Austreibung Trotzkis

Hanns Graaf, November 2013

I

Was noch

Gilt der Ausgewiesne, der

Prophet dem weitren

Russland?

Postenwechsel an der

Frostverworfnen

Strecke. Unterm

Schnee stockt das

Oktoberlaub.

An der Böschung

Wachsen Reste von

Konserven. Drum

Schmarotzer raufen sich:

Die Krähen. Im Dickicht

Schnürt abseits der

Rotfuchs.

Um nicht

Einzufrieren,

Dampft die Rostlok

Hin und her

Auf totem

Gleis.

Frostzerknirschte

Wachen draußen. Drinnen

Lew, mit Grippe, spielt alleine

Schach.

Moskau bringt sich um

Die Türme. Bauernopfer.

Winkelzüge, die

Rochaden.

Draußen

Donnert es: Mein

Panzerzug!

Ihm glüht der

Kopf. Kein Wasser? Ist auch das

Versiegt.

Und ich, in dem

Verdammten Zuge,

Ich bin nicht am

Zug!

II

An den Rand getrieben

Triffst Du mich,

Odessa,

Wieder.

Meine Schule.

Klassen, die ich

Durchging. Zirkelarbeit,

Das Theater. Einem

Zuckt die illegale

Hand zum Gruß.

ILJITSCH liegt

Vertäut. Da tönt die

Pfeife. Stalin lässt

Abdampfen. Abfuhr ins

Schwarzmeer

Vergessen.

Kalte Krim.

Erblasste Küste. Brüder,

Unser Land treibt

Ab.

Verschollne

Wogen. Hinter uns die

Rinne, wie sie

Zufriert!

Doch,

Wo immer ich

Hinfahre, fahre ich

Fort.

Anmerkung:

Im Januar 1929 wurde Leo Trotzki von Stalin des Landes verwiesen. Während man überlegte, wie seine Vertreibung ohne Aufsehen erfolgen könnte, wartete der Zug, der Trotzki nach Odessa brachte, auf der abgelegenen Station Rjaschk. Von Odessa, wo Trotzki seine Jugend verlebte, wurde er mit dem Dampfer ILJITSCH in die Türkei gebracht. Vgl. Trotzkis Autobiographie „Mein Leben“.

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