Das Leben ist schön …

Richard Brenner, November 2013

In seinem Exil in Mexiko musste Trotzki zusammen mit seiner Frau Natalja tatenlos die täglichen Berichte über Grausamkeiten und Morde des Stalin-Regimes in der UdSSR anhören. „Wir gehen im kleinen tropischen Garten von Coyoacán in Begleitung von Phantomen spazieren, deren Stirn Einschlusslöcher tragen.” (Victor Serge, Trotzki, Leben und Tod, S. 310)

Es gab viele dieser Gespenster. Tausende alter Bolschewisten, darunter viele, die als Genossen mit Trotzki im Bürgerkrieg gekämpft hatten, fielen den Säuberungen zum Opfer. Der Schatten von Stalins Verbrechen holte Trotzki und seine Genossen immer mehr ein. Ignaz Reiß, ein ehemaliger sowjetischer Geheimpolizist, war zur Vierten Internationale gestoßen. Er wurde an einer Schweizer Straße von Geschossen durchsiebt aufgefunden. In Paris wurde Rudolf Klement, einer von Trotzkis begabtesten jungen Sekretären, von Stalinisten entführt, umgebracht und in die Seine geworfen.

Für Trotzki und Natalja wurde der Schmerz fast unerträglich, als sie nach und nach ihre Kinder verloren. Ihre Tochter Sina, der die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt worden war und die nicht mehr nach Russland zurück durfte, verfiel in tiefe Depression und verübte in Berlin Selbstmord.

Ihr Sohn Leo Sedow, ein führender Kämpfer der Vierten Internationale, der eine scharfe Anklage über die Moskauer Schauprozesse geschrieben hatte, wurde von einem stalinistischen Agenten verraten, dem er vertraut hatte; er starb im Krankenhaus unter seltsamen Umständen. Selbst Trotzkis Sohn Sergej, ein sowjetischer Ingenieur ohne Interesse an Politik, wurde eines versuchten Anschlags auf Arbeiter seines Betriebes beschuldigt. Er verschwand und man hörte nie wieder etwas von ihm.

Angesichts solcher seelischen Qualen ist kaum vorstellbar, wie jemand das durchstehen kann. Doch in diesen Jahren vollendete Trotzki das seiner Meinung nach wichtigste Werk seines Lebens. Er allein von allen russischen Revolutionsführern legte den Grundstein für eine neue Internationale. Er allein bewahrte das Erbe des Bolschewismus und entwickelte den revolutionären Marxismus als Anleitung zum Handeln für künftige Geschlechter fort.

Aber das war nicht alles. Selbst als Führer der Roten Armee im Bürgerkrieg hatte er in seinem gepanzerten Zug Zeit und Energie erübrigt, französische Literatur zu studieren. Er bewahrte sich zeitlebens ein ernsthaftes und gut unterrichtetes Interesse an einer ganzen Palette von Themen. Jedes neue Klassenkampfgeschehen regte ihn zu ausgiebigen Studien an: über verschiedene Länder, Wirtschaftsdaten, Berichte über die politische Lage, die Geschichte der Arbeiterbewegung auf der ganzen Erde. Trotzkis Geist arbeitete sich vom Besonderen zum Allgemeinen vor, wenn er sich in philosophische und ethische Debatten seiner Zeit einschaltete und die Ideen der bürgerlich-liberalen Intelligenz einer marxistischen Kritik unterzog.

Sein Interesse beschränkte sich nicht auf Politik. Die bahnbrechenden Entdeckungen von Freud über die Natur des Unterbewusstseins beeindruckten und faszinierten ihn. Zusammen mit Pionieren der surrealistischen Bewegung wie dem französischen Künstler André Breton verfasste Trotzki das Manifest „Für eine unabhängige revolutionäre Kunst“ (in: Trotzki, Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 503-510).

Gleichzeitig war ihm kein Problem der Bewegung zu gering und wertlos, als dass es nicht Trotzkis Aufmerksamkeit und Rat gefunden hätte. Seine Schriften enthalten unzählige Briefe an Freunde und GenossInnen mit Ratschlägen zu Tageskämpfen, Gewerkschaftsangelegenheiten, parteiorganisatorischen Problemen, finanziellen und redaktionellen Vorgängen.

Ein Trotzki-Biograf hat ihn als Beispiel für den „universellen Menschen“ beschrieben, als Menschen, der seine Arbeit allen Bereichen widmete, der sich anschickte, auf möglichst vielen Wissensgebieten Fachmann zu werden, und der vor nichts Halt machte, sich voll in alles einzubringen, was dem menschlichen Streben möglich schien.

Diese Beschreibung trifft auf Mensch und Werk zu, denn Trotzki verschrieb sich mit Leib und Seele der Wissenschaft, dem Fortschritt und den unausgeschöpften Möglichkeiten der Menschheit, der stetigen Ausweitung von Wissen und Kultur.

Heute wird dieses Vorbild als veraltet angesehen; der Glaube an Wissenschaft und Fortschritt wird den überholten Idealen des 19. Jahrhunderts zugerechnet. Die Hohepriester der Postmoderne lehren ihre StudentInnen an den Universitäten der ganzen Welt, dass alle „großen Entwürfe“, alle Denksysteme mit dem Anspruch, die Welt verstehen, erklären oder gar verändern zu wollen, nichts als Illusionen der Vergangenheit wären. Der bloße Gedanke an den „allseits gebildeten Menschen“ mit dem Glauben an den Fortschritt der Menschheit erscheint in diesem Licht altmodisch oder wunderlich.

Doch dass Trotzki und seiner Weltanschauung ein solcher Vorwurf überhaupt gemacht werden kann, verrät uns eine bestürzende Tatsache über die Zeit, in der wir jetzt leben. Theorien können heute anscheinend schon deswegen abgelehnt werden, weil sie es wagen, eine Erklärung anzubieten für den Fortgang der Geschichte und die Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung. Daher haben die bürgerlichen „Denker“ des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts keine eigene Theorie. Ihre ökonomischen Heilslehren haben Massenarbeitslosigkeit, sinkenden Lebensstandard und immer schrecklichere Schocks für die Wirtschaften der „Dritten Welt“ verursacht; ihre nationalistischen Ideologien haben eine blutige Abwärtsspirale von Völkermord, ethnischer Säuberung und Barbarei in Gang gesetzt. Im Angesicht des Untergangs ihrer eigenen Theorien hat die Kapitalistenklasse samt ihrer angeheuerten Intellektuellen schon allein den Gedanken an Theorie verteufelt.

Dass der Gedanke von Fortschritt und Menschheitsentwicklung unter Beschuss geraten ist, stellt das größtmögliche Eingeständnis der intellektuellen und moralischen Verkommenheit der kapitalistischen Gesellschaft dar. Der herrschenden Klasse fehlt das Vertrauen in die Zukunft der Menschheit, weil sie ihr keine Zukunft bieten kann. Das Ende des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet von der Erschöpfung bürgerlichen Gedankenguts, vom Todeskampf der bürgerlichen Ideologie.

In der größten siegreichen Revolution der Geschichte an die Macht gelangt, an der Spitze einer mächtigen Internationale, gebildet von Parteien mit millionenfachem Zulauf, musste Lenin und Trotzki das 20. Jahrhundert als geprägt von revolutionären Siegen und vom Sozialismus erscheinen.

Wie bitter waren dann die Niederlagen und Rückzüge der Arbeiterbewegung im Sog der Isolation der russischen Revolution. Aber Trotzkis Vision und Glaube an die Menschheit gab ihm eine Motivation jenseits von persönlicher Macht und Berühmtheit.

Um die Mitternacht des Jahrhunderts, als die Versprechen des damaligen revolutionären Sieges fast zu Staub zerfielen, verzweifelte Trotzki nicht. Er kämpfte weiter, bahnte den Weg auch bei schwierigsten Wendungen, gab nie auf, überlegte den nächsten Schritt, suchte die nächste Erschütterung der internationalen Lage, die nächste Gelegenheit zum revolutionären Fortschritt.

Er arbeitete die Lehren jeder Niederlage auf, suchte die Arbeiterklasse auf die kommenden Kämpfe vorzubereiten, führte Krieg gegen die Korruption, den Zynismus und die falschen Führer der Arbeiterklasse, ermutigte die Arbeiter zu mehr Selbstvertrauen, Kampfgeist und Glaube an die eigene Zielsetzung. In jenen schweren Jahren konnte sich kein anderer Parteigänger der Arbeiterklasse mit seiner Leistung messen.

Doch er wurde durch feigen Mord niedergestreckt. Am 19. August 1940 erwachte Trotzki mit außergewöhnlichem Wohlgefühl. Er schrieb einige Briefe, unternahm einen kurzen Spaziergang im Garten und kehrte dann zu seiner dringlichsten Arbeit, einem Artikel über den Krieg, zurück. Am späten Nachmittag empfing er einen Besucher, den Freund einer Sekretärin, der ihm angeblich einen Artikel zur Begutachtung vorlegen wollte. Trotzki bemerkte an diesem Mann ein scheinbares Unwohlsein und bat ihn in sein Arbeitszimmer.

Die wahre Identität dieses Mannes entpuppte sich als Ramon Mercader, eines Agenten im Sold der Stalinschen Geheimpolizei. Als Trotzki sich an den Schreibtisch setzte, um den Artikel zu lesen, holte Mercader einen Eispickel aus seiner Manteltasche und schlug ihn Trotzki über den Schädel. Trotzki entfuhr ein lauter Schrei, er schlug zurück und warf schwere Gegenstände von seinem Tisch nach dem Mörder. Schließlich bekam er ihn zu fassen und versuchte, ihn zu Boden zu ringen. Nachdem die Wachen hereingekommen waren und der Angreifer dingfest gemacht werden konnte, wurde Trotzki ins Krankenhaus gebracht. Natalja blieb an seiner Seite. Dort sagt er seinem Sekretär Joseph Hanson noch: „ich glaube an den Sieg der IV. Internationale.” (Broué, Trotzki, S. 1118)

Er verlor das Bewusstsein und erlag noch in der Nacht seinen schweren Verletzungen. Trotzkis zuversichtliche Vorhersage über den Erfolg der IV. Internationale traf nicht ein. Obgleich sie im 2. Weltkrieg tapfer gegen den Strom schwamm, begann nach dem Krieg für den Kapitalismus in den imperialistischen Kernländern unter Dominanz der USA eine lange Periode relativer Stabilität und größeren Wirtschaftswachstums.

Die Konkurrenz unter den imperialistischen Mächten wurde angesichts der neuen „sowjetischen Bedrohung“ hintangestellt, da die UdSSR ihr System und ihren politischen Einfluss auf Osteuropa ausdehnen konnte und der Stalinismus auch in China triumphierte.

Diese Entwicklungen waren von den RevolutionärInnen der Vierten Internationale nicht erwartet worden; sie ließen sich auch bald davon irreleiten. Da sie an den Perspektiven des Übergangsprogramms festhielten, statt sich auf die veränderten Umstände einzustellen, degenerierte die Vierte in den Nachkriegsjahren, um 1953 endgültig auseinander zu brechen.

In Erwartung eines neuen revolutionären Ansturms hielt die Vierte Internationale weiter an jenen nicht eingetroffenen Einschätzungen Trotzkis fest und verließ stattdessen den Boden seiner für das Programm letztendlich ausschlaggebenden revolutionären Methode. Als die Jugoslawische Kommunistische Partei und ihr bürokratischer Führer Tito 1948 mit Stalin nach einem dem Wesen nach nationalistischen Streit brachen, erklärten die jungen Führer der Vierten Internationale Tito zum Antistalinisten. Sie meinten, der Aufbau einer revolutionären Partei in Jugoslawien sei nicht mehr erforderlich. Stattdessen setzte die Vierte Internationale ihre Hoffnung auf einen automatischen Linksruck der stalinistischen Partei unter dem Druck der Massen. Das war ein klarer Bruch mit dem methodischen Vermächtnis Trotzkis. Dieser Fehler markiert auch die entscheidende Abkehr der Vierten Internationale vom Programm des revolutionären Marxismus. 1951 wurde diese „Wende“ vom Weltkongress der IV. Internationale gebilligt.

Dieser politischen Degeneration folgte innerhalb von zwei Jahren der organisatorische Zusammenbruch. 1953 spaltete sich die Internationale in zwei rivalisierende Hälften, aber beide hielten sich an die neue zentristische Linie. Viele weitere Spaltungen folgten diesem ersten Bruch. Die Splitter der IV. Internationale hielten zunehmend Ausschau nach anderen Kräften innerhalb von Stalinismus und Sozialdemokratie als Träger der revolutionären Aufgaben, die jedoch nur die Arbeiterklasse selbst lösen kann.

Sie vergruben sich tief in sozialdemokratischen oder stalinistischen Parteien (indem sie die Entrismus-Taktik zur Strategie ummodelten), verbargen das revolutionäre Programm und vertrauten auf den „historischen Prozess“, der die reformistischen Arbeitermassenparteien zu revolutionären Konsequenzen zwingen würde.

Sie passten sich je nach Lage dem Stalinismus, der Sozialdemokratie oder dem Nationalismus antikolonialer Bewegungen an. Sie entkernten den Trotzkismus seines revolutionären Inhalts. Von Trotzkis Kampf für die Permanente Revolution blieb nur noch der Name übrig. Revolutionäre Gelegenheiten wurden verpasst, die Avantgardeparteien wurden nicht aufgebaut.

Aber die Ankunft des neuen Jahrhunderts hat den langen Jahren des Kalten Krieges und seiner alten Weltordnung ein abruptes Ende gesetzt. Lange vorausgesagt von Trotzki, hat die stalinistische Bürokratie schließlich die UdSSR und die degenerierten Arbeiterstaaten Osteuropas ruiniert. Angesichts der Unfähigkeit der Bürokratie, die Gesellschaft aus der Stagnation zu führen, gingen die Massen auf die Straße und brachten das ganze Gebäude aus stalinistischer Partei- und Polizeidiktatur zum Einsturz. Aber 1989 hatten die Überreste der Vierten Internationale längst aufgehört, eine revolutionäre Kraft zu sein.

Das Programm des Trotzkismus war der arbeitenden Bevölkerung, die Jahrzehnte der Unterdrückung im Namen des „Sozialismus“ durchlitten hatte, unbekannt. Sie wandten sich an die Kräfte der kapitalistischen Demokratie als Retter.

Der „Sieg“ des Imperialismus im Kalten Krieg erwies sich jedoch schnell als Sackgasse. Nach den anfänglichen betrunkenen Siegesfeiern hat sich bei der Bourgeoisie Katerstimmung breit gemacht. Wenig Vertrauen ist zurückgeblieben in die herrschenden Kreise von Washington, Tokio, London, Paris und Berlin.

Im Osten entdecken die ArbeiterInnen allmählich wieder die „Vorzüge“ des Marktes – Massenarbeitslosigkeit, Zerschlagung der Sozialsysteme, Kriminalität, Korruption, Ausbeutung und Krieg. In der halbkolonialen Welt wird die Wut der unterworfenen Nationalitäten angestachelt, wenn die imperialistischen Mächte ihnen „Friedensabkommen“ verkaufen wollen, die ihre bedingungslose Kapitulation ohne erwähnenswerte Gegenleistung fordern.

Und in den entwickelten kapitalistischen Staaten hat uns das System Minicomputer und Raumfahrt beschert, aber es kann Millionen ArbeiterInnen nicht einmal den Mindestlebensstandard gewährleisten. Anstelle eines Anteils am Produkt von ganzen Arbeitergenerationen werden den Lohnabhängigen in Europa, Japan und USA nur Kürzungen im Sozialwesen, weniger Krankenhäuser, Schulen und Sozialunterstützung, Massenentlassungen und Unsicherheit zugemutet.

In einer Welt, wo 250 Reiche mehr als das Gesamtvermögen der Hälfte aller Nationen besitzen, ist das Bedürfnis nach einem sozialistischen System der Planwirtschaft und gleicher Verteilung niemals größer gewesen. Der Marxismus bleibt die einzige wissenschaftliche Theorie davon, wie dies erreicht werden kann – niemand hat jemals eine Alternative dazu erarbeitet.

Nur eine Theorie hat den Marxismus in revolutionärer Weise auf die heutigen Verhältnisse angewendet. Gegnern wie Anhängern ist sie unter einem Namen bekannt: Trotzkismus.

Die Arbeiterklasse und insbesondere die Jugend haben keinen Anlass, den Ideologen der Kapitalisten in Zweifel und Verzweiflung zu folgen. Für uns sind die Auffassung von der Ausschöpfung menschlichen Potenzials, das Verständnis unserer Geschichte und unseres Planeten und das Streben, sie zu verändern, keine Wahnvorstellungen, die der fernen Vergangenheit angehören, sondern Erfordernisse der Zukunft, große Ziele, ohne die wir unser Leben nicht aufrecht und erfüllt gestalten können.

Wenn die schwerwiegendste Anklage gegen den Trotzkismus heute lautet, dass er an die Zukunft glaubt, so kann er sich mit Stolz schuldig bekennen.

1901 schrieb der junge Trotzki einen kurzen Text Stück über den Optimismus und das 20. Jahrhundert. Viele hatten gehofft, dass mit dem neuen Jahrhundert eine Morgenröte von Frieden und Liebe heraufziehen würde. Stattdessen brachte es „Hass und Mord, Hungersnot und Blut“. Aber das erschütterte Trotzkis revolutionären Optimismus keineswegs:

„- Nieder mit der Utopie! Nieder mit dem Glauben! Nieder mit der Liebe! Nieder mit der Hoffnung!  donnert das 20. Jahrhundert inmitten der Gewehr- und Kanonensalven.

– Ergib dich, du sentimentaler Träumer. Hier bin ich, dein lang erwartetes 20. Jahrhundert, deine ‚Zukunft‘.

– Nein, erwidert der ungebeugte Optimist: Du – du bist nur die Gegenwart.” (Trotzki, Über Optimismus und Pessimismus, in: Trotzki, Denkzettel, Frankfurt/Main 1981, S. 44)

Bis zum Tod und trotz aller Schicksalsschläge, die er hatte hinnehmen müssen, bewahrte sich Trotzki diesen unverrückbaren Glauben an die Zukunft. Er schrieb die folgenden Zeilen als sein Vermächtnis:

„In den 43 Jahre meines bewussten Lebens bin ich Revolutionär geblieben; davon habe ich 42 Jahre unter dem Banner des Marxismus gekämpft. Wenn ich alles nochmals zu tun hätte, würde ich natürlich versuchen, diesen oder jeden Fehler zu vermeiden, aber die wesentliche Bahn meines Lebens bliebe unverändert. Ich sterbe als proletarischer Revolutionär, als Marxist, als dialektischer Materialist und – folglich – als unversöhnlicher Atheist. Mein Glaube an die kommunistische Zukunft der Menschheit hat an Glut nichts eingebüßt, – in Wahrheit ist es heute zuversichtlicher als in den Tagen meiner Jugend.

Natascha kommt gerade aus dem Hof ans Fenster und hat es weiter aufgemacht, damit die Luft freier in mein Zimmer strömen kann. Ich sehe den breiten Streifen Grün unter der Mauer, den klaren, blauen Himmel darüber und das Sonnenlicht überall. Das Leben ist schön. Mögen  es die kommenden Generationen von allem Übel, aller Unterdrückung, aller Gewalt befreien und es in vollem Maße genießen.” (Trotzki, Testament, in: Denkzettel, S. 418)

image_pdfimage_print

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 20 = 30

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.