widerspruch in der UdSSR entfaltete sich zwischen den in der russischen Revolution eingeführten proletarischen Eigentumsformen und der konterrevolutionären Bürokratie, die deren Entfaltung behinderte.

Trotzki demonstrierte dies an einem treffenden Beispiel. Er verwendet mehrfach die Analogie zwischen der UdSSR als Arbeiterstaat und einer bürokratisierten Gewerkschaft.  Die UdSSR ist für ihn eine Arbeiterstaat ungefähr dem Sinn wie die Gewerkschaften, die geführt und verraten werden von Opportunisten, d.h. Agenten des Kapitals, Arbeiterorganisationen genannt werden können. Genau wie die Gewerkschaften im Kapitalismus von klassenkollaborationistischen Bürokratenkasten geleitete Arbeiterorganisationen sind, bleibt die UdSSR ein Arbeiterstaat, in dem die Arbeiterklasse die herrschende Klasse ist, die Macht jedoch in den Händen einer reaktionären bürokratischen Kaste liegt.

„Stalins Funktion ist ebenso wie die Funktion Greens (Vorsitzender der US-amerikanischen AFL-CIO Ende der 30er Jahre; Anm. d. Redaktion) eine doppelte. Stalin dient der Bürokratie und damit auch der Weltbourgeoisie; aber kann der Bürokratie nicht dienen, ohne das soziale Fundament zu erhalten, das die Bürokratie in ihrem Interesse ausbeutet.“ (Trotzki, Weder proletarischer noch bürgerlicher Staats?, in: Trotzki, 1.2., S. 1126)

Die Frage war nicht einfach “Entweder – oder?”; die UdSSR war weder eine voll ausgebildete sozialistische Gesellschaft noch ein kapitalistischer Staat. Sie war ein Übergangsstaat zwischen Kapitalismus und Sozialismus, in dem der Übergang blockiert war; ein Arbeiterstaat, der sich in einem Prozess bürokratischer Entartung befand. Diese Entartung führte rückwärts – zum Kapitalismus.

Die Bürokratie nutzte die Theorie vom “Sozialismus in einem Land”, um ihren Frieden mit dem Welt-Imperialismus zu schließen und agierte auf Grundlage dieses Friedens zusehends als dessen Agentur in der UdSSR und in der Weltarena des Klassenkampfes. Aber noch war sie nur eine Agentur und kein Teil der Weltbourgeoisie. Sie überwachte die Degeneration, aber hatte sie noch nicht vollendet.

Zunächst hatte Trotzki für die Reform der UdSSR in der Hoffnung plädiert, dass die kommunistische Partei für den revolutionären Kommunismus zurückgewonnen und die Sowjetdemokratie wiedergestellt werden könne. Mit den Großen Säuberungen und der völligen Vernichtung der Opposition revidierte er seine Anschauung:

„Daran zu glauben, dass dieser Staat friedlich ‚absterben‘ könne, hieße, in einer Welt theoretischen Fieberwahns zu leben. Die bonapartistische Kaste muß zerschlagen werden. Der Sowjetstaat muß wiederbelebt werden. Erst dann eröffnen sich Aussichten auf das Absterben des Staates.“ (Trotzki, Bonapartistische Staatsphilosophie, Schriften 1.2., S. 1195)

Trotzki hatte den Schluss gezogen, dass eine neue Revolution notwendig sein würde, um die Stalinisten und ihre Kräfte der Unterdrückung zu schlagen. Sie wäre keine gesellschaftliche Umwälzung im Sinne der Schaffung eines neuen Gesellschaftssystems wie die Oktoberrevolution 1917. Trotzki nannte sie daher eine „politische Revolution“, weil sie die Errungenschaften der russischen Revolution und der staatlichen Planung erhalten und die politische Kontrolle durch die Arbeiterklasse wieder herstellen würde. Das wäre allerdings der einzige begrifflich bedeutsame Unterschied. Die politische Revolution wäre trotzdem eine Arbeiterrevolution.

Die Verteidigung der Sowjetunion

Trotzki kämpfte nicht nur für den revolutionären Sturz des Stalinismus, sondern auch für die Verteidigung der UdSSR. Für den Fall eines Krieges des Imperialismus gegen die Sowjetunion rief er die Arbeiterbewegung der ganzen Welt auf, der UdSSR beizustehen, weil die Imperialisten im Falle ihres Sieges die geplante und staatseigene Wirtschaft zerstückeln und verkaufen, wie sie es später in Osteuropa und Russland getan haben. Sie würden den Kapitalismus wieder einführen, mit all seinen Folgen: Massenarbeitslosigkeit, Betriebsstilllegungen, Kriminalität, Krisen usw. Trotzki hatte nicht sein Leben lang gegen den Kapitalismus gekämpft, um dann mit ihm gegen die UdSSR zu Felde zu ziehen. Seine Verteidigung der Sowjetunion war bedingungslos!

Hieß das, Stalin zu unterstützen? Nein! Er schrieb: ”Wir haben lediglich versprochen, die UdSSR als Arbeiterstaat zu verteidigen, und auch nur das, was an ihr Arbeiterstaat ist.” (Trotzki, Noch einmal zum Charakter der UdSSR, in: Schriften 1.2., S. 1304)

Stalinismus gehört genauso wenig zum Arbeiterstaat wie ein Krebsgeschwür zum Organismus. Trotzki sah ihn als gefährlichen Feind des Arbeiterstaats an, eine konterrevolutionäre Kraft, die dessen endgültiger Zerstörung den Weg bereitet.

Als Illustration, wie antistalinistische Revolutionäre die UdSSR verteidigen können, gab Trotzki ein Beispiel. Zwei Jahre vor Hitlers Überfall auf Sowjetrussland erklärte er, dass in einem solchen Fall Revolutionäre in der UdSSR:

„Stellen wir uns vor, Hitler richtet seine Waffen gegen Osten und dringt in Gebiete ein, die von der Roten Armee besetzt sind. In diesem Falle werden die Anhänger der Vierten Internationale, ohne ihre Einstellung zur Kreml-Oligarchie im geringsten zu ändern, die militärische Abwehr Hitlers zur vordringlichsten Aufgabe des Augenblicks machen. Die Arbeiter werden sagen: ‚Wir können nicht Hitler den Sturz Stalins überlassen; das ist unsere Sache‘. Während der militärischen Auseinandersetzungen mit Hitler werden die revolutionären Arbeiter sich bemühen, möglichst enge kameradschaftliche Beziehungen zu den einfachen Soldaten der Roten Armee herzustellen. Die Bolschewiki-Leninisten werden Hitler einen Schag erteilen und zugleich revolutionäre Propaganda gegen Stalin machen und so seinen Sturz als nächste, möglichst baldige Etappe vorbereiten.

Diese Art der ‚Verteidigung‘ der UdSSR wird sich natürlich himmelweit von der offiziellen Verteidigung unterscheiden, die jetzt unter der Losung ‚Fürs Vaterland! Für Stalin!‘ durchgeführt wird. Unsere Verteidigung der UdSSR wird unter der Losung ‚Für den Sozialismus, für die internationale Revolution, gegen Stalin!‘ geführt werden.” (Trotzki, Die UdSSR im Krieg, in: Schriften 1.2., S. 1294)

Entlang seiner Verteidigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Errungenschaften von 1917 sah Trotzki die Niederlage des Stalinismus als Vorbedingung zur Rückgewinnung der ArbeiterInnen der ganzen Welt für den Kampf um wahrhaften Sozialismus an. Dabei sah er die revolutionären ArbeiterInnen in allen Ländern als seine einzigen Bundesgenossen. Er gab niemals auf, gegen die Imperialisten oder ihre Agentur der Reaktion in der UdSSR, die Stalinisten, zu kämpfen.

Ohne die Machtergreifung der Arbeiterklasse würde die UdSSR nicht überleben. Es gab nur zwei historische Möglichkeiten – vorwärts zum Sozialismus oder zurück zum Kapitalismus. 1936 hatte Trotzki wohl begriffen, dass die stalinistische Bürokratie der Hauptagent für die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion war. Ihre Politik trieb die Wirtschaft in Stillstand und Verknappung; ihre Unterdrückungsmaßnahmen erzeugten Bitterkeit und Tatenlosigkeit bei den ArbeiterInnen und schließlich den Glauben, dass der Kapitalismus kaum schlimmer sein könne als dieser “Sozialismus”.

Trotzkis Vorhersage erfüllte sich, als nach 1989/90 im gesamten Ostblock die Bürokratie nichts gegen die Wiedereinführung des Kapitalismus unternahm – ja selbst Teil einer neuen Kapitalistenklasse werden wollte. Wie Trotzki vorhergesagt hatte, würde eine neue pro-kapitalistische Regierung „unter den heutigen Bürokraten, Administratoren, Technikern, Direktoren, Parteisekretären, den privilegierten Spitzen überhaupt, nicht wenige willfährige Diener“ finden. (Trotzki, Die Verratene Revolution, S. 956, Schriften.1.2.).

Er erkannte, dass “eine Säuberung des Staatsapparats”, insbesondere von den hartgesottenen stalinistischen Parteispitzen, “erforderlich“ wäre. „Doch hätte die bürgerliche Restauration wahrscheinlich weniger Leute zu entfernen als eine revolutionäre Partei.” (Trotzki, Ebenda, S. 956)

Wie recht Trotzki doch damit hatte! Unter Jelzin zogen viele altstalinistische Bürokraten wie Premierminister Tschernomyrdin ihren Vorteil aus der Rückkehr zum Kapitalismus. Auch Jelzins Privatisierungsprogramm 1992/93 hat Trotzki quasi vorausgesagt. “Die Hauptaufgabe der neuen Staatsmacht wäre jedoch, das Privateigentum an den Produktionsmitteln wiederherzustellen. (…) Obwohl die Sowjetbürokratie einer bürgerlichen Restauration gut vorgearbeitet hat, müsste das neue Regime auf dem Gebiet der Eigentumsformen und der wirtschaftlichen Methoden nicht Reformen, sondern eine soziale Umwälzung durchführen.” (Trotzki, Ebenda, S. 956/7)

Mit beträchtlichem Weitblick sah er voraus, dass es Zeit brauchen würde, den Markt zu schaffen, der die Wirkungsweisen der Wirtschaft reguliert, obwohl die Planungsinstrumente über Nacht abgeschafft werden könnten. So sagte er: “Das Planprinzip würde während einer Übergangszeit auf eine Reihe von Kompromissen hinauslaufen, die zwischen der Staatsmacht und den einzelnen ‚Genossenschaften‘, d.h. den potentiellen Eigentümern (Sowjetindustriekapitänen, ehemaligen emigrierten Besitzern und auslandischen Kapitalisten), geschlossen würden.” (Trotzki, Ebenda, S. 956/7)

Diese Worte haben auch mehr als 50 Jahre nach ihrer Niederschrift nichts von ihrer Frische verloren angesichts des in Russland nach 1991 ablaufenden Prozesses der kapitalistischen Restauration.

Hat Trotzki verloren?

Oberflächliche Kritiker meinen, dass Trotzki bei korrektem Verständnis der Geschehnisse niemals den Kampf um die Macht hätte verlieren dürfen. Diese Einsicht wäre dahingehend grob interpretierbar, dass Stalin recht behalten hätte, weil er siegreich war. Demnach hätte jeder erfolgreiche Tyrann auf Erden die Gerechtigkeit gepachtet, und die gesamte Geschichte der UdSSR und selbst die Weltrevolution könnte lediglich auf die Rivalität zwischen Persönlichkeiten zurückgeführt werden.

Sicher, Trotzki starb 1940 durch die Hand eines stalinistischen Mörders. Vielen muss dies als Zeichen erschienen sein, dass sein Kampf gegen den Verrat der russischen Revolution umsonst war. Trotzki, nicht Stalin, wurde in allen KPen der Welt als Konterrevolutionär und Verräter am Sozialismus verleumdet und geschmäht.

Aber die Geschichte ist eine strenge Richterin. Stalins gespenstisches Gebäude, gebaut auf rissigen Pfeilern und mit verlogenen Fassaden, ist eingestürzt. Die Wahrheit des Stalinismus mit seiner Verschwendung, seiner Produktion von erbärmlicher Qualität, all der Armut und all den Massenmorden ist nun ans Tageslicht gekommen. Die Ideen und die Politik Stalins sind gescheitert.

Aber der Sozialismus ist nicht gescheitert! Der große Anlauf der russischen Revolution hat bewiesen, dass es eine Alternative zum Kapitalismus gibt und dass die Arbeiterklasse eine revolutionäre Kraft ist, die mit dem richtigen programmatisch-politischen Rüstzeug die Welt verändern kann.

Die Kämpfe gegen den Kapitalismus haben nicht aufgehört, werden und können auch nicht aufhören. Denn solange Ausbeutung existiert, wird die Arbeiterklasse dagegen ankämpfen. Die Konzepte aus der Frühzeit der Sowjetrepublik, über Klassenkampf, Sowjets, Permanente Revolution, Internationalismus und demokratische Planung werden eine neue Zuhörerschaft unter den frischen Schichten von ArbeiterInnen und Jugendlichen der Welt am Beginn des 21. Jahrhunderts finden.

Diese Gedanken, die die Zukunft bestimmen werden, hielt Trotzki aufrecht. In diesem entscheidenden Sinn ist sein Sieg über Stalin vollständig und endgültig.

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