Tausende gegen Pegida-Ableger – Auch Freiburg kann demonstrieren

Irene Zelano, Neue Internationale 196, Februar 2016

15-20.000 Menschen gingen am 23. Januar gegen Pegida auf die Straße – trotz schlechten Wetters! Zwar wurden während der Demo kaum Parolen gerufen und meist nur nett mit den Nachbarn geschnackt, doch es war ohne Frage ein Erfolg. Finden sich doch bei Demos in Freiburg sonst eher bei Sonnenschein im Sommer mehr Demonstranten als die üblichen Verdächtigen der autonomen und linken Szene zusammen, schaffte es das Pegida-Thema diesmal trotz Nieselregens bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, die Leute zu motivieren, einen kleinen Massenspaziergang durch Freiburgs schöne Innenstadt zu machen.

Trotz großer Bemühungen und Ablaufens der gesamten Demo, war es nicht möglich, einen klaren Block oder gar Parolen zu identifizieren. An der Spitze der Demo angelangt, erstaunte die Tatsache, dass es kein Fronttransparent und auch hier nur MittelschichtsbürgerInnen in loser Formation gab, welche sofort ihr Geplauder einstellten und in andächtiges Lauschen verfielen, als es aus dem Lautsprecher hieß: „Hier spricht die Polizei.“

Da verwundert es nicht, dass die wenigen Reden u.a. vom Oberbürgermeister und vom Unidirektor gehalten wurden. Diese lobten auch umso mehr, wie viele internationale Studierende und MitarbeiterInnen aus über 100 Nationen an der Uni vertreten sind.

Ein sehr guter und berechtigter Beitrag kam von einem Islamismusforscher der Uni, welcher auch in den Anti-Abschiebe-Bündnissen aktiv ist – aber nicht für diese sprach (wie auch sonst keine Beiträge von politischen Gruppen oder Parteien gehalten wurden). Er lobte zwar, dass sich so viele Menschen aufrafften, um ein Zeichen gegen Pegida zu setzen, dass aber dieser Widerstand auch ein Echo im Vorgehen gegen Alltagsrassismus finden müsse, bei Abschiebungen und struktureller Ausgrenzung und Diskriminierung!

Zweifellos war die „BürgerInnendemo“ in Freiburg politisch schwach. Aber es war auch die größte Demonstration in der Stadt seit langer Zeit. Daher wäre es unbedingt notwendig gewesen, dass die Freiburger Linke mit einer eigenen politischen, anti-rassistischen und anti-kapitalistischen Stoßrichtung in Erscheinung tritt. Doch weit gefehlt. Statt mit 15-20.000 Menschen gegen Pegida zu demonstrieren, zogen es die meisten „Linksradikalen“ vor, zeitgleich ihre eigene Veranstaltung frei nach dem Motto „Klein, aber mein“ zu organisieren. Nur die Linkspartei hatte eigene Fahnen und einen kleinen Block.

Das selbstgefällige Sektierertum der „radikalen Linken“ ist leider typisch für die „Szene“ dieser Stadt. Die meisten wollen unter sich bleiben, statt um politischen Einfluss unter den Massen zu kämpfen und sich unter den linkeren, anti-rassistischen, klassenkämpferischen oder gar sozialistisch ausgerichteten Teilen der DemonstrantInnen bekannt zu machen. Dem Kampf gegen Rassismus und Faschismus erweisen sie damit keinen Dienst.

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