Heile Welt – NI 179

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HaHo, Neue Internationale 179, Mai 2013

Uli Hoeneß ist ein Präsident mit Herz. Er sieht nicht nur seine Kicker ins Abseits rennen –  nein, er hat sich nun selbst dorthin begeben.

Und mit seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung hat er quasi auch selber die Abseitsfahne gehoben. Darin zeigt sich der Uli erneut als ehrlicher, als großer Moralist, der auf Werte wert legt.

Leider hat er seine eigenen materiellen Werte nicht ganz korrekt angelegt. Statt dem Fiskus was abzugeben, hat sie der blau-weiße Bayer auf einem schwarzen Konto geparkt.

Doch wir sollten ihm vergeben, ihm, der so viel verdient – äh, Verdienste hat! Bei so vielen Millionen kann man schon Mal den Überblick verlieren, oder? Ganz anders als etwa die Kaisers-Kassiererin Emely, die wegen eines viele viele Cent schweren Pfandbons ihren Job verlor. Hier wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen: die Großen fängt man, um sie dann laufen zu lassen; die Kleinen müssen gar nicht mehr laufen, weil sie gleich fliegen.

Normalerweise müsste der arme Uli nun in eine Gefängniszelle, um dort auch eine ganz neue Bedeutung des Wortes „Strafraum“ kennenzulernen.

Doch wahrscheinlich gilt er wie die Banken als „systemrelevant“. Ja, der Uli hat Glück, denn im Fußball gibt es nur eine Auswechsel- und keine Strafbank wie beim Eishockey. So wird er wohl glimpflich davon kommen – zudem die deutsche Justiz momentan genug mit Verschiebung, nämlich der des NSU-Prozesses, zu tun hat.

Anlass dafür war ja, dass türkische Medien keinen Platz im Gerichtssaal bekommen hatten. Doch wen wundert´s? Ist der deutsche Staat doch bekanntlich auf dem rechten Auge blind, so dass man gar keinen genauen Überblick über die Bestuhlung im Saal haben kann.

Es ist eben eine Klassenjustiz, würde jetzt Uli frohlocken, eine Justiz für die höchste Spielklasse – sozusagen Champions League.

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